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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Sonntag, 20. November 2011

5.19. Die Länder mit ihren Gottheiten (3)

1. Der erleuchtete Suka sprach: Im Lande Kimpurusa verehrt der überaus glückliche Hanuman gemeinsam mit den dortigen Bewohnern den höchsten Herrn, die ursprüngliche Person, in der Gestalt Ramas, des älteren Bruders von Laksmana und geliebten Gatten Sitas. In stetiger liebender Hingabe ist er voller Freude versunken in die Betrachtung der Lotosfüße des Glücklichen.

2. Zusammen mit Arstisena (dem Herrscher von Kimpurusa) hört Hanuman hingegeben den höchst glückverheißenden Gesängen der Gandharvas zu, mit denen sie ihren Herrn, den Glücklichen, preisen. Er selbst rezitiert das folgende Gebet:

3. OM. Ehre sei dem Glücklichen, der würdig ist, in den schönsten Versen gepriesen zu werden! Ehre sei ihm, in dem alle guten Eigenschaften einer großen Seele zu finden sind! Ehre sei ihm, der seine Sinne beherrscht und der verehrt wird in allen Welten! Ehre sei ihm, dem Prüfstein für die Worte der Heiligen! Ehre sei ihm, der von den Brahmanen verherrlicht wird, der höchsten Person, dem höchsten König! Ehre sei ihm!

4. Er ist der Reine, der sich offenbart als der alleinige Eine in seiner eigenen Herrlichkeit, der die Herrschaft der Gunas überwunden hat. Er ist der Absolute, Unbewegte, der nur erfahren werden kann in einem reinen Herzen. Er ist fürwahr ohne Name und Form und ohne ein Ich. Ihm gebe ich mich hin.

5. Dennoch inkarnierte er als ein Mensch in dieser Welt, um die sterblichen Wesen zu lehren und den Dämonen Ravana zu töten. Warum sonst hätte der Eine, der Höchste, der Sich Selbst Genießende, das Selbst, der Herr, all den Kummer um Sita auf sich genommen?

6. Er, das Selbst, der beste Freund seiner Verehrer, der nicht an irgend etwas in den drei Welten gebunden ist, der Glückliche, der Sohn Vasudevas, litt nicht wirklich Kummer um seine Frau, aber es wäre nicht recht gewesen, sie und (seinen jüngeren Bruder) Laksmana aufzugeben.

7. Es sind wahrlich weder eine hohe Geburt noch großer Reichtum noch Redegewandtheit noch Intelligenz noch eine eindrucksvolle Erscheinung, die dem Höchsten gefallen. Obwohl wir alle diese Eigenschaften nicht haben, nahm - o Wunder! - Rama, der ältere Bruder Laksmanas, uns Waldbewohner als seine Freunde an.

8. Daher sollte man, ob als Gott oder Dämon, als Mensch oder Tier von ganzem Herzen den hochgelobten Rama verehren, dessen Gnade leicht zu gewinnen ist. In ihm erschien der Herr in menschlicher Gestalt und führte alle Bewohner des nördlichen Landes Kosala zurück in das himmlische Reich.

9. Auch im Lande Bharata (Indien) ist der Glückliche zugegegen. Bis zum Ende dieses Weltalters praktiziert er, dessen Wege unvorstellbar sind, hier in seiner Gestalt als Nara-Narayana aus Mitgefühl Askese. In seiner Gnade für alle Wesen fördert er so die Rechtschaffenheit, die Weisheit, die Entsagung, den geistigen Reichtum, die Beherrschung der Sinne, die Freiheit vom Ich-Sinn und die Erkenntnis.

10. Ihm dient in überaus großer liebender Hingabe der glückliche Narada gemeinsam mit den Menschen aller Stände und Lebensordnungen, die das Land Bharata bewohnen. Er unterwies den Manu Savarni in dem vom Glücklichen selbst offenbarten Sankhya System, dem Yoga, der den Weg zur Erfahrung des Glücklichen beschreibt. Narada singt das folgende Gebet:

11. OM. Ehre sei dem Glücklichen, ihm, der die Sinne beherrscht, der keine Anhänglichkeit an die Welt der Erscheinungen hat! Ehre sei ihm, dem wahren Besitz der Besitzlosen, dem höchsten unter den Weisen, Nara-Narayana, dem höchsten Lehrer aller, die der Welt entsagen, dem Meister derer, die das Selbst verwirklichen! Ehre, Ehre sei ihm!

12. Weiterhin singt er: Ihm, dem Schöpfer, Erhalter und Auflöser dieser Welt, der selbst nicht an sie gebunden ist und nicht körperlichen Bedingungen unterworfen, obgleich er körperlich erscheint; ihm, dem Seher, dessen Sicht nicht getrübt ist durch die gunas (natürlichen Eigenschaften); ihm sei Ehre, dem unverhafteten, neutralen Zeugen!

13. Daher ist es das Ziel des Lebens, die Identifikation mit dem Körper aufzugeben und das Gemüt in liebender Hingabe dir überlassen, der du jenseits der natürlichen Eigenschaften bist. Dies hat der glückliche Brahma, der Schöpfer, mir als die Meisterschaft des Yoga dargelegt, o höchster Herr.

14. Jemand, der sehr stark den Begierden verhaftet ist, ängstigt sich beim Gedanken an Gegenwart und Zukunft seiner Kinder, seiner Frau und seines Vermögens. Der Wissende jedoch ist sich darüber klar, dass die Sorge um den Verlust dieses Körpers voller Unrat nur unnütze Mühe ist.

15. O transzendenter Höchster, geblendet durch deine Maya sind wir gebunden an die Vorstellung von Ich und Mein und damit an den Körper voller Unrat. Bitte lass uns diese Vorstellung bald aufgeben, welche so schwer zu überwinden ist, und durch liebende Hingabe an dich im Yoga unsere wahre Natur erkennen, o Herr!

16. Auch im Lande Bharata gibt es viele Flüsse und Berge. (Es folgt eine Aufzählung von Namen der Berge.) Noch viele Hunderttausende anderer Berge gibt es, an deren Hängen unzählige große und kleine Flüsse entspringen.

17. –18. Alle diese Flüsse im Lande Bharata (Indien) reinigen den Geist der Bewohner, wenn sie ihre Namen nennen oder ihr Wasser berühren. Die großen Ströme heißen: (Es folgt eine Liste von Namen).

19. In diesem Lande wird man entsprechend seiner früheren Taten, die man im Modus der Gutheit, der Leidenschaft oder der Trägheit vollbracht hat, geboren als Himmelsbewohner, als Mensch oder als Höllenbewohner. Es gibt viele Wege, welche eine Seele in den verschiedenen Kasten und Lebensordnungen nehmen kann. Den Weg der Befreiung zu gehen ist in allen von ihnen möglich.

20. Durch Gemeinschaft mit Menschen, welche die höchste Person verehren, wird der Knoten der Unwissenheit zerschnitten, der sich im Laufe vieler Leben gebildet hat, und es erwächst absichtslose liebende Hingabe an den Glücklichen, das Selbst aller lebenden Wesen, den Bindungslosen, Unabhängigen, der jenseits von Wort und Gedanke ist, das All-Selbst, den Sohn Vasudevas.

21. Fürwahr, dieses ist es, was die himmlischen Wesen singen:
O, diese (Bewohner Bharatas) müssen glückbringenden Taten vollbracht oder dem höchsten Herrn persönlich gefallen haben, so dass sie Geburt erlangten als Menschen im Lande Bharata! Wahrlich, wir (Himmelsbewohner) wünschen uns ein solches Leben, in dem wir die Möglichkeit haben, dem Herrn der Befreiung zu dienen.

22. Durch sehr schwierige Opfer, Askese, Gelübde, Mildtätigkeit und Ähnliches haben wir das Himmelreich erlangt. Doch welchen Wert hat dieses, wenn wir hier durch übermäßigen Sinnengenuss die Erinnerung an die Lotosfüße des höchsten Herrn verlieren?

23. Ein Erdenleben im Lande Bharata, wenngleich es nur hundert Jahre dauert, ist segensreicher als ein Leben von der Dauer eines Weltalters im Himmel, auf das erneut Tod und Geburt folgt; denn einem solchen kurzen Leben haben verständige Menschen die Möglichkeit, die Wohnstätte des Herrn zu erreichen, wo es keine Furcht gibt, indem sie den Aktivitäten des sterblichen Körpers entsagen.

24. Verständigen Menschen liegt nicht an einem Aufenthalt in einer Himmelswelt, wo der Nektar der Erzählungen über den Herrn von Vaikuntha (Krishna) nicht fließt, wo keine Verehrer des Glücklichen wohnen und wo keine Opferfeiern für den Höchsten gehalten werden.

25. Wer aber eine menschliche Geburt im Lande Bharata erlangt hat mit all dem Wissen, den Möglichkeiten und den Gütern, die ein solches Leben bietet, und dennoch nicht nach der Befreiung von Geburt und Tod strebt, der ist wie ein freigelassener Vogel, der wieder gefangen wird.

26. Die Bewohner von Bharata nennen den Einen Höchsten mit vielen verschiedenen Namen und bringen mit Vertrauen auf Erfüllung ihrer Wünsche diesen Gottheiten an verschiedenen Orten Rituale und Opfer dar mit vorgeschriebenen Mantren und Gaben. Der Höchste, von sich selbst Erfüllte, nimmt diese mit Freude entgegen, denn er selbst ist der Spender aller Gaben.

27. Der Herr gewährt den Menschen wahrlich das, worum sie zu ihm beten. Jedoch erfüllt er ihre Bitten nicht in der Weise, dass sie ihn immer wieder bitten müssen. Jenen, die ihn in liebender Hingabe verehren, gibt er von sich aus, ohne dass sie es wünschen, das, was allem Wünschen ein Ende setzt: seine eigenen Lotosfüße.

28. Wenn nach unserem Leben in himmlischem Glück noch etwas übrig ist von unseren Verdiensten, die wir durch rechte Opfer, rechtes Studium der Veden und gute Taten erworben haben, dann möchten wir im Lande Bharata geboren werden, wo wir uns der Lotosfüße des Herrn erinnern können, in dem Lande, wo der Herr selbst gegenwärtig ist und das Glück derer vermehrt, die ihn in Liebe verehren.

29. –30. Der erleuchtete Suka sprach: O König, der Kontinent Jambudvipa (in dem das Land Bharata liegt) ist umgeben von acht kleineren Inseln. Manche Gelehrte sagen, diese entstanden, als die Söhne des Königs Sagara auf der Suche nach ihrem verlorenen Pferd die Erde rund um unseren Kontinent aufgruben. Ihre Namen sind: Svarnaprastha, Candrasukla, Avatarna, Ramanaka, Mandara-harina, Pancajanya, Simhala und Lanka.

31. O Bester unter den Nachkommen Bharatas (König Parikchit), nun habe ich dir die Einteilung des Kontinents Jambudvipa beschrieben, so wie sie von den Weisen gelehrt wird.

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