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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Samstag, 19. November 2011

5.17. Die Flüsse und die Länder mit ihren Gottheiten (1)

1. Der erleuchtete Suka sprach: Als der Glückliche, Vishnu, der Genießer aller Opfer, höchstpersönlich (in seiner Inkarnation als Vamana, 2.7.17) den zweiten Schritt (bis an die Grenze des Universums) tat, durchbohrte er mit dem Nagel seiner linken großen Zehe die äußerste Hülle des Universums. Durch die Öffnung strömte Wasser von außerhalb des Universums ein, und indem es den rötlichen Staub von den Lotosfüßen des Herrn abwusch, nahm es selbst eine solche Färbung an. Die Berührung mit diesem Wasser wäscht die Sünden der ganzen Welt ab, und doch bleibt es ganz und gar rein. Da es direkt von den Füßen des Glücklichen herabfließt, wird es „Bhagavatpadi“ (Füße des Glücklichen) genannt. Nach einer sehr langen Zeit - eintausend Yugas – gelangte das Wasser vom Himmel auf die Spitze des Erdkreises (den Polarstern). Daher wird dieser „Vishnupada“ (Füße Vishnus) genannt.

2. Der Polarstern ist die Wohnstätte des Sohnes Uttanapadas (Dhruva, vgl. Kapitel 4.8), des für seine feste Entschlossenheit berühmten Verehrers des Glücklichen. Dort strömt das Wasser von den Lotosfüßen des Herrn beständig auf ihn herab und erweicht sein Herz bis ins Innerste. Seine liebende Hingabe an den Glücklichen wird dadurch sehr stark vermehrt. Große Sehnsucht erfüllt ihn, spontan schließen sich seine Augen, und wie Tautropfen auf einem Paar Knospen treten reine Tränen aus ihnen hervor. In Ekstase stehen im die Haare zu Berge. Er empfängt das Wasser auf seinem Haupte in großer Ehrfurcht, bis zum heutigen Tage.

3. Danach fließt dieses Wasser zu den sieben Weisen (deren Wohnstätten die Sterne des Großen Bären sind), welche seine Wirkung sehr wohl zu schätzen wissen, denn es ist fürwahr die höchste Vollkommenheit der Askese. Durch dieses Wasser verbleiben sie in beständiger liebender Hingabe an den Glücklichen, das All-Selbst, und können auf alle anderen Methoden zur Vervollkommnung ihres Selbst verzichten, die Menschen sonst auf der Suche nach Befreiung anwenden. Auch heute noch tragen sie das Wasser mit großer Ehrfurcht in den Haarknoten auf ihren Häuptern.

4. Danach fließt dieses Wasser durch den Himmel der Götter, welcher durchquert wird von vielen Tausenden von Millionen Flugkörpern, geht nieder auf den Mond und regnet dann auf die Wohnstätte Brahmas (auf dem Gipfel des Berges Meru).

5. Dort teilt sich der Strom in vier Arme mit den Namen Sita, Alakananda, Caksu und Bhadra, welche mit großem Reichtum an Wasser in die vier Himmelsrichtungen fließen und dann in den Ozean münden.

6. Der Strom Sita fließt von der Wohnstätte Brahmas aus in westlicher Richtung. Er strömt zunächst auf den Berg Kesaracala und andere und von ihren Gipfeln aus immer weiter herab bis auf die Spitze des Berges Ganhamadana. Dann fließt er durch das Land Bhadrasva und mündet in den Ozean aus Salzwasser.

7. In der gleichen Weise ergießt sich der Strom Caksu zunächst auf den Gipfel des Berges Malyavan und fließt von dort aus stetig und kraftvoll durch das Land Ketumala, um im Westen (Osten?) in den Ozean zu münden.

8. Der Strom Bhadra wiederum fällt vom Gipfel des Berges Meru herab in nördlicher Richtung auf zwei andere Berggipfel, dann über die Spitze des Berges Srngavan hinweg und durchfließt das Land Kuru im Norden in allen Richtungen, bis er von dort aus in den Ozean mündet.

9. In ähnlicher Weise ergießt sich der Strom Alakananda auf der südlichen Seite von der Wohnstätte Brahmas herab. Er fließt über viele Bergspitzen und schließlich mit starker Strömung und großer Kraft auf die Berge Hemakuta und Himakuta. Von dort strömt er reißend hinunter in das Land Bharata, welches er in alle Richtungen durchzieht, bevor er im Süden in den Ozean mündet. Für Menschen, die ihn aufsuchen um in ihm zu baden, ist es nicht schwierig, Mal für Mal mehr die Früchte zu ernten, die sonst nur durch umfangreiche Opferzeremonien zu erlangen sind.

10. Auch viele andere große und kleine Flüsse entspringen auf dem Berge Meru und weiteren Bergen. Sie durchziehen jedes der verschiedenen Länder in Hunderten von Armen.

11. Von den neun Ländern auf dem Erdenrund ist Bharata das „Feld der Tätigkeit“ (auf dem der Mensch sein Schicksal formt). Die anderen acht Länder gelten als die himmlischen Plätze auf Erden, wo die tugendhaften Seelen gemäß ihren angesammelten Verdiensten Sinnenfreuden genießen können.

12. In jenen acht Ländern werden die Bewohner zehntausend Menschenjahre alt. Sie sind wie Götter, stark wie zehntausend Elefanten, und ihre wohl gebauten Körper sind fest wie Diamant. Sie bleiben sehr lange jugendlich und stark und genießen überaus viel Sinnenfreude. Mann und Frau vereinigen sich mit großer sexueller Kraft, und die Frauen gebären nur ein Kind gegen Ende ihrer fruchtbaren Lebensspanne. Die Lebensbedingungen dort sind wie im Treta Yuga (dem zweiten, „silbernen“ Zeitalter).

13. Die göttergleichen Bewohner dieser acht Länder werden von Scharen von Dienern mit Gaben verehrt. Es gibt wunderschöne Einsiedeleien und Gärten, die zu allen Jahreszeiten geschmückt sind mit Beeten voller Blumen und zarten Gemüsen und mit Bäumen, deren Äste sich biegen unter der Last der Früchte und Schlingpflanzen. In den hohen Gebirgen, welche die Länder begrenzen, liegen Täler mit Seen voll kristallklarem Wasser, bedeckt mit vielfältigen Lotosblüten, deren Duft die königlichen Schwäne, die Karandavas, die Kraniche, die Kakravakas, viele andere Wasservögel und die summenden Bienen entzückt. Die Bewohner vergnügen sich mit vielen Arten von Wasser- und anderem Sport und am freien Liebesspiel zusammen mit ihren attraktiven göttergleichen Gefährtinnen, die sie lächelnd mit herausfordernden Blicken anschauen und ihnen Sinne und Gemüt bezaubern.

14. In allen neun Ländern aber ist der Glückliche selbst zugegen, Narayana, die höchste Person, in der vierfachen Ausdehnung als Vasudeva, Sankarsana, Pradyumna and Aniruddha, und erweist den Menschen seine Gnade.

15. Im Lande Ilavrata ist der glückliche Siva die einzige männliche Person. Kein anderer Mann betritt dieses Land, denn alle kennen den Fluch von Sivas Gattin Bhavani, welcher jeden männlichen Eindringling in eine Frau verwandelt. Dieses jedoch werde ich später erklären (im 9. Gesang).

16. Siva wird ständig bedient von zehn Milliarden Frauen aus dem Gefolge Bhavanis. Er selbst verehrt die vierte Ausdehnung des Glücklichen, der vierfachen göttlichen Person: seine Gestalt als die unbewusste Natur, welche Sankarsana genannt wird. Er meditiert über ihn in Versenkung und ruft ihn verehrend an, indem er mit lauter Stimme die folgenden Worte rezitiert.

17. Der glückliche Siva spricht: Lobpreis sei dir, o Glücklicher, du höchste Person, du transzendente Quelle aller Eigenschaften! Dir, dem Unbegrenzten, Nicht-Manifesten erweise ich meine Verehrung.

18. Ich verehre dich, o Verehrungswürdiger, dessen Lotosfüße die Zuflucht der Geängstigten sind. Du bist die erste Quelle aller Güter. Jenen, die dir in Liebe hingegeben sind, zeigst du dich in allem Geschaffenen. Höchster Herr, du bist derjenige, aus dem die Natur hervorgeht, und auch derjenige, welcher alles Geschaffene wieder auflöst.

19. Du bist der Zeuge, dessen Blick niemals im geringsten getrübt ist durch die Illusion, durch die Bedingungen der Natur und durch die Aktivitäten des Gemüts. O Herr, wie sollten wir, die wir die Gewalt unseres Zornes nicht kontrollieren können, dich nicht verehren, wenn wir bestrebt sind, die Herrschaft über uns selbst zu erlangen?

20. Einem Menschen mit unreinem Blick erscheinst du unter dem Einfluss der Illusion mit deinen kupferroten Augen wie jemand, der betrunken ist von Honigwein. Ihm ergeht es wie den Frauen des Schlangen-Dämons (Kaliya, Kapitel 10.16), die außerstande waren dich zu verehren aus Scham darüber, dass durch die Berührung deiner Lotosfüße ihre Sinne erregt wurden.

21. Die Weisen sagen von dir, du seiest unendlich und jenseits der materiellen Welt mit den drei Stadien von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Du (als die Schlange Sesa) trägst die Universen auf deinen Hunderten und Tausenden von Häuptern, und sie sind für dich nicht schwerer als Senfkörner.

22.-23. Aus dir entstand im Anfang das Universum in den drei Qualitäten, die Gesamtheit der kosmischen Energie, verkörpert in dem Gefäß vollkommenem Wissens, dem glücklichen Ungeborenen (Brahma). Aus ihm wurde ich geboren in meinen drei Ausprägungen. In meiner Kraft erschaffe ich die Götter, die materiellen Elemente und die Sinne. Wir alle, die großen Seelen, stehen unter deiner Herrschaft und sind an dich gebunden wie Vögel an einer Schnur. Brahma, ich selbst, die Götter, die Elemente, die Sinne: wir alle zusammen erschaffen durch deine Gnade die materielle Welt.

24. Wir alle, welche auf diese Weise geschaffen wurden, werden immer wieder durch die Maya an die Früchte unseres Handelns gebunden. Verwirrt durch die Eigenschaften der Natur wissen wir nicht, wie wir uns aus der materiellen Gebundenheit befreien können. Darum tue ich nichts anderes als dir, dem Höchsten, in dem alles aufgelöst wird und wieder entsteht, Ehre zu erweisen.

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