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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Mittwoch, 9. November 2011

3.30. Die Folgen eigensüchtigen Handelns

1. Kapila sprach: Wie die Wolken den Wind nicht kennen, von dessen Kraft sie fortgetrieben werden, so macht sich der Mensch keinen angemessenen Begriff von der überaus großen Macht der Zeit.

2. Was auch immer jemand hervorbringt unter Schmerzen, um Glück zu erlangen, das vernichtet der Glückliche (in seiner Eigenschaft als die Zeit), und der Mensch findet Grund zur Klage.

3. Da der Körper und alles, was damit zusammenhängt, vergänglich ist, täuscht sich ein Unwissender, der meint, sein Haus, sein Land und sein Reichtum seien beständig.

4. Ein Lebewesen, welcher Art sein Körper auch angehören mag, findet Vergnügen an seiner materiellen Existenz und ist nicht bereit sie aufzugeben.

5. Getäuscht durch die göttliche Illusion hat selbst jemand, der in der Hölle ist, nicht den Wunsch seinen Körper aufzugeben, denn er genießt fürwahr die höllischen Vergnügungen.

6. Da er im Herzen sehr an seinem Körper, Frau und Kindern, Haus, Vieh, Besitz und Freunden hängt, bildet er sich eine Menge darauf ein.

7. Dieser Tor begeht in seinem dem Materiellen verfallenen Geist sogar immer wieder Sünden, um sich dieses alles zu erhalten, denn seine Glieder stehen in Flammen vor Anhänglichkeit daran.

8. Sein Gemüt und seine Sinne sind verzaubert von der Frau und ihren intimen Verführungen und von den süßen Worten der Kinder.

9. Da das Familienleben Leiden mit sich bringt, schätzt der Haushälter sich schon glücklich, wenn es ihm durch sorgsame Erfüllung seiner Pflichten gelingt diesem entgegenzuwirken.

10. Durch Unrecht hier und dort verschafft er sich großen Reichtum, mit dem er seine Familie unterhält, während ihm selbst nur die Überreste bleiben, und aufgrund dessen fährt er zur Unterwelt.

11. Wenn seine Geschäfte wieder und wieder scheitern, überwältigt ihn schließlich die Gier nach dem Reichtum anderer, und er ruiniert sich durch dieses Verlangen.

12. Wenn solch ein unglücklicher Narr allen Reichtum verloren hat und seine Familie trotz aller Bemühungen nicht mehr unterhalten kann, seufzt er voller Gram in seinem verwirrten Verstand.

13. Da er nicht mehr imstande ist sie zu ernähren, hören seine Frau und alle anderen auf, ihn zu achten, so wie Bauern einen alt gewordenen Ochsen nicht mehr schätzen.

14. Ein törichter Mensch löst sich nicht einmal dann vom Familienleben, wenn er alt und gebrechlich geworden ist und der Tod sich ihm naht. Dann muss er von denen unterhalten werden, die er früher unterhielt.

15. Er bleibt zu Hause und nährt sich von dem, was ihm achtlos vorgesetzt wird wie einem Hund. Dann erkrankt er an Verdauungsstörungen und kann nur noch wenig essen und arbeiten.

16. Durch eine Überfülle von Luft treten seine Augen hervor, seine Luftröhre verschleimt, er hustet und kann nur noch schwer atmen mit einem rasselnden Geräusch.

17. Dann muss er sich niederlegen, umgeben von seinen klagenden Freunden und Verwandten. Wenn er sprechen möchte, kann er es nicht, denn die Schlinge der Zeit um seinen Hals zieht sich zu.

18. So stirbt ein Mensch, der ganz davon beansprucht war eine Familie zu ernähren und es nicht gelernt hat Gemüt und Sinne zu beherrschen, umgeben von weinenden Angehörigen, unter Schmerzen und ohne Bewusstsein.

19. Dann sieht er die beiden schrecklichen Boten Yamas (des Herrn des Todes) mit zornvollen Blicken auf sich zu kommen, und er lässt Stuhl und Urin unter sich in seiner Herzensangst.

20. Die Todesboten fesseln ihn am ganzen Körper mit Stricken und schleppen ihn an einem Seil um den Hals sehr weit fort, wie die Soldaten des Königs es mit einem Verbrecher tun.

21. Die rohe Behandlung durch die Boten bricht ihm das Herz, und er zittert am ganzen Leibe. Auf der Straße beißen ihn die Hunde, und ihn überkommt schmerzvoll die Erinnerung an seine Sünden.

22. Gequält von Hunger und Durst, versengt und ausgetrocknet von Sonne, Wind und Waldbränden, wird er über Wege aus heißem Sand getrieben ohne Schatten und Wasser, und die Boten des Todes geben ihm schmerzhafte Peitschenhiebe auf den Rücken, wenn er nicht mehr weiter gehen kann.

23. Wieder und wieder fällt er vor Erschöpfung ohnmächtig zu Boden, doch muss er wieder aufstehen und weiter auf diesem unglücklichen Pfad gehen. Sehr bald steht er dann vor Yamas Thron.

24. Er legt eine Strecke von 99000 Yojanas in zwei oder drei Augenblicken zurück (ein Yojana entspricht 8 Meilen) und dann erhält er seine Strafen.

25. Sein Körper wird auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Manchmal kommt es auch vor, dass er sein eigenes Fleisch essen oder dieses von andern erdulden muss.

26. In Yamas Reich werden ihm bei lebendigem Leibe die Eingeweide von Hunden und Geiern aus dem Körper gezerrt, und die Bisse von Schlangen, Skorpionen, Moskitos und anderen Plagegeistern quälen ihn.

27. Seine Glieder werden eines nach dem anderen abgehauen und von Elefanten und anderen Tieren zerrissen. Er wird von Berggipfeln herunter geschleudert und unter Wasser oder in Höhlen gefangen gehalten.

28. Männer und Frauen, die eine nicht-eheliche Beziehung gepflegt haben, erhalten ihre Strafen in den Unterwelten namens Tamisra, Andha-Tamisra, Raurava und anderen.

29. O Mutter, es heißt, dass Himmel und Hölle sogar in dieser Welt seien, denn höllische Strafen sind fürwahr auch hier zu finden.

30. Wer in dieser (eigensüchtigen)Weise eine Familie unterhalten oder nur seinen körperlichen Gelüsten gefrönt hat, muss beides am Ende aufgeben und erntet nach dem Tode die Früchte seines Handelns.

31. Allein betritt er die Dunkelheit, nachdem er seinen Körper verlassen hat. Seine Sünde, in der er sein Leben auf Kosten anderer Lebewesen gefristet hat, ist sein Fahrgeld zur Hölle.

32. So kommt ein Mann, der (durch eigensüchtiges Handeln) eine Familie ernährt, durch das göttliche Gesetz von Ursache und Wirkung aufgrund seiner Sünden in die Hölle und leidet wie einer, der seinen ganzen Reichtum verloren hat.

33. Ein Mensch, der aus bloßer Begierde durch unrechtes Handeln eine Familie unterhält, gelangt nach Andha-Tamisra, der äußersten, dunkelsten Region der Hölle.

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