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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Dienstag, 8. November 2011

3.29. Bhakti

1.-2. Devahuti sprach: Mein lieber Sohn (Kapila), du hast zu mir von Gestalt und Kennzeichen der Gesamtheit des Geschaffenen, der materiellen Natur und des persönlichen Geistes gesprochen, wie sie als Ausprägungen des Höchsten von der Sankhya-Lehre erklärt werden. Nun beschreibe mir bitte ausführlich den Weg des Bhakti-Yoga, welcher als das höchste Ziel aller Lehren gepriesen wird.

3. O Glücklicher, bitte erläutere auch für mich und für die Wesen in allen Welten den Kreislauf von Geburt und Tod, so dass sich unser Geist ganz und gar davon zurückziehen möge.

4. O sprich doch bitte auch über die Zeit als Gestalt des höchsten Herrn, deine erste Erscheinungsweise, unter deren Einfluss die Menschen Glücklichsein erfahren können.

5. Du bist fürwahr erschienen als die leuchtende Sonne der Erkenntnis durch den Yoga, ohne welche die Wesen lange Zeit, getäuscht durch den Ich-Sinn und erschöpft durch zweckgerichtete Tätigkeit, ohne Zuflucht blind im Schlafe der Unwissenheit lagen.

6. Maitreya sprach: O Bester unter den Kurus (Vidura), der hervorragende Weise (Kapila) nahm die klaren Worte seiner Mutter erfreut auf und antwortete ihr, bewegt von großer Güte.

7. Der Glückliche sprach: Meine liebe Mutter, Bhakti-Yoga teilt sich in vielfältige Wege auf, welche in ihrer Art den Eigenschaften der Menschen entsprechen, die es ausüben.

8. Wer mich verehrt als von sich getrennt in Gewalttätigkeit, Stolz, Neid oder Zorn, der handelt im Modus der Unwissenheit (tamas).

9. Wer mich verehrt als von sich getrennt, in der Gestalt von Götterbildern, um Befriedigung der Sinne zu erlangen durch Ruhm oder Reichtum, der handelt im Modus der Leidenschaft (rajas).

10. Wer mich als den höchsten Herrn verehrt, jedoch als von sich getrennt, um von zweckgerichtetem Tun frei zu werden, um mir die Früchte seines Tuns zu opfern oder weil er es für seine Pflicht hält, der handelt im Modus der Gutheit (sattva).

11.-12. Das Gemüt einfach zu mir hin fließen zu lassen, der in den Herzen aller wohnt, stetig wie die Wasser des Ganges zum Ozean fließen, durch Hören der Erzählungen von mir, das wird fürwahr Bhakti genannt, totale, absichtslose, nicht getrennte liebende Hingabe an mich, die höchste Person.

13. Einem mich derart liebenden Menschen liegt nur daran mir zu dienen, nicht daran mit mir in meiner Welt zu leben, meine Überfülle zu genießen, mein Gefährte zu sein, meine Gestalt zu haben und mit mir Eins zu werden, nicht einmal wenn es ihm angeboten wird.

14. Bhakti wird fürwahr gepriesen als der höchste Yoga, durch welchen der mir Hingegebene die drei Gunas überwindet und mein Glücklichsein erlangt.

15. Er übt den verehrungswürdigen Kriya-Yoga aus, indem er seine Pflichten erfüllt ohne Verhaftung an die Früchte seines Handelns. Dieser Yoga ist glückverheißend, wenn er ohne Gewaltsamkeit regelmäßig ausgeführt wird.

16. Er betrachtet auch mein Bildnis, berührt und verehrt es, betet es an und wirft sich vor ihm nieder. In allen Lebewesen sieht er mich, unverhaftet, im Modus des Gutseins.

17. Er hat Respekt vor den großen Seelen, Mitgefühl mit den Armen und Freundschaftlichkeit für Seinesgleichen. Dabei handelt er beherrscht und unter Beachtung der Regeln.

18. Er hört gern vom Transzendenten und singt meinen Namen. Sein Benehmen ist unkompliziert, er ist ohne Ichsucht und pflegt Gemeinschaft mit heiligen Menschen.

19. Wer in dieser Weise mir hingegeben ist, der wird ganz und gar gereinigt, und wenn er auch nur von meinen Eigenschaften hört, wird sein Bewusstsein mit Sicherheit augenblicklich zu mir hin gezogen.

20. Gleich wie das Fahrzeug der Luft einen Duft an seiner Quelle aufnimmt und ihn dem Geruchssinn zuträgt, so trägt das Fahrzeug des Yoga das Bewusstsein dem Selbst entgegen, welches wandellos ist.

21. Ich bin stets in allen Wesen gegenwärtig als ihr Selbst. Wenn ein Sterblicher mich als das Selbst in den Wesen missachtet und statt dessen Götterbilder verehrt, so ist das Heuchelei.

22. Wer mich, den höchsten Herrn, missachtet, der ich als das Selbst in allen Wesen wohne, und in seiner Unwissenheit Götterbilder verehrt, bringt seine Opfergaben nur der Asche dar.

23. Wenn einer mich ehrt, aber feindselig gegenüber anderen ist, betrachtet er mich als getrennt von sich selbst. Wer einem Lebewesen Feind ist, der findet nicht den Frieden des Gemüts.

24. O meine gute Mutter, wenn jemand mich mit noch so perfekten Ritualen und allen vorgeschriebenen Einzelheiten in der Gestalt von Götterbildern verehrt, aber andere Lebewesen verachtet, bin ich mit Sicherheit nicht erfreut.

25. Zu Beginn mag man Götterbilder verehren um seine religiösen Pflichten zu erfüllen, jedoch nur so lange, bis man mich, den höchsten Herrn, in seinem eigenen Herzen und in allen lebenden Wesen erkannt hat.

26. Wer zwischen seinem eigenen Körper und dem eines andern unterscheidet und ihn als von sich getrennt betrachtet, den erfüllt der Tod mit großer Furcht.

27. Darum soll man mich erfreuen, das All-Selbst, welches in jedem Lebewesen wohnt, indem man Wohltätigkeit und Rücksicht übt und alle Wesen mit gleicher Freundlichkeit betrachtet.

(Es folgt eine Systematik der Lebewesen, nach der sich bemisst, in welcher Art die Freundlichkeit gegenüber den einzelnen Wesen sich ausdrücken soll:)

28. O gesegnete Mutter, lebende Wesen sind höher zu achten als Unbelebtes, höher noch stehen atmende Wesen und noch höher solche mit Bewusstsein, am höchsten aber jene, die fähig sind zur Sinneswahrnehmung.

29. Unter den Wesen mit Sinneswahrnehmung sind die niedersten jene, die nur mit dem Tastsinn wahrnehmen, höher stehen jene, die schmecken können, noch höher die mit Geruchsinn begabten und höher noch jene, die Klänge hören.

30. Am höchsten stehen jene Wesen, die mit dem Gesichtssinn Formen unterscheiden können und von diesen wiederum die, welche Zähne haben. Die Wesen mit vier Beinen sind mehr zu achten als die mit vielen Beinen, am höchsten aber die mit zwei Beinen.

31. Unter den Menschen sind die Angehörigen der vier Kasten höher zu schätzen als die Kastenlosen, und unter diesen die Brahmanen am höchsten. Bei den Brahmanen sind die Kenner den Veden am höchsten zu achten und unter diesen schließlich jene, welche die Bedeutung der Veden verstehen.

32. Jemand, der Zweifel beseitigen kann, steht noch höher als der, welcher den Sinn der Veden versteht, und noch höher steht, wer seine Pflichten erfüllt. Wiederum höher ist einer zu achten, der frei ist von Anhaften, am höchsten aber der, welcher dient ohne an sich selbst zu denken.

33. Ich sehe keinen Größeren unter den lebenden Wesen als einen Menschen, dessen Geist und dessen Handlungen mir hingegeben sind, ohne dass er sich als ihr Eigner versteht, und der mich immerfort vor Augen hat und mir unentwegt alles darbringt, seine Opfer, seinen Besitz, seinen Körper und seinen Geist.

34. Daher erweist er allen Lebewesen Ehre und Achtung als dem Glücklichen, dem höchsten Herrn, welcher als das All-Selbst in jedes Wesen eingetreten ist.

35. O Tochter des Manu, hiermit habe ich dir die beiden Wege des meditierenden Yoga und des Bhakti beschrieben. Mit Hilfe dieser beiden und auch schon eines davon kann ein Mensch den höchsten Herrn erreichen.

36. Brahman in der Gestalt des Glücklichen ist das transzendente All-Selbst. Seine Handlungen als die der höchsten Person bestimmen unser Schicksal.

37. Die Zeit als die Ursache der Entwicklung der verschiedenen Formen von Lebewesen, beginnend mit Brahma, ist eine göttliche Eigenschaft. Wer sie als getrennt vom Höchsten betrachtet, der fürchtet sie.

38. Er, der in alle lebenden Wesen eintritt, wird Vishnu genannt, der Genießer aller Opfer. Er, der Herr aller Herren, ist es, der in seiner Eigenschaft als die Zeit alle Lebewesen erhält und wieder auflöst.

39. Niemand wird von ihm bevorzugt, er ist niemandes Feind oder Freund. Wer seinen Geist auf ihn richtet, dem naht er sich. Wer verblendet ist, den vernichtet er.

40. Aus Furcht vor ihm bläst der Wind, und die Sonne scheint aus Furcht vor ihm. Aus Furcht vor ihm lässt der Regengott es regnen, und die Himmelskörper strahlen aus Furcht vor ihm.

41. Aus Furcht vor ihm bringen die Bäume, Schlingpflanzen und Kräuter Blüten und Früchte hervor, jeweils zu ihrer Zeit.

42. Aus Furcht vor ihm strömen die Flüsse und fließt der Ozean niemals über. Das Feuer brennt und die Erde mit ihren Bergen versinkt nicht aus Furcht vor ihm.

43. Unter seiner Herrschaft gewährt der Himmel den lebenden Wesen Raum und dehnt das Universum seinen Körper aus als das kosmische Ei, bedeckt mit sieben Schichten.

44. Aus Furcht vor ihm erfüllen die Geistwesen der drei Gunas ihre Aufgaben der Erschaffung, Erhaltung und Auflösung dieser Welt und herrschen in den verschiedenen Zeitaltern über alles Belebte und Unbelebte.

45. So ist der Anfanglose und Endlose in seiner Eigenschaft als die Zeit der unveränderliche Schöpfer und Zerstörer. Er lässt Lebewesen aus Lebewesen geboren werden und zerstört am Ende den Tod durch den Tod.

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