Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Montag, 7. November 2011

3.27. Befreiung von der Unwahrheit

1. Der Glückliche sprach (in seiner Inkarnation als Kapila zu seiner Mutter Devahuti): Obgleich der persönliche Geist in der materiellen Natur weilt, verwickelt er sich nicht in die Natur und wird durch ihre Eigenschaften nicht beeinflusst, wenn er sich als transzendent weiß und sich der Natur gegenüber verhält wie die Sonne, die sich im Wasser spiegelt.

2. Wenn das Selbst sich aber durch den Ich-Sinn täuschen lässt und denkt: „Ich bin der Täter“, dann wird es in die Qualitäten der Natur hinein gezogen.

3. Das Verhaftetsein an die Natur mit ihren Qualitäten führt zu falschem Handeln. Dadurch gerät man hilflos und unglücklich auf den Weg des „Samsara“: in gute, schlechte oder gemischte Geburten in verschiedenen Lebensformen.

4. Solange der Geist auf die Sinnesobjekte gerichtet ist, hört „Samsara“ nicht auf, und wie in einem Traum erfährt man Unheil, für das es keinen wirklichen Grund gibt.

5. Darum ist es notwendig, mit allem Ernst den an das Materielle gebundenen Geist auf dem Pfad des Bhakti-Yoga durch Entsagung allmählich unter Kontrolle zu bringen.

6. Es gilt den Yoga-Pfad, beginnend mit „Yama“ (dem Gelübde von Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Keuschheit und Besitzlosigkeit), zu praktizieren und mit tiefem Glauben und wahrer Hingabe an mich die Erzählungen von mir zu hören.

7. Alle lebenden Wesen sind als gleich zu betrachten, ohne Feindschaft und ohne Anhaften. Der Praktizierende des Bhakti-Yoga pflegt geschlechtliche Enthaltsamkeit und Schweigen und bringt die Früchte seiner Arbeit dem Herrn dar.

8. Er begnügt sich mit dem, was mit Leichtigkeit erlangt werden kann, und mit wenig Nahrung. Er lebt in Abgeschiedenheit, widmet sich der Weisheit und ist friedfertig, freundlich, mitfühlend und erfüllt vom Selbst.

9. Im Wissen um Natur und Geist sieht er die Wirklichkeit und identifiziert sich nicht fälschlicher Weise mit dem Körper und dessen Beziehungen.

10. Indem der Verwirklichte in sich das Selbst schaut, so wie er mit seinen Augen die Sonne sieht, wird er von den begrenzten Geisteszuständen (Wachen, Träumen und Tiefschlaf) befreit, und deren Sichtweisen lösen sich auf.

11. Der Verwirklichte erfährt den Einen ohne Zweites, der in allem gegenwärtig ist, den Herrn der Befreiung, welcher sich als der Seiende im Nicht-Seienden spiegelt, die Grundlage aller Erscheinung, den Betrachter des Schauspiels der Illusion.

12. Das Selbst spiegelt sich im Ich und seinen Funktionen, wie die Reflexion der Sonne, die am Himmel steht, zunächst in einer Schale mit Wasser und weiterhin als Lichtreflex an der Wand zu sehen ist.

13. Die Wirklichkeit offenbart sich demnach durch Reflexion des Höchsten im dreifachen Ich und durch dessen Reflexion in Körper, Sinnen und Gemüt.

14. Wer aufgrund von Identifikation mit dem Körper, den Sinnesvergnügen, dem Gemüt, der Intelligenz und Ähnlichem im Schlafe liegt, versunken in den Traum der materiellen Existenz, erwacht, indem er sich vom Ich-Sinn befreit.

15. Wenn der Ich-Sinn geschwunden ist, mag der Sehende meinen, er sei verloren, und bekümmert sein wie einer, der sein Vermögen verloren hat. Dies ist jedoch falsch: er ist nicht verloren.

16. Wenn ihm klar wird, dass er das Ich fälschlicher Weise für seine Wohnstätte gehalten hat und dass er das Selbst ist, erkennt er dieses als eine Gnade.

17. Devahuti sprach: O Brahmane, mein lieber Sohn, ist es nicht so, dass die materielle Natur die geistige Person nie freilässt, da die beiden von Ewigkeit her zu einander hin gezogen sind?

18. Es kann doch keine getrennte Existenz von Geist und Intelligenz geben, ebenso wenig, wie Duft getrennt von der Erde und Geschmack getrennt vom Wasser existieren können.

19. Selbst der Nicht-Handelnde ist an das Gesetz von Ursache und Wirkung gebunden, da er durch die Gunas der Natur beherrscht wird. Wie kann da die geistige Person von der materiellen Natur befreit werden, solange die Gunas existieren?

20. Manchmal kann große Furcht durch Nachsinnen über die Wahrheit überwunden werden, doch sie kehrt immer wieder, wenn ihre Ursache nicht beseitigt ist.

21. Der Glückliche sprach: Wenn einer seine Pflicht erfüllt mit reinem Geist, ohne die Früchte des Handelns zu begehren, und mir über lange Zeit ernsthaft liebende Hingabe leistet im Hören der Erzählungen über mich,

22. und wenn er durch Wissen, Erkenntnis der Wahrheit, Entsagung, strenge Askese und Yoga beständig in das Selbst vertieft bleibt,

23. dann wird in ihm die materielle Natur bei Tag und bei Nacht durch den Geist verzehrt und verschwindet allmählich, wie Hölzer, die ein Feuer entzünden, selber von diesem verzehrt werden.

24. Ein solcher Mensch erkennt es als falsch, das Materielle genießen zu wollen, und löst sich davon für immer. Das Selbst erfährt keinerlei Übel und ist gegründet in seiner eigenen Herrlichkeit.

25. Es ist wie wenn jemand vom Schlaf erwacht. Im Traum erfährt er viel Unglück, wenn aber der Traum vorüber ist, kann ihn nichts mehr verwirren.

26. Darum kann die materielle Natur niemandem etwas anhaben, der die Wahrheit kennt, den Geist auf mich gerichtet hält und sich jederzeit am Selbst erfreut.

27. Wenn einer für lange Zeit und viele Leben hindurch immer und überall sich um die Verwirklichung des Selbst bemüht, wird er zum Weisen und entwickelt Entsagung gegenüber allen Welten, selbst der höchsten.

28.-29. Wer mir in Liebe hingegeben ist, gelangt zur Verwirklichung durch meine Gnade und erlangt Befreiung. Unter meinem Schutz erreicht er fürwahr schon in diesem Leben die Wohnstätte, welche „kaivalya“ genannt wird. Wenn der Yogi, durch beständiges Gewahrsein frei von Zweifeln, stetig dorthin weiter geschritten ist, kehrt er nie mehr wieder, nachdem er seine Körper abgelegt hat.

30. Meine liebe Mutter, ein Yogi, dem nicht an außerordentlichen Kräften, Magie und besonderen Fähigkeiten gelegen ist und der auch keine anderen Absichten hat, schreitet fort zu mir ins Grenzenlose, wo der Tod keine Macht über ihn hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen