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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Donnerstag, 22. September 2011

3.10. Unterteilungen der Schöpfung

1. Vidura sprach: Wie viele Lebewesen erschuf Brahma, der Ur-Vater aller Welten, aus seinem Körper und seinem Gemüt heraus, nachdem der Glückliche seinen Blicken entschwunden war, o großer Weiser?

2. Bitte zerschneide alle meine Zweifel, der du ein Mensch von sehr umfangreichem Wissen bist, und beschreibe mir von Anfang bis Ende alles, wonach ich dich gefragt habe, du Glücklicher.

3. Suta sprach: O Saunaka, als der Sohn Kusaras (Maitreya) in dieser Art von Vidura zum Reden inspiriert wurde, war der große Weise hoch erfreut und beantwortete die Fragen aus seinem Herzen heraus.

4. Maitreya sprach: Brahma, der Ungeborene, gab sich einhundert himmlische Jahre lang in Askese dem Herrn hin, wie der Glückliche es ihm gesagt hatte.

5. Danach beobachtete er, der Lotosgeborene, wie der Lotos, auf dem er saß, sowie das Wasser durch einen Wind, hervorgerufen durch die ewige Zeit, in Bewegung versetzt wurden.

6. Durch seine Askese, sein Gebet und seine Selbst-Verwirklichung waren sein Wissen und seine Stärke gereift, so dass er den Wind zugleich mit dem Wasser trinkend in sich aufnahm.

7. Dann betrachtete er den Lotos, seinen Sitz, der so weit ausgebreitet war wie der Himmel, und er dachte: aus diesem will ich alle Welten erschaffen, welche vorher aufgelöst waren.

8. Durch den Glücklichen zum Handeln ermutigt, tauchte er dann in den Quirl des Lotos ein und teilte ihn in drei Teile und dann noch einmal in vierzehn Teile, um daraus die Schöpfung entstehen zu lassen.

9. So schuf Brahma in vollkommener, absichtsloser, gereifter Hingabe die lebenden Wesen aller Welten in ihren verschiedenen Ausgestaltungen.

10. Vidura sprach: O Bramane (Maitreya), du sagtest, der Herr als der wunderbar Handelnde habe verschiedene Formen, und eine davon werde „die ewige Zeit“ genannt. Bitte beschreibe uns ihre Kennzeichen, o Herr.

11. Maitreya antwortete: Sie ist die Quelle der Interaktion der natürlichen Qualitäten. Ohne Verschiedenheit und ohne Grenzen ist sie das Werkzeug, durch welches die höchste Person spielend die ganze Schöpfung hervorgebracht hat.

12. Die ewige Zeit ist eine Ausdrucksform des Höchsten: die Eigenschaft, durch welche kraft der schöpferischen Energie Vishnus die manifestierte Schöpfung vom unmanifestierten höchsten Herrn getrennt wurde.

13. Wie sie gegenwärtig ist, so war sie im Anfang, und am Ende wird sie ebenso sein.

14. Es gibt neun verschiedene Arten von Schöpfung, welche durch die Zeit und die Qualitäten der Natur hervorgebracht werden, sowie drei Arten von Auflösung.

15. Die erste ist die Gesamtheit dessen, was als Geschaffenes vom Höchsten ausgeht (mahat) mit den drei natürlichen Qualitäten (gunas) und ihrer Interaktion. Die zweite ist das Ego-Prinzip (aham) mit Substanz, Erkenntnis und Aktivität.

16. Die dritte Art der Schöpfung ist die Sinneswahrnehmung, welche die materiellen Elemente hervorbringt. Die vierte besteht in den Sinnen als der Basis von Erkenntnis und Aktivität.

17. Die fünfte sind die Gottheiten, welche die Interaktion von Sinnen und Gemüt beherrschen und die aus dem Modus der Gutheit (satva) geschaffen sind. Die sechste Art der Schöpfung aber ist das Prinzip der Unwissenheit (tamas), welche den Meister zum Narren macht.

18. Diese sechs sind Schöpfungen der Natur. Nun höre von mir auch über die weiteren Arten der Schöpfung, welche von Brahma, der Verkörperung der Qualität Leidenschaft (rajas), geschaffen wurden. Auch diese aber gehen vom höchsten Herrn, dem Glücklichen, aus als seine Spiele.

19. Die siebte Art der Schöpfung umfasst die unbeweglichen Wesen mit sechs Unterteilungen: nicht blühende Bäume, einjährige Pflanzen, schmarotzende Pflanzen, Rohr-Pflanzen, mehrjährige Pflanzen, blühende und früchtetragende Bäume.

20. Bei diesen Wesen strebt die Energie aufwärts, sie sind überwiegend von der Qualität tamas (Unwissenheit) bestimmt und haben nur ein wenig Tastsinn. Es gibt sie in sehr großer Vielfalt.

21. Die achte Kategorie der Schöpfung wird von den Tieren gebildet. Sie werden in 28 Klassen eingeteilt und gelten als wenig bewusst und sehr stark von der Qualität „tamas“ geprägt. Sie orientieren sich mittels des Geruchssinns und tragen nur wenig Erinnerung im Herzen.

22. O guter Vidura, zu den paarhufigen Tieren gehören Kuh, Ziege, Büffel, Hirsch, Schwein, Gayava, Reh, auch Schaf und Kamel.

23. Esel, Pferd, Maultier, weißer Hirsch, Bison und wildes Rind haben nur einen Huf, o Vidura. Nun höre, welche fünfzehigen Tiere es gibt.

24. Zu ihnen gehören Hund, Schakal, Fuchs, Tiger, Katze, Kaninchen, Sajaru (ein stacheliges Tier), Löwe, Affe, Elefant, Schildkröte, Gosapa (vierbeinige Schlange), auch der Alligator und andere.

25. Die Klasse der Vögel bilden Reiher, Geier, Kranich, Falke, Bhasa, Bhalluka, Pfau, Schwan, Sarasa, Gans, Krähe, Eule und andere.

26. Von der neunten Kategorie der Schöpfung aber gibt es nur eine Art, o Vidura. Es ist der Mensch. Bei ihm fließt die Energie von oben nach unten, und die Qualität Leidenschaft ist vorherrschend. Er arbeitet in seinem eigenen Interesse und meint dabei glücklich zu werden, aber es bringt ihm nur Leiden.

27. O guter Vidura, die letzten drei Arten der Schöpfung sind Werke Brahmas, auch die Erschaffung der Götter gehört dazu, welche in der Qualität Gutheit (sattva) geschah. Die vier Kumaras aber sind auf beiderlei Weise geschaffen (durch die Natur und durch Brahma).

28.-29. Die Schöpfung der göttlichen Wesen hat wiederum acht Unterteilungen: [1]Götter, [2]Vorväter, [3]Dämonen, [4] Gandharvas und Apsaras, [5] Yakṣas und Rākṣasas, [6] Siddhas, Cāraṇas und Vidyādharas, [7] Bhūtas, Pretas und Piśācas, [8] übermenschliche Wesen. O Vidura, alle diese 10 Arten der Schöpfung, die ich dir beschrieben habe, sind durch den Höchsten geschaffen (gleich ob durch die Natur, durch Brahma oder durch beide).

30. Als nächstes werde ich dir die Abfolge der Manus in ihren Zeitaltern erläutern. Der Schöpfer Brahma, überfließend von Raja-Energie (Leidenschaft), erschafft sie ihn den verschiedenen Zeitaltern mit unfehlbarer Entschlossenheit als Inkarnationen seiner selbst. Es ist jedoch immer der höchste Herr, der sein Selbst in die einzelnen Wesen projiziert.

Sonntag, 11. September 2011

3.9. Brahmas Gebet um Schöpferkraft

1. Brahma betete: O Glücklicher, heute habe ich dich endlich erkannt! Es ist eine Schande, wenn die verkörperten Lebewesen den Glücklichen nicht erkennen, denn es gibt nichts außer ihm. Was außer dir zu existieren scheint, ist nicht absolut, sondern es ist deine schöpferische Illusion, die in einer Mischung der natürlichen Qualitäten besteht. Du bist jenseits von ihr.

2. Die Gestalt, welche ich schaue, ist die Manifestation des innersten Wesens deines Bewusstseins und auf ewig frei von Unwissenheit. Sie ist der Ursprung aller Inkarnationen, die du aus grundlosem Erbarmen annimmst, der eine Same der Lotosblume, aus der ich selbst entstanden bin und die meine Wohnstätte ist.

3. O Höchster, ich sehe niemand Höheres als dich, deine Gestalt ist reine Glückseligkeit, wandellos und unbeschränkt machtvoll. O höchstes Selbst, Einer ohne Zweites, du bist der Schöpfer der materiellen Welt und doch unberührt von aller Materie. Ich, der ich in der Illusion von Körper und Sinnen befangen bin, nehme Zuflucht bei dir.

4. Du, den ich in dieser Gestalt wahrnehme, bist das Glück aller Welten, und zu unserem Glück zeigst du dich uns, den dir Hingegebenen, wenn wir meditieren. Dem Glücklichen, wie er sich mir in deiner Gestalt offenbart, erweise ich meine Verehrung. Nur Menschen, die auf dem Weg zur Hölle sind, verehren diese deine Gestalt nicht, sondern befassen sich mit Materiellem.

5. Doch jene, die den Duft deiner Lotosfüße genießen, wie er durch den Klang der vedischen Gesänge über das Ohr in ihr Inneres dringt, umfangen die Füße deiner immateriellen Gestalt in liebender Hingabe. O Herr, diese Menschen sind niemals getrennt vom Lotos deines Herzens.

6. Solange die Wesen in allen Welten nicht Zuflucht bei deinen Lotosfüßen nehmen, welche alle Furcht vertreiben, so lange sind sie von sehr großer Furcht, Trauer und Begierde getrieben um ihren Besitz, ihren Körper, ihre Familie und anderes, und der Grund für ihr Leiden liegt darin, dass sie ihre Unternehmungen gierig auf Vergängliches gründen, das sie "Meins" nennen.

7. Wie bedauernswert sind Menschen, denen durch ein ungünstiges Schicksal die Erinnerung an die Erzählungen über dich fehlt! Sie werden niedergedrückt durch Unglück und sind der Vernunft beraubt. Ihr Gemüt ist von Gier überwältigt und sie geben sich immer wieder Verderben bringenden Handlungen hin um des Sinnengenusses willen, der nur kurzes, banales Glück gewährt.

8. Sie alle werden immer geplagt durch Hunger, Durst, ihre körperliche Konstitution (Schleim, Galle und Wind), durch Winter, Sommer, Wind, Regen und vieles andere, auch durch starkes sexuelles Verlangen und unbezwinglichen Ärger. O Allmächtiger, wenn ich mir dieses in meinen Geiste vergegenwärtige, finde ich es unerträglich, und ich bin von Mitleid erfüllt.

9. O Herr, solange jemand sich selbst als von dir, dem Glücklichen, getrennt betrachtet und sich dem Sinnengenuss hingibt, solange kann dieser Mensch die Bedingtheit durch die materielle Existenz nicht überwinden. Sein zweckgerichtetes Handeln, obgleich sinnlos, bringt ihm mannigfaltiges Leiden.

10. Bei Tage ist er mit schmerzvollen Betätigungen in der Sinnenwelt beschäftigt, und bei Nacht flieht der Schlaf ihn, da er immer wieder von verschiedenartigen Spekulationen seines Verstandes unterbrochen wird. Seine Pläne werden vom Schicksal zunichte gemacht. Selbst große Weise, wenn sie sich vom Gedanken an dich abgewendet haben, verfangen sich im Kreislauf von Geburten und Toden.

11. Wer sich in Bhakti-Yoga dir ganz und gar hingibt, in dessen Herzens-Lotos nimmst du Wohnung und offenbarst ihm fürwahr deine Wege über das Hören von deinen Taten, o Herr. In deiner grundlosen Güte, o Lobwürdiger, zeigst du deine transzendente Gestalt einem jeden Menschen in der Meditation genau nach seiner Vorstellung.

12. Du bist nicht zu erfreuen durch Verehrung in pompösen Feiern mit aufwändigen Einzelheiten, selbst wenn sie von Göttern abgehalten werden, solange die Herzen gebunden sind durch materielle Wünsche. Vielmehr wohnst du, der Eine, als die Allseele in allen lebenden Wesen und lässt dich in deiner Güte im Inneren jedes Einzelnen schauen als der liebende Freund, während dieses in Äußerlichkeiten befangenen Menschen nicht gelingt.

13. Aber auch der Weg jener Menschen, die dich, den Glücklichen, verehren durch die Früchte ihrer Tätigkeiten, durch vedische Rituale, durch Mildtätigkeit, durch strenge Askese, durch Gottesdienst, ist nicht vergeblich, wenn dieses in dem reinen Bestreben geschieht dich zu erfreuen.

14. Ehre sei dir, o Höchster, dessen glorreiche transzendente, ewige Gestalt durch die Illusion der Verschiedenheit hindurch dem Wissenden erkennbar ist. In zweckfreiem Spiel genießt du die Erschaffung, Erhaltung und Auflösung des Universums. Dir, dem Herrscher des Alls, erweise ich meine Verehrung.

15. Ich nehme Zuflucht bei dir, dem Ungeborenen, dessen Inkarnationen, Eigenschaften und Handlungen ein unfassbares Geheimnis sind. Wer deine Namen, wenn auch nur automatisch, rezitiert, während er aus diesem Leben scheidet, wird mit Sicherheit sogleich von den Sünden befreit, die er in vielen Leben angehäuft hat, und das Tor zur Unsterblichkeit steht ihm offen.

16. Ich grüße dich, o Glücklicher, du kosmischer Baum! Du bist der Eine, in sich selbst Wurzelnde, aus dem drei Stämme entsprossen sind, auf welchen wiederum viele Äste wachsen: Ich (Brahma), Shiva und du selbst, o Allmächtiger (Vishnu), als Ursache der Schöpfung, Auflösung und Erhaltung.

17. Solange die Menschen in der Welt sich törichten Handlungen hingeben und die Aktivitäten zu deiner Verehrung vernachlässigen, welche du sie zu ihrem Heile gelehrt hast, so lange ist ihr Existenzkampf sehr hart und wird von der niemals ruhenden Zeit sofort zunichte gemacht. Ich erweise dir meine Verehrung.

18. Wenngleich meine Wohnstätte eine unvorstellbar lange Zeit besteht (zwei parardhas, umgerechnet 311 Trillionen Jahre), wenngleich ich in allen Welten verehrt werde und wenngleich ich es mir nach vielen, vielen Jahren der Askese gelungen ist dich zu erreichen, fürchte ich dich, o Herr, und erzeige dir, dem Glücklichen, dem Genießenden aller Opfer, meine Ehrerbietung.

19. Du, der aus sich selbst Geschaffene, manifestierst deinen transzendenten Körper in verschiedenen Lebensformen, als Tier, als Mensch, als Gott, um deine Verheißungen zu erfüllen und deine Spiele zu genießen, und doch bleibst du unberührt vom Materiellen. Vor dir, dem Glücklichen, dem ursprünglichen Herrn, verneige ich mich.

20. Ohne von den fünf Arten der Unwissenheit berührt zu sein liegst du im Schlafe in den Wassern der kosmischen Auflösung, mit den Lebewesen aller Welten in deinem Leib, und genießt den Ruheplatz auf dem Schlangen-Bett inmitten des heftigen Wellengangs. So zeigt sich dem Betrachter dein Glücklichsein.

21. O Verehrungswürdiger, dessen Nabel der Lotos entsprießt, aus dem ich durch deine Gnade manifestiert worden bin als Werkzeug zur Erschaffung der drei Welten, dich lobpreise ich. Du trägst das Universum in deinem Leib, und nun am Ende deines kosmischen Schlafes öffnen sich deine Augen wie Lotosblüten.

22. O Glücklicher, der du der Herr aller Universen bist, der eine Freund aller, die All-Seele, und der du in deiner Güte glücklich machst durch die sechs Gaben (Schönheit, Intelligenz, Askese, Macht, Ruhm und Reichtum), mögest du mir die innere Schau gewähren, damit ich das Universum erschaffen kann, so wie es vorher war, denn ich bin dir in Liebe hingegeben, o Herr.

23. Du bist der Wohltäter derer, die dir ergeben sind, und du erschaffst alles, was in den Qualitäten der Natur entsteht, durch deine innere Kraft, dein Glücklichsein. Dich, der alle Macht in sich selbst hat, bitte ich, dass ich alle Anhänglichkeit an das Materielle aufgeben und das Werk der Erschaffung des Universums im Herzen ganz und gar konzentriert auf dich vollbringen kann.

24. Ich bin in diesem Schöpfungs-Zyklus aus dem See des Nabels der universellen Person durch ihre innere Kraft geboren, damit ich in ihrer unbegrenzten Gestalt und Schöpferkraft die Verschiedenheit manifestiere. Möge der Klang der vedischen Hymnen niemals aus meinem Geiste entschwinden!

25. Möge der Glückliche, die höchste und ursprüngliche Person, in grenzenlosem Erbarmen mir in der Fülle seiner Liebe zulächeln, nun da er seine Lotos-Augen öffnet, damit das Universum in Herrlichkeit gedeihen kann, und möge er meine Niedergeschlagenheit durch seine Worte, süß wie Honig, vergehen lassen!

26. Maitreya sprach: Nachdem Brahma die Quelle seiner Existenz geschaut hatte, soweit es möglich ist, durch Askese, Hingabe und Meditation, und nachdem er in seinem Geiste diese Worte des Gebetes gesprochen hatte, wurde er still, als ob er erschöpft sei.

27.-28. Der Herr (der Bezwinger des Dämons Madhu) sah die geistige Verfassung Brahmas, wie er im Herzen verstört war wegen der Fluten der kosmischen Auflösung und des Zustands des Universums und unsicher war über seine eigene Rolle. Da richtete er Worte voller tiefer Bedeutung an ihn, welche alle Unwissenheit von ihm nahmen.

29. Der glückliche Herr sprach: Sei nicht mutlos, du Wohnstätte der vedischen Weisheit, angesichts der Aufgabe der Erschaffung des Universums, die dir aufgetragen ist. Das, worum du mich bittest, habe ich dir schon im Vorhinein gewährt.

30. Verbleibe weiterhin im Zustand der Askese und des Gebetes. Unter meiner Obhut hast du die Fähigkeit im Herzen zu schauen, wie alle Welten sich dir offenbaren, o Brahma.

31. Wenn du beim Erschaffen des Universums ganz und gar in liebender Hingabe aufgehst, schaust du mich, o Brahma, als den, aus welchem das Universum ist sowie du selbst und alle lebenden Wesen.

32. Und wenn du mich so schaust, wie ich im Universum und in allen Lebewesen bin wie Feuer im Holz, kannst du mit Sicherheit sofort die Illusion aufgeben.

33. Wenn du mich erreichst, bist du als das Selbst frei von den materiellen Elementen, den Sinnen und vom Einfluss der natürlichen Qualitäten, und als reines Bewusstsein genießt du die Wirklichkeit.

34. Wenn es dein Bestreben ist, den Dienst an mir immer vielfältiger werden zu lassen, indem du unzählige lebende Wesen erschaffst, wirst du darin nie scheitern, denn auch meine Gnade vermehrt sich unablässig.

35. Du, der ursprüngliche Weise, wirst nie durch die lasterhafte Qualität der Leidenschaft gebunden sein, obwohl du Lebewesen erschaffst, da dein Geist in mir gefestigt ist.

36. Obgleich es schwer ist für ein geschaffenes Wesen mich zu verstehen,habe ich mich dir heute zu erkennen gegeben, denn du hast begriffen, dass ich kein Geschöpf aus materiellen Elementen, Sinnen, Eigenschaften und Ich-Sinn bin.

37. Ich offenbarte dir mich selbst, als du den Lotos, deinen Ursprung, betrachtetest und im Wasser durch den Stängel zu seiner Wurzel vordrangst.

38. O Brahma, deine Gebete zu mir, dein Lobpreis meiner Werke, auch deine Askese und deine Hingabe an mich, all dieses ist meine Gnade.

39. Du hast mich hoch erfreut mit deiner Beschreibung von mir als dem Eigenschaftslosen, der alle Eigenschaften hervorbringt. Sei gesegnet in dem, was du dir vorgenommen und worum du gebetet hast: mögest du erfolgreich sein beim Erschaffen der Welten!

40. Jeder der diese Verse regelmäßig spricht um mich zu verehren, dem werde ich sogleich alle Wünsche erfüllen, denn ich bin der Herr aller Segnungen.

41. Durch gute Werke, Askese, Opfer, Mildtätigkeit, Yoga oder Meditation erreicht der Mensch das höchste Ziel: mir zu gefallen. So lehren es jene, die die Wahrheit kennen.

42. Ich bin das All-Selbst, die letzte Ursache, der Liebste alles Geliebten. Darum sollte man Anhänglichkeit nur für mich hegen, denn die Liebe zum Körper und allem anderen kommt nur durch mich.

43. Und nun erschaffe aus dem Wissen der Veden heraus und aus deinem Körper, welcher direkt aus dem Selbst geboren ist, alle lebenden Wesen, wie sie vor der Auflösung waren und wie sie ebenfalls in mir liegen.

44. Maitreya sprach: Nachdem der Ursprüngliche, der höchste Herr, dem Schöpfer des Universums diese Anweisungen erteilt hatte in seiner Gestalt, aus welcher der Lotos entsprungen war, entschwand er seinen Blicken.