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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Freitag, 8. Juli 2011

3.6. Die Erschaffung der universellen Gestalt

1. Der Weise Maitreya sprach: Der Herr hörte auf diese Weise (durch die Gebete der Götter), dass seine Schöpfermacht außer Kraft gesetzt war wegen der Unverbundenheit der Kräfte, die den universellen Schöpfungsprozess steuern sollten.

2. Da trat der allmächtige Herr in alle 23 Elemente zugleich ein als die erschaffende, erhaltende und auflösende Zeit.

3. Als der Glückliche als diese Energie in die Elemente eingetreten war, schlossen sich alle Götter, die vorher getrennt gewesen waren, zu gemeinsamem Werk zusammen, wie jemand nach dem Erwachen aus dem Schlaf seine Arbeit beginnt.

4. Als durch den Willen des Höchsten die 23 Elemente zur Aktivität erwacht waren, manifestierte sich in ihrer Vereinigung seine vollkommene Ausdehnung, die kosmische Urgestalt.

5. Indem der Herr in seiner vollkommenen Ausdehnung in die Elemente eintrat, reagierten sie mit einander und wurden zum Ur-Universum, in welchem sich alle Welten und alles Bewegte und Unbewegte befanden.

6. Der herrlich golden Leuchtende, die höchste Person, ruhte als das kosmische Ei tausend himmlische Jahre lang auf dem Wasser und alles Existierende war in ihm eingeschlossen.

7. Dieses kosmische Ei, welches als den Embryo den Ursprung allen Bewusstseins und aller Lebens-Aktivität enthielt, teilte sich selbst durch sich selbst in die Eins, die Zehn und die Drei.

8. Dieses Selbst einer unbegrenzten Anzahl von Wesen ist die erste Inkarnation des All-Selbst, in welcher es voll und ganz enthalten ist. Aus ihr werden alle Arten von Wesen manifestiert.

9. Die kosmische Person als die Drei bedeutet die Dreiheit von Sinnen, Sinnesobjekten und verbindender Intelligenz. Die Zehn meint die zehnfache Ausgestaltung der Lebenskraft und die Eins das Herz.

10. Es lässt sich sagen, dass der höchste Herr auf die Gebete der Götter hin, welche mit der Erschaffung des Universums betraut waren, aus seiner Transzendenz heraus die kosmische Gestalt durch seine Schöpfermacht hat hervorgehen lassen zur Anschauung für sie.

11. (Maitreya sprach:) Ich beschreibe dir nun, in wie viele Teile, repräsentiert durch Gottheiten, das kosmische Modell aufgeteilt war. Höre bitte zu.

12. Agni (die Feuer-Gottheit) ging aus seinem Munde hervor und mit ihr nahmen die Beherrscher der Welten ihre verschiedenen Positionen ein. Es entstand auch die Sprache, durch welche die verschiedenen Teile mit einander kommunizieren konnten.

13. Varuna (die Luft-Gottheit) sonderte sich aus dem Munde ab in der Form des Gaumens und der Zunge des Herrn, und damit kamen auch die verschiedenen Geschmäcker, welche ein Lebewesen wahrnehmen kann.

14. Als die Nase des höchsten Herrn sich manifestierte, traten die beiden Asvini-Kumaras in die Nasenlöcher ein; daher erhielten die Lebewesen die Fähigkeit die verschiedenen Gerüche wahrzunehmen.

15. Die Augen entstanden in der höchsten Person, und ihr Beherrscher, der Sonnengott, trat in sie ein. So erlangten die mannigfaltigen Lebewesen die Fähigkeit Formen wahrzunehmen.

16. Als sich die Haut aus der kosmischen Person heraus manifestierte, ging Anila (die Wind-Gottheit) in sie ein als Beherrscherin des Atems, so dass die Lebewesen Berührung erfahren können.

17. Die Ohren entstanden im Höchsten und wurden zum Sitz der Gottheiten der Himmelsrichtungen und des Gehörs, wodurch die Lebewesen die Fähigkeit erlangten Klänge zu unterscheiden.

18. Auf der Haut der kosmischen Person manifestierten sich die Haare und (bezogen auf den Körper der Erde) die Pflanzen mit ihren beherrschenden Gottheiten. Aufgrund dessen empfinden die Lebewesen Jucken und andere Berührungsreize.

19. Die Geschlechtsorgane in der ursprünglichen Person entstanden mit Brahma als ihrem Herrscher sowie dem Samen, wodurch die lebenden Wesen sexuelle Freuden erfahren können.

20. Der Anus der höchsten Person manifestierte sich mit Mitra als seinem Herrscher und dem Ausscheidungsprozess, so dass die Lebewesen sich entleeren können.

21. Als die Hände sich in der kosmischen Gestalt entwickelten, betrat Indra sie, der Herrscher des Himmels, und mit ihm kam die Betätigung, durch welche die Wesen ihren Lebensunterhalt gewinnen.

22. Die Beine, welche in der höchsten Person entstanden, wurden von Vishnu als ihrem Herrscher in Besitz genommen zusammen mit der Fähigkeit der Bewegung, so dass die Lebewesen ihre Ziele erreichen können.

23. Als die Intelligenz sich in der kosmischen Person manifestierte, betrat sie Brahma als der Herr der Veden zusammen mit dem Prinzip des Verstehens, und das Kennbare wurde Gegenstand der Erfahrung.

24. Das Herz entstand in der ursprünglichen Person, und Candra, die Mond-Gottheit, trat darin ein als seine Beherrscherin zusammen mit dem Gemüt, durch welches die lebenden Wesen Willensentscheidungen treffen können.

25. Es manifestierte sich auch das Ich in der kosmischen Person mit Rudra, dem Beherrscher der Unwissenheit, und das zweckgerichtete Handeln. Auf diese Weise können die Lebewesen Tätigkeiten ausführen.

26. Als das Bewusstsein in der höchsten Person entstand, trat die Energie des gesamten Universums dort ein zusammen mit der Vernunft, wodurch die lebenden Wesen Wissen erlangen können.

27. Aus dem Haupt der kosmischen Person manifestierte sich der Himmel, aus ihren Beinen die Erde und aus ihrem Bauch die Atmosphäre. Entsprechend den Qualitäten der Natur entstanden Götter und andere Wesen, welche die verschiedenen Bereiche bevölkern.

28. Durch Überwiegen des Modus „sattva“ (Gutheit) kamen die Götter als Bewohner des Himmels. Auf der Erde erschienen aufgrund ihrer „raja“-Natur (Leidenschaft) die Menschen und alle Wesen, welche ihnen untertan sind.

29. Jene Wesen, bei denen die dritte Qualität („tamas“, Trägheit) überwiegt, bevölkerten den Bereich zwischen Himmel und Erde, die Atmosphäre, die im Bauch des Glücklichen entstanden war. Sie sind die Gefährten Rudras.

30. Aus dem Mund der höchsten Person ging das vedische Wissen hervor, o Bester unter den Kurus (Vidura), und jene, die dem Wissen zugeneigt sind, wurden Brahmanen genannt. Sie sind die geistigen Anführer und Lehrer aller anderen gesellschaftlichen Stände.

31. Aus den Armen der kosmischen Person manifestierte sich die Macht des Schutzes. In der Gesellschaft erfüllen die Ksatriyas die Aufgabe des Schutzes, indem sie die anderen Stände vor Schaden durch Störenfriede behüten.

32. Aus den Schenkeln des Herrn traten die materiellen Güter zum Lebensunterhalt hervor, und die Vaisyas erhielten die Aufgabe die Güter für die Menschen zu produzieren und zu verteilen.

33. Aus den Füßen des Herrn ging die Berufung zum Dienst hervor, welcher für alle Gesellschaftsschichten unentbehrlich ist. Er ist die Aufgabe der Shudras, die durch ihren Dienst dem Herrn gefallen.

34. Die Menschen aller Stände verehren durch die gläubige und hingebungsvolle Erfüllung ihrer speziellen Pflichten unter Anleitung der geistlichen Lehrer den Herrn, aus dem sie in ihre gesellschaftliche Stellung hinein geboren sind, so dass ihre Seelen gereinigt werden.

35. O Vidura, wer könnte die übernatürliche Tätigkeit der kosmischen Gestalt des Glücklichen in ihrer verhüllenden Schöpferkraft ermessen?

36. Darum, lieber Vidura, beschreibe ich dir, auch wenn ich aus mir selbst unfähig dazu bin, gemäß meinem Verständnis die Herrlichkeiten des Herrn, so wie ich es von ihm selbst gehört habe. Demnach ist es seine eigene Rede, während meine Worte sonst unrein wären.

37. Es bedeutet unvergleichlichen Gewinn, die heiligen Aktivitäten der höchsten Person in Worte zu fassen und zu verherrlichen und von ihnen zu hören. Von den Gelehrten werden diese Erzählungen in einer Weise überliefert, die ihren Nektar kosten lässt.

38. Mein lieber Vidura, die Herrlichkeiten des höchsten Selbst wurden durch Brahma, den ersten Schöpfer, nicht einmal in tiefer, tausend himmlische Jahre andauernder Meditation erschaut.

39. Die Maya des Glücklichen täuscht selbst jene, die solche Kräfte besitzen. Selbst er, der Sich-selbst-Genügende, kennt seine eigene Maya nicht, um wie viel weniger dann andere.

40. Ihm, dem Glücklichen, vor dem die Worte und der Verstand versagen und welchen nicht einmal ich oder andere Weise oder die Götter ermessen können, entbiete ich meine Verehrung.