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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Sonntag, 26. Juni 2011

3.5.Viduras Gespräch mit Maitreya

1. Der erleuchtete Suka sprach: An der Quelle des himmlischen Flusses (Ganges) saß Vidura, der Beste der Kurus, Maitreya gegenüber, dem Weisen von grenzenloser Intelligenz. Vidura, der ohne Verhaftung an die Gunas war, wandte sich an den All-Wissenden, vollkommen Verwirklichten und stellte ihm freundlich seine Fragen:

2. Vidura sprach: Jedermann in dieser Welt gibt sich zweckgerichteten Tätigkeiten hin, um glücklich zu werden, jedoch findet niemand auf diese Weise Glück oder Frieden. Im Gegenteil, solche Betätigung führt mit Sicherheit zu Leiden. O Glücklicher, erkläre uns bitte, welcher Weg in dieser Beziehung der rechte ist.

3. Aus Erbarmen mit Personen, die sich unter dem Einfluss ihres Karmas von Krishna abgekehrt haben, vom rechten Pfad abgewichen und unglücklich geworden sind, durchwandern Wesen voller Gottes- und Menschenliebe die Welt.

4. Darum, o Bester unter den Heiligen, unterweise uns bitte über den Pfad des Heils, auf dem der Mensch dem Glücklichen in vollkommener Weise dienen kann, welcher im Herzen wohnt und seinen liebenden Verehrern die Erkenntnis der Wahrheit gewährt, wie sie im Purana (Bhagavatam) gelehrt wird.

5. Warum nimmt der sich selbst Genügende, der Glückliche, der Herr der drei Welten, alle diese Inkarnationen an und vollbringt Werke in ihnen? Warum erschuf er im Anfang die Welt, obwohl er doch wunschlos ist, und warum erbaut er das Universum, erhält und regiert es?

6. Er ruht im Schlafe als der Raum und er betritt sein eigenes Herz, das Universum. Nicht-handelnd handelt er. Der Herr aller Mächte, der Eigner von allem, der Eine ohne ein Zweites geht ein in die Existenz in zahllosen Einzelwesen. Wie kann das sein?

7. Wie im Spiel handelt er zum Wohle der Zweimal-Geborenen (der körperlich und geistig geborenen Menschen), der Kühe und der Götter. Über seine Taten in den verschiedenen Inkarnationen und seine preiswürdigen, unsterblichen Eigenschaften können wir nie genug erzählen hören.

8. Warum teilte der Herr das Universum in die verschiedenen höheren und niederen Welten ein mit ihren Herrschern und den darin lebenden Wesen mit ihren verschiedenen Betätigungen?

9. O Bester unter den Brahmanen, bitte beschreibe uns, wie der höchste Herr, der Schöpfer des Universums, der Selbst-Geborene, den Geborenen ihre verschiedenen Aufgaben, Lebensformen und Ziele zuwies.

10. O du Glücklicher, oftmals hörte ich aus dem Munde Vyasas über die Aufgaben der höheren und niedrigeren Stände. Ich habe genug vom Genuss dieser geringeren Themen, welche mich den Nektar der Erzählungen von Krishna vermissen lassen.

11. Wer könnte je genug bekommen von den Erzählungen über den, dessen Lotosfüße die wahren Pilgerstätten sind und der verehrt wird durch Hingabe? In wessen Ohr diese Erzählungen dringen, der wird vom Kreislauf von Geburt und Tod und vom Verhaftetsein an die Familie frei.

12. Dein Freund, der Weise Krishna Dvaipayana Vyasa, hat die Eigenschaften des Glücklichen im Mahabharata beschrieben in der Absicht, die Aufmerksamkeit der weltlichen Menschen auf die Reden des Herrn zu lenken (die Bhagavad Gita) mittels des Vergnügens an spannenden Geschichten.

13. Wer die Erzählungen über Krishna immer wieder aufmerksam hört, verliert das Interesse an anderen Geschichten. Ein solcher Mensch gedenkt ständig der Lotosfüße des Herrn und erlangt dadurch übernatürliche Seligkeit, die alles Leiden bald beseitigt.

14. Ich bedaure die Bedauernswertesten der bedauernswerten Unwissenden, welche den Erzählungen über den Herrn abgeneigt sind aus mangelnder Hingabe. Ihre Lebensspanne wird durch die Auswirkungen der Zeit verkürzt und sie verbringen sie nutzlos mit philosophischen Spekulationen, zweckgebundenem Handeln oder allerlei Ritualen.

15. Darum, o Maitreya, du Freund der Leidenden, gib uns bitte nur das Wesentliche, wie die Bienen den Nektar aus den Blumen sammeln: die Botschaft vom Herrn, die Glück gewährt. Beschreibe uns zu unserem Heile die Herrlichkeit des Herrn, welcher an allen Pilgerstätten verehrt wird.

16. Bitte rezitiere mir die Erzählungen über das Wirken des Herrn, der höchsten Person, welcher Inkarnationen annahm, ausgestattet mit seiner vollkommenen Macht, um das Universum zu erschaffen, zu erhalten und aufzulösen.

17. Der erleuchtete Suka sprach: So erwies der glückliche Weise Maitreya dem Vidura auf seine Fragen hin die große Ehre, ihm das Folgende zu erzählen zum höchsten Wohle aller Menschen.

18. Maitreya sprach: O Heiliger, es ist gut, dass du mich fragst. Es gewährt allen Menschen in Gnade das Beste, wenn ich der Welt die Herrlichkeiten des transzendenten höchsten Selbst verkünde.

19. Es verwundert mich nicht, o Vidura, dass du solche Fragen stellst, der du aus dem Samen Vyasas geboren bist, denn du hast dich mit ungeteilter Hingabe vom höchsten Herrn ergreifen lassen.

20. Du wurdest aufgrund eines Fluches des glücklichen Weisen Mandavya geboren als Inkarnation Yamas, des Herrschers des Todes, von der Magd des Bruders und des Sohnes Satyavatis.

21. Dich erkenne ich als einen der ewigen Gefährten des Glücklichen, und der Glückliche selbst wies mich an dir Erkenntnis zu vermitteln, als er in seine ewige Heimat zurückkehrte.

22. Daher will ich dir das Drama der schöpferischen Energie des Glücklichen, wie es sich in Erschaffung, Erhaltung und Auflösung des Universums abspielt, von allem Anfang an beschreiben.

23. Der Glückliche, der Eine ohne ein Zweites, war vor aller Schöpfung als die Seele aller Seelen, der höchste Herr. In ihm selbst entstand der Wunsch sich selbst in mannigfaltigen Intelligenzen mit verschiedenen Namen auszudrücken.

24. Er dachte zu jener Zeit: Ich bin der Seher, doch es gibt nichts zu sehen, ich bin der Eigner der Schöpfung, doch es gibt keine Schöpfung. Seine äußere Energie war noch unmanifest, nur seine innere Schau existierte.

25. Die äußere Energie des Herrn, des vollkommenen Sehers, welche sich zeigt in Ursache und Wirkung, wird „Maya“ genannt, und sie ist es, durch die der Allmächtige die Welt erschafft, o glückliche Seele.

26. Der Allmächtige als die transzendente höchste Person, welche die Seele des Herrn ist, zeugte die Samen der lebenden Wesen.

27. Danach trat durch das Wirken der Zeit das Prinzip der Materie aus dem Unmanifestierten hervor, und in ihm manifestierte das höchste geistige Bewusstsein durch das dunkle Licht (der Maya) aus seinem subtilen Körper das Universum.

28. Das Prinzip der Materie ist auch ein vollständiger Ausdruck der höchsten Person, unter dem Einfluss der Gunas (natürlichen Qualitäten) und der Zeit. Es ist das Bewusstsein des Glücklichen als der Allseele, welche sich in die Mannigfaltigkeit des Universums ausdifferenziert. Aus dieser entsteht das Ich-Prizip.

29. Aus dem Prinzip der Materie kam das Ich, und daraus manifestierte sich alles Materielle: Ursache und Wirkung, der Handelnde, die individuelle Seele, die lebenden Wesen, die Sinne und ihre im Geiste erzeugten Objekte sowie die drei Qualitäten des Ich - Gutheit, Leidenschaft und Trägheit.

30. Aus dem Ich-Prinzip entstand durch Transformation das Gemüt. Unter dem Einfluss der Qualität „Gutheit“ und als ihre Ausprägung entstanden die vielen Götter als die Ursprünge der kennbaren Phänomene.

31. Die Sinne sind Ausprägungen der Qualität „Leidenschaft“, und damit stehen auch spekulatives Wissen und zweckgerichtetes Handeln vornehmlich unter dem Einfluss dieser Qualität.

32. Die Qualität „Trägheit“ ist der Ursprung der subtilen Gegenstände der Sinneserfahrung, zunächst des Äthers als symbolischer Darstellung der Seele.

33. Der Glückliche betrachtete den Äther und vermischte einen Teil davon mit der Zeit und der Maya, und durch seine Berührung entstand daraus durch Transformation die Luft.

34. Durch den Kontakt zwischen Luft und Äther transformierte sich ein Teil der Luft in die überaus machtvolle Energie des Lichts, welches die sinnliche Wahrnehmung der Formen und damit das Sehen der Welt ermöglicht.

35. Unter dem Blick des Höchsten wurde in der Zeit und der Maya aus der Verbindung und dem Zusammenwirken von Licht (Feuer) und Luft das Wasser-Element mit dem Geschmack geschaffen.

36. Durch Vermischung eines Teiles des Wassers mit Feuer wurde in der Zeit und der Maya unter dem Blick des Höchsten die Erde mit der Eigenschaft des Geruchs geschaffen.

37. O Edler, verstehe, dass alle Elemente, beginnend mit dem höchsten, dem Äther, bis hinab zur Erde, ihre Struktur und ihre Qualitäten einzig und allein unter dem Blick des Höchsten erhalten haben.

38. Die Götter, welche die verschiedenen Elemente beherrschen, sind wirkende Ausprägungen Vishnus und in der Zeit und der Maya erschienen. Weil sie ihre jeweiligen Aufgaben aber nicht aus sich erfüllen konnten, richteten sie mit gefalteten Händen ein Gebet an den Höchsten.

39. Die Götter sprachen: O Herr, Ehre sei deinen Lotosfüßen! Für jene, die sich ihnen ergeben, sind sie wie ein Schirm, der allen Kummer von ihnen fern hält. Die Weisen, welche bei ihnen Zuflucht nehmen, schleudern das große Leiden der materiellen Existenz weit von sich.

40. O Vater, o Herr, o Glücklicher, da in dieser Welt die lebenden Wesen immer bedrängt werden von den drei Arten des Leidens (durch sich selbst, durch andere, durch die Natur) und aus sich selbst niemals Glück erlangen können, suchen sie den Schatten deine Lotosfüße auf, wo sie die Fülle des Wissens finden.

41. Schritt für Schritt suchen die großen Weisen von klarem Geiste Schutz zu deinen Füßen, welche die wahre Pilgerstätte sind, und getragen auf den Flügeln der vedischen Hymnen finden sie dein lotosgleiches Antlitz, wo alle Sünden abgewaschen werden wie von heiligen Flüssen.

42. Wir nehmen Zuflucht beim Heiligtum deiner Lotosfüße, denn durch bloßes vertrauensvolles Hören von ihnen und Meditation über sie im Herzen in liebender Hingabe erwachsen die Kräfte des Wissens, der Verhaftungslosigkeit und der Selbstbeherrschung.

43. O Herr, lass uns Zuflucht finden zu deinen Lotosfüßen, der du Inkarnationen annimmst zur Erschaffung, Erhaltung und Auflösung des Universums, denn die Erinnerung an sie verleiht uns Furchtlosigkeit.

44. Menschen, die voller Begierde dem Körper, dem häuslichen Leben und dem Gedanken von „Ich“ und „Mein“ zutiefst verhaftet sind, meinen, deine Wohnstätte sei weit entfernt, wobei du doch in uns selbst wohnst. Darum, o Glücklicher, lass uns deine Lotosfüße verehren!

45. Sie sind nicht sichtbar, o Höchster, für Menschen, die sie nicht verehren, sondern sich zweckgerichteten Tätigkeiten in der Sinnenwelt hingeben, denn ihr Gemüt hat sich von ihnen entfernt. Doch jene, die es lieben dein Handeln zu betrachten, schauen sie, o Erhabener.

46. Jene, die von ganzem Herzen in liebender Verehrung und ungeteilter Hingabe die Erzählungen über dich trinken wie Nektar, erlangen vollkommene Einsicht und Freiheit von Verhaftung und finden alsbald Zugang zu deiner grenzenlosen Wohnstätte.

47. Auch andere gelangen zur Verwirklichung des Selbst, indem sie die Natur durch die Kraft des Yoga unterwerfen, und gehen in dir auf, dem Einen, Bleibenden. Jedoch kostet es sie viel Mühe, während jene, die nichts tun als dir zu dienen, mühelos in dir sind.

48. O Gegenwärtiger, aus dir sind wir alle einer nach dem anderen gemäß den drei Qualitäten der Natur als einzelne Wesenheiten entstanden zum Zwecke der Erschaffung des Universums, und wir sind alle unseren vereinzelten Betätigungen nachgegangen. Auf diese Weise konnten wir deinem Schöpfungsauftrag nicht gerecht werden.

49. O Ungeborener, lass uns dir unsere Gaben opfern zur rechten Zeit und lass uns an ihrem Genuss teilhaben, so dass sowohl du als auch wir und alle lebenden Wesen die Gaben, die wir dir opfern, in Frieden genießen können.

50. Du, o Herr, bist die ursprüngliche Person, der Älteste, Höchste. Aus dir, dem stets Bleibenden, sind wir einer nach dem anderen hervorgegangen. Du, der Ungeborene, bist die Gebärmutter der Natur mit ihren Qualitäten und Gesetzen und zugleich der Same, aus welchem alle lebenden Wesen gezeugt sind.

51. Darum, o höchstes Selbst, gewähre uns bitte, die wir als erste aus dir hervorgegangen sind, um in deinem Dienste das Universum zu erschaffen, in deiner Gnade Einsicht in deinen Plan, o Herr, und das Vermögen ihn auszuführen.

Donnerstag, 16. Juni 2011

3.4. Wie Vidura sich aufmachte zu Maitreya

1. Uddhava sprach: Danach nahmen sie (die Verwandten Krishnas) mit Erlaubnis der Brahmanen am Mahl mit den Opfergaben teil und tranken Reiswein. So verloren sie den Verstand und verletzten einander im Innersten mit harten Worten.

2. Bei Sonnenuntergang waren ihre Gemüter durch die Trunkenheit so sehr außer Kontrolle geraten, dass sie einander töteten, so wie Bambus-Stämme sich durch Reibung entzünden und selbst zerstören.

3. Der Glückliche sah durch seine geistige Kraft dieses Ende. Er begab sich zum Flusse Sarasvati, trank von seinem Wasser und setzte sich nieder am Fuße eines Baumes.

4. Er, der die ihm Hingegebenen von allem Leiden befreit, wies mich an nach Badarikashrama zu gehen, als er im Sinne hatte seine Familie zu vernichten.

5. O Vidura, obwohl ich den Wunsch des Herrn kannte, ging ich ihm doch nach, denn ich vermochte die Trennung von seinen Lotosfüßen nicht zu ertragen.

6. Ich sah ihn dort allein sitzen, den geliebten Herrn, in tiefes Nachdenken versunken. Er, die Zuflucht der Göttin des Glücks, war ohne Zuflucht und suchte Zuflucht am Flusse Sarasvati.

7. Ich erkannte ihn in seiner reinen, transzendenten Gestalt, voller Frieden. Er war von makelloser schwärzlicher Hautfarbe mit rötlichen Augen und trug gelbe seidene Gewänder.

8. Er saß da, den rechten seiner Lotosfüße auf den linken Schenkel gelegt, an einen jungen Banyan-Baum gelehnt, in Ruhe und Heiterkeit, da er das häusliche Leben verlassen hatte.

9. Zu dieser Zeit kam auch Maitreya, ein großer Verehrer des Glücklichen und Verwandter und Freund Krishna Dvaipayana Vyasas, auf seiner Reise durch die drei Welten, als ob es abgesprochen sei, an diesen Ort.

10. Während der Weise, welcher dem Herrn sehr verbunden war, sich voller Freude ihm zuneigte und lauschte, erblickte Krishna mich und lud mich mit freundlichem Lächeln ein bei ihm zu rasten, und er sprach mich an.

11. Der glückliche Herr sagte: O Vasu (Uddahva), ich weiß in deinem Herzen, was du dir seit Urzeiten wünschst, als ihr, die Vasus, Opfer brachtet, um das Universum zu gestalten: vollkommen mit mir verbunden zu sein ist dein höchstes Ziel. Ich gewähre es dir, wenn es auch für andere sehr schwer zu erlangen ist.

12. Du Guter, diese Inkarnation ist deine letzte, du kannst nun die Welt der Menschen verlassen. Du hast meine Gnade erlangt durch deine unbeirrbare Hingabe, die dich hat hierhin kommen und sehen lassen, was du gesehen hast.

13. Vor langer Zeit, am Anfang der Schöpfung, teilte ich Brahma, der auf dem Lotos sitzt, welcher meinem Nabel entsprießt, das höchste Wissen über meine Herrlichkeit mit. Dieses nennen die großen Weisen das Bhagavatam.

14. Als ich in solcher Weise der Anrede durch die höchste Person gewürdigt wurde und immerzu ihre Gnade und Liebe empfing, überliefen mich Schauer der Ekstase, und meine Augen füllten sich mit Tränen. Mit gefalteten Händen sprach ich:

15. O mein Herr! Für die Verehrer deiner Lotosfüße ist es nicht sehr schwer, die vier Ziele des Lebens zu erreichen (Rechtschaffenheit, Wohlhabenheit, Sinnengenuss und Befreiung). Ich erstrebe aber nichts in dieser Welt, o du Großer, mich verlangt es nur danach dir in Liebe zu dienen.

16. Es verwirrt die Intelligenz der Gelehrten in dieser Welt, dass du, der Wunschlose, dich Aktivitäten hingibst, dass du, der Ungeborene, geboren bist, dass du, der Herr der Zeit, aus Furcht vor Feinden fliehst und Schutz suchst in einer Festung, dass du, der Sich-selbst-Genießende, mit Frauen verkehrst und ein häusliches Leben führst.

17. O mein Herr, du riefst mich und zogst mich zu Rate, wo du doch in Ewigkeit ohne Zaudern, ohne Zwiespältigkeit und allwissend bist. Du gabst dich, als ob du verwirrt seiest, und dabei bist du niemals verwirrt, und dieses verwirrte unseren Geist, o Göttlicher.

18. O Herr, wenn du uns für fähig hältst es aufzunehmen, vermittle und doch bitte das höchste Wissen um das erleuchtende Geheimnis deiner selbst, wie du es dem glücklichen Brahma als Ganzes dargelegt hast. Es ist das Fahrzeug, in dem wir den Ozean der Leiden überqueren können.

19. Auf diese Bitte meines Herzens hin unterwies mich der Glückliche, der Höchste, der Lotosäugige über sich selbst und über seine transzendente Wohnstätte.

20. So wurde ich durch den verehrten Herrn über die Wahrheit vom Selbst und den Pfad des Verstehens belehrt. Nachdem ich mich ich mich dann zu den Lotosfüßen des Göttlichen verneigt und ihn umkreist hatte, gelangte ich an diesen Ort, voller Trauer im Herzen über die Trennung.

21. Mein lieber Herr (Vidura), nun werde ich, betrübt über den Verlust seiner Gegenwart, zu der Gemeinschaft in Badarikashrama (im Himalaya) gehen, wie Krishna mich angewiesen hat.

22. An jenem Ort lebte der Glückliche vor sehr langer Zeit in seiner Inkarnation als die großen Weisen Nara und Narayana, welche aus Liebe strenge Askese übten zum Heile aller lebenden Wesen.

23. Der erleuchtete Suka sprach: Als der weise Vidura durch Uddhava von der unerträglichen Vernichtung seiner Freunde und Verwandten hörte, bezwang er die aufsteigende Trauer mit Hilfe seines transzendenten Wissens.

24. Da Uddhava, der große Verehrer des Glücklichen, im Fortgehen begriffen war, ersuchte Vidura, der Beste unter den Kauravas, voller Vertrauen ihn, den Obersten der Anhänger Krishnas:

25. Bitte sei so gut und verkünde mir das erleuchtende Geheimnis des transzendenten Wissens vom Selbst, welches der höchste Herr, der Meister des Yoga, dir offenbart hat. Dies ist es, was die Diener Vishnus tun sollten, die umher wandern mit dem Ziel anderen zu dienen.

26. Uddhava antwortete: Lass es dir verkünden durch den Kenner der Wahrheit, den großen Weisen Maitreya. Er hält sich nicht weit von hier auf und wurde direkt durch den Glücklichen unterwiesen, als dieser die sterbliche Welt verließ.

27. Der erleuchtete Suka sagte: So sprach Uddhava mit Vidura über die nektargleichen transzendenten Eigenschaften der kosmischen Person. Ekstase überwältigte ihn, und die Nacht am Ufer des Flusses Yamuna verflog ihm wie ein Augenblick. Danach ging er fort.

28. Der König (Parikchit) fragte: Wie kam es, dass nach der Vernichtung der Vrishni- und Bhoja-Dynastien mitsamt ihren Oberhäuptern und Anführern allein Uddhava übrig blieb, als Krishna, der Herr der drei Welten, seine menschliche Gestalt aufgab?

29. Der erleuchtete Suka antwortete: Die Verfluchung durch die Brahmanen war nur das Mittel, wie der unfehlbare Herr der Zeit seinem Willen Geltung verschaffte, dass seine überaus große Familie sich auflöse, als er seinen Körper aufgab. Er dachte bei sich selbst:

30. Wenn ich von dieser Erde verschwunden bin, ist Uddhava, der Erste unter meinen Verehrern, derjenige, welcher es verdient, das Wissen über mich direkt und augenblicklich zu empfangen.

31. Uddhava ist in keiner Weise niedriger als ich, denn er bleibt unbeeinflusst durch die Gunas. Er ist Meister des Wissens über mich und soll in dieser Welt bleiben, um es zu verbreiten.

32. Uddhava, der in vollkommener Weise unterrichtet war durch den Lehrer der drei Welten, aus welchem alles Wissen geboren ist, erreichte die Pilgerstätte Badarikashrama und blieb dort, in Ekstase den Herrn verehrend.

33. Von Uddhava hatte Vidura über Krishna gehört, welcher als das Allselbst einen Körper annahm, um darin sein glorreiches Handeln zu spielen.

34. Dass er einen Körper annahm und wieder ablegte, ist für seine treuen Verehrer erhebend. Für andere ist es sehr schwer zu verstehen, und für solche von tierischer Unwissenheit erscheint es als geistige Verwirrtheit.

35. O Bester unter den Kurus (Parikchit), als es Vidura bewusst wurde, dass Krishna im Fortgehen auch seiner gedacht hatte, wurde er von Liebe zum Glücklichen überwältigt und weinte laut.

36. Nachdem er einige Tage am Ufer des Flusses Yamuna verbracht hatte, o Bester der Bharatas, begab Vidura sich zu den himmlischen Wassern des Ganges, wo der Weise Maitreya sich aufhielt.

Samstag, 4. Juni 2011

3.3. Die Taten des Herrn außerhalb Vrindavanas

1. Uddhava sprach: Danach ging Krishna nach Mathura, begleitet von seinem Bruder Balarama. Sie erfüllten ihre Pflicht gegenüber ihren Eltern und töteten Kamsa, den Feind, welcher das Königtum usurpiert hatte. Den Toten (der einen riesenhaften Körper hatte) zogen sie vom Thron und schleiften ihn kraftvoll über den Boden (um ihre erschrockenen Eltern zu überzeugen, dass von ihm keine Gefahr mehr drohte).

2. Krishna lernte die Veden in allen Einzelheiten, indem er sie nur einmal von dem Weisen Sandipani hörte. Zum Dank an seinen Lehrer holte er dessen verstorbenen Sohn aus dem Totenreich zurück.

3. Eingeladen von Rukmini, der Tochter des Königs Bhismaka, stieg Krishna über die Köpfe der versammelten Bewerber hinweg, die sich Hoffnung auf sie und ihr Vermögen machten, und nahm sie sich als seinen Anteil, so wie der Vogel Garuda den Nektar aus den Händen der Dämonen genommen hatte.

4. Beim Wettbewerb um die Hand der Prinzessin Nagnijiti unterwarf Krishna sich sieben Stiere, die keinen Ring durch die Nase trugen. Dennoch wollten die anderen enttäuschten Bewerber in ihrer Torheit seinen Sieg nicht anerkennen. Es kam zum Kampf, und Krishna, wohl gerüstet, tötete oder verwundete sie alle mit seinen Waffen, ohne selbst Wunden davon zu tragen.

5. Um seine geliebte Gattin (Satyabhama) zu erfreuen, wie ein gewöhnlicher Ehemann es auch tun würde, brachte der Herr ihr auf ihren Wunsch die Parijata-Blume aus dem Himmel. Indra, angestachelt durch seine Gemahlinnen, denen er hörig war, stürmte in blinder Wut mit voller Kraft auf ihn los, um gegen ihn zu kämpfen.

6. Narakasura, der Sohn Dharitris (der Erde) wollte den ganzen Himmel verschlingen. Dafür wurde er vom Herrn mit dem Diskus Sudarsana getötet. Auf Bitten der Erde gab Krishna dem Sohn Narakasuras das Königreich zurück, das er dem Vater genommen hatte, und er betrat dessen Haus.

7. Im Hause Narakasuras erhoben sich alle die Königstöchter, welche der Dämon entführt hatte, sofort von ihren Plätzen, als sie den Herrn sahen, den Freund der Notleidenden. Sie schauten ihn mit scheu einladenden Blicken an und waren voller Freude bereit seine Gemahlinnen zu werden. (Nach damaliger Sitte hätten sie keinen Ehemann mehr gefunden, da sie aus ihren Vaterhäusern entführt worden waren.)

8. Der Herr vermählte sich mit allen von ihnen zur selben Zeit in verschiedenen Räumen mit den dazu gehörigen Zeremonien. Kraft seiner Maya nahm er verschiedene Gestalten an, die genau zu der jeweiligen Prinzessin passten.

9. In dem Wunsch sich auszudehnen zeugte er mit jeder von ihnen zehn Kinder, die alle in jeder Hinsicht so waren wie er.

10. Kalayavana, der König von Maghada, König Salva und andere schlossen mit ihren Truppen die Stadt Mathura ein. Der transzendente Herr tötete sie nicht selbst (er ergriff die Flucht), sondern gab seinen Getreuen die Gelegenheit, ihre Kampfkunst zu zeigen.

11. Auch die (dämonischen) Könige Sambara, Dvivida, Bana, Mura, Balvala, Dantavakra und viele andere tötete er zum Teil selbst oder ließ andere sie töten (z.B. seinen Bruder Balarama).

12. Danach, o Vidura, ließ er deine Neffen und ihre Feinde einander töten in der Schlacht von Kuruksetra. Es waren Könige, welche die Erde erbeben machten durch ihre Stärke, wenn sie das Schlachtfeld durchquerten.

13. Es machte dem Herrn jedoch keine Freude, Duryodhana und seine Mitstreiter mit gebrochenen Gliedern auf dem Schlachtfeld liegen zu sehen. Dieser hatte sein Glück und sein Leben verloren, weil er den abgefeimten, schlechten Ratschlägen von Karna, Duhsasana und Saubala gefolgt war.

14. (Nach dem Ende der Schlacht von Kuruksetra sprach Krishna zu sich selbst:) Nun ist die große Last der Erde von achtzehn militärischen Phalanxen mit der Hilfe Dronas, Bhismas, Arjunas und Bhimas hinweg genommen worden. Doch was ist mit der großen Stärke meiner eigenen Nachkommen, die auch zu einer unerträglichen Bürde werden kann?

15. Ich werde sie bei meinem Entschwinden ebenfalls zum Verschwinden bringen. Dazu gibt es kein anderes Mittel, als dass sie in Trunkenheit mit zornesroten Augen im Streit auf einander los gehen.

16. So dachte der Glückliche bei sich selbst. Er setzte Yudhisthira wieder ein als König seines Reiches, zur Freude seiner Freunde, damit er auf dem Thron den Pfad der Hingabe vorlebe.

17. Der Glückliche beschützte den Nachkommen Purus (Parikchit), den Sohn Abhimanyus, welcher im Leibe seiner Mutter Uttara von der Waffe Asvatthamas versengt wurde.

18. Der höchste Herr veranlasste Yudhisthira, den Sohn Dharmas, drei Pferde-Opfer darzubringen. Unterstützt durch seine jüngeren Brüder beschützte dieser die Erde und erfreute sich ihrer als ein getreuer Verehrer Krishnas.

19. Der Glückliche, die All-Seele, folgte in Dvaraka dem Pfade der Veden. Gemäß der Sankhya-Philosophie genoss er die Gegebenheiten des Lebens ohne ihnen verhaftet zu sein.

20. Liebevoll, mit freundlich lächelnden Blicken, nektargleichen Worten und makellosem Charakter war er die Wohnstätte des Glücks.

21. Er erfreute sich an dieser und jener Welt vor allem in Gemeinschaft mit der Yadu-Familie. In Mußestunden bei Nacht genoss er die Freundschaft und eheliche Liebe mit seinen Frauen.

22. So verbrachte er viele lange Jahre im Genuss des häuslichen Lebens, bis das Bedürfnis in ihm erwachte sich daraus zurück zu ziehen.

23. Jedes Lebewesen kann dem Beispiel des höchsten Herrn folgen im gläubigen Dienst des Bhakti Yoga, denn ein jeder steht unter der Herrschaft des Übernatürlichen und kann den Sinnengenuss der Herrschaft des Übernatürlichen unterstellen.

24. In der Stadt Dvaraka geschah es eines Tages, dass Prinzen aus der Familie Yadus und Bhojas spielerisch die Weisen verärgerten und diese sie verfluchten, gemäß dem Willen des Glücklichen.

25. Einige Monate später begaben sich die Nachkommen Vrishnis und Bhojas und andere, wie die Söhne Andakas, verwirrt von Krishna, mit großem Vergnügen zu der Pilgerstätte Prabhasa.

26. Dort nahmen sie ein Bad, verehrten mit Wasser die Vorväter, die Götter und die großen Weisen. Den Brahmanen spendeten sie in Mildtätigkeit wohlgenährte Kühe.

27. Sie schenkten ihnen auch Gold, Münzen, Bettzeug, Kleidung, Felle, Decken, Pferde, Wagen, Elefanten, junge Mädchen sowie Land für den Lebensunterhalt.

28. Nachdem sie den Brahmanen köstliche Speisen angeboten hatten, welche Opfergaben für den Glücklichen waren, verneigten sie sich ehrerbietig vor ihnen bis zur Erde. So erfüllten sie in vollkommener Weise ihre Pflicht, die Kühe und die Brahmanen zu beschützen.