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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Montag, 25. April 2011

2.10. Das Bhagavatam beantwortet alle Fragen

1. Der erleuchtete Suka sprach: Diese Geschichte vom Glücklichsein umfasst zehn Themen: 1. die Schöpfung (sarga), 2. die sekundäre Schöpfung (visarga), 3. die Welten, 4. die Erhaltung, 5. die Dynamik, 6. die Abfolge der Manus Stammväter der Menschheit) und ihrer Zeitalter, 7. die Inkarnationen des Herrn, 8. die Auflösung, 9.die Befreiung, 10. der höchste Herr als die Grundlage von allem.

2. Die ersten neun Themen werde ich nach den Aussagen der großen Weisen, gemäß den Veden oder aus dem Schatz meiner Erfahrungen zusammenfassend behandeln mit dem Ziel, das zehnte Thema ganz klar aufscheinen zu lassen.

3. Sarga wird die Erschaffung der Elemente, der Materie, der Sinne und des Geistes genannt. Unter Visarga versteht man die Erschaffung der Natur durch Brahma als das Zusammenwirken der drei Qualitäten und die daraus sich ergebenden Aktivitäten.

4. Die Stabilität der Welten ist der Triumph des Herrn von Vaikuntha (des Höchsten). Die Erhaltung ist das Werk seiner Gnade. Die Herrschaft der Manus ist der Ursprung des Dharma (des rechten Pfades). Die Dynamik ist der Antrieb zum Handeln (vasana).

5. Die Lehre vom Höchsten beschreibt die Inkarnationen des Herrn und ihre Taten sowie die seiner Anhänger in vielfältigen Erzählungen.

6. Die Auflösung geschieht, wenn der Herr in mystischem Schlaf liegt und seine Schöpferkraft zusammen mit den geschaffenen Wesen wieder in ihn zurückkehrt. Befreiung bedeutet die Aufgabe der äußeren Gestalt und das Verbleiben in der eigentlichen Gestalt.

7. Er, der als das höchste Brahman und als die Allseele gekannt wird, ist die Quelle, aus der die Manifestation und die Auflösung des Universums hervorgehen.

8. Er ist der Wahrnehmende, die Wahrnehmung und das Wahrgenommene.

9. Keines dieser drei kann ohne die anderen existieren. Daher ist das Bewusstsein, die Allseele, die Einheit der drei und zugleich ihre Wohnstätte.

10. Als die ursprüngliche Person aus sich selbst hervortrat und die Universen voneinander schied, schuf sie reinstes transzendentes Wasser, um darauf zu liegen.

11. Auf dem von ihr geschaffenen Wasser verweilte sie tausend himmlische Jahre lang. Daher wird sie Narayana genannt. (Sie ist die höchste Person - Nara - , und das Wasser, welches aus ihr hervorging, heißt ebenfalls Nara. Narayana ist "die auf dem Wasser namens Nara liegende Person".]

12. Die Elemente, das Handeln und die Zeit sowie die lebenden Wesen existieren allein durch seine Gnade. Sobald er etwas nicht mehr beachtet, hört es auf zu existieren.

13. Wenn der alleinige Höchste aus seinem mystischen Schlaf erwacht und Verschiedenheit wünscht, geht aus ihm der goldene Same hervor, und daraus erschafft er durch die Kraft seiner Maya die dreifache Gottheit.

14. Nun höre bitte an, wie der einzige Herr seine Schöpfermacht in diese drei Ströme aufteilte: das Subjekt, die Objekte und die beide verbindende Intelligenz.

15. Aus dem Äther im Körper der höchsten Person gingen durch seinen Wunsch die Kräfte der Sinne, des Gemüts und des Körpers hervor und danach auch der Lebensatem, welcher allen Wesen innewohnt.

16. Wenn der Äther der höchsten Person in Bewegung ist, sind auch die Kräfte und der Lebensatem der Wesen in Bewegung. Wenn er zur Ruhe gelangt, hört auch das Streben der Wesen auf. Die Lebewesen folgen der Energie des Höchsten wie das Gefolge einem König.

17. Durch die Bewegung des Lebensatems zeigten sich Hunger und Durst in der höchsten Person, und da sie zu trinken und zu essen begehrte, öffnete sich der Mund.

18. Im Munde entstanden der Gaumen und die Zunge, und zugleich wurden die verschiedenen Geschmäcker manifestiert, welche die Zunge genießen kann.

19. Als es der Wunsch des Höchsten war zu sprechen, gingen aus dem Munde, der Feuer-Gottheit unterstellt, Ton-Schwingungen und die Sprache hervor. Da der Höchste aber im Wasser ruhte, waren diese eine sehr lange Zeit hindurch nur latent vorhanden.

20. Als der höchste Herr Düfte wahrzunehmen begehrte, wurden, unter der Herrschaft der Wind-Gottheit, die Nase mit der Atmung und dem Geruchssinn sowie die Gerüche manifestiert.

21. Als der Höchste nicht länger im Dunkeln liegen wollte und seinen transzendenten Körper und andere zu sehen wünschte, entsprossen aus ihm die Augen und, der Sonnengottheit untergeordnet, der Gesichtssinn und die Farben.

22. Als das höchste Selbst den Wunsch hatte zu verstehen und von den Weisen verstanden zu werden, entstanden die Ohren und, dem Raum zugeordnet, der Gehörsinn und die Klänge.

23. Durch das Begehren, von allen Substanzen die Härte oder Weichheit, Schwere oder Leichtigkeit, Wärme oder Kälte wahrzunehmen, wurden Sinneszellen überall auf der Haut und an den Haaren manifestiert und der Tastsinn für die innere und äußere Wahrnehmung sowie die durch Tasten wahrnehmbaren Eigenschaften, unter der Herrschaft der Gottheiten der Bäume (der Haare der Erde).

24. Die Hände entstanden aus dem Wunsch des Herrn zur Tätigkeit, auch ihre Kraft sowie Indra, die beherrschende Gottheit, wobei die Tätigkeit sowohl von den Händen als auch von der Gottheit abhängt.

25. Aus dem Bedürfnis nach Bewegung ließ der höchste Herr die Füße und die Pflichten und Betätigungen der Menschen entstehen. Als der Herrscher über beides manifestierte er sich selbst als Vishnu.

26. Aus dem Wunsch den Nektar sexuellen Vergnügens zu kosten kamen die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane, die lustvolle Vereinigung und die beherrschende Gottheit (die Prajapatis).

27. Das Bedürfnis nach Ausscheidung der Überreste der Nahrung führte zur Entstehung des Anus, der Ausscheidungsfunktion, des Ausgeschiedenen und von Mitra, der beherrschenden Gottheit.

28. Aus dem Verlangen von einem Körper in den nächsten zu wandern entstanden der Nabel sowie das Aufhören des Lebensatems, der Tod und die beides beherrschende geistige Kraft.

29. Aus dem Wunsch nach Essen und Trinken kam der Bauch mit den inneren Organen und den Adern sowie die erhaltenden Kreisläufe von Blut und Verdauung unter der Herrschaft der (Gottheiten der) Flüsse und Seen.

30. Als es den Herrn danach verlangte über seine eigene Maya nachzusinnen, wurde das Gemüt manifestiert und als sein Sitz das Herz sowie Candra (die Mondgottheit) als Beherrscher des Gemüts und seiner Regungen des Wollens und Wünschens.

31. Die sieben Elemente des Körpers (Oberhaut, Lederhaut, Fleisch, Blut, Fett, Mark und Knochen) sind aus Erde, Wasser und Feuer geschaffen, während der Lebensatem aus Äther, Wasser und Luft besteht.

32. Die Sinne sind auf die natürlichen Qualitäten (gunas) bezogen, auch das Ego-Prinzip ist bestimmt durch die gunas. Das Gemüt erfährt den Wechsel (von Freude und Leid), nur die Intelligenz ist gekennzeichnet durch das Wissen um das Selbst.

33. Alles dieses ist die stoffliche Manifestation des Glücklichen, wie ich dir erklärt habe. Sie erstreckt sich bis in Unendliche in Form von Planeten und Ähnlichem und besteht aus acht Schichten (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Gemüt, Intelligenz und Ich-Prinzip).

34. Über die stoffliche Manifestation hinaus ist das Transzendente, feiner als das Feinste, unmanifestiert, ohne materielle Gestalt, ohne Anfang, Dauer und Ende, ewig und jenseits aller Worte.

35. Wer im Wissen gegründet ist, akzeptiert von den beiden Formen des Glücklichen, welche ich dir beschrieben habe (der manifestierten und der transzendenten), niemals die äußere, durch Maya manifestierte.

36. Der Glückliche in seiner transzendenten Form mit seinem Handeln, seinen Eigenschaften und seiner Umgebung ist absolutes Brahman. Wenn er sichtbar Namen, Formen und Handlungen annimmt, ist er von diesen Werken in seiner Transzendenz nicht betroffen.

37.-40. O König, alle Lebewesen - Brahma und seine Nachkommen, die Manus, die Götter, die Weisen, die Vorväter, die Bewohner der verschiedenen Himmelswelten, die Dämonen, die Engel, die Schlangen- und Affen-Gestaltigen, die Menschen, die Bewohner der Unterwelten, die Geistwesen, die Planeten, die Tiere, die Pflanzen- und die Berggeister, alle Wesen, die im Wasser und auf dem Lande leben - erfahren alles Glück und alles Leid und alle Mischungen davon einzig und allein als das Ergebnis ihrer vergangenen Taten.

41. Entsprechend den Qualitäten sattva (Gutheit), rajas (Leidenschaft) und tamas (Trägheit) gibt es drei Arten von Wesen: himmlische Wesen, Menschen und unterweltliche Wesen. O König, die einzelnen Qualitäten teilen sich wiederum in drei auf, je nachdem von welcher anderen Qualität eine jede zusätzlich beeinflusst ist.

42. Der Glückliche, der Erhalter, nimmt in verschiedenen Reichen des geschaffenen Universums Gestalt an, unter den Tieren, unter den Menschen und unter den Göttern, um die Wesen in ihre eigentliche, dem Dharma entsprechende Gestalt zu bringen.

43. Am Ende eines Weltalters vernichtet der Herr in der Gestalt Rudras durch Feuer alles Geschaffene, wie der Wind die Wolken auflöst.

44. So wird der Glückliche in allen seinen erkennbaren Eigenschaften von den großen Gottesgelehrten beschrieben. Wer ihn in Liebe verehrt, verdient es aber, nicht nur diese Eigenschaften, sondern auch seine transzendente Herrlichkeit zu schauen.

45. Niemals ist der Höchste im Erschaffen und Zerstören der Handelnde. Wenn er in den Veden als der Architekt beschrieben wird, so ist es, um der Vorstellung entgegenzuwirken, die materielle Natur könne aus sich selbst die Schöpfung hervorbringen.

46. Nun habe ich dir die Prinzipien von Schöpfung und Auflösung der materiellen Natur in zusammengefasster Form beschrieben, wie sie im Universum insgesamt (vikalpa) und an jedem einzelnen Tage Brahmas (kalpa) wirksam sind.

47. Über die Zeitmaße und die Form und Beschaffenheit der einzelnen Perioden, wie zum Beispiel eines Tages Brahmas, werde ich dich später unterrichten. Zunächst höre über das Padma Kalpa (den gegenwärtigen Tag Brahmas, der aus dem Lotos - padma - hervorging, welcher aus dem Nabel des Höchsten entsrposs).

48. Saunaka sprach: O Suta, in deiner Güte erzähltest du uns von Vidura, einem der größten Verehrer des Herrn, wie er sich auf Pilgerreise begab und alle seine Verwandten zurückließ, was sicherlich sehr schwer war.

49.-50. O Edler, bitte berichte uns von der Unterredung zwischen Vidura und dem Weisen Maitreya über die transzendente Wahrheit. Welche Themen besprachen sie, was fragte Vidura und was antwortete der glückliche Weise ihm? Erzähle uns bitte auch von den Taten Viduras und den Gründen, warum er seine Freunde und Verwandten verließ und warum er zu ihnen zurückkehrte.

51. Suta antwortete: Hört bitte zu, ich werde euch dieses erklären, so wie es der große Weise (Suka) dem König Parikchit auf seine Fragen hin erzählte.

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