Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Montag, 25. April 2011

2.10. Das Bhagavatam beantwortet alle Fragen

1. Der erleuchtete Suka sprach: Diese Geschichte vom Glücklichsein umfasst zehn Themen: 1. die Schöpfung (sarga), 2. die sekundäre Schöpfung (visarga), 3. die Welten, 4. die Erhaltung, 5. die Dynamik, 6. die Abfolge der Manus Stammväter der Menschheit) und ihrer Zeitalter, 7. die Inkarnationen des Herrn, 8. die Auflösung, 9.die Befreiung, 10. der höchste Herr als die Grundlage von allem.

2. Die ersten neun Themen werde ich nach den Aussagen der großen Weisen, gemäß den Veden oder aus dem Schatz meiner Erfahrungen zusammenfassend behandeln mit dem Ziel, das zehnte Thema ganz klar aufscheinen zu lassen.

3. Sarga wird die Erschaffung der Elemente, der Materie, der Sinne und des Geistes genannt. Unter Visarga versteht man die Erschaffung der Natur durch Brahma als das Zusammenwirken der drei Qualitäten und die daraus sich ergebenden Aktivitäten.

4. Die Stabilität der Welten ist der Triumph des Herrn von Vaikuntha (des Höchsten). Die Erhaltung ist das Werk seiner Gnade. Die Herrschaft der Manus ist der Ursprung des Dharma (des rechten Pfades). Die Dynamik ist der Antrieb zum Handeln (vasana).

5. Die Lehre vom Höchsten beschreibt die Inkarnationen des Herrn und ihre Taten sowie die seiner Anhänger in vielfältigen Erzählungen.

6. Die Auflösung geschieht, wenn der Herr in mystischem Schlaf liegt und seine Schöpferkraft zusammen mit den geschaffenen Wesen wieder in ihn zurückkehrt. Befreiung bedeutet die Aufgabe der äußeren Gestalt und das Verbleiben in der eigentlichen Gestalt.

7. Er, der als das höchste Brahman und als die Allseele gekannt wird, ist die Quelle, aus der die Manifestation und die Auflösung des Universums hervorgehen.

8. Er ist der Wahrnehmende, die Wahrnehmung und das Wahrgenommene.

9. Keines dieser drei kann ohne die anderen existieren. Daher ist das Bewusstsein, die Allseele, die Einheit der drei und zugleich ihre Wohnstätte.

10. Als die ursprüngliche Person aus sich selbst hervortrat und die Universen voneinander schied, schuf sie reinstes transzendentes Wasser, um darauf zu liegen.

11. Auf dem von ihr geschaffenen Wasser verweilte sie tausend himmlische Jahre lang. Daher wird sie Narayana genannt. (Sie ist die höchste Person - Nara - , und das Wasser, welches aus ihr hervorging, heißt ebenfalls Nara. Narayana ist "die auf dem Wasser namens Nara liegende Person".]

12. Die Elemente, das Handeln und die Zeit sowie die lebenden Wesen existieren allein durch seine Gnade. Sobald er etwas nicht mehr beachtet, hört es auf zu existieren.

13. Wenn der alleinige Höchste aus seinem mystischen Schlaf erwacht und Verschiedenheit wünscht, geht aus ihm der goldene Same hervor, und daraus erschafft er durch die Kraft seiner Maya die dreifache Gottheit.

14. Nun höre bitte an, wie der einzige Herr seine Schöpfermacht in diese drei Ströme aufteilte: das Subjekt, die Objekte und die beide verbindende Intelligenz.

15. Aus dem Äther im Körper der höchsten Person gingen durch seinen Wunsch die Kräfte der Sinne, des Gemüts und des Körpers hervor und danach auch der Lebensatem, welcher allen Wesen innewohnt.

16. Wenn der Äther der höchsten Person in Bewegung ist, sind auch die Kräfte und der Lebensatem der Wesen in Bewegung. Wenn er zur Ruhe gelangt, hört auch das Streben der Wesen auf. Die Lebewesen folgen der Energie des Höchsten wie das Gefolge einem König.

17. Durch die Bewegung des Lebensatems zeigten sich Hunger und Durst in der höchsten Person, und da sie zu trinken und zu essen begehrte, öffnete sich der Mund.

18. Im Munde entstanden der Gaumen und die Zunge, und zugleich wurden die verschiedenen Geschmäcker manifestiert, welche die Zunge genießen kann.

19. Als es der Wunsch des Höchsten war zu sprechen, gingen aus dem Munde, der Feuer-Gottheit unterstellt, Ton-Schwingungen und die Sprache hervor. Da der Höchste aber im Wasser ruhte, waren diese eine sehr lange Zeit hindurch nur latent vorhanden.

20. Als der höchste Herr Düfte wahrzunehmen begehrte, wurden, unter der Herrschaft der Wind-Gottheit, die Nase mit der Atmung und dem Geruchssinn sowie die Gerüche manifestiert.

21. Als der Höchste nicht länger im Dunkeln liegen wollte und seinen transzendenten Körper und andere zu sehen wünschte, entsprossen aus ihm die Augen und, der Sonnengottheit untergeordnet, der Gesichtssinn und die Farben.

22. Als das höchste Selbst den Wunsch hatte zu verstehen und von den Weisen verstanden zu werden, entstanden die Ohren und, dem Raum zugeordnet, der Gehörsinn und die Klänge.

23. Durch das Begehren, von allen Substanzen die Härte oder Weichheit, Schwere oder Leichtigkeit, Wärme oder Kälte wahrzunehmen, wurden Sinneszellen überall auf der Haut und an den Haaren manifestiert und der Tastsinn für die innere und äußere Wahrnehmung sowie die durch Tasten wahrnehmbaren Eigenschaften, unter der Herrschaft der Gottheiten der Bäume (der Haare der Erde).

24. Die Hände entstanden aus dem Wunsch des Herrn zur Tätigkeit, auch ihre Kraft sowie Indra, die beherrschende Gottheit, wobei die Tätigkeit sowohl von den Händen als auch von der Gottheit abhängt.

25. Aus dem Bedürfnis nach Bewegung ließ der höchste Herr die Füße und die Pflichten und Betätigungen der Menschen entstehen. Als der Herrscher über beides manifestierte er sich selbst als Vishnu.

26. Aus dem Wunsch den Nektar sexuellen Vergnügens zu kosten kamen die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane, die lustvolle Vereinigung und die beherrschende Gottheit (die Prajapatis).

27. Das Bedürfnis nach Ausscheidung der Überreste der Nahrung führte zur Entstehung des Anus, der Ausscheidungsfunktion, des Ausgeschiedenen und von Mitra, der beherrschenden Gottheit.

28. Aus dem Verlangen von einem Körper in den nächsten zu wandern entstanden der Nabel sowie das Aufhören des Lebensatems, der Tod und die beides beherrschende geistige Kraft.

29. Aus dem Wunsch nach Essen und Trinken kam der Bauch mit den inneren Organen und den Adern sowie die erhaltenden Kreisläufe von Blut und Verdauung unter der Herrschaft der (Gottheiten der) Flüsse und Seen.

30. Als es den Herrn danach verlangte über seine eigene Maya nachzusinnen, wurde das Gemüt manifestiert und als sein Sitz das Herz sowie Candra (die Mondgottheit) als Beherrscher des Gemüts und seiner Regungen des Wollens und Wünschens.

31. Die sieben Elemente des Körpers (Oberhaut, Lederhaut, Fleisch, Blut, Fett, Mark und Knochen) sind aus Erde, Wasser und Feuer geschaffen, während der Lebensatem aus Äther, Wasser und Luft besteht.

32. Die Sinne sind auf die natürlichen Qualitäten (gunas) bezogen, auch das Ego-Prinzip ist bestimmt durch die gunas. Das Gemüt erfährt den Wechsel (von Freude und Leid), nur die Intelligenz ist gekennzeichnet durch das Wissen um das Selbst.

33. Alles dieses ist die stoffliche Manifestation des Glücklichen, wie ich dir erklärt habe. Sie erstreckt sich bis in Unendliche in Form von Planeten und Ähnlichem und besteht aus acht Schichten (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Gemüt, Intelligenz und Ich-Prinzip).

34. Über die stoffliche Manifestation hinaus ist das Transzendente, feiner als das Feinste, unmanifestiert, ohne materielle Gestalt, ohne Anfang, Dauer und Ende, ewig und jenseits aller Worte.

35. Wer im Wissen gegründet ist, akzeptiert von den beiden Formen des Glücklichen, welche ich dir beschrieben habe (der manifestierten und der transzendenten), niemals die äußere, durch Maya manifestierte.

36. Der Glückliche in seiner transzendenten Form mit seinem Handeln, seinen Eigenschaften und seiner Umgebung ist absolutes Brahman. Wenn er sichtbar Namen, Formen und Handlungen annimmt, ist er von diesen Werken in seiner Transzendenz nicht betroffen.

37.-40. O König, alle Lebewesen - Brahma und seine Nachkommen, die Manus, die Götter, die Weisen, die Vorväter, die Bewohner der verschiedenen Himmelswelten, die Dämonen, die Engel, die Schlangen- und Affen-Gestaltigen, die Menschen, die Bewohner der Unterwelten, die Geistwesen, die Planeten, die Tiere, die Pflanzen- und die Berggeister, alle Wesen, die im Wasser und auf dem Lande leben - erfahren alles Glück und alles Leid und alle Mischungen davon einzig und allein als das Ergebnis ihrer vergangenen Taten.

41. Entsprechend den Qualitäten sattva (Gutheit), rajas (Leidenschaft) und tamas (Trägheit) gibt es drei Arten von Wesen: himmlische Wesen, Menschen und unterweltliche Wesen. O König, die einzelnen Qualitäten teilen sich wiederum in drei auf, je nachdem von welcher anderen Qualität eine jede zusätzlich beeinflusst ist.

42. Der Glückliche, der Erhalter, nimmt in verschiedenen Reichen des geschaffenen Universums Gestalt an, unter den Tieren, unter den Menschen und unter den Göttern, um die Wesen in ihre eigentliche, dem Dharma entsprechende Gestalt zu bringen.

43. Am Ende eines Weltalters vernichtet der Herr in der Gestalt Rudras durch Feuer alles Geschaffene, wie der Wind die Wolken auflöst.

44. So wird der Glückliche in allen seinen erkennbaren Eigenschaften von den großen Gottesgelehrten beschrieben. Wer ihn in Liebe verehrt, verdient es aber, nicht nur diese Eigenschaften, sondern auch seine transzendente Herrlichkeit zu schauen.

45. Niemals ist der Höchste im Erschaffen und Zerstören der Handelnde. Wenn er in den Veden als der Architekt beschrieben wird, so ist es, um der Vorstellung entgegenzuwirken, die materielle Natur könne aus sich selbst die Schöpfung hervorbringen.

46. Nun habe ich dir die Prinzipien von Schöpfung und Auflösung der materiellen Natur in zusammengefasster Form beschrieben, wie sie im Universum insgesamt (vikalpa) und an jedem einzelnen Tage Brahmas (kalpa) wirksam sind.

47. Über die Zeitmaße und die Form und Beschaffenheit der einzelnen Perioden, wie zum Beispiel eines Tages Brahmas, werde ich dich später unterrichten. Zunächst höre über das Padma Kalpa (den gegenwärtigen Tag Brahmas, der aus dem Lotos - padma - hervorging, welcher aus dem Nabel des Höchsten entsrposs).

48. Saunaka sprach: O Suta, in deiner Güte erzähltest du uns von Vidura, einem der größten Verehrer des Herrn, wie er sich auf Pilgerreise begab und alle seine Verwandten zurückließ, was sicherlich sehr schwer war.

49.-50. O Edler, bitte berichte uns von der Unterredung zwischen Vidura und dem Weisen Maitreya über die transzendente Wahrheit. Welche Themen besprachen sie, was fragte Vidura und was antwortete der glückliche Weise ihm? Erzähle uns bitte auch von den Taten Viduras und den Gründen, warum er seine Freunde und Verwandten verließ und warum er zu ihnen zurückkehrte.

51. Suta antwortete: Hört bitte zu, ich werde euch dieses erklären, so wie es der große Weise (Suka) dem König Parikchit auf seine Fragen hin erzählte.

Donnerstag, 21. April 2011

2.9. Die Antworten des Weisen Suka

1. Der erleuchtete Suka sprach: O König, das Selbst, welches reines Bewusstsein ist, kann keinerlei Verbindung haben mit den Gegenständen dieser Schöpfung, außer durch die Maya (Bilder schaffende Energie) des Herrn, genau wie ein Mensch keinerlei Verbindung hat mit den Gegenständen, die er in einem Traum wahrnimmt.

2. Die vielen verschiedenen Formen werden manifestiert durch die Maya, ihr Genuss gemäß den natürlichen Qualitäten ebenso, wodurch der Gedanke von Ich“ und „Mein“ aufkommt.

3. Sobald jemand sich von diesem Gedanken befreit und ihn völlig aufgibt, erfreut er sich der höchsten Herrlichkeit jenseits von Zeit und Illusion.

4. Da Brahma ihn mit Hingabe ohne Falsch verehrte, zeigte der Glückliche ihm die Wirklichkeit seiner transzendenten Form und unterwies ihn in der Wahrheit über das Selbst, welche Reinigung von der Illusion bedeutet.

5. Brahma, die erste Gottheit, welche im Universum erschien, und der höchste geistliche Lehrer, begann darüber nachzudenken, wozu er auf seinen Lotos-Sitz saß, und er verstand nicht, wie die Schöpfung vor sich gehen sollte und welches die rechte Methode war das Geschaffene zu einem Ganzen zusammenzufügen.

6. Wie er so in Gedanken versunken über dem Wasser saß, vernahm er in seiner Nähe zweimal zwei Silben, die zusammengefügt das Wort "Tapa" (Askese) ergaben, welche der Reichtum des zurückgezogenen Lebens ist.

7. Als er dieses Wort vernommen hatte, schaute er sich nach allen Seiten um auf der Suche nach dem Sprecher, aber er fand niemanden. Da hielt er es für das Beste, auf seinem Lotossitz zu verharren und den Geist auf die Entsagung zu richten.

8. So blieb Brahma tausend himmlische Jahre lang in reiner Schau und beherrschte den Lebensatem, das Gemüt und die Sinne. Es war die härteste Askese, die jemals praktiziert wurde, und sie erhellte alle Welten.

9. Der Glückliche nahm Brahmas Askese an und ließ ihn seine eigene Welt schauen, die höchste, über der es keine höhere gibt. Sie wird verehrt als der Ort, an dem die fünf Arten materieller Bedrängnis (Unwissenheit, Selbstsucht, Anhaften, Hass und Todesangst) vollständig vergangen sind und die Wesen ohne Illusion und Angst in vollkommener Verwirklichung des Selbst existieren.

10. Dort herrscht die Qualität der Gutheit über die der Leidenschaft und der Trägheit, ohne mit ihnen vermischt zu sein, und weder die Zeit noch die Illusion üben irgendeinen Einfluss aus. Der höchste Herr wird dort sowohl von den Göttern als auch von den Dämonen verehrt.

11. Alle Bewohner jener Welt erscheinen in leuchtend blau-schwarzer Farbe mit Lotos-Augen und gelblicher Kleidung. Sie wirken strahlend schön und jugendlich und sind alle vierarmig. Ihr Glanz wird noch erhöht durch kostbarste Perlen und verzierte Medaillons.

12. Manche erstrahlen im Schmuck von Korallen, Vaidurya-Diamanten (der Schmuck des Herrn selbst, der auch völlig befreite Seelen ziert) und weißen Lotos-Blüten, und ihr Haupt ist geschmückt mit Ohrringen und Girlanden.

13. Jene leuchtende Welt wird umrundet von Scharen strahlender Flugkörper, welche den großen Seelen gehören. Die Frauen dort sind blendend schön und von himmlischer Farbe. Alles zusammen erscheint wie der Himmel, geschmückt mit Wolken und Blitzen.

14. Die Göttin des Glücks dient dort mit großer Ehrfurcht den Lotosfüßen des preiswürdigen Herrn, um ihn in vielfältiger Weise zu erfreuen, begleitet von ihren lieben Gefährtinnen, die ihr mit lobpreisendem Gesang folgen, wie dem Frühling die summenden Bienen folgen.

15. Als den Mittelpunkt jener Welt schaute Brahma den Höchsten, den Herrn aller seiner Verehrer, den Herrn der Göttin des Glücks, den Herrn aller Opfer, den Herrn des Universums. Als seine engsten Gefährten dienen ihm in Liebe Sunanda, Nanda, Prabala und Arhana.

16. Er schaut seine Verehrer liebevoll an und sein Anblick ist berauschend wie Nektar. Seine Augen strahlen vor Glückseligkeit in seinem lächelnden, rötlich verzierten Antlitz, und er ist geschmückt mit Helm und Ohrringen. Er hat vier Arme, trägt ein gelbes Gewand und auf seine Brust ist das Bildnis der Göttin des Glücks gezeichnet.

17. Der Höchste sitzt auf einem ehrfurchtgebietenden Thron, in der Fülle seiner vier (Ur-Materie, ursprüngliche Person, Intelligenz und Ego), sechzehn (die fünf Elemente, die jeweils fünf wahrnehmenden und handelnden Sinne und das Gemüt) und fünf (die Gegenstände der Sinneswahrnehmungen) Energien und ausgestattet mit seinen anderen persönlichen Fähigkeiten, die er nur manchmal zeigt. Als der höchste Herr genießt fürwahr sein Reich.

18. Beim Anblick dieser Erscheinung wurde der Schöpfer des Universums im Herzen von Freude überwältigt und verneigte sich in der Ekstase höchster Liebe mit Tränen in den Augen vor den Lotosfüßen des Herrn. Seinem Beispiel folgen die großen befreiten Seelen.

19. Als der Herr Brahma im Zustand vollkommener Erkenntnis vor sich sah, wurde er von Liebe zu ihm erfüllt und befand ihn für würdig Lebewesen zu erschaffen und zu beherrschen. Voller Freude gab er ihm die Hand, als Liebender dem Geliebten, und sprach ihn milde lächelnd mit erleuchtenden Worten an.

20. Der Glückliche sprach: Ich bin vollkommen zufrieden mit dir, denn durch deine lange Askese ist das Wissen in dir gewachsen, wie Schöpfung zu bewerkstelligen ist. Mit eigensüchtiger Askese bin ich dagegen nicht zufrieden.

21. Gesegnet seiest du, o Brahma. Bitte mich, den glückbringenden Spender allen Segens, um das, was du dir wünschst. Mich in ganzer Fülle zu schauen ist das höchste Ziel aller Asketen.

22. Die Fähigkeit mich in meiner Welt mit eigenen Augen zu schauen hast du erlangt durch die höchste Askese, welche du auf mein Wort hin in völliger Zurückgezogenheit geübt hast.

23. Ich selbst war es, der dich dazu aufgefordert hat, weil du verwirrt darüber warst, was du zu tun hast. Askese ist mein eigenes Herz und meine Seele. Wer Askese übt, ist ich, o Sündenloser.

24. Strenge Askese ist meine Macht. Durch Askese erschaffe ich fürwahr das Universum, durch Askese löse ich es wieder auf, und durch Askese erhalte ich es.

25. Brahma antwortete: O Glücklicher, du Herrscher über alle lebenden Wesen! Du bist in unseren Herzen und unsere Wünsche liegen unverhüllt in deinem allumfassenden Wissen.

26. Dennoch bitte ich dich, o Herr, gewähre mir diesen Wunsch: ich möchte erkennen, auf welche Weise du in transzendenter und in weltlicher Form erscheinst, der du doch formlos bist.

27. Und wie lässt du aus dir selbst heraus durch deine eigene Schöpferkraft verschiedene Energien hervor gehen, welche durch Wandlung und Kombination zu Auflösung, Schöpfung, Annahme und Erhaltung führen?

28. O Meister, lass mich bitte das Zusammenspiel der Energien verstehen, mit denen du dich selbst ohne Makel kunstreich verhüllst, wie die Spinne ihr Netz webt.

29. Durch dich, den Glücklichen selbst, belehrt, möge ich durch deine Gnade mich niemals im Netz der Maya verfangen, wenn ich als dein Instrument die lebenden Wesen erschaffe.

30. O Herr und Meister, wie der Freund einen Freund hast du mich angenommen, so dass ich die lebenden Wesen erschaffen darf. Wenn ich in deinem Dienst die Geborenen erschaffe, o Ungeborener, ohne mich in die Maya zu verstricken, dann lass mich deshalb nicht überheblich und stolz werden.

31. Der Glückliche sprach: Das Wissen über mich ist höchst vertraulich und wird nur erworben durch Hingabe an das Geheimnis, welches ich bin. Ich will dir seine Gestalt erklären, mit allem, was dazu gehört. Bitte nimm es auf.

32. Die Verwirklichung der Wahrheit, welche ich bin, in meinem transzendenten Sein und in meinen verschiedenen Formen, Qualitäten und Handlungen, lass in dir aufscheinen durch meine Gnade.

33. Ich, der Höchste, bin es fürwahr, der als Einziger vor der Schöpfung existiert. Es gibt nichts außer mir, nicht einmal Sein und Nichtsein. Wenn Schöpfung stattgefunden hat, bin auch nur ich als alles Geschaffene, und nach der Auflösung bin ich es, der bleibt.

34. Alles, was erscheint, ist in sich wertlos. Es ist nur Erscheinung meines Selbst. Wisse, meine Bilder erschaffende Energie ist nur eine Reflexion meines Selbst, eine Verdunkelung.

35. So wie die Elemente des Universums in alles, sei es groß oder klein, eintreten und zugleich nicht eintreten (Wasser in einem Körper z.B. ist und bleibt Wasser), so bin ich in allem und bin zugleich nicht darin.

36. Wer nach der Wahrheit sucht, kann nur diese zwei Wege beschreiten, zu allen Zeiten, an allen Orten und unter allen Umständen: den indirekten (das Selbst ist nicht dies - nicht das) oder den direkten (alles ist das Selbst]).

37. Wenn du fest in dieser Erkenntnis verankert bleibst im Zustand höchsten Gewahrseins, kann dich nichts verwirren, weder während der Dauer der Schöpfung noch bei ihrer Auflösung.

38. Der erleuchtete Suka sprach: Nachdem der höchste Herr den Ungeborenen (Brahma), den Herrscher über alle lebenden Wesen, in dieser Weise vollständig belehrt hatte, während dieser seine transzendente Gestalt schauen durfte, entschwand er seinen Blicken.

39. Als die Vision verschwunden war, erschuf Brahma, den Geist völlig auf den höchsten Herrn gerichtet und mit gefalteten Händen, das Universum, erfüllt mit allen lebenden Wesen, so wie es vor der Auflösung gewesen war.

40. So befolgte der Vater aller Lebewesen und Vater des rechten Pfades von Anfang an, um erschaffen zu können, die Regeln und Prinzipien, welche den Lebewesen zum Heile dienen, denn auch er ist ihnen unterworfen.

41. Narada, sein geliebter Sohn und Erbe, befolgt sie ebenso, seinem Vater gehorsam und immer bereit ihm zu dienen in rechtem Verhalten, Bescheidenheit und Kontrolle der Sinne.

42. In seinem Wunsch, Erkenntnis über die schöpferische Energie Vishnus, des Meisters der Erscheinung, zu erlangen, erfüllte Narada, der hervorragende Weise und Verehrer des Glücklichen, seinen Vater mit großem Wohlgefallen, o König.

43. Als er sah, dass es seinem Vater, dem Urvater aller Welten, wohl gefiel, stellte der große Weise ihm die selben Fragen, welche du mir auch gestellt hast.

44. Daraufhin erzählte der Schöpfer seinem Sohn voller Zufriedenheit diese Geschichte vom Glücklichsein, ausgestaltet in zehn Themen, so wie der Glückliche selbst sie ihn gelehrt hatte.

45. O König, Narada wiederum lehrte sie den grenzenlos mächtigen Vyasa, den großen Weisen, als er am Ufer des Flusses Sarasvati saß und über die höchste Wahrheit, das absolute Brahman, meditierte.

46. Was auch immer du mich gefragt hast darüber, wie diese Welt aus der kosmischen Gestalt der ursprünglichen Person entstanden ist, und über alles andere, will ich dir nun völlig und in allen Einzelheiten erklären.

Mittwoch, 6. April 2011

2.8. Die Fragen Parikchits

1. Der König fragte: O Suka, wie beschrieb Narada, der durch Brahma inspiriert ist und dessen Erzählen dem seines Vaters gleichkommt, die Eigenschaften des Herrn, welcher eigenschaftslos ist, und zu wem sprach er davon?

2. Ich wünsche zu wissen. Bitte lehre mich die Wahrheit über den Herrn, der wunderbare Schöpfermacht besitzt, o Bester unter den Wissenden, und lass mich die Erzählungen über ihn hören, die glückbringend für alle Welten sind.

3. Bitte sprich weiter, o du Glücklicher, so dass ich mein Gemüt auf Krishna, die Allseele, richten kann und von der Anhänglichkeit an das Materielle befreit werde, da ich doch bald diesen Körper verlasse.

4. Der Glückliche scheint alsbald in den Herzen derer auf, die ernsthaft, regelmäßig und mit Eifer den Erzählungen über ihn zuhören.

5. So tritt Krishna über die Ohren ins Herz der Hörenden ein und lässt sich nieder auf der Lotosblume der Hingabe. Er reinigt das Herz von materieller Gebundenheit, wie der Herbstregen die Gewässer reinigt.

6. Wessen Herz einmal gereinigt ist und wer unter dem Schutz der Lotosfüße Krishnas von allem Elend befreit wurde, der wird das Hören nie wieder aufgeben, wie ein ermüdeter Reisender seine Herberge nicht verlässt.

7. O Brahmane, wie tritt der Geist in den Körper ein, wenn ein lebendes Wesen geschaffen wird? Geschieht es zufällig oder zu einem bestimmten Zweck? Bitte erkläre es mir in deiner Güte, so wie du es weißt.

8. Wenn die höchste Person, aus deren Nabel der Lotos entsprießt, der Sitz der Schöpfers, sozusagen einen Körper besitzt, wie kann man dann, abgesehen von der Größe, die Unterschiede zwischen ihrem Körper und den Körpern der Lebewesen beschreiben?

9. Der Ungeborene (Brahma), der Schöpfer von allem in der Materie Geborenen, kann die Gestalt des Herrn erkennen, aus dessen Nabel die Lotosblume entsprießt. Aus dieser ist er hervorgegangen, und durch seine Gnade erschafft er. (In welchem Verhältnis stehen seine Gestalt und die des Herrn?)

10. Die höchste Person, welche die Welten erschafft, erhält und vernichtet, der Herr der schöpferischen Energie, ist selbst von ihr unberührt, und dennoch wohnt er im Herzen eines Jeden. (Wie kann das sein?)

11. Du sprachst davon, dass die verschiedenen Welten mit ihren Beherrschern in den verschiedenen Teilen des Körpers der ursprünglichen Person liegen. Ich hörte aber auch, dass sie die Teile ihres Körpers sind. (Wie verhält es sich genau?)

12. Wie lang ist die Dauer eines Kalpa (Zeit zwischen Schöpfung und Auflösung) und eines Vikalpa (Zeitdauer untergeordneter Schöpfungen)? Was ist die Natur der Zeit, welche in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eingeteilt wird? Wonach bemisst sich die Lebensspanne der verschiedenen Wesen?

13. O Bester aller Brahmanen, wann ist der Beginn der Zeit, und weshalb erfahren wir Zeiträume als kurz oder lang im Verhältnis zu unseren Betätigungen?

14. In welcher Weise wirken sich die von den verschiedenen natürlichen Qualitäten bestimmten Handlungen und Wünsche auf das Leben der Wesen aus?

15. Wie geschieht die Erschaffung der Welten unter der Erde, der vier Himmelsrichtungen, des Sternenhimmels mit den Planeten und Sonnen, der Berge und Flüsse, des Meeres und der Inseln mit allen ihren Bewohnern?

16. Welche Ausdehnung hat das Universum mit dem inneren und dem äußeren Weltraum und welche Unterteilungen gibt es? Bitte erzähle auch vom Leben und den Taten der großen Seelen und beschreibe die Ordnung der Kasten und der Lebensalter.

17. Welche verschiedenen Zeitalter gibt es und wie ist ihre Dauer und die Weise des rechten Verhaltens in einem jeden? Welches sind die Inkarnationen des Herrn in den einzelnen Zeitaltern? Erzähle bitte von ihren Taten, die höchst wunderbar sind.

18. Worin besteht der rechte Pfad für die Menschen im Allgemeinen und im Besonderen für die einzelnen Klassen der Gesellschaft und für die Herrscher? Was sind die Pflichten gegenüber Menschen in Not?

19. Welches sind die Elemente, aus denen die Schöpfung gebildet ist, und was ist ihre Zahl? Wie sind ihre unterschiedlichen Eigenschaften und ihr kausaler Zusammenhang? Auf welche Weise sollen wir den höchsten Herrn verehren, welche Methoden führen uns dorthin und wie ist die Praxis des Yoga?

20. Was sind die Fähigkeiten eines Yoga-Meisters und wie erlangt man sie? Wie geschieht die Auflösung des subtilen Körpers? Worin bestehet das Wissen der Veden und ihrer Ergänzungen? Welches sind die Prinzipien des Handelns in den historischen Erzählungen und in den Puranas?

21. Auf welche Weise entstehen, bleiben und vergehen die lebenden Wesen? Was sind die Regeln für das religiöse, gesellschaftliche und persönliche Leben?

22. Wie entstehen die lebende Wesen aus dem kosmischen Körper des Herrn? Warum gibt es das Böse? Wie kommt es zu Verhaftung, Befreiung und Unverhaftetsein?

23. Wie kann es sein, dass der Glückliche das Spiel der Maya beginnt und es wieder aufgibt, ganz wie er es wünscht, und doch als der in sich selbst ruhende Zeuge von allem verbleibt?

24. Du großer, glücklicher Weiser, bitte erkläre mir dieses alles, wie es der Wahrheit entspricht, auch das, wonach ich nicht gefragt habe. Ich habe schon lange das Bedürfnis es zu erfahren. Lass es mich bitte wissen und alle, die sich um dich geschart haben.

25. In diesen Fragen bist du mit Sicherheit eine ebenso große Autorität wir Brahma, der Selbst-Geborene, während andere nur der Tradition folgen.

26. O Brahmane, da ich aus dem nektargleichen Ozean deiner Worte trinken darf, erschöpft sich mein Leben nicht, obwohl ich faste.

27. Suta sprach: über die Fragen, die König Parikchit in der Versammlung bezüglich der höchsten Wahrheit stellte, war Suka sehr erfreut.

28. Er fing an das Bhagavatam zu sprechen, das Purana, welches die Veden fortführt. Es wurde Brahma vom Glücklichen selbst geoffenbart, noch vor dem Anfang der Schöpfung.

29. So begann Suka mit der Beschreibung und Erläuterung von allem, was Parikchit, der Beste aus der Pandu-Dynastie, ihn gefragt hatte.