Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Donnerstag, 24. März 2011

2.7. Die Inkarnationen des Herrn

Die Inkarnationen des Herrn

2. Gesang, Kapitel 7


1. Brahma sprach: Der Grenzenlose nahm aus freiem Willen die Gestalt eines Ebers an, gebildet aus allen Opfern, um die Erde aus dem universellen Ozean emporzuheben. Dabei erschien der Erste der Dämonen, und der Eber durchbohrte ihn mit seinem Stoßzahn wie der Herr des Donners die Gebirge mit seinem Keil durchschlägt.

2. Er wurde geboren als Suyajna, Sohn des Vorvaters Ruci und seiner Gattin Akuti. Suyajna zeugte mit seiner Gemahlin Daksina Halbgötter, allen voran Yama. Er linderte das Leiden in den drei Welten, daher erkannte Manu Swayambhuva (der Vater der Menschheit) ihn als Hari (Vishnu).

3. O Narada, als nächstes nahm er Geburt an als Kapila im Hause Kardamas durch Devahuti, zusammen mit neun Schwestern. Er lehrte seine Mutter den Pfad der Selbst-Verwirklichung, auf dem die Befleckung der Seele durch den Schlamm der materiellen Qualitäten abgewaschen und noch in diesem Leben Befreiung erlangt wird.

4. Dem Weisen Atri, der inständig um Nachkommen gebetet hatte, konnte ich (Brahma) versprechen, dass der Glückliche ihm als Sohn geschenkt würde. Er bekam den Namen Datta (das Geschenk). Der Staub von seinen Lotosfüßen reinigte Körper und Geist und gewährte Yadu, Haihaya und anderen (den Begründern der Yadu-Dynastie) weltlichen und geistlichen Reichtum.

5. Um die Welten zu schaffen unterzog ich mich strenger Askese. Aufgrund dieser erschien der Herr als die vier Sanas (Sanat-Kumara, Sanaka, Sanandana und Sanatana). Bei der Auflösung der vorigen Schöpfung war das Wissen von der Wahrheit vollständig verloren gegangen. Im Geiste der vier Sanas wurde sie in dieser Schöpfung auf Neue manifestiert, so dass die Weisen sie klar erkennen konnten.

6. Um die Kraft der Askese aufscheinen zu lassen, nahm der Herr Geburt an von Murti, der Gemahlin Dharmas und Tochter Daksas, als Narayana und Nara. Selbst himmlische Schönheiten, die Gefährtinnen Cupidos (der personifizierten Begierde), konnten die Zwillinge nicht veranlassen ihre Gelübde zu brechen, denn alle Schönheit des Glücklichen erschien aus ihnen selbst.

7. Große Asketen (wie Shiva) können die Begierde durch Zorn überwältigen, doch gegenüber ihrem Zorn sind sie machtlos. Vor dem höchsten Herrn fürchtet sich aber selbst der Zorn. Wie könnte da die Lust in seinem Geiste Unterschlupf finden?

8. Der Prinz Dhruva wurde von einer Nebenfrau seines Vaters, des Königs, in dessen Gegenwart beleidigt. Daraufhin zog er sich, obwohl noch ein Junge, in strenger Askese in die Wälder zurück. Auf Bitten der Himmelsbewohner wies der Herr dem Jungen den Weg zum Planeten Dhruva, welcher von den Weisen umrundet wird (vgl. 4. Gesang, Kapitel 8 und 9).

9. Als König Vena vom Pfad der Rechtschaffenheit abgewichen war, straften ihn die Brahmanen mit dem Donner-Fluch, welcher ihn mitsamt seinen Großtaten und seinem Reichtum in der Hölle brennen ließ. Aufgrund von Gebeten kam der Herr zur Erde als sein Sohn Prithu und befreite ihn. Prithu sorgte auch dafür, dass die Erde urbar gemacht wurde und alle Arten von Feldfrüchten hervorbrachte.

10. Der Herr wurde auch geboren als Rsabha, Sohn Sudevis und König Nabhis. Er übte den perfekten Yoga aus, bei dem das Gemüt ganz und gar ausgeglichen im Selbst ruht und die Sinne völlig zurückgenommen sind. Die Weisen betrachten diesen Zustand totaler Befreiung ohne jedes Anhaften als den höchsten.

11. In einer meiner Opfer-Zeremonien erschien der Glückliche mit einem Haupt wie dem eines Pferdes und von goldbrauner Farbe. Er ist die Personifikation aller Opfer, die Personifikation der Veden und das Selbst der Götter. Der Atem aus seinen Nüstern ist der melodische Klang der vedischen Hymnen.

12. Als am Ende eines Weltalters die Erde überflutet war, zeigte er sich in der Gestalt eines Fisches und beschützte den zukünftigen Stammvater der Menschheit und alle Lebewesen. Aus Furcht vor den Wasserfluten rezitierte ich (Brahma) alle Veden, und er erfreute sich daran.

13. Als die Götter und Dämonen den Milch-Ozean aufschäumten, um Nektar zu gewinnen, nahm die ursprüngliche Person die Gestalt einer Schildkröte an und stützte mit ihrem Panzer den Mandara-Berg, den die Anführer beider Parteien als Quirl benutzten. Die Reibung des Berges auf ihrem Panzer war für die Schildkröte, die im Halbschlaf lag, nur wie ein leichtes Jucken.

14. Der Herr inkarnierte in Gestalt Nrisimhas (des Löwenmenschen), um die Götter von großer Schrecknis zu befreien. Den König der Dämonen, welcher ihn mit einer Keule in der Hand herausforderte, brachte er zu Fall, indem er seine Brauen runzelte und seine fürchterlichen Zähne zeigte. Er legte ihn über seine Knie und zerriss ihn mit seinen Krallen.

15. Als der König der Elefanten in einem Fluss von einem überaus starken Krokodil ins Bein gebissen wurde, nahm er in seiner Not eine Lotosblüte und betete zum Herrn: O du ursprüngliche Person, Herr des Universums! Du bist verehrungswürdig wie eine Pilgerstätte. Dein Name ist heilig. Alles wird gut, wo er erklingt.

16. Als der Herr ihn so flehen hörte, setzte er sich auf den Rücken des Königs der Vögel und eilte ihm zu Hilfe mit seiner Waffe, dem Diskus. Mit ihm zerteilte der unermesslich Mächtige das Maul des Krokodils, und indem der Glückliche den Elefanten beim Rüssel fasste, befreite er ihn voller Mitleid daraus.

17. Obwohl er der Größte ist und jenseits aller Qualitäten, inkarnierte er als Sohn Aditis in der Gestalt Vamanas (eines Zwergs). Von König Bali erbat er nur drei Schritte Land, aber als der höchste Herr umfasste er mit nur zwei Schritten alles Land im Universum. Obgleich alles Land ihm gehört, folgte er dem von den Autoritäten gewiesenen Pfad und erbat es vom König, anstatt es ihm einfach fortzunehmen.

18. Mein lieber Sohn, König Bali dachte nicht daran sein Versprechen zu brechen und gab dem Herrn (für den dritten Schritt) sogar seinen eigenen Körper hin. Selbst die Herrschaft über die Himmelswelt, die er durch seine Stärke erlangt hatte, war ihm nichts wert im Vergleich mit dem Wasser von den Füßen des Herrn, welches sein Haupt benetzte. (Vgl. 8. Gesang, Kapitel 15-22)

19. O Narada, in seiner Inkarnation als Hamsa erläuterte der Glückliche dir, dessen Liebe ihn erfreute, genau und in allen Einzelheiten das Wissen um den Yoga der Hingabe, welchen jene, die bei Krishna Zuflucht suchen, als das Licht in der Dunkelheit erkennen.

20. In seinen verschiedenen Inkarnationen in der Linie der Manus (der Väter der Menschheit) herrscht er durch seine Stärke und in der Kraft seines Diskus überall unbesiegbar und unterwirft sich alle verbrecherischen Könige. Seine ruhmreiche Herrschaft erstreckt sich über die drei materiellen Welten und über das Reich des Transzendenten.

21. In seiner Inkarnation als Dhanvantari schenkt der Glückliche allen Lebewesen Heilung von ihren Krankheiten durch das bloße Aussprechen seines Namens, in welchem er selbst in seiner ganzen Herrlichkeit gegenwärtig ist. Er gibt ihnen auch Anteil an dem Nektar, der langes Leben gewährt, und bringt die Heilkunst in das Universum.

22. Wenn die Herrscher-Klasse sich überheblich vom rechten Pfad abwendet, sich gegen die Wahrheit des Brahman auflehnt und sich auf den Weg zu Hölle begibt, erscheint der Herr in der Gestalt des großen Weisen (Parasurama) und rodet mit fürchterlicher Macht dreimal sieben mal dieses Dornengesträuch mit seiner scharfen Hacke aus.

23. Aus grundloser Liebe zu uns inkarniert der Herr in der Gestalt Ramas in der Familie König Iksvakus. Auf Geheiß seines Vaters zieht er mit seiner Gemahlin und seinem jüngeren Bruder in den Wald. Dort vernichtet er den zehnköpfigen, aufrührerischen Ravana.

24. Rama, von Schmerz erfüllt über die Abwesenheit seiner Gefährtin Sita, blickt mit vor Zorn geröteten Augen hinüber auf die Stadt des Feindes (Ravanas, der Sita entführt hat). Der Ozean weicht angstvoll zitternd vor ihm zurück, nachdem seine Bewohner, die Haie, Schlangen und Krokodile, von seinem glühend heißen Blick versengt worden sind.

25. In der Schlacht zerbrach der Rüssel des Elefanten, welcher den Himmelskönig Indra trug, an der Brust Ravanas, und seine Teile verbreiteten sich leuchtend in alle Richtungen. Ravana brach in Gelächter aus und stolzierte zwischen den kämpfenden Gegnern umher. Augenblicklich aber machte das Sirren des Pfeiles vom Bogen Ramas dem Leben des Räubers seiner Gattin (Sita) ein Ende.

26. Wenn die Erde leidet unter der Bürde von Kriegern, die sich gegen die Götter erheben, erscheint er als Krishna und sein Bruder Balarama, mit schönem schwarzem Haar. Er vollbringt Taten, die von seiner übernatürlichen Herrlichkeit künden, welche von niemandem zu ermessen ist.

27. Wer anders als der höchste Herr könnte als ein Baby ein riesenhaftes Lebewesen töten (die Dämonin Putana) oder im Alter von drei Monaten mit dem Bein einen Wagen umwerfen? Wer sonst könnte als krabbelndes Kind zwei himmelhohe Bäume entwurzeln (an welchen die Pflegemutter Krishna festgebunden hat)?

28. Wer anders als der höchste Herr könnte in Vrindavana die Kälber und die Hirtenjungen durch seinen liebevollen Blick wieder zum Leben erwecken, nachdem sie vom vergifteten Wasser 8des Flusses Yamuna) getrunken haben? Und wer sonst könnte wie zum Spiel in den Fluss springen, um ihn zu reinigen und die Schlange zu züchtigen, die auf ihrem Grunde lauert und das tödliche Gift von ihrer Zunge strömen lässt?

29. Eine andere übermenschliche Tat vollbringt er, wenn in einer Nacht durch Trockenheit ein Waldbrand ausbricht. Die Bewohner von Vraja sehen schon ihre letzte Stunde gekommen, da rettet er sie gemeinsam mit seinem Bruder Rama durch unermessliche Wunderkraft, indem sie einfach die Augen schließen.

30. Wenn seine (Pflege-9Mutter versucht ihm (als Strafe) die Hände mit einem Seil zu binden, ist keines lang genug. In seinem geöffneten Mund sieht die Hirtin alle Welten. Sie ist erstaunt und beginnt seine Göttlichkeit zu ahnen.

31. Seinen (Pflege-)Vater Nanda befreit er von der Furcht vor (der Wasser-Gottheit) Varuna, und die Hirten befreit er aus der Höhle, in welcher der Sohn Mayas sie eingesperrt hat. Den Bewohner von Vrindavana, die am Tage sehr hart arbeiten und bei Nacht daher nur noch fest schlafen können (anstatt zu meditieren), schenkt er, dass ihr Wohnort selbst zum Himmel wird.

32. Wenn die Hirten aufhören dem Himmelsgott Indra zu opfern (auf den Rat Krishnas hin, da es in Gegenwart des höchsten Herrn sinnlos ist einer Gottheit zu opfern), beginnt es in Strömen zu regnen, und das ganze Land ist in Gefahr verwüstet zu werden. Aus Mitleid mit den Tieren hebt Krishna den Berg Govardhana in die Höhe und hält ihn sieben Tage lang wie im Spiel mit einer Hand zum Schutz über das Land ohne zu ermüden, obwohl er erst sieben Jahre alt ist.

33. Wenn der Herr im Walde von Vrindavana beim nächtlichen Tanz im Mondschein durch süße Gesänge und melodische Musik Liebessehnsucht bei den Frauen weckt und der Dämon Sankhacuda sie entführt, schlägt er ihm das Haupt ab.

34.-35. Alle Dämonen und dämonisch geprägten Menschen (es folgt eine Aufzählung von Namen), die durch den höchsten Herrn in den Gestalten Krishnas, seines Bruders Rama, Arjunas oder Bhimas getötet werden, gehen in das gestaltlose Brahman ein oder gelangen zur Wohnstätte Vishnus.

36. In seiner Gestalt als Sohn Satyavatis (Vyasa) sammelt er die vedischen Schriften und teilt diesen Wunsch-erfüllenden Baum dann in verschiedene Teile auf, entsprechend dem Fassungsvermögen der Menschen in dem Zeitalter, wo die Intelligenz getrübt und die Lebensspanne verkürzt ist.

37. Wenn die Gegner des Göttlichen sich das erforderliche Wissen aus den Veden angeeignet haben und von unsichtbaren Flugkörpern aus, hergestellt von (dem Dämon) Maya, die Bewohner der Welten vernichten wollen, nimmt der Höchste eine sehr attraktive Gestalt an und verwirrt die Gemüter der Gegner durch zahlreiche Reden über die Prinzipien des rechten Pfades.

38. Am Ende des Kali Yuga, wenn selbst an den (ehemaligen) Wohnstätten der Weisen nicht mehr vom Herrn die Rede ist und in den höheren Gesellschaftsschichten Atheismus herrscht, die Regierung in die Hände der niedrigsten Schicht übergegangen ist und niemand mehr von Hymnen, Altären und Opfern weiß, erscheint der Glückliche als der Strafende.

39. Am Anfang der Schöpfung bin ich (Brahma), der im Opfer die Weisen erscheinen lässt und die neun Schöpfer (Prajapatis). In der Phase der Erhaltung herrschen der Dharma (Rechtschaffenheit), Vishnu, der Manu (Vater der Menschheit), die Götter und die Könige der verschiedenen Welten. Am Ende aber ist die Zeit Shivas, der Auflösung des Dharma, der Gottlosigkeit und des Zorns. Alle drei sind wir Erscheinungen der Allmacht des Höchsten.

40. Wer vermöchte das Können Vishnus zu beschreiben? Das gelingt nicht einmal den Wissenschaftlern, selbst wenn sie die Atome zählen können. Er überquert (als Trivikrama) mit einem Schritt mühelos alle Welten und gelangt jenseits der drei Qualitäten, was alle in Erstaunen setzt.

41. Weder ich selbst noch alle Weisen, die vor dir (Narada) geboren wurden, kennen das Ende der allmächtigen ursprünglichen Person, wie viel weniger jene, die nach uns geboren werden. Nicht einmal Sesa, die allererste Inkarnation des Herrn, welcher die Eigenschaften des Tausendgesichtigen beschreibt, hat seine Grenzen ausloten können.

42. Nur jene, denen der grenzenlose Glückliche seine Gnade schenkt aufgrund ihrer bedingungslosen, ungeheuchelten Hingabe, können den unendlichen Ozean der Illusion überwinden und aufhören den Körper, der am Ende zum Fraß für Hunde und Schakale wird, für ihr Selbst oder ihr Eigentum zu halten.

43.-45. Mein lieber Sohn, ich selbst und du, wir wissen um die verhüllende Energie des Höchsten, auch der glückliche Shiva und viele andere. (Es folgt eine Aufzählung von Namen.)

46. Zweifellos können auch Frauen, Arbeiter, Angehörige noch niederer Stände und Barbaren, auch wenn sie Sünder waren, die Illusion der göttlichen Energie überwinden, indem sie Schüler der Weisen werden. Selbst Tiere können es, um wie viel mehr jene, die den Lehren der Schriften folgen.

47. Grenzenloses Brahman, Glückseligkeit ohne Leid, das ist die Wirklichkeit des Glücklichen, der höchsten Person. Er ruht in Ewigkeit in sich selbst, ohne Furcht, als reines Bewusstsein. Er ist die erste Ursache, aber selbst unberührt von Ursache und Wirkung und ohne Unterschiede. In ihm gibt es keine Namen und keine zweckgerichtete Tätigkeit. Schamvoll flieht ihn die Illusion.

48. In ihm ist keine Meditation oder Beherrschung des Geistes, wie die Weisen und Yogis sie praktizieren. Deren bedarf er nicht, wie der Regengott keinen Brunnen zu graben braucht.

49. Der Glückliche ist der Meister alles Guten, denn was ein Lebewesen seiner Natur entsprechend auch Gutes tut, Glücklichsein ist der Lohn seiner Bemühungen. Auch wenn die Elemente, welche den Körper gebildet haben, vergehen und er abstirbt, vergeht die Person nicht, wie der Himmel nicht vergeht, denn sie ist ungeboren.

50. Mein lieber Narada, nun habe ich dir in Kürze alles über den Glücklichen erklärt, welcher der Schöpfer der manifestierten Welt ist. Außer ihm, dem Herrn, gibt es keinerlei Ursache des Transzendenten und des Stofflichen.

51. Diese Erzählung, genannt das Bhagavatam, wurde mir vom Glücklichen selbst vermittelt, und sie stellt die Essenz seiner ganzen Fülle dar. Bitte führe du sie aus und gib sie weiter.

52. Stelle den Herrn, den Glücklichen, bildhaft und deutlich dar, so dass die Menschen mit liebender Hingabe an ihn, das Selbst aller und das höchste Gut, erfüllt werden.

53. Wer diese Geschichte von ihm, dem höchsten Herrn, erzählt oder sie mit Wertschätzung und Hingabe hört, der kann nicht von der Maya getäuscht werden.

Freitag, 11. März 2011

2.6. Die kosmische Person

1. Brahma sprach: Der Mund der kosmischen Person ist der Ursprung der Sprachfähigkeit, welche zum Feuer-Element gehört; das Innere ihres Mundes ist der Entstehungsort der heiligen Gesänge der Veden; durch ihre Zunge kommt der Geschmackssinn, welcher die Götter den Nektar und die Opfergaben kosten lässt und die Erdenwesen ihre Nahrung.

2. Ihre Nase ist der transzendente Ursprung des Lebensatems und der Luft sowie der Asvini-Kumaras (Gottheiten der Langlebigkeit) und der Heilkräuter; aus ihrem Geruchssinn kommt die Fähigkeit der Lebewesen zu riechen und sich an Düften zu erfreuen.

3. Die Augen der kosmischen Person sind der Ursprung aller Formen und allen Lichts; aus ihren Augäpfeln geht die Sonne hervor mir ihrem Strahlen. Ihre Ohren sind der Ursprung der Himmelsrichtungen und der Empfänglichkeit für die heiligen Texte der Veden; von ihrem Gehörsinn kommen der Himmel und alle Klänge.

4. Der Körper der kosmischen Person ist der Ursprung aller Dinge, aller Aktivitäten und aller Möglichkeiten; aus ihrer Haut und ihrem Tastsinn geht der Wind hervor und mit Sicherheit auch alle Arten von Opfern.

5. Die Haare ihres Körpers sind der Ursprung aller Bäume und Kräuter, insbesondere derer, die für Opferzeremonien dienen; von ihrem Haupthaar kommen die Wolken, von ihrem Barthaar der Blitz, von ihren Nägeln Steine und Erze.

6. Die Arme der kosmischen Person sind der Ursprung der Schutzgottheiten und der Beschützer allen Handelns.

7. Das Vorwärts-Schreiten der kosmischen Person ist der Ursprung von Sicherheit und Wohlergehen in allen Welten; von den Lotosfüßen des Herrn kommen Geborgenheit, Befriedigung aller Bedürfnisse und aller Segen.

8. Die Zeugungsorgane der kosmischen Person sind der Ursprung des Wassers, der Fruchtbarkeit, des Regens und des Schöpfers; in ihrer Zeugungskraft liegt die Wonne des Zeugungsakts begründet.

9. O Narada, der Darmausgang der kosmischen Person ist der Ursprung Yamas (des Herrschers des Todes) und Mitras sowie der Aussscheidungs-Funktion; ihr Darm gilt als der Sitz von Missgunst, Unglück, Tod und Hölle.

10. Der Rücken der kosmischen Person ist der Ursprung von Misserfolg, Unmoral und Unwissenheit; aus ihren Adern entstehen die Ströme und Bäche und aus ihren Knochen sind die Gebirge erbaut.

11. Ihr Bauch ist der Ursprung der Gewässer und Ozeane und der Auflösung der Lebewesen; das Herz der kosmischen Person wird erkannt als der Entstehungsort des Gemüts.

12. Aus dem Bewusstsein der transzendenten Person entspringen der dharma (das Prinzip des rechten Weges), die Weisheit und die Wahrheit und auch die Gottheiten wie ich (Brahma), du (Narada), die Kumaras und Shiva.

13.-16. Ich, du, Shiva, die großen Weisen, die Götter, die Dämonen, die Menschen, die Nagas (himmlischen Schlangen), die Vögel, Säugetiere und Reptilien, die Bewohner der verschiedenen Welten, die Pflanzen und alle Arten von Lebewesen, Wasser, Land, Himmel, Planeten, Sonnen, Kometen, Sterne, Blitz und Donner: alles, was geschaffen ist, geschaffen wird und geschaffen wurde, das ganze Universum, dies alles entspringt mit Sicherheit der kosmischen Person und dieses alles umfasst sie, obgleich sie (im Herzen wahrgenommen) nicht größer ist als eine halbe Elle.

17. Wie die Sonne mit ihrer Leben spendenden Energie alles erleuchtet, so belebt die kosmische Person durch Ausdehnung ihrer universellen Gestalt alles Innere und Äußere.

18. Jenseits von Tod und früchtetragendem Handeln ist sie ist Herr der Unsterblichkeit und der Furchtlosigkeit. O Narada, die Herrlichkeiten der kosmischen Person sind unermesslich.

19. Du solltest wissen, die Welt der lebenden Wesen und der materiellen Güter macht nur ein Viertel der kosmischen Person aus. Unsterblichkeit, Glückseligkeit und Furchtlosigkeit liegen in ihrer Ganzheit, welche von den drei Welten nicht umfasst werden kann.

20. Die drei Viertel jenseits der Stofllichkeit sind die Wohnstätte jener, die nicht wiedergeboren werden. Jene, die nicht das Gelübde der Ehelosigkeit getan haben und dem Familienleben verhaftet sind, leben in den drei materiellen Welten.

21. Die alles durchdringende kosmische Person umfasst Weg und Ziel aller Lebewesen, im Weltlichen sowie im Geistlichen, und ist Herrscher über die Weisheit sowohl wie über die Unwissenheit.

22. Jener, aus dem das Welten-Ei und die kosmische Person in Erscheinung traten wie auch die Elemente, die Sinne, die Qualitäten und alles andere, ist der Ursprung aller Universen, so wie die Sonne der Ursprung ihrer Strahlen und allen Lichts und aller Wärme ist.

23. Als ich aus der Lotosblume geboren wurde, welche dem Nabel der höchsten Person entspross, wusste ich nicht, was ich ihr als Opfergabe darbringen konnte, denn es gab nichts außer ihrem kosmischen Körper.

24. Um ein Opfer darzubringen werden Gaben benötigt wie Tiere, Blumen, Blätter und Stroh (als Brennmaterial) sowie ein Altar und ein geeigneter Zeitpunkt.

25. O guter Narada, als weitere Utensilien können auch Körner, geklärte Butter, Honig, Gold, Erde und Wasser dienen, dazu das Rig Veda, Yayur Veda oder Sama Veda sowie vier Priester, welche das Opfer vollziehen.

26. Zu einem Opfer gehören auch die Anrufung der Götter-Namen in der Form von Mantras und für die einzelnen Gottheiten spezielle Gaben und Gelübde. Wie die rechte Ausführung für ein spezielles Anliegen ist, steht in den betreffenden Schriften.

27. Da es meine Absicht war mich der kosmischen Person auf wirksame Weise ganz und gar zu opfern, erschuf ich aus ihrem Körper alle dazu notwendigen Ingredienzien.

28. So opferte ich dem höchsten Herrn als der kosmischen Person ihre eigenen Glieder. Die kosmische Person war zugleich der Opfernde, das Opfer und der Genießer des Opfers.

29. Als nächstes opferten deine Brüder, die neun Herrscher der lebenden Wesen, mit großer Hingabe der zugleich transzendenten und manifestierten ursprünglichen Person.

30. Danach verehrten im Laufe der Zeit auch die Manus (Stammväter der Menschen), die Rishis (großen Weisen), die Pitris (Vorväter), die Götter, die Dämonen und die Menschen den höchsten Herrn durch Opfer.

31. Auf diese Weise erkannten sie an, dass sie alle und alles, was in allen Universen geschaffen, erhalten und zerstört wird, durch die machtvolle Schöpferkraft Narayanas, des Glücklichen, erscheint, welcher von all dem unberührt sich selbst genügt.

32. Durch seinen Willen und als seine Ausprägungen erschaffe ich und zerstört Shiva. Er erhält alle Universen als die kosmische Person durch die drei Energien.

33. Mein lieber Sohn, so habe ich dir alles erklärt, wonach du gefragt hast. Etwas anderes als der Glückliche ist nicht denkbar, weder als Ursache oder Wirkung noch als Materie.

34. O Narada, da mein Herz mit großem Eifer an Krishna, dem Herrn, festhält, können meine Worte nicht falsch sein und mein Gemüt nicht in die Irre gehen, noch auch meine Sinne sich im Zeitlichen verlieren.

35. Obwohl ich (Brahma) in der Tradition der Veden stehe, mich strenger Askese unterzogen habe, der verehrte Lehrer der Väter aller Lebewesen bin, Meister des Yoga und der Selbstverwirklichung, kann ich dennoch den höchsten Herrn nicht völlig verstehen, aus dem ich hervorgegangen bin.

36. Darum lass mich die Lotosfüße des Herrn verehren, welche die hingegebene Seele vom Kreislauf der Wiedergeburten befreien und die Quelle alles Guten und allen Glücks sind. Wie der Himmel nicht um sein Ende weiß, so kennt die Schöpfermacht des Herrn ihre eigene Grenze nicht. Wie sollte ich es da können?

37. Nicht einmal ich und ihr, meine Söhne, oder Shiva und die anderen Götter kennen die Wirklichkeit des Höchsten, da unsere Intelligenz der Illusion durch die seine schöpferische Kraft erliegt. Wir können nur das Geschaffene erkennen, soweit unsere eigene Verständnisfähigkeit reicht.

38. Ehre sei dem Glücklichen! Wir besingen seine Inkarnationen und seine Taten, auch wenn wir sie nicht in ihrer vollen Wirklichkeit erkennen können.

39. Er, die ursprüngliche kosmische Person, erschafft in jedem Weltalter von neuem als der Ungeborene sich selbst aus sich selbst durch sich selbst, erhält sich selbst und löst sich selbst wieder auf.

40.-41. Ohne eine Spur von Materie, rein und vollkommen im Wissen und in alles durchdringender Fülle ist er in Wahrheit als das Absolute ohne Anfang und Ende, frei von den Qualitäten der Natur und auf ewig unvergleichlich. O weiser Narada, die großen Denker können dies nur verstehen aus dem Frieden des Selbst heraus und mit zurückgenommenen Sinnen, sonst liegt es mit Sicherheit außerhalb ihres Fassungsvermögens und wird entstellt durch unhaltbare Argumente.

42. Die erste Inkarnation des Herrn ist die ursprüngliche Person. Zeit und Raum, Kausalität, die Elemente, die Qualitäten, auch das Ego-Prinzip, die Sinne und das Gemüt, Belebtheit und Unbelebtheit sind die Verschiedenheit innerhalb des vollkommenen Ganzen des höchsten Herrn.

43.-45. Ich selbst (Brahma), Shiva und Vishnu, die Väter der Lebewesen, du selbst und die anderen Söhne, die Obersten der Himmelswelt, des Weltenraumes, der Menschenwelt und der niederen Welten, die Himmelsbewohner, die Dämonen und Bewohner der Unterwelt sowie die Weisen, die Vorfahren, die Widersacher, die Wundertäter, die Barbaren und auch die Toten, die Geister, die Wasserwesen, Landtiere und Vögel: alles und jedes in der Welt, das Macht, Größe, Geschicklichkeit, Stärke, Vergebungsbereitschaft, Schönheit, Bescheidenheit, Reichtum, Intelligenz, Wunderkraft oder Fruchtbarkeit besitzt, erscheint, als ob es Wirklichkeit in sich sei, jedoch ist es nur Teil der transzendenten Wirklichkeit des Herrn.

46. O Narada, nun genieße mit Hingabe die bedeutsamen Erzählungen von den Inkarnationen, welche die höchste kosmische Person in ursachelosem und zweckfreiem Spiel angenommen hat. Sie lösen alles Üble auf, das sich in den Ohren angesammelt hat. Es ist eine Freude sie zu hören, und ich werde sie dir eine nach der anderen erzählen, so wie ich sie im Herzen trage.

Samstag, 5. März 2011

2.5. Die Ursache aller Ursachen

1. Narada sprach (zum Schöpfer): Ehre sei dir, o Gott der Götter, denn du bist der Erst-Geborene, aus welchem alle Wesen stammen. Bitte erläutere mir die Wahrheit über das Selbst.

2. Welches ist die Gestalt dieser Welt, welches ist ihre Grundlage und woraus wurde sie geschaffen, o mein Vater? Wovon wird sie erhalten und beherrscht? Bitte erkläre mir die Wahrheit darüber.

3. Alles dieses weißt du sicherlich in deiner Güte, denn du kennst alles, was geworden ist, werden wird und jetzt da ist. O Vater, das Universum ist in deiner Erkenntnis wie eine Walnuss in der Hand.

4. Was ist die Quelle deiner Weisheit, unter wessen Schutz und Anleitung stehst du und woher kommt deine Fähigkeit, als Einziger alle Lebewesen zu erschaffen aus den Elementen der Materie, die fürwahr von der schöpferischen Kraft des Selbst durchdrungen sind?

5. Wie eine Spinne ihr Netz bildest du aus dir selbst ohne Hilfe alle jene Wesen und verausgabst dich nicht dabei.

6. Ich kenne nichts Geschaffenes in dieser Welt, das Name, Form und Eigenschaften hat, mir überlegen, unterlegen oder gleich, ewig oder zeitlich, welches von einer anderen Quelle käme als von dir, o Mächtiger.

7. Jedoch hast du selbst dich strenger Askese und Meditation unterzogen, und dieses lässt die Frage aufkommen, ob du selbst das Absolute bist.

8. O du Allwissender und Allmächtiger, bitte erkläre mir alles, was ich dich gefragt habe, so dass ich in der Lage bin es als dein Schüler zu verstehen.

9. Brahma antwortete: Mein lieber Sohn, dein grundlegendes Fragen ist mir willkommen, denn es inspiriert mich, o Edler, über die Macht des Glücklichen zu sprechen.

10. Du bist nicht im Irrtum in dem, wie du mich beschrieben hast. O mein Sohn, ohne den Höchsten über mir zu kennen, kann niemand recht von mir sprechen.

11. Ich manifestiere das Universum, welches aus dem Glanz des Höchsten aufscheint, so wie die Sonne ihr Feuer manifestiert und der Mond, die Sterne, die Planeten und die Galaxien ihre Helligkeit.

12. Ehre sei ihm, dem Glücklichen, dem Sohne Vasudevas, über den ich meditiere und aufgrund von dessen unbezwinglicher Macht man mich den Weltenlehrer nennt.

13. Der täuschenden Energie kommt es nicht zu, den höchsten Platz einzunehmen. Jene, die sich von ihr verwirren lassen, reden eitel daher, wenn sie sagen: xEs ist meine Energiex oder: xIch bin allesx. Das ist ein Missverständnis.

14. Die Elemente und ihr Zusammenwirken, die Zeit, auch die Natur des lebenden Wesens sind mit Sicherheit Ausprägungen Krishnas, o Brahmane. Sie haben fürwahr keinerlei Wert in sich selbst.

15. Narayana (der höchste Herr) ist die Ursache und der Gegenstand allen Wissens, die Götter sind die helfenden Hände Narayanas, um Narayanas willen bestehen die Welten, und alle Opfer werden nur dargebracht ihm zu Gefallen, dem höchsten Herrn.

16. Konzentration des Geistes ist nur da um Narayana zu erkennen, Askese ist nur da um Narayana zu erreichen, Weisheit ist nur da um sich Naryanas bewusst zu werden, und der Pfad der Befreiung führt nur zu Narayana.

17. Indem ich betrachte, was durch den Seher, die All-Seele, den Herrscher über alle Intelligenz, so makellos geschaffen wurde, gebe ich mich, selber sein Geschöpf, inspiriert durch seinen Blick, meinerseits ans Erschaffen.

18. Sattva (Gutheit), rajas (Leidenschaft) und tamas (Trägheit) sind die drei gunas (Qualitäten), welche die schöpferische Energie des Höchsten in der Natur angenommen hat um der Erhaltung, Schöpfung und Zerstörung willen.

19. Unter dem Einfluss der gunas hat sich die ewig freie höchste Person den Bedingungen der Erscheinungswelt unterworfen, und ist zu materiellem Wissen geworden, welches sich durch das Gesetz von Ursache und Wirkung in Handlungen manifestiert.

20. O Narada, der Glückliche, der in allem, was den drei Gunas unterworfen ist, als ungesehener Seher gegenwärtig ist, beherrscht alles, auch mich.

21. Der Herr ließ durch die Macht seiner schöpferischen Energie Zeit, Aktivität und Natur entstehen, so dass die Verschiedenheit, welche verborgen in ihm ist, erscheint, wieder zurückgenommen und neu erschaffen wird, als ob sie unabhängig von ihm sei.

22. In der höchsten Person fand unter dem Einfluss der Zeit Transformation statt in den Gunas, in den Aktivitäten und in der Natur. Dieses war die Erschaffung des Mahat (der noch nicht differenzierten Gesamtheit des Geschaffenen).

23. In Mahat vollzogen sich Transformationen der Qualitäten, so dass Tamas (Trägheit) vorherrschend wurde. Auf diese Weise entstanden materiell bestimmtes Wissen und Handeln.

24. So wurde Ahamkara (das Ego-Prinzip) manifest, wiederum mit den drei Eigenschaften Trägheit, Leidenschaft und Gutheit, die sich in Stofflichkeit, Aktivität und Intelligenz äußern, mein lieber Sohn.

25. Aus dem Ego-Prinzip in der Qualität Tamas bildete sich durch Transformation als erstes der stofflichen Elemente der Raum, dem als subtile sinnliche Eigenschaft der Klang entspricht, so wie das Wahrgenommene dem Wahrnehmenden.

26.-29. Durch Transformation des Raumes zur Luft entwickelte sich aus dem Klang die Berührung, und damit entstand das sinnlich wahrnehmbare Leben mit seinen Unterschieden, strotzend vor Kraft. Indem die Luft transformiert wurde durch den Lauf von Zeit, Aktivität und Natur, entstand das Feuer-Element, und zu Klang und Berührung trat die sichtbare Form. Durch weitere Transformation der Elemente wurde aus dem Feuer das Wasser, und der Geschmack kam zu Form, Berührung und Klang hinzu. Aus dem Element Wasser entstand durch Transformation weitere Vielfalt mit dem Erd-Element, und der Geruch als subtile sinnliche Eigenschaft entwickelte sich aus Geschmack, Berührung, Klang und Form.

30. Aus dem Ego-Prinzip im Modus von sattva entstanden das Gemüt sowie die zehn Gottheiten der Körperlichkeit: der Beherrscher der Himmelsrichtungen, der Beherrscher des Windes, die Sonnengottheit, (die Gottheit des Wassers) Varuna, die Asvini-Kumaras, die Feuergottheit, Indra (der Herrscher der Götter), Upendra (der Himmelsgott), Mitra (der Gott der Freundschaft) und ich (Brahma).

31. Aus dem Ego-Prinzip im Modus von Rajas entstanden die Sinne: die fünf wahrnehmenden Sinne ( Hören, Berührung, Geruch, Sehen, Schmecken ) sowie die fünf handelnden Sinne ( Sprechen, Handeln, Fortpflanzung, Fortbewegung, Ausscheidung). Auch Buddhi (Intelligenz) und Prana (Lebensenergie) sind Produkte von Rajas.

32. So lange alle diese ( die Elemente, die Sinne, das Gemüt und die gunas ) aber für sich existierten und nicht zusammengefügt waren, so lange war es nicht möglich, dass sich ein Körper bildete, o Narada, du Bester unter den Kennern des Transzendenten.

33. Das Universum entstand erst, als der Glückliche durch seine schöpferische Energie sie alle zu einer Gestalt zusammenfügte.

34. Dieses kosmische Ei lag unnennbar viele Jahre lang in den Wassern des kausalen Ozeans, unbelebt, bis der Herr aller Lebewesen es belebte.

35. Er selbst als die ursprüngliche Person kam aus dem kosmischen Ei heraus mit unzähligen Hüften, Beinen, Armen, Augen, Mündern und Köpfen.

36. Die großen Gelehrten stellen sich die Glieder des kosmischen Körpers als die verschiedenen Welten vor: von der Taille abwärts sieben Systeme und von dort aufwärts ebenfalls sieben.

37. Den Mund dieser Person stellen die Brahmanen (Gelehrten) dar, die Ksatriyas (Krieger) ihre Arme, die Vaisyas (Kaufleute und Bauern) ihre Hüften, und die Beine des Glücklichen sind in den Shudras (Arbeitern) repräsentiert.

38. Die irdische Welt wird als die Beine des kosmischen Körpers vorgestellt, die ätherische als sein Bauch, die himmlische Welt als seine Brust mit dem Herzen und die Welt der Weisen und Heiligen als seine Seele.

39. Der obere Teil der Brust steht für die Menschenwelt und Hals und Kopf der universellen Gestalt für geistige Welten, die ewig sind.

40.-41. Die universelle Person umfasst alle Welten. Die sieben niederen bilden am Körper des Herrn die Hüften und die verschiedenen Partien der Beine und der Füße.

42. Nach einer anderen Vorstellung liegt Bhurloka (die niederen Welten bis hinauf zu irdischen Welt) in den Beinen der kosmischen Person, Bhuvarloka (die ätherischen Welten) in ihrem Bauch und Svarloka (die Himmelswelt) in ihrer Brust und ihrem Haupt.