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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Samstag, 26. Februar 2011

2.4. Die Schöpfung

1. Suta sprach: Als der verehrungswürdige Sohn Uttaras (Parikchit) die Worte Sukas über die Wahrheit des Selbst vernommen hatte, konzentrierte er sich auf Krishna.

2. Um nicht immer wieder abgelenkt zu werden, gab er seine tief verwurzelten Neigungen zu seinem Körper, seiner Gattin, seinem Sohn, seinem Palast, seinen Pferden und Elefanten, seinen Schätzen und allen seinen Freunden und Verwandten im Königreich auf.

3.-4. Versunken in Gedanken an Krishna und voller Vertrauen stellte die große Seele die selben Fragen, die ihr auch mir gestellt habt, ihr ehrwürdigen Weisen. Als er die Kunde von seinem bevorstehenden Tode erhalten hatte, entsagte er allen zweckgerichteten Tätigkeiten (religiösen Handlungen, Streben nach Gütern und Sinnengenuss) und allem, was dazu gehört. Darin gefestigt erlangte er liebende Hingabe an den Glücklichen, den Sohn Vasudevas.

5. Der König sprach: Was du sagst ist vollkommen richtig, o Brahmane. Da du ohne Befleckung bist, weißt du alles und bringst die Dunkelheit meiner Unwissenheit nach und nach zum Verschwinden, indem du zu mir über Themen sprichst, die den Herrn betreffen.

6. Als nächstes möchte ich erfahren, wie der Glückliche durch die Energien seines Selbst dieses Universum erschafft, das selbst für die größten Götter unbegreiflich ist.

7. Und bitte sage mir auch, wie der Erhabene seine Energien erhält und wieder auflöst als die allmächtige höchste Person, welche sich ausdehnt, ihre Ausdehnungen entwickelt, sich selbst darin einbindet, ihr Spiel inszeniert und sie veranlasst sich selbst zu spielen.

8. O Brahmane, selbst den hoch Gelehrten gelingt es trotz aller Bemühungen nicht die wunderbaren, unbegreiflichen Handlungen des Herrn, des Glücklichen, zu erklären.

9. Wenn er auch in seinen Inkarnationen handelt, so ist er doch der eine Höchste, ob er durch die Qualitäten der Natur wirkt, ob er zugleich selbst in der Materie ist oder ob er nach einander verschiedene Gestalten annimmt.

10. Bitte kläre meine Unsicherheiten. Das vermagst du so gut wie der Glückliche selbst; denn du stehst in der mündlichen Tradition der Veden und kennst zugleich das Transzendente aus eigener Erfahrung.

11. Suta sprach: Um auf die Fragen des Königs die transzendenten Attribute Hrishikesas (Krishnas als des Herrn der Sinne) in rechter Weise beschreiben zu können, eröffnete Suka seine Rede mit Verehrungen.

12. Der erleuchtete Suka sprach: Ehre sei der höchsten Person, welche zur Erschaffung, Erhaltung und Auflösung des Ganzen der Schöpfung in grundlosem und zweckfreiem Tun die Macht der drei Qualitäten annahm, während er im Inneren aller lebenden Wesen wohnt als der Eine, dessen Wege unerforschlich sind.

13. Wieder grüße ich die höchste Person, welche die Wahrhaftigen vom Leiden befreit und die Unwahrhaftigkeit zerstört, die das Unglücklichsein zum Aufhören bringt durch vollkommenes Gutsein. Ich grüße ihn, der die Menschen dazu befreit, im Zustand höchster geistiger Vollkommenheit zu verbleiben.

14. Ehrerbietige Grüße dem großen Verbündeten der Yadu-Dynastie, der weltlichem Streit fernbleibt und doch immer die Gegner seiner Verehrer überwindet. Ich verneige mich vor ihm, dessen weltlicher Reichtum genauso groß ist wie seine jenseitige Herrlichkeit.

15. Ihn verehre ich immer wieder, dessen Verherrlichung, dessen Gedenken, dessen Anblick, dessen Anrufung, dessen Anhören und dessen Verehrung jeden Menschen von den Folgen seiner Sünden reinigt, ihn, der immer als der All-Glückliche gepriesen wird.

16. Die Wissenden, welche alle Anhänglichkeit an die gegenwärtige oder eine zukünftige Existenz völlig aufgeben, indem sie sich seinen Lotosfüßen hingeben, gelangen mit Sicherheit ohne Schwierigkeiten mit Herz und Seele zum höchsten Ziel. Ehre sei dem All-Glücklichen immer und immer wieder.

17. Die großen Weisen, die großen Wohltätigen, die großen Meister der Tat, die großen Denker, die großen Mantra-Sänger und die strengen Asketen können niemals Erfolg ernten, wenn sie nicht ihm hingegeben sind, von dem zu hören glücklich macht und dem ich wieder und wieder meine Verehrung erweise.

18. Die Bewohner von Kirata, Huna, Andhra, Pulinda, Pulkasa, Abhira, Sumbha, Yavana, Khasa und anderer Länder, welche der Sünde verfallen sind und Zuflucht bei den Verehrern des Herrn suchen, werden sofort rein; ihm, dem machtvollen Vishnu, erweise ich erweise ich respektvolle Verehrung.

19. Er ist das Selbst der Selbstverwirklichten, der höchste Herr, die Veden in Person, die Rechtschaffenheit in Person und die Askese in Person, der Eine, der von dem Ungeborenen (Brahma), Shiva und allen befreiten Seelen respektvoll verehrt wird. O Glücklicher, mögest du dich an mir erfreuen!

20. Eigner aller Schätze, Vollzieher aller Opfer, Führer aller Lebewesen, Meister des Wissens, Beherrscher aller Welten, Oberhaupt der Erde, Vollender auch der Yadu-Dynastie von Andhaka und Vrishni, o Glücklicher, Herr aller Frommen, mögest du dich an mir erfreuen!

21. Jederzeit in das Gedenken seiner Lotosfüße vertieft zu sein gewährt, gemäß den Autoritäten, Reinigung und mit Sicherheit volle Einsicht in die Wirklichkeit des Selbst, und es gewährt den Weisen die Fähigkeit ihn zu beschreiben. O mein Befreier, o Glücklicher, mögest du dich an mir erfreuen!

22. Im Anfang inspirierte er Sarasvati (die Göttin der Weisheit) und erweiterte das Bewusstsein des Ungeborenen (Brahmas), so dass er sich im Herzen an seine eigene Natur erinnerte, während seine eigenen (des Höchsten) Attribute scheinbar durch seinem (Brahmas) Mund geschaffen wurden. Möge er, der Lehrer aller Lehrer, sich an mir erfreuen!

23. Der Allmächtige legt sich in der materiellen Schöpfung nieder und belebt alle Körper, welche aus den Elementen geschaffen sind; zugleich unterwirft er als die höchste Person alles den drei Qualitäten der Natur, deren sechzehn Unterteilungen (die Elemente und die Sinnes- und Handlungsorgane) ebenfalls aus ihm sind. Möge der Glückliche der Schmuck meiner Rede sein!

24. Ehre sei ihm, dem glücklichen Sohne Vasudevas, dem Schöpfer von allem, aus dessen lotosgleichem Mund die ihm Hingegebenen den Nektar des vedischen Wissens trinken.

25. O König, der Selbst-Geborene (Brahma) teilte seinem Sohne Narada auf seine Fragen hin genau dieses Wissen mit, so dass dieser der mit den Veden Geborene genannt wird und direkt darin unterrichet ist, so wie der Herr sie in Brahma aufscheinen ließ.

Mittwoch, 16. Februar 2011

2.3. Reine Hingabe: die Wandlung des Herzens

1. Der erleuchtete Suka sprach: Nun habe ich alle Fragen beantwortet, die du in deiner Güte mir gestellt hast das betreffend, was ein intelligenter Mensch an der Schwelle des Todes tun sollte.

2.-7. Wer nach dem Glanz des Absoluten verlangt, verehrt Brahma, den Herrn der Veden; Indra, der König des Himmels, wird verehrt von jenen, die eine starke Sinnlichkeit wünschen, und die Prajapatis (die Ur-Väter) von jenen, die Nachkommen möchten. Die Göttin (Durga), die Herrin der materiellen Welt, wird verehrt von jenen, die Schönheit wünschen, der Feuergott von jenen, die es nach Macht verlangt; für Reichtum verehrt man die Vasus und die Rudras (Ausprägungen von Shiva) für Stärke und Heldenmut. Für eine gute Ernte wird Aditi (die Mutter der Götter) verehrt, um den Himmel zu erlangen verehrt man ihre Söhne; wer ein Königreich begehrt, sollte die Visvadeva-Götter verehren, und die Sadhya-Götter, wer sich geschäftlichen Erfolg wünscht. Die Asvinis (Zwillingsgötter) werden verehrt für ein langes Leben. Für einen starken Körper verehrt man die Erde; wer einen guten Ruf und eine sichere Stellung wünscht, verehrt seine irdische Umgebung bis zum Horizont. Wenn man nach körperlicher Schönheit strebt, wendet man sich an die Gandharvas, (Himmelsbewohner, die sehr schön und gute Sänger sind); wer sich eine gute Ehefrau wünscht, an die himmlischen Jungfrauen (die Apsaras und Urvasis). Wer Herrschaft über andere will, verehrt Brahma, das Haupt des Universums. Yajna, der Herr der Opfer, wird verehrt um Ruhm zu erlangen; wer Schätze begehrt, wendet sich an Varuna, den himlischen Schatzmeister. Jene aber, die eine gute Ausbildung möchten, verehren Shiva selbst, während um eine gute Ehe Uma, seine treue Gattin, gebeten wird.

8. Wer geistigen Fortschritt sucht, verehrt den höchsten Herrn, der in den Schriften gepriesen wird; um Beistand für die Nachkommen bittet man die Pitris (die Vorfahren); wer Schutz sucht, wendet sich an fromme Seelen; um Kräfte zu erlangen, verehrt man die entsprechenden Geistwesen.

9. Die Manus (die Urväter der Menschheit) werden verehrt von denjenigen, die ein Königreich wünschen, die Hilfe von Dämonen aber wird gesucht von denen, die Feinde besiegen wollen. Jene, die es nach Sinnengenuss verlangt, wenden sich an Candra (den Mond). Wer aber frei von Wünschen ist, der verehrt die transzendente höchste Person.

10. Ob er nun frei von Verlangen ist oder nicht, oder ob es ihn nach Befreiung verlangt, ein Mensch von größerer Einsicht sollte mit all seiner Kraft und Hingabe (durch Bhakti-Yoga) die ursprüngliche Person verehren, das höchste Sein.

11. Was auch immer einer als das höchste Gut in seinem Leben betrachtet hat, durch die Gemeinschaft mit reinen Verehrern des Herrn entwickelt sich bei ihm mit Sicherheit unbeirrbare, spontane Liebe zum Glücklichen.

12. Das Wissen, welches den völligem Rückzug vom Strudel der Qualitäten der Natur (Gunas) nahe legt, führt zum Ruhen im Selbst. Und mehr noch führt der anerkannte transzendente Pfad des Bhakti-Yoga dort hin, wo keine Anhänglichkeit mehr an die Gunas besteht. Wer, der den Erzählungen über den Herrn lauscht, wird nicht von Liebe zu ihm erfüllt?

13. Saunaka sprach: Was begehrte der König, der Herrscher Bharatas, als nächstes zu wissen vom Sohne Vyasas, des weisen Dichters, nachdem er dieses vernommen hatte?

14. O gelehrter Suta, bitte erläutere uns, die wir gern davon hören möchten, diese Erzählungen und Unterweisungen über den Herrn, welche uns in dieser lang andauernden geheiligten Versammlung willkommen sind.

15. Er, der König, der Enkel der Pandavas und ein großer Kämpfer, war zweifellos ein großer Verehrer des Glücklichen, da er als Kind im Spiel mit Puppen es unternahm die Taten Krishnas aufzuführen.

16. Auch Suka, der glückliche Sohn Vyasas, stand in enger Verbindung mit Krishna, dem hoch verehrten Sohne Vasudevas. So kann es gar nicht anders sein als dass Krishnas hervorragende Qualitäten Gegenstand ihres Gespräches waren in der Gegenwart der großen Weisen.

17. Mit dem Aufgehen und Untergehen der Sonne und ihrem Laufe vergeht die Lebenszeit der Menschen. Wer sich mit dem Lobpreis des Herrn befasst, wie er in den Erzählungen gesungen wird, für den verfliegt die Zeit jedoch nicht vergeblich.

18. Leben nicht auch die Bäume? Atmet nicht auch der Blasebalg des Schmieds? Sind nicht auch die Tiere um uns herum mit Essen und Fortpflanzung beschäftigt?

19. Nur ein Mensch, der wie ein Hund, ein Schwein, ein Esel, ein Kamel oder ein anderes Tier ist, kann jemanden lobpreisen, der dem Namen Krihnas, des Befreiers von allem Übel, niemals sein Ohr geöffnet hat.

20. O Suta, die Ohren eines Menschen, der nie von der Macht dessen gehört hat, der Wundertaten vollbringt, sind wie die einer Schlange, und die Zunge eines Menschen, der nie laut sein Lob gesungen hat, ist so wertlos wie die eines Frosches.

21. Selbst wenn ein Mann einen seidenen Turban trägt, ist sein Oberkörper nur eine schwere Last, wenn er ihn niemals vor dem Herrn der Befreiung verneigt hat; Hände, die nicht zur Ehre des Herrn tätig sind, gleichen denen eines Leichnams, selbst wenn sie mit Armreifen aus glitzerndem Gold geschmückt sind.

22. Wie die Augen auf Pfauenfedern sind die Augen eines Menschen, der nicht die Gestalten Vishnus betrachtet, und wie Baumwurzeln die Füße derer, die nie zu den heiligen Stätten des Herrn gepilgert sind.

23. Lebende Tote sind jene Sterblichen, die sich niemals andächtig mit dem Staub von den Lotosfüßen des Herrn bestreuten, und ein Nachkomme Manus (ein Mensch) ist nur ein atmender Leichnam, wenn er niemals den Duft der Tulasi-Blätter gekostet hat, welche den leuchtenden Füßen Vishnus geopfert werden.

24. Sicherlich hat der ein Herz aus Stein, welcher nicht beim Singen des Namens des Herrn in seinem Geiste innerlich gewandelt und zu Tränen gerührt wird und den dabei nicht ein heiliger Schauer überkommt.

25. O lieber Suta, deine Worte erfreuen unseren Geist. Bitte erzähle doch weiter und erkläre uns, was der glückliche Sohn Vyasas, der Experte in transzendentem Wissen, als Anführer der Weisen dem guten König auf seine nächsten Fragen antwortete.

Mittwoch, 2. Februar 2011

2.2. Der Herr im Herzen

1. Der erleuchtete Suka sprach: Vor der Manifestation des Kosmos fand Brahma in Meditation über die universelle Gestalt Frieden im Herrn und gewann das Bewusstsein wieder und seine verlorenen Erinnerungen. Daraufhin schuf er in klarer Vision diese materielle Welt, so wie sie vor ihrer Auflösung gewesen war und wie seine Intelligenz ihn sie erkennen ließ.

2. Viele Darlegungen vedischen Wissens sind voller verwirrender Namen, so dass die Menschen beim Meditieren darüber auf sinnlose Ideen kommen, ihre Gedanken hierhin und dorthin schweifen lassen, aufgrund ihrer Wünsche sich Illusionen hingeben wie in Träumen und nicht in den Genuss der Wirklichkeit gelangen.

3. Darum beschränken intelligente Meditierende sich, was Namen angeht, auf das Notwendigste, ohne sich durch Wunschvorstellungen verwirren zu lassen, und halten ihr Bewusstsein fest auf den Einen gerichtet. Man sollte nicht auf andere Weise nach Erfolg streben. Das ist vergebliche Mühe.

4. Wozu braucht man ein Bett, wenn man auf dem Boden liegen kann, wozu ein Kopfkissen, wenn man seine Arme hat, warum soll man Besteck benutzen, wenn man mit den Händen essen kann, und wenn man durch Bäume geschützt ist, wozu braucht man da Kleidung?

5. Findet man nicht Lumpen auf der Straße und gibt es nicht milde Gaben? Bieten die Bäume nicht Almosen zum Unterhalt? Sind die Flüsse ausgetrocknet und die Höhlen geschlossen? Beschützt der allmächtige Herr die ihm ergebene Seele nicht mehr? Warum sollte dann ein Wissender jenen schmeicheln, die vom Reichtum vergiftet sind?

6. Wer im Herzen voller Liebe das allmächtige, in sich vollkommene Allselbst verehrt und um seinetwillen der Welt entsagt, dem wird der unendliche Glückliche den bleibenden höchsten Lohn spenden. Dann schwindet mit Sicherheit die Grundlage der materiellen Gebundenheit.

7. Wer außer geistlosen Materialisten würde den Gedanken an das Transzendente vernachlässigen und sich an vergängliche Namen halten? Es ist doch offensichtlich, dass solche Menschen in Vaitarani (den Fluss des Leidens) fallen und vom Leiden überwältigt werden, das sie sich selbst geschaffen haben.

8. Nach Geistigem strebende Menschen schauen beim Meditieren in der Herz-Region ihres eigenen Körpers den Purusha (die ursprüngliche Person), welcher dort wohnt. Sein Bild misst acht Zoll, hat vier Arme und trägt den Lotos, das Wagenrad, die Muschelschale und die Keule.

9. Sein Mund lächelt voller Freude, seine Augen sind weit wie geöffnete Lotosblüten, und sein Gewand ist von safran-gelber Farbe wie die Kadamba-Blume und bedeckt mit Juwelen und mit Ornamenten aus Gold. Er trägt einen leuchtenden Kopfschmuck mit kostbaren Edelsteinen und Ohrringe.

10. Seine Füße ruhen im Zentrum des Herzens-Lotos großer Verwirklichter. Auf seiner Brust trägt er das Kausthuba-Juwel, in das ein Bildnis der Göttin des Glücks eingraviert ist, und andere Edelsteine. Auf seinen Schultern liegt eine Girlande aus frischen Blumen, die ihren Duft verbreiten.

11. Er ist schön geschmückt mit einer Schärpe um seine Taille, wertvollen Fingerringen, klingenden Bein- und Armreifen, hat makellos geöltes, bläulich schimmerndes Haar und ein gewinnend lächelndes Antlitz.

12. Sein großherziges Tun und der schimmernde Glanz seines lächelnden Mienenspiels sind Zeichen für die reichen Segnungen dieser besonderen transzendenten Gestalt des Herrn, auf welche man meditierend den Geist gerichtet halten sollte, solange die Konzentration es zulässt.

13. Eines nach dem anderen sollte man die Glieder des universellen Körpers betrachten, von den Füßen her aufsteigend, bis man das Lächeln seines Angesichts schaut. So erlangt man allmählich Herrschaft über das Gemüt und steigt auf in immer höhere Sphären der Meditation. Auf diese Weise wird die Intelligenz gereinigt.

14. Auch der mit materiellen Tätigkeiten befasste Mensch, der nicht sein ganzes Leben der Verehrung des Herrn aller Welten, des inneren Sehers, geweiht hat, sollte, nachdem er seine vorgeschriebenen Pflichten erfüllt hat, der universellen Gestalt der ursprünglichen Person mit rechter Aufmerksamkeit gedenken.

15. Wenn ein Weiser seinen Leib aufgeben möchte, o König, braucht er sich keine Gedanken über den rechten Ort und den rechten Zeitpunkt zu machen. Er sucht einen ungestörten Ort auf, nimmt eine angenehme Sitzhaltung ein und beherrscht die Sinne mit Hilfe des Gemüts, um Kontrolle über den Lebensatem zu erlangen.

16. Wenn das Gemüt durch die ungetrübte Intelligenz beherrscht wird, verschmilzt das individuelle Bewusstsein mit der Seele und die Seele mit dem Allselbst. Wenn jemand dort verankert ist, verbleibt er in vollkommenem Frieden und vollkommener Glückseligkeit und lässt ab von allen Aktivitäten.

17. In diesem Zustand hat die Zeit keine Macht mehr über ihn, die doch selbst die Götter im Himmel beherrscht, welche die irdischen Geschöpfe regieren. Dort gibt es weder die natürlichen Qualitäten Gutheit, Leidenschaft und Unwissenheit noch die Veränderlichkeit, den Ozean der Kausalität und die Materie.

18. Wer diesen Zustand der Verbundenheit mit Vishnu kennt, in dem es nichts anderes gibt, verwirft alles, was davon trennt, und gibt die Identifikation mit dem materiellen Körper und Gemüt auf. Er verbleibt ganz und gar in der Verbundenheit mit ihm, dem einzig Verehrungswürdigen, und hält seine Lotosfüße in jedem Augenblick im Herzen.

19. Wenn ein Weiser sich am Ende seines Lebens angelangt sieht, sollte er sich zurückziehen. Gemäß der Wissenschaft von der Regulation der Lebensenergie muss das Loch am Gesäß mit der Ferse verschlossen und der Lebensatem nach oben gelenkt werden durch die sechs primären Zentren hindurch. So wird der materiellen Begierde ein Ende gesetzt.

20. Die aufsteigende Kraft sollte gelenkt werden vom Nabel zum Herzen und weiter aufwärts durch die Brust bis zur Wurzel des Gaumens. Der Weise wird in der Meditation durch seine Intelligenz herausfinden, wie er die Energie langsam leiten kann.

21. Von dort aus sollte der Lebensatem zu dem Zentrum zwischen den Augenbrauen gelenkt werden. Die sieben Öffnungen, durch welche die Luft entweichen kann, sollten geschlossen werden (Augen, Nasenlöcher, Ohren und Mund). Jetzt sollte der Weise für eine gewisse Zeit innehalten, frei von allem Sinnenhaften. Wenn er dann nur noch den einen Wunsch hat unverzüglich heimzukehren, kann er die Öffnung im Schädeldach durchstoßen, den Körper aufgeben und in den Höchsten eingehen.

22. Wer aber den Wunsch zurück behält, o König, in höhere Welten einzugehen, wo feinstoffliche Wesenheiten ihr Vergnügen finden, oder die acht höheren Fähigkeiten zu erlangen in der materiellen Welt, der sollte Gemüt und Sinne mit sich nehmen, wenn er geht.

23. Von denen, die den Yoga beherrschen, heißt es, dass sie sich im subtilen Körper in der Luft innerhalb und außerhalb der drei Welten überall hin bewegen können. Wer aber aus materiellen Motiven handelt, erlangt nicht die Fähigkeiten jener, die durch Hingabe, Askese oder Yoga in meditative Versenkung eingehen.

24. Letztere gelangen durch die erleuchtende Kraft der Susumna über den Pfad am Himmel (die Milchstraße) zunächst in die Welt Vaisvaranas (des Beherrschers des Feuers), wo sie von aller Beschmutzung gereinigt werden, dann in die Welt Brahmas und schließlich erreichen sie die Welt Vishnus, den Kreis namens Sisumara.

25. Dieser wird der Nabel Vishnus, der universellen Person, genannt. Nur ganz vollkommene, reine Seelen, die im Transzendenten verankert sind, gelangen durch ihn hindurch und erreichen einen verehrungswürdigen Ort, den die selbstverwirklichten Seelen für die Zeitdauer eines Kalpas (4.300.000.000 Jahre) genießen dürfen.

26. Danach, wenn das Universum durch Feuer aus dem Munde Anantas (der bleibenden Manifestation Vishnus) zu Asche verbrannt wird, gelangen die reinen Seelen mit Hilfe von Flugkörpern an den Ort, welcher der höchste genannt wird (die Wohnstätte Brahmas), wo sie für die Dauer der beiden Hälften des Lebens Brahmas verbleiben (15.480.000.000.000 Jahre).

27. Dort gibt es nicht Trauer oder Alter, Tod, Schmerz oder Angst, nur manchmal ist im Bewusstsein Mitleid und herzliches Mitgefühl für jene, die in Unwissenheit unüberwindliches Leiden erfahren in der Wiederholung von Geburten und Toden.

28. Aus jener Welt gelangt die Seele, nachdem sie die Stadien von Wasser und Feuer hinter sich gelassen hat, in die Atmosphäre lichtvoller Luft und erscheint in ätherischer Form.

29. In der ätherischen Form ist der Verehrer Gottes über jede Betätigung der Sinnesorgane hinaus gelangt: über das Riechen von Düften, das Schmecken mit dem Gaumen, das Sehen von Formen, den Kontakt durch Berührung und das Hören durch Bewegung der Luft.

30. Auf dieser mentalen Ebene, wo die groben und die subtilen Sinne neutralisiert sind, befindet sich der Gottesverehrer in einem rein geistigen Zustand. Der Egoismus und die materiellen Qualitäten (Gunas) werden ganz und gar überwunden, und er gelangt zu vollkommener Erkenntnis der Wahrheit.

31. Wenn die Seele in dieser Weise gereinigt worden ist, geht sie in das Allselbst ein. Sie ruht vollendet in ihrer eigenen Glückseligkeit. Ein Verehrer des Glücklichen, der dieses Ziel erreicht hat, wird sicherlich niemals wieder in diese materielle Welt hinein gezogen, lieber Parikchit.

32. Alles, was ich dir beschrieben habe, o König, ist in Übereinstimmung mit den Veden, wie du es zu Recht verlangt hast. Es ist auch fürwahr in Übereinstimmung mit der ewigen Wahrheit, wie sie zuerst von Krishna, dem Glücklichen, an Brahma weitergegeben wurde, welcher ihn zu seiner Zufriedenheit verehrte.

33. Für jene, die in diesem Leben im materiellen Universum wandern, gibt es mit Sicherheit kein wirksameres Mittel zur Befreiung als Bhakti-Yoga, die verehrende Hingabe an Krishna, den Glücklichen.

34. Der glückliche Brahma, der die Veden dreimal vollständig mit großer Aufmerksamkeit studierte und eingehend untersuchte, versichert, dass Befreiung durch stetige Aufmerksamkeit und hingebende Liebe zu Krihsna erlangt wird.

35. Vishnu, der Glückliche, ist sichtbar in allen lebenden Wesen als ihr Selbst. Dies ist einsichtig für die Intelligenz und auch für den Verstand aus verschiedenen Anzeichen zu erschließen.

36. Darum, o König, muss jeder Mensch Vishnu, den Glücklichen, überall und immer in seinem Selbst hören, verehren und seiner gedenken.

37. Jene, die den Nektar des Glücklichen trinken, welcher seinen Verehrern so lieb und teuer ist, indem sie von seiner Botschaft ihr Ohr erfüllen lassen, läutern ihr von Sinnesvergnügen beschmutztes Leben und kehren zurück zu den Lotosfüßen des Herrn.