Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Montag, 31. Januar 2011

2.1 Der erste Schritt zur Verwirklichung Gottes

OM. Ehre sei Krishna, dem Glücklichen, dem Sohne Vasudevas.


1. Der erleuchtete Suka sprach: Nach dem Guten für alle zu fragen ist das Beste, was du tun kannst, o König; denn dieses Thema verdient den Beifall der Gottesgelehrten und ist das Höchste von allem, was der Aufmerksamkeit der Menschen wert ist.

2. In der menschlichen Gesellschaft wird über Hunderttausende von Themen gesprochen, o Herrscher, in den Häusern jener, die der groben Materie verhaftet und blind für die Wahrheit der Seele sind.

3. Sie verbringen ihr Leben mit Schlafen und Sex bei Nacht und mit Erwerb des Lebensunterhalts und Versorgen ihrer Familie bei Tage, o König.

4. Angehaftet an unzuverlässige Verbündete wie Körper, Kinder, Ehefrau und alles Dazugehörige, sehen sie nicht die Vergänglichkeit dieser Dinge, obwohl die Erfahrung sie eines Besseren belehrt.

5. Aus diesem Grunde, o Nachkomme Bharatas, gibt es für jemanden, der nach Freiheit von Furcht verlangt, nichts anderes als über die All-Seele, den Glücklichen, Vishnu, den höchsten Herrn, zu hören, ihn zu verherrlichen und seiner zu gedenken.

6. Bei aller Vertiefung in das Studium der materiellen Welt, bei aller Übung des Yoga und bei aller vollkommenen Erfüllung der persönlichen Pflichten kommt es letztendlich nur darauf an, Narayanas (der göttlichen Person) zu gedenken, damit ein Mensch in diesem Leben das höchste Ziel erreicht.

7. Hauptsächlich jene Weisen, o König, welche die Sphäre von Vorschriften und Geboten überschritten haben, erfreuen sich der Fähigkeit die Herrlichkeiten des Herrn genau zu beschreiben.

8. Diese Erzählung, genannt das Bhagavatam, ist ein Anhang zu den Veden und wird ihnen gleich geachtet. Ich studierte es am Ende dieses Dvapara-Yuga (das Zeitalter, in dem Könige verehrt werden) unter der Anleitung meines Vaters Dvaipayana Vyasa.

9. Obwohl ich schon verwirklicht im ewigen Selbst war, wurde meine Aufmerksamkeit auf diese vorzüglichen Verse über die Taten des Herrn gelenkt, o heiliger König, und so studierte ich die Erzählung.

10. Ich werde sie dir rezitieren, da du in deiner Güte ein höchst aufrichtiger Verehrer des Herrn bist. Wer sie voller Respekt und Aufmerksamkeit hört, wird sehr bald zu einem unbeirrbaren Glauben an den Herrn der Befreiung gelangen.

11. O König, für jene, die ganz frei von weltlichen Wünschen sind und für jene, die noch Wünsche haben, sowie auch für die von Zweifel und Furcht befreiten Gläubigen ist das ständige Singen des Namens des Herrn unzweifelhaft die  wahre Methode.

12. Was für einen Sinn hat es, Jahre in dieser Welt in Unbewusstheit zu verbringen, ohne diese Erfahrung zu machen? Besser ist es, auch nur eine Stunde bewusst zu verbringen in der Ausübung dieser im höchsten Maße glückbringenden Praxis.

13. So handelte der heilige König Khatvanga, der alles hinter sich ließ, als er erfuhr, dass er nur noch eine kurze Zeit in dieser Welt zu leben hatte, und Zuflucht suchte beim Herrn, wodurch er von aller Furcht befreit wurde.

14. Darum, o König aus der Kuru-Familie, sollte die kurze Dauer auch deines Lebens, die nur noch sieben Tage beträgt, dich dazu inspirieren all das auszuführen, was zu den Riten für das nächste Leben gehört.

15. Im Angesicht des Todes sollte man sich von aller Furcht befreien, indem man mit Hilfe des Schwertes des Nicht-Verhaftet-Seins sich von allen Wünschen trennt, die den Körper betreffen und von allem, was damit verbunden ist.

16. In Selbstbeherrschung sollte man sein Haus verlassen und sich gläubig an einen geheiligten Ort begeben. Dort sollte man sich, am ganzen Körper gewaschen und gereinigt, allein auf eine Unterlage setzen, den Regeln entsprechend.

17. Der Geist sollte sich darauf konzentrieren die drei transzendenten Laute (A-U-M) einzuüben, welche das Höchste bezeichnen. Auf diese Weise erlangt man Kontrolle über das Gemüt durch die Regulation des Atems, so dass man den Samen des Absoluten im Geiste behält.

18. Nimm durch das Gemüt die Sinne zurück von aller Aktivität und beschäftige dich nicht mehr mit zweckgerichteter Tätigkeit, so dass die Intelligenz (buddhi) die treibende Kraft des Gemüts wird. Um der Glückseligkeit willen halte den Geist in Konzentration.

19. Dann sollte man das Gemüt, unbefleckt durch Sinnesobjekte, nacheinander auf die einzelnen Glieder des Körpers der höchsten Person (Vishnus) konzentrieren, ohne das Ganze aus dem Blick zu verlieren, so dass man an nichts anderes mehr denkt. Auf diese Weise erlangt das Gemüt Frieden.

20. Durch die natürlichen Qualitäten Leidenschaft und Trägheit (rajas und tamas) wird das Gemüt erregt und verwirrt. Bringt man es unter Kontrolle durch Betrachtung (Vishnus), so wird es still, und alles Unreine, was Leidenschaft und Trägheit hervorgebracht haben, wird vernichtet.

21. Wer sich diese Praxis, Bhakti genannt, zur Gewohnheit macht, erlangt durch die hingebungsvolle Verehrung sehr bald Verbindung zu dem Segensreichen, welchen er betrachtet.

22. Der König, der aufmerksam zugehört hatte, fragte: O Brahmane, kannst du mir bitte genau in allen Einzelheiten sagen, worauf und in welcher Weise sich ein Mensch konzentrieren und worüber er meditieren soll, so dass sein Gemüt unverzüglich von allen Verunreinigungen befreit wird?

23. Der erleuchtete Suka sprach: Es gilt die sitzende Haltung zu beherrschen, den Atem zu beherrschen, die Vorstellung zu beherrschen, die Sinne zu beherrschen und in Meditation das Gemüt von der groben Materie hinweg auf die Form des Glücklichen zu richten.

24. Sein Körper ist dieses sichtbare Universum, in welchem alle Erscheinungen in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, und Kausalität erfahren werden.

25. Der Gegenstand der Meditation ist der Glückliche, welcher die Gestalt des universellen Körpers mit seinen sieben Hüllen angenommen hat.

26. Jene, die den Körper der universellen Person studiert haben, erkennen die niederste Welt als seine Fußsohlen, Patala genannt, während seine Fersen und Zehen Rasatala heißen, seine Knöchel Mahatala und die Unterschenkel des Schöpfers Talatala.

27. O König, die beiden Knie des universellen Körpers werden Sutala genannt, seine zwei Oberschenkel Vitala und Atala und seine Hüften Mahitala, während das Firmament als die Vertiefung seines Nabels gilt.

28. Die höheren, lichten Welten sind seine Brust, darüber liegt Mahar, sein Hals, sein Mund wird Jana genannt, während Tapas der Name seiner Stirn ist. Satyaloka (die Welt der Wahrheit) ist das Haupt der ursprünglichen Person, welche tausend Häupter hat.

29. Die Götter mit Indra als ihrem König sind seine Arme, die vier Himmelsrichtungen sind seine Ohren, und der Klang ist sein Gehör-Sinn. Die Nasenlöcher des Höchsten sind Nsatya and Dasra (Gottheiten, die Asvini-Kumaras genannt werden), während der Duft sein Geruchssinn ist und sein Mund das lodernde Feuer.

30. Seine Augen sind der Weltraum und sein Gesichtssinn ist die Sonne. Die Augenlider Vishnus sind Tag und Nacht, die Bewegungen seiner Brauen stehen für das höchste Wesen (Brahma und andere Gottheiten). Sein Gaumen ist der Herr des Wassers (Varuna) und seine Zunge fürwahr der Saft (die Essenz) von allem.

31. Wie es heißt, sind die Hymnen der Veden die Gedanken des grenzenlosen Herrn, stehen sein Ober- und Unterkiefer für Yama (den Herrn des Todes), seine Zähne für seine liebevolle Zuneigung und sein Lächeln für Maya, seine unübertreffliche, höchst verlockende schöpferische Energie. Die materielle Schöpfung ist nichts anderes als der Blick seiner Augen.

32. Bescheidenheit ist seine Oberlippe, sein Kinn das Begehren; seine Brust steht für den rechten Pfad und sein Rücken für das Abweichen davon. Brahma ist sein Zeugungsorgan, (die Gottheiten) Mitra und Varuna seine Hoden. Seine Taille steht für die Meere und sein Knochengerüst für die Berge.

33. Seine Adern sind die Flüsse, und die Pflanzen und Bäume sind die Haare auf dem Körper der universellen Person, o König. Die Luft steht für seinen allmächtigen Atem, die Zeitalter kommen und gehen als seine Bewegung, und das Spiel der natürlichen Qualitäten (gunas) sind sein Handeln.

34. O Bester der Kurus, wisse, die Haupthaare des höchsten Herrschers sind die Regenwolken, und die Intelligenz des Allmächtigen ist die erste Ursache der materiellen Schöpfung, wie man sagt. Sein Gemüt, das Gefäß allen Wandels, ist der Mond.

35. Sein Bewusstsein von den Objekten gilt als das Prinzip der Materie, während Rudra (Shiva) das Bewusstsein des allgegenwärtigen Herrn von sich selbst ist. Pferd, Maultier, Kamel und Elefant sind seine Nägel; Hirsche und anderes Wild und alle Vierfüßler sind in der Region seines Gürtels angesiedelt.

36. Die Vielfalt der Vögel spricht von seinem Kunstsinn; Manu, der Vater der Menschen, bildet den Inhalt seiner Gedanken und die Menschheit ist seine Wohnstätte. Die Gandharvas, Vidyadharas und Caranas sowie die Engel sind seine Musikalität, während die kriegerischen Dämonen seine Macht darstellen.

37. Die Brahmanen (Gelehrten) stehen für das Angesicht des universellen Körpers, die Ksatriyas (Krieger, Herrscher) für seine Arme, die Vaisyas (Kaufleute) für seine Schenkel, und die Dunkelhäutigen (die Krishna-Kaste, die Shudras, die arbeitende Klasse) stehen unter dem Schutz seiner Lotos-Füße. Vermittels der Gottheiten mit ihren verschiedenen Namen wird er mit Gütern versorgt durch die Darbringung von Opfern.

38. Ich habe die Gestalt des höchsten Herrn in allen Einzelheiten erklärt, so dass jeder, der sein Gemüt auf den universellen Körper konzentriert, Einsicht in die Wirklichkeit erlangt, denn außer ihm gibt es nichts.

39. Er, der von allen Verwirklichten als das Allselbst erkannt und von den Visionären als solche geschaut wird, ist die eine und einzige Wahrheit und der Ozean der Seligkeit. Nichts kann verehrt werden als nur er und niemandem ist anzuhängen als nur ihm, denn alles andere würde eine Verstrickung in die Täuschung bedeuten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen