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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Dienstag, 11. Januar 2011

1.19 Die Ankunft Sukas

1. Suta sprach: Auf dem Heimweg ging dem König auf, dass seine Tat abscheulich war, und er wurde sehr niedergeschlagen. Er sprach zu sich selbst: O Weh, es war unhöflich und übel, was ich dem makellosen, würdigen und machtvollen Brahmanen angetan habe.

2. Mit Sicherheit werde ich wegen meines Verstoßes gegen die Gebote Gottes bald von einem sehr schweren Schicksalsschlag getroffen. Ich wünsche sehr, dass es sofort geschieht, damit ich von meinen Sünden befreit werde und niemals wieder tue, was ich getan habe.

3. Möge ich heute noch verbrennen, zusammen mit meinem Königreich, meiner Stärke und meinem Reichtum, in einem Feuer, das von der Brahmanen-Familie entzündet wird, so dass mir das Unheil, mich gegen die Brahmanen, die Götter und die Kühe zu versündigen, nie wieder zustößt!

4. Als er so nachdachte, erreichte ihn die Botschaft von dem Todesfluch, welchen der Sohn des Weisen gegen ihn ausgesprochen hatte. Diesen Fluch in Verbindung mit einem Schlangevogel akzeptierte er als etwas Gutes, da das Feuer des Schlangenvogels die Verhaftung in ihm verbrennen und ihn gleichmütig machen würde.

5. Er entsagte dieser und auch der nächsten Welt, denn er war zu dem Schluss gelangt, dass beide minderwertig waren im Vergleich zu einem Leben im Dienst an den Lotosfüßen Krishnas. Darum setzte er sich nieder am Ufer des Flusses der Unsterblichkeit (des Ganges) um zu fasten; das war seiner Meinung nach das Beste, was er tun konnte.

6. Dieser Fluss führt immer Tulasi-Blätter mit sich (von einer Pflanze, die im Gottesdienst verwendet wird) und besteht aus dem glückverheißenden Wasser, welches den Staub von den Füßen Krishnas trägt und die innere sowohl wie die äußere Welt heiligt, sogar auch die Gottheit Shiva (den Herrn der Zerstörung). Welcher Mensch, der seinen nahen Tod vor Augen sieht, würde nicht Zuflucht an diesem Fluss nehmen?

7. Mit diesem Entschluss setzte sich der König, der würdige Nachkomme der Pandavas, nieder an dem Fluss, welcher von den Füßen Vishnus fließt, um sich Mukunda (Krishna, dem Herrn der Befreiung) zu ergeben. Ohne vom Geiste der Gelübde der Weisen abzuweichen, wollte er fasten bis zum Tode, befreit von materiellen Bindungen aller Art.

8. Dorthin pilgerten auch fast alle großen Seelen und Weisen, welche die drei Welten heiligen konnten, zusammen mit ihren Schülern; denn die Weisen sind durch ihre persönliche Anwesenheit sicherlich in der Lage einen Ort zu einer geheiligten Pilgerstätte zu machen.

9.-10. Es kamen Atri, Cyavana, Saradvan, Aristanemi, Bhrigu, Vasistha, Parasara, Visvamitra, Angira, Parasurama, Utathya, Indrapramada, Idhmavahu, Medhatithi, Devala, Arstisena, Bharadvaja, Gautama, Pippalada, Maitreya, Aurva, Kavasha, Kumbhayoni, Dvaipayana und der glückliche Narada.

11. Auch viele andere heilige Götter, Brahmanen, Könige und Arunadayas (eine besondere Gruppe von Adeligen) versammelten sich dort. Der König hieß alle Häupter der Dynastien willkommen, indem er sich ehrfurchtsvoll verneigte.

12. Als alle einen angenehmen Sitz eingenommen hatten, begrüßte er sie nochmals ehrerbietig und sprach dann zu ihnen über seinen Entschluss zu fasten. Dabei saß er demütig mit gefalteten Händen vor ihnen als einer, dessen Geist sich von den weltlichen Angelegenheiten zurückgezogen hat.

13. Der König sprach: O, wie dankbar sind wir, dass gerade wir unter allen Königen uns der Gnade der großen Seelen erfreuen und dass wir Angehörige königlicher Familien zu Füßen der Brahmanen sitzen dürfen. Sind wir doch aufgrund unserer verdammenswerten Taten wie Abfall, der in weiter Entfernung gelagert werden muss.

14. Wegen meiner Sünden sprach der Herrscher der jenseitigen und diesseitigen Welten einen Fluch gegen mich aus durch den Mund jenes Brahmanen, da ich im Geiste immer übermäßig angehaftet war an das Familienleben. Dieser Fluch wird mich sehr bald davon befreien durch die Furcht, die er mir einflößt.

15. Darum nehmt mich bitte an, ihr Brahmanen, als einen, der sich, den Herrn im Herzen, der göttlichen Mutter Ganga ergeben hat. Lasst den Schlangenvogel, oder welche magische Macht der Brahmane auch gerufen hat, mich beißen. Beginnt nur unverzüglich die Gesänge von den Taten Vishnus vorzutragen.

16. Wiederum grüße ich euch ehrfürchtig, o ihr Brahmanen, und bitte euch, dass ich, wo immer ich in der materiellen Schöpfung wiedergeboren werde, in vollkommener Verbindung bleibe zu dem Glücklichen, dessen Macht grenzenlos ist, und in Freundschaft zu seinen Verehrern.

17. So geschah es, dass der König mit derselben Ausdauer, die er immer gezeigt hatte, voller Selbstbeherrschung sich niedersetzte auf Kusa-Gras, das für ihn ausgelegt worden war und dessen Wurzeln nach Osten zeigten. Sein Platz war am südlichen Ufer der Gemahlin des Meeres (des Ganges) und er blickte nach Norden. Die Regierung hatte er an seinen Sohn übergeben.

18. Als die Götter sahen, dass der König bis an sein Ende fasten würde, überschütteten sie alle von oben aus die Erde mit Blumen und schlugen himmlische Trommeln vor Freude.

19. Alle großen Weisen, die dort versammelt waren, priesen ihn für seinen Entschluss und hießen ihn gut. Aus ihrer machtvollen Güte für die lebenden Wesen heraus, die genauso schön ist wie die göttliche Güte, welche in den Schriften besungen wird, sprachen sie:

20. Es erstaunt uns nicht, dass dieser heilige König, das Oberhaupt aller, die Krishna folgen, welcher einen Thron, geschmückt mit den Helmen von Königen, inne hatte, sofort seinem Leben entsagt hat in dem Wunsch sich mit dem Glücklichen zu vereinigen.

21. Wir werden alle so lange an diesem Ort bleiben, wie es dauert, dass der König seinen Leib aufgibt und in die Welt des Höchsten zurückkehrt, wo dieser hervorragende Verehrer des Glücklichen vollkommen frei sein wird von weltlichen Sorgen und frei von allem Leiden.

22. Nachdem er die Worte der versammelten Weisen vernommen hatte, welche unvoreingenommen waren, wohlklingend, gewichtig und vollkommen wahr, bezeigte Parikchit ihnen Ehre und angemessenen Respekt. Erfüllt von dem Wunsch über die Taten Vishnus zu hören, sprach er:

23. Ihr seid von überall her gekommen und habt euch hier versammelt als Repräsentanten des höchsten Wissens, des Einen über den drei Welten (Brahma), und hegt keine anderen Absichten, in dieser und der nächsten Welt, als anderen Gutes zu tun eurer inneren Natur gemäß.

24. Darum bitte ich euch als vertrauenswürdige Brahmanen, mir nach reiflicher Überlegung zu sagen, was nach eurer Ansicht die rechte und angemessene Art des Handelns ist gemäß den verschiedenen Pflichten eines Jeden und besonders derer, die kurz vor dem Tode stehen.

25. In diesem Augenblick kam wie gerufen der glückliche Sohn Vyasas. Unverhaftet, sich selbst genügend und ohne Anzeichen einer bestimmten Identität wanderte er über die Erde in Begleitung von Kindern, nackt wie ein Bettler.

26. Er war sechzehn Jahre alt und zart an Füßen, Händen, Schenkeln, Armen, Schultern, Kopf und Rumpf. Sein Gesicht besaß schöne große Augen, eine hohe Nase, ebensolchen Ohren und hübsche Brauen, und sein Nacken war geschwungen wie eine Muschelschale.

27. Er hatte eine breite, kräftige Brust, und seine Schlüsselbeine traten nicht hervor. Sein Nabel war tief, und an seinem Leib zeigten sich hübsche Falten. Er war nackt und hatte wirres, krauses Haar, lange Arme und eine Hautfarbe, die der (Krishnas,) des Besten unter den Göttern, glich.

28. Seine Haut war schwärzlich, und er war von üppiger, jugendlicher Schönheit, anziehend für das weibliche Geschlecht, mit einem gewinnenden Lächeln. Die Weisen, welche sich in der Bedeutung der Körperformen auskannten, auch wenn er seine natürliche Pracht zu verbergen suchte, erhoben sich alle von ihren Sitzen.

29. Um den neuen Gast willkommen zu heißen, warf sich jener, der immer von Vishnu beschützt wird, (Parikchit) ehrfürchtig vor ihm nieder. Sein weniger gebildetes Gefolge von Frauen und Kindern zog sich zurück, als er den erhöhten Sitz einnahm, welcher respektvoll für ihn bereitet worden war.

30. Suka hatte eine machtvolle, kompetente Ausstrahlung, wie er dort saß, umgeben von den größten unter den großen heiligen Brahmanen, Königen und göttlichen Wesenheiten, und er leuchtete so glänzend wie der Mond inmitten der Planeten, Himmelskörper und Sterne.

31. Wie der Weise friedvoll, in sich ruhend und wissend dort saß, näherte sich ihm der König, der Verehrer des Glücklichen, verneigte sich respektvoll mit gefalteten Händen und stellte ihm höflich und freundlich seine Fragen.

32. Parikchit sprach: O Brahmane, heute wird uns, einem Mitglied der Herrscherkaste, die Ehre zuteil, einem Verehrer des Herrn dienen zu dürfen. Durch die Gnade deines guten Selbst, unser Gast zu sein, machst du diesen Ort zu einer Pilgerstätte.

33. Wenn die bloße Erinnerung an dich schon alle unsere Wohnstätten reinigt, wie viel mehr bedeutet es uns dann, dich zu sehen, zu berühren, deine Füße zu waschen, dir einen Sitz anzubieten und all dieses.

34. Durch deine Gegenwart, o großer Meister des Yoga, werden unsere schwersten Sünden sogleich überwunden, so wie in Gegenwart Vishnus nur Göttliches bestehen kann.

35. Sogar meiner hat Krishna, der Glückliche, welchem die Söhne Pandus so lieb und teuer waren, sich erbarmt und, zur Freude seiner Cousins und Brüder, mich, ihren Nachkommen, angenommen als einen Freund.

36. Wie sonst könnte es geschehen, dass du genau jetzt in meinen letzten Stunden vor dem Tode aus freiem Willen hier bei uns erscheinst, wo du doch, vollkommen wie du bist, dich normalerweise nicht unter den Menschen zeigst?

37. Darum bitte ich dich als den höchsten geistigen Meister aller Asketen, mir zu sagen, welches im Leben des Menschen der Weg der Vollkommenheit ist und welche Pflichten man an der Schwelle des Todes hat.

38. Bitte erkläre uns, o Meister, was die Menschen hören, singen und tun sollen, was des Gedenkens und der Verehrung wert ist und auch, was nicht gut ist.

39. Sonst bist du ja, o glücklicher Brahmane, in den Häusern der Menschen nur selten länger zu sehen als die Zeit, die es braucht, um eine Kuh zu melken.

40. Suta sprach: In dieser Weise freundlich angesprochen und befragt durch den König, begann der glückliche Sohn Vyasas, der sich auskannte in den Prinzipien des rechten Handelns, mit seiner Rede.

1 Kommentar:

  1. Es ist schön, Maria, dich unverdrossen an diesem Text weiterarbeiten zu sehen. Meine besten Texte sind in dieser stillen Aufmerksamkeit und dem Hinhorchen zwischen mir und dem Geist dieser Texte entstanden.

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