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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Samstag, 30. Oktober 2010

1.12 Parikchits Geburt

1. Saunaka sprach: Das ungeborene Kind Uttaras, das im Mutterleib große Qualen erlitten hatte durch die extreme Hitze aus der Brahmastra-Waffe, welche Asvatthama abgefeuert hatte, war von Krishna wieder ins Leben zurückgeholt worden.

2. Wie fand die Geburt des Herrschers Parikchit statt, der sehr weise und eine große Seele war? Wie war sein Untergang und was vollbrachte er im Sterben?

3. Bitte erzähle es uns, denn wir hegen großen Respekt für dich, dem Suka das Wissen überliefert hat. Wir alle möchten hören, was du für wert hältst über Parikchit zu berichten.

4. Suta sprach: König Yudhisthira mehrte durch seine Regierungsweise den Wohlstand, wie es auch schon sein Vater getan hatte, indem er seine Untertanen erfreute. Er herrschte ohne Begierde nach persönlichem Vorteil und Sinnengenuss, denn er verehrte die Füße Krishnas, des Herrn.

5. Seine Berühmtheit wegen seines Reichtums, seiner Opfer, seines Landes, seiner Königinnen, seiner Brüder und seiner Herrschaft verbreitete sich über die drei Welten.

6. Aber wie ein hungriger Mensch nur durch Speise zufrieden gestellt werden kann und durch nichts anderes, so war der König, ihr Brahmanen, in seinem Hunger nach dem Göttlichen nicht zu beeindrucken durch alle Genüsse der Sinne, nach welchen sogar die Bewohner des Himmels streben.

7. Als Parikchit, der große Kämpfer, im Leib seiner Mutter unter der Hitze von der Brahmastra litt, o Saunaka, schaute er in einer Vision die ursprüngliche göttliche Person.

8. Er erblickte den Makellosen, Unfehlbaren, nicht größer als ein Daumen, sehr schön anzuschauen, von schwärzlicher Farbe, mit einem Helm aus funkelndem Gold und gekleidet in Blitze.

9. Mit dem Reichtum seiner vier Arme, Ohrringen aus reinstem Gold, blutroten Augen und einer Keule in der Hand bewegte er sich geschwind umher und wirbelte die Keule wie eine Fackel.

10. Vor den Augen des kleinen Kindes brachte er auf diese Weise die Strahlung von der Brahmastra zum Verschwinden, wie die Sonne Tautropfen verdunsten lässt.

11. Als das Kind beobachtet hatte, wie der Glückliche, die alles durchdringende Überseele, welche überall zugleich ist, der Beschützer der Rechtschaffenheit, das grelle Licht neutralisiert hatte, verschwand der höchste Herr plötzlich vor seinen Augen.

12. Sobald sich dann alle guten Vorzeichen entwickelt und die Sterne eine günstige Position eingenommen hatten, wurde das Kind geboren, der Erbe Pandus, welcher in seinen guten Eigenschaften ihm gleich werden sollte.

13. König Yudhisthira war hoch erfreut und ließ von den Brahmanen Dhaumya, Kripa und anderen die Geburts-Riten vollziehen und glückverheißende Hymnen rezitieren.

14. Da der König wusste, wie Mildtätigkeit anlässlich der Geburt eines Sohnes zu üben war, belohnte er die Brahmanen für ihren Dienst reichlich mit Gaben von Gold, Kühen, Land, Häusern, Elefanten und gutem Getreide.

15. Sehr erfreut dankten die Brahmanen dem König als dem Oberhaupt der Purus [genannt nach dem Stammvater König Puru], und versicherten ihm ihre Loyalität gegenüber dem neuen Spross der Puru-Dynastie.

16. Sie sprachen: Damit du in ihm gesegnet seiest, hat Vishnu, der Allmächtige, Alles-Durchdringende, diesen makellosen Sohn vor der Vernichtung durch die unaufhaltsame übernatürliche Waffe bewahrt.

17. Darum soll er in allen Welten bekannt werden als einer, der beschützt ist durch den Namen Vishnus. Zweifellos wird er ein sehr glücklicher Verehrer des Höchsten werden, begabt mit allen guten Eigenschaften.

18. Der gute König sprach: Ihr Besten der Wahrhaftigen, wird er in die Fußstapfen all der großen Seelen in dieser Dynastie weiser Könige treten? Wird er ihrem Namen Ehre machen durch herrliche Taten?

19. Die Brahmanen antworteten: O Sohn Kuntis, er wird der Erhalter aller lebenden Wesen sein ganz wie König Ikshvaku, der Sohn Manus, und er wird seinen Versprechungen treu sein und respektvoll gegenüber den Brahmanen wie Rama, der Sohn Dasarathas.

20. Er wird so mildtätig sein wie König Sibi von Usinara und die Bedürftigen beschützen, und wie Bharata, der Sohn Dushyantas, welcher viele Opfer vollzog, wird er den Namen und den Ruhm seiner Familie verbreiten.

21. Unter den Bogenschützen wird er so gut sein wie die beiden Arjunas (sein Großvater und der König von Haihaya); er wird so unbesiegbar sein wie Feuer und so unüberwindlich wie der Ozean.

22. Er wird so mächtig sein wie ein Löwe, Zuflucht gewährend wie das Himalaya-Gebirge, fruchtbar wie die Erde und tolerant wie Eltern.

23. Er wird so gut sein wie der Ur-Vater Brahma, so freigiebig und gleichmütig wie Shiva und die Zuflucht aller Wesen wie Vishnu, der höchste Herr.

24. Er wird in die Fußstapfen Krishnas treten in der Herrlichkeit aller göttlichen Tugenden, er wird die Großherzigkeit König Rantidevas besitzen und die Rechtschaffenheit Yayatis.

25. Er wird so geduldig sein wie der Herrscher Bali, so hingebungsvoll an Krishna wie Prahlada, wird Pferde-Opfer darbringen und den Alten und Erfahrenen folgen.

26. Er wird Könige voller Weisheit hervorbringen und Emporkömmlinge, Störenfriede und Streitsüchtige züchtigen um der rechten Ordnung der Welt willen.

27. Wenn er von seinem leiblichen Tode hört, welcher verursacht wird durch einen Schlangenvogel aufgrund eines Fluches durch den Sohn eines Brahmanen, wird er sich von allen Bindungen befreien und Zuflucht suchen zu Füßen Vishnus, des Herrn.

28. Er wird sofort zum Ufer des Ganges aufbrechen, dort von dem weisen Sohn Vyasas über die rechte Selbsterkenntnis belehrt werden und ein Leben in Furchtlosigkeit erlangen. Dann wird er, o König, seinen materiellen Körper verlassen.

29. Nachdem die Weisen, die der Astrologie und der Geburtszeremonien kundig waren, dem König dieses alles dargelegt hatten und großzügig belohnt worden waren, kehrten sie zu ihren Wohnstätten zurück.

30. O Saunaka, dieser Sohn wurde in der Welt bekannt als Parikchit, der Prüfende, denn er prüfte einen jeden Menschen auf der Suche nach der höchsten Person, welche ihm vor seiner Geburt erschienen war, und die er beständig im Geiste vor Augen hatte.

31. Unter der Obhut seiner Mutter und seiner Großeltern (sein Vater war einer der jungen Prinzen, die von Asvatthama ermordet worden waren) wuchs der Königssohn sehr bald heran und mit ihm seine ihm prophezeiten Gaben, so wie der zunehmende Mond von Tag zu Tag voller wird.

32. König Yudhisthira hatte den Wunsch ein Pferde-Opfer darzubringen, das ihn von der Gewissenslast befreien sollte, welche er sich durch den Kampf gegen seine Verwandten aufgeladen hatte. Er überlegte, wie er die Mittel dafür aufbringen könnte, denn seine Einkünfte bestanden nur in Steuern und Zöllen.

33. In Respekt für den Wunsch seines Gewissens zogen seine Brüder gemäß dem Rat des Unfehlbaren (Krishnas) nach Norden, um genügend Reichtümer zu erwerben.

34. Von dem erworbenen Reichtum brachte der Sohn Dharmas (Yudhisthira) in seiner Gewissensnot drei Pferde-Opfer dar, wodurch er Vishnu in vollkommener Weise verehrte.

35. Der Glückliche (Krishna), der vom König eingeladen war, die Brahmanen bei den Opfern zu unterstützen, blieb noch einige Monate dort seinen Verwandten zuliebe.

36. Danach, ihr Brahmanen, kehrte er mit der Erlaubnis der Königs, Draupadis und seiner anderen Verwandten zurück nach Dvaraka, begleitet von Arjuna und anderen Mitgliedern der Yadu-Dynastie.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

1.11 Krishnas Einzug in Dvaraka

1. Suta sprach: Als Krishna die Grenze des Landes der Anartas (derer, die frei von Unerwünschtem sind, Dvaraka) erreichte, blies er sein glückverheißendes Muschelhorn zum Zeichen seiner Ankunft in seiner eigenen blühenden Hauptstadt, wodurch die Niedergeschlagenheit ihrer Bewohner für aller Augen sichtbar beendet wurde.

2. Das strahlende Weiß der bauchig-runden Muschelschale, obgleich es von den Lippen des großen Abenteurers gerötet wurde, sah aus wie ein Schwan, der sich an die Stängel von Lostosblüten schmiegt, als er das Muschelhorn in seiner lotosgleichen Hand hielt und es lautstark ertönen ließ.

3. Als sie den Klang gehört hatten, der bedrohlich ist für die Furcht selbst, begaben sich alle Einwohner schnell in die Richtung, aus welcher der Ton kam, um ihren so lange erwarteten Beschützer zu treffen.

4.-5. Dann hielten sie eine Begrüßungszeremonie für ihn, was zu vergleichen ist damit, der Sonne eine Lampe zu präsentieren, denn er ist der in sich selbst Ruhende, sich selbst Genügende, der sie in seiner Macht immerzu mit allem versorgte, was sie brauchten. Mit heiteren, liebevollen Gesichtern hielten sie in freudiger Ekstase Reden für ihn als ihren Vater, wie Freunde und Schützlinge es für ihren Beschützer tun.

6. Sie sprachen: O Herr, wir haben uns immer vor deinen Lotosfüßen verneigt, wie man Brahma und seine Söhne und den Gott Indra verehrt. Denn du bist für jene, die das höchste Glück in diesem Leben erlangen möchten, der transzendente höchste Herr, über den die Zeit keine Macht hat.

7. Um unseres Glücks willen bist du der Schöpfer der Welt und bist uns auch Mutter, Wohltäter, Gemahl, Vater und geistlicher Lehrer. Indem wir deinen Fußspuren folgen, du höchste, verehrungswürdige Gottheit, ergeht es uns wohl.

8. Wie froh sind wir deine überaus glückverheißende Gestalt zu erblicken und wieder unter dem Schutz deiner Güte zu stehen, denn selbst für die Götter ist dein liebevoll zärtlich lächelndes Antlitz ein seltener Anblick.

9. Immer wenn du, o Lotosäugiger, uns verlässt um deine Freunde und Verwandten bei den Kurus (in Hastinapura) und das Volk von Mathura zu besuchen, scheint uns jeder Augenblick eine Million Jahre zu dauern, und unsere Augen sind dann so unnütz, als ob die Sonne nicht schiene, o du Unfehlbarer.

10. Wie können wir, o Herr, wenn du abwesend bist, leben ohne das Geschenk deines Blickes, welcher das Elend der Welt überwindet? Wie können wir leben, ohne dein schönes, gewinnend lächelndes, geschmücktes Antlitz zu sehen? Unter dem Klang dieser Worte der Bürger betrat Krishna die Hauptstadt von Dvaraka, er, der so freundlich zu seinen Verehrern ist, dass auch sie durch seine Blicke Freundlichkeit lernen.

11. Wie die Stadt Bhogavati beschützt wurde von den Nagas, so wurde Dvaraka beschützt durch die Nachkommen Vrishinis (Krishnas Familie) wie Bhoja, Madhu, Dasarha, Arha, Kukura, Andhaka (alle zusammen wurden sie die Yadus genannt), die alle so stark waren wie Krishna selbst.

12. Zu allen Jahreszeiten gab es dort sehr üppige Obst- und Blumengärten und Parks mit heiligen Bäumen, Kletterpflanzen und Einsiedeleien, umgeben von Seen voller Lotosblumen, wodurch der Stadt besondere Schönheit verliehen wurde.

13. Das Stadttor und die Tore an den Straßen waren festlich geschmückt mit bemalten Bögen und Flaggen, die viele berühmte Wappen trugen und Schutz vor der Sonne boten.

14. Straßen, Gassen und Marktplätze waren gründlich gesäubert, besprengt mit duftendem Wasser und bestreut mit Früchten, Blumen und Samenkörnern.

15. An der Tür jedes Wohnhauses befand sich ein Altar mit vergorener Milch, ganzen Früchten, Zuckerrohr, Schmuck, mit Wasser gefüllten Gefäßen und Gegenständen für den Gottesdienst wie Räucherwerk und Lichtern.

16. -17. Bei der Nachricht, dass ihr Liebster nach Hause kam, war seine Familie wie elektrisiert vor Freude: sein Vater Vasudeva und der großherzige Akrura, Ugrasena, der übermenschlich mächtige Balarama (Krishnas älterer Bruder), Pradyumna, Carudeshna und Samba, der Sohn Jambavatis, und sie alle sprangen auf von ihrem Lager, ihrem Sitz oder ihrer Mahlzeit.

18. In einem Festzug, angeführt von den königlichen Elefanten, welche von den Brahmanen mit glückverheißenden Symbolen geschmückt worden waren, beim Klang von Muschelhörnern und unter lobpreisendem Gesang von Hymnen eilte die Familie auf Wagen, voller Freude, Liebe und Respekt, ihm entgegen.

19. Hunderte von Hofdamen folgten auf ihren Fahrzeugen, sehr begierig ihn zu treffen, geschmückt mit blitzenden Ohrgehängen, welche die Schönheit ihrer Gesichter hervorhoben.

20. Es kamen auch Schauspieler, Tänzer, Sänger, Geschichtenerzähler, Chronisten und gelehrte Redner, welche voller Inspiration auf ihre jeweilige Art die übermenschlichen Taten des Herrn priesen.

21. Der Glückliche ging auf jeden seiner Freunde und Untertanen, die ihn empfingen und willkommen hießen, zu und begrüßte sie einzeln mit der gebührenden Achtung und Höflichkeit.

22. Er, der Allmächtige, neigte sein Haupt vor ihnen, schaute sie mit ermunterndem Lächeln an, begrüßte sie mit Worten, umarmte sie, schüttelte ihnen die Hände und gab so allen seinen Segen, wie sie es wünschten, bis zum niedrigsten Untertanen.

23. Dann zog er ein in die Stadt in Begleitung der Ältesten und der Brahmanen sowie ihrer Ehefrauen, wo er auch willkommen geheißen wurde mit Lobeshymnen und Segensworten von anderen Verehrern.

24. O ihr Brahmanen, während Krishna durch die Hauptstraßen von Dvaraka zog, standen die vornehmen Damen auf den Dächern ihrer Paläste, um seinen Anblick genießen zu können.

25. Auch wenn sie schon daran gewöhnt waren ihn anzuschauen, konnten die Einwohner von Dvaraka nie genug von dem bezwingenden Anblick der schönen Gestalt bekommen, in welcher der Unfehlbare sich verkörpert hatte.

26. In seiner Brust residiert die Göttin des Glücks, in der Schale seines Antlitzes finden die Augen labenden Trank, seine Arme sind die Wohnstatt der herrschenden Götter, und seine Lotos-Füße sind der Schutz seiner singenden und betenden Verehrer.

27. Wie er mit einem weißen Sonnenschirm, umgeben von Fächern und mit Schauern von Blumen übergossen durch die Straßen fuhr, sah er mit seinen gelben Gewändern und den Kränzen von Blumen aus wie eine Wolke, welche von Sonne, Mond, Blitzen und Regenbogen zugleich umgeben ist.

28. Nachdem er sein elterliches Haus betreten hatte, wurde er umarmt von seinen sieben Müttern, die voller Freude herbei kamen, angeführt von (seiner leiblichen Mutter) Devaki, vor der er ehrfuchtsvoll sein Haupt neigte. (Gemäß den Schriften gibt es sieben Mütter: die leibliche Mutter, die Gattin des Priesters, des Lehrers, des Königs, die Kuh, die Amme und Mutter Erde; hier sind aber wohl die anderen Gemahlinnen Vasudevas gemeint.)

29. Als sie alle den Sohn auf den Schoß nahmen, füllten ihre Brüste sich mit Milch vor Mutterliebe und Freude, und er wurde benetzt von ihren Tränen der Rührung.

30. Danach begab er sich in seine eigenen Paläste, die alles in Fülle und Vollkommenheit boten, was man sich wünschen konnte, und wo seine Ehefrauen lebten, die über sechzehntausend zählten.

31. Als die Damen ihren Gemahl von ferne heimkommen sahen, wurden sie im Geiste von großer festlicher Freude erfüllt und erhoben sich sofort von ihren Sitzen und aus der Meditation mit züchtig gesenkten Blicken, wie es sich gehörte.

32. O Saunaka, zunächst schickten sie ihre Söhne zu ihm, während sie selbst den Gatten in unübertrefflicher Ekstase scheu in ihren Herzen umarmten. Obwohl sie ihre Tränen zurückhalten wollten, drangen sie ihnen wie Wassertropfen aus den Augen.

33. Obgleich er immer an ihrer Seite weilte, selbst wenn sie allein waren, schienen seine Füße für sie bei jedem Schritt immer neuer. Wer könnte sich denn auch von den Füßen des Ewigen lösen, welcher niemals von der Göttin des Glücks verlassen wird, wenngleich sie stets in Bewegung ist?

34. Er schuf die Feindschaft zwischen den Herrschern, wenngleich er selbst nicht daran Teil hatte, denn mit ihrer militärischen Machtansprüchen waren sie zu einer Bürde für die Erde geworden. Er verschaffte Erleichterung, indem er sie einander töten ließ, wie der Wind Feuer hervorruft durch die Reibung der Bambusrohre aneinander.

35. Der Glückliche erschien aus seiner eigenen schöpferischen Energie heraus in der Menschenwelt, um gemeinsam mit den würdigsten Frauen ein anscheinend weltliches Leben zu genießen.

36. Sie waren wundervolle Frauen, vollkommen schön und aufregend mit ihrem verführerischen Lächeln, wenn sie ihn aus den Augenwinkel heraus mit einer Ausstrahlung anschauten, vor der selbst der Liebesgott seinen Bogen sinken lassen müsste, und dennoch konnten sie mit ihrem Zauber niemals seine Sinne verwirren.

37. Wenn gewöhnliche Menschen sehen, wie Krishna trotz seiner Losgelöstheit in der Welt handelt, halten sie ihn in ihrer Unwissenheit für einen Menschen, der wie sie selbst an den weltlichen Dingen haftet.

38. Die Göttlichkeit des Höchsten ist von der Art, dass er, obgleich in Kontakt mit der materiellen Natur, niemals ihren Qualitäten unterworfen ist. Das selbe gilt für die Intelligenz derer, die immer in der Seele mit ihm verbunden sind und unter seinem Schutz stehen.

39. Die einfachen Frauen meinten in ihrer Unwissenheit Krishna sei ihnen gefügig und sie könnten ihn für sich allein haben, sofern sie sich nicht der Herrlichkeit ihres Gatten als des höchsten Herrn bewusst waren.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

1.10 Krishnas Abreise nach Dvaraka

1. Der Weise Saunaka fragte: Wie regierte König Yudhisthira, der Größte unter den strengen Befolgern des Rechts, zusammen mit seinen jüngeren Brüdern das Königreich, nachdem er die Angreifer getötet hatte, welche ihm sein rechtmäßiges Erbe streitig machen wollten? Herrschte eine Knappheit an Lebensmitteln?

2. Suta sprach: Nachdem das Feuer, das die Kuru-Dynastie gelegt hatte, ausgebrannt war, erfreute es Vishnu, den Erhalter der Schöpfung, den höchste Herrn, zu sehen, wie Yudhisthira in sein Königtum wieder eingesetzt wurde.

3. Nachdem er die Worte Bhismas und des Unfehlbaren vernommen hatte, war Yudhisthira, gefestigt in vollkommenem Wissen, von seiner Verwirrung befreit und regierte er, unterstützt von seinen jüngeren Brüdern und behütet durch den unbesiegbaren Herrn, über Land und Wasser wie Indra (der König des Himmels).

4. Es fiel aller Regen, der nötig war, die Erde brachte alles Erwünschte hervor, und die Kühe, mit gefüllten Eutern, düngten in Freude die Weiden.

5. Die Flüsse, Meere und Berge leisteten dem König zu jeder Jahreszeit ihre Steuer mit allen notwendigen Gemüsen, Kräutern und Heilpflanzen.

6. So wie es immer ist bei einem König, der keine Feinde hat, war niemals ein Lebewesen betroffen von Not, Krankheit oder klimatischen Härten durch sich selbst, durch die Natur oder durch andere.

7. Krishna blieb noch für einige Monate in Hastinapura, seinen Verwandten und seiner Schwester (Subhadra, der Gattin Arjunas) zu Gefallen.

8. Danach bat er darum Abschied nehmen zu dürfen, und es wurde ihm gewährt. Nachdem er den König umarmt und sich vor ihm niedergeworfen und seinerseits von anderen Ehrbezeigungen und Umarmungen empfangen hatte, bestieg er seinen Wagen.

9.-10. Subhadra, Draupadi, Kunti, Uttara und auch Dhritarasthra und Gandhari, Yuyutsu, Kripacarya, die Zwillingsbrüder (Nakula and Sahadeva), Bhima, Dhaumya sowie die Damen des Hofes und die Fischerstochter (Satyavati, die Stiefmutter Bhismas und Mutter Vyasas) fielen beinahe in Ohnmacht, so schwer wurde ihnen die Trennung von Krishna, dem mit der Muschelschale in der Hand.

11.-12. Wer von der Anhänglichkeit an das Materielle befreit worden ist durch die Gemeinschaft mit Weisen und den Herrn erkannt hat, wenn er auch nur einmal die schönen Geschichten von seiner Herrlichkeit hat erzählen hören, wird niemals auf den Gedanken kommen ihn wieder aufzugeben. Wie konnten die Pandavas es da ertragen von ihm getrennt zu sein, dem sie ihr Herz geschenkt hatten und den sie von Angesicht zu Angesicht gesehen, ihn berührt und zusammen mit ihm geschlafen, gesessen und gespeist hatten?

13. Sie alle schauten ihn unverwandt an, ohne die Augenlider zu bewegen, mit hingeschmolzenem Herzen vor lauter Liebe zu ihm, und begannen sich hin und her zu wiegen.

14. Die Damen der Familie, die aus dem Palast gekommen waren, gaben sich alle Mühe ihre Tränen zurückzuhalten, denn sie fürchteten, dass Tränen dem Sohn Devakis Unglück bringen könnten.

15. Aus diesem Anlass ertönten Mridangas (im Gottesdienst benutzte Trommeln), Muschelschalen, Hörner, Saiteninstrumente, Flöten, Trommeln sowie Kesselpauken, Schellen und andere Arten von Rhythmus-Instrumenten.

16. Um eine gute Sicht zu haben, stiegen die Damen der Kuru-Dynastie aufs Dach des Palastes, von wo aus sie Blumen über Krishna regnen ließen mit liebevollem, scheuem Lächeln.

17. (Arjuna), der Meister der Kampfkunst, überreichte seinem besten Freund, dem geliebtesten Herrn, einen bestickten Sonnenschirm, der mit Perlen und Spitze verziert war und einen Griff mit eingelegten Edelsteinen hatte.

18. Er, der Bezwinger Madhus (eines Dämons), saß auf seinem Wagen in einem Meer von gestreuten Blumen und erteilte seinem Wagenlenker Satyaki Befehle, während sein Cousin Uddhava ihm Kühlung zufächelte.

19. Von überall her waren aufrichtig respektvolle Segensworte von Brahmanen zu hören, zugleich passend und unpassend für den Absoluten in der Gestalt eines Menschen.

20. Die Damen in der Hauptstadt König Kurus waren von Herzen vertieft in Gespräche über ihn, der von den Schriften gepriesen wird, und ihre Gespräche klangen so lieblich wie die vedischen Hymnen:

21. Ihn behalten wir fürwahr in Erinnerung als die ursprüngliche göttliche Person, die unmanifestiert im Selbst existierte vor der Erschaffung der Natur mit ihren Qualitäten. Er ist das Allselbst, der höchste Herr, in welchen die Lebewesen eingehen, wenn ihre Energie im Tode zurückgenommen wird, wie die Sonne in der Nacht.

22. Wie in den Schriften offenbart ist, gibt der Herr durch die Macht seiner Person den ungeschaffenen Seelen von Zeit zu Zeit Namen und Formen in der geschaffenen materiellen Natur.

23. Er ist wahrlich die selbe göttliche Person, die auch die großen Yogis schauen, welche die Herrschaft über die Sinne und über ihr Leben erlangt haben, und diejenigen, die durch Hingabe einen gereinigten Geist entwickelt haben, denn nur mit vollkommen reinem Gemüt gelingt es den Herrn zu schauen.

24. Ihr Freundinnen, dies ist er, dessen hervorragende Taten in den geheimen Teilen der Veden beschrieben und von seinen vertrautesten Verehrern dargelegt werden. Er ist der eine und einzige höchste Herrscher über die ganze Schöpfung, ihr Selbst, das durch Manifestation von Handlungen schafft, erhält und zerstört, ohne davon berührt zu werden.

25. Immer wenn Herrscher, unwissend wie Tiere, gegen die Prinzipien rechten Handelns verstoßen, manifestiert er mit Sicherheit aus Güte seine höchste Macht, Wahrheit, Treue und Gnade in mannigfachen wunderbaren Taten, zum Wohle der Schöpfung in den verschiedenen Zeitaltern.

26. O wie höchst verehrungswürdig ist die Dynastie König Yadus und wie vorzüglich ist die Tugend des Landes Mathura, denn dort ist er erschienen und hat er seine Kindheit verbracht, der höchste Herr aller lebenden Wesen und Gemahl der Göttin des Glücks.

27. Wie wunderbar ist Dvaraka, das Land, welches die Tugend und den Ruhm der Erde vermehrt und die Herrlichkeit der himmlischen Welten übertrifft. Seine Bewohner können immer das verkörperte Selbst aller lebenden Wesen sehen, Krishna, der dort den Segen seines lächelnden Blickes ausgießt.

28. O ihr Freundinnen, die Frauen, die er geheiratet hat, verehrten sicherlich in früheren Leben den höchsten Herrn in vollkommener Weise durch Gelübde, Waschungen und Feuer-Zeremonien, so dass sie nun immer wieder den Nektar von seinen Lippen kosten dürfen. Die jungen Mädchen von Vajra fielen häufig in Ohnmacht bei dieser Vorstellung.

29. Von der Herrin Dvarakas (seiner Gattin Rukmini), welche er bei der öffentlichen Auswahl des Bräutigams gewann als Preis, den die mächtigen, schikanösen Könige unter der Führung von Sisupala ausgesetzt hatten, und von anderen Ehefrauen, welche er auf ähnliche Weise gewonnen hatte, indem der Tausende von Königen tötete, bekam er Pradyumna, Samba, Amba und andere Kinder.

30. Alle seine Gattinnen, sowohl die sehr hochgestellten Damen als auch die einfachen Frauen, die durch ihn verklärt wurden, berührt der Gemahl mit den Lotosaugen ohne Unterschied, indem er sich ihnen im Herzen zeigt, so dass sie niemals ohne ihn sein müssen.

31. So sprachen die Damen in der Hauptstadt über den Herrn und priesen ihn, während er ihnen im Vorüberfahren die Gnade seines Anblicks gewährte und sie mit einem Lächeln auf den Lippen grüßte.

32. König Yudhisthira, (der ohne Feinde) stellte aus liebevoller Besorgnis vier Divisionen von Soldaten bereit (zu Pferd, auf Elefanten, in Steitwagen und zu Fuß), die Krishna vor Angriffen schützen sollten.

33. Nachdem die Pandavas, von Schmerz erfüllt über die baldige Trennung, ihn über eine lange Strecke begleitet hatten, überredete Krishna sie höflich und liebevoll, aber bestimmt, zurückzukehren. Dann zog er mit seinen Freunden und Begleitern weiter nach seiner eigenen Stadt (Dvaraka).

34.-35. O Saunaka, die Reise führte ihn durch Kurujangala (die Provinz Delhi) und Pancala (ein Teil der Provinz Punjab), Surasena und Brahmavarta (im Norden der Provinz Uttar Pradesh), durch die Gebiete entlang dem Fluss Yamuna, vorbei an Kurukshetra (wo die Schlacht stattgefunden hatte), dann durch die Provinzen Matsya und Sarasvatan. Weiter durch das Land der Wüste (Rajasthan) und das Land, wo fast kein Wasser gibt (Madhya Pradesh). Nachdem er dann durch die Provinzen Sauvira (Saurastra) and Abhira (ein Teil von Gujarat) gekommen war, erreichte im Westen die Provinz Dvaraka, und seine Pferde waren nur wenig ermüdet von der langen Reise.

36. An verschiedenen Orten wurde der Herr von den dortigen Bewohnern willkommen geheißen, verehrt und beschenkt. Am Abend, als die Sonne am westlichen Himmel untergegangen war, gelangte er ans Meer.