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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Samstag, 25. September 2010

1.9 Das Sterben Bhismas in Gegenwart Krishnas

1. Suta sprach: Yudhisthira, der von Angst gequält war, weil er den Tod seiner Untertanen auf dem Gewissen hatte, wollte ganz und gar verstehen lernen, was seine Pflicht war, und begab sich deshalb auf das Schlachtfeld, wo Bhisma im Sterben lag.

2. Dorthin folgten ihm alle seine Brüder, ihr Brahmanen, auf ihren goldverzierten Streitwagen, die von den besten Pferden gezogen wurden, sowie auch die Weisen Vyasa, Dhaumya (der Priester der Pandavas) und andere.

3. Auch der Glückliche folgte ihnen zusammen mit Arjuna im Streitwagen, ihr Weisen, und der König mit seinen Begleitern sah so prachtvoll aus wie Kuvera (der Schatzmeister der Götter) mit seinen Gefährten.

4. Als sie Bhisma am Boden liegen sahen wie einen vom Himmel gefallenen Halbgott, verneigte sich Yudhisthira, der Sohn Pandus, vor ihm zusammen mit seinen jüngeren Brüdern und mit Krishna, dem Herrn des Diskus.

5. Um das Oberhaupt der Nachkommen des Königs Bharata (des gemeinsamen Vorfahren) zu sehen, waren dort die Weisen unter den Brahmanen versammelt, die Weisen unter den Göttern und die Weisen unter den Königen, alle voller Tugend:

6.-7. Parvata, Narada, Dhaumya, der glückliche Vyasa, Brihadasva, Bharadvaja und Parasurama mit ihren Schülern, auch Vasistha, Indrapramada, Trita, Gritsamada, Asita, Kakshivan, Gautama, Atri and Kausika sowie Sudarsana.

8. O ihr Brahmanen, auch viele andere Weise wie Suka und solche ganz reinen Seelen wie Kasyapa und Angirasa kamen dort an in Begleitung ihrer Schüler.

9. Bhisma, der Beste unter den Vasus, der wohl wusste, wie man sich in allen Zeiten und Umständen recht und angemessen verhält, hieß die Großen und Mächtigen willkommen, die sich dort versammelt hatten.

10. Er begrüßte auch ehrfurchtsvoll Krishna, den Herrn des Universums, der im Herzen wohnt und durch die Kraft der Maya eine Gestalt manifestiert hatte und dessen Ruhmestaten er kannte.

11. Als er die Söhne Pandus schweigend an seiner Seite sitzen sah, gratulierte Bhisma ihnen warmherzig. Er war überwältigt von Gefühlen der Liebe angesichts dieses Zusammentreffens und Tränen der Rührung traten in seine Augen.

12. Er sprach: O welche Schmerzen, o welch schreckliche Ungerechtigkeit hattet ihr guten Seelen, ihr Söhne der Rechtschaffenheit, zu ertragen, die ihr ein Leben voller unverdienter Leiden bestehen musstet, obwohl ihr unter dem Schutz der Brahmanen, eurer rechten Gesinnung und des Unfehlbaren (Krishnas) steht.

13. Nach dem Tode des großen Feldherrn Pandu hatte meine Schwiegertochter Kunti euretwegen viel Bedrängnis zu ertragen, und dies blieb auch so, als ihr erwachsen wart.

14. Ich denke, alles Leidvolle ist die unvermeidliche Auswirkung der Zeit, von der ihr genauso beherrscht und getrieben seid wie die jeder auf der Welt, so wie der Wind die Wolken vor sich her treibt.

15. Wie sonst könnte Unglück geschehen bei einem Herrscher wie Yudhisthira, dem Sohn Dharmas, bei Bhima mit seiner mächtigen Keule, bei Arjuna mit seinem Bogen Ghandiva und bei unserem Verwandten und Wohltäter Krishna?

16. Niemand kennt den Plan des Höchsten, o König, selbst große Philosophen, die sich mit erschöpfenden Abhandlungen befassen, sind verwirrt.

17. Daher versichere ich dir, o Bester unter den Nachkommen Bharatas, dass dies alles einzig und allein durch die Vorsehung des Höchsten geschah, durch seine Absicht. O Herr und König, kümmere dich nun um deine Untertanen, die der Hilfe bedürfen.

18. Er (Krsihna), der unbegreiflicher Weise in der Vrishni-Familie geboren wurde, ist niemand anders als der Glückliche, die ursprüngliche, erste und höchste Person Narayana, der jeden durch seine Schöpferkraft in Erstaunen setzt.

19. O König, es sind nur Shiva, der göttliche Weise Narada und der große Kapila, die unmittelbare Kenntnis von den verborgensten Herrlichkeiten des Glücklichen haben.

20. Er ist die selbe Person, die du als deinen Cousin mütterlicherseits betrachtest, als deinen besten Freund, vertrauten Wohltäter, Ratgeber, Botschafter und bereitwilligen Wagenlenker.

21. Er, der im Herzen eines jeden gegenwärtig ist, allen gleichermaßen freundlich zugewandt, nicht-identifiziert mit dem materiellen Ich, ist in seinem Bewusstsein und in allem, was er tut, immer frei von Verhaftung und Parteilichkeit.

22. Dennoch, o König, sieh wie Krishna, der allen seinen Verehrern unterschiedslos zugewandt ist, freundschaftlich zu mir persönlich gekommen ist um mir am Ende meines Lebens zur Seite zu stehen.

23. Die ihm in Liebe Verbundenen, die seinen Namen beständig hingebungsvoll in ihrem Geiste rezitieren, finden, wenn sie ihren Körper verlassen, Befreiung von den Früchten ihrer Handlungen.

24. Möge er, der Gott der Götter, der Glückliche, der Vierarmige, den ich immer meditierend verehrt habe, mich mit seinem heiteren Lächeln erwarten, wenn ich diesen Körper verlasse, mit Augen der Morgensonne gleich, welche die Lotosblume seines Antlitzes zieren.

25. Suta sprach: Als Yudhistira ihn, der auf einem Bett aus Pfeilen lag, so sprechen hörte, befragte er ihn über die verschiedenen Pflichten, während auch die Weisen zuhörten.

26. Bhisma beschrieb die verschiedenen Kasten und Ordnungen des Lebens, in welche die Menschen gemäß ihren Veranlagungen eingebunden sind, und erklärte systematisch die Anzeichen von Anhaften und Befreiung.

27. Er erläuterte die Pflichten der Mildtätigkeit, die Pflichten eines Herrschers und den Weg zur Befreiung mit ihren jeweiligen Einteilungen und gab eine allgemeine und detaillierte Darstellung über die Pflichten der Frauen und der kontemplativ Lebenden.

28. Als Kenner der Wahrheit, ihr Weisen, erläuterte er die vier Grund-Tugenden Rechtschaffenheit, Wohlstand, Sinnengenuss und Befreiung, wie sie in den historischen Geschichten beschrieben sind, wobei er aus verschiedenen bekannten Erzählungen zitierte.

29. Während Bhisma die verschiedenen Pflichten beschrieb, kam die Zeit heran, da die Sonne sich zum nördlichen Horizont neigte. Dies ist für die Yogis, die den Zeitpunkt ihres Todes selbst wählen können, die erwünschte Zeit zum Sterben.

30. Da verstumme Bhisma (der Beherrscher tausender Wissenschaften und Künste), und mit befreitem Geist richtete er seinen Blick auf die ursprüngliche Person, Krishna, den Vierarmigen, der gekleidet in ein gelbes Gewand vor ihm stand.

31. Indem er ihn unverwandt anschaute, den Vernichter allen Unglücks, reinigte sich seine Meditation und die Schmerzen von den Pfeilen verschwanden sofort, und während er betete zu seiner Erscheinung im Körper, endete die Aktivität seiner Sinne, und er verschied zu dem Herrscher aller lebenden Wesen.

32. Der erleuchtete Bhismadeva sprach folgendes Gebet: Lasst mich, befreit von allen Wünschen, meinen Geist bereiten für den Glücklichen, den Führer der ihm Hingegebenen, den Großen sich selbst Genügenden, der manchmal aus Freude eine Existenz in dieser materielle Welt von Schöpfung und Zerstörung annimmt.

33. Er ist das am meisten Wünschenswerte in den drei Welten, bläulich wie ein Tamala-Baum, gekleidet in Gewänder golden leuchtend wie Sonnenstrahlen, und hat einen Körper geschmückt mit Zeichnungen aus Sandelholz-Mark und ein Antlitz wie eine Lotosblüte. Möge mein Geist frei von allen eigensüchtigen Motiven ruhen in der Liebe zum Freund Arjunas.

34. Lass meinen Geist auf Krishna gerichtet sein, der auf dem Schlachtfeld mit aufgelöst wehendem Haar aschfarben wurde vom Staub der Hufe. Sein Antlitz schmückte sich mit Schweiß, seine Haut wurde durchbohrt von meinen spitzen Pfeilen und er in seiner schützenden Rüstung erfreute sich daran.

35. Auf das Kommando seines Freundes Arjuna lenkte er seinen Streitwagen zwischen die gegnerischen Heere, und von dort aus beendete er das Leben der Feinde durch bloßes Anschauen. Lass meine Liebe jenem Freund Arjunas gehören.

36. Während die Heere von ferne zuschauten, löschte er durch seine Weisheit die Unwissenheit Arjunas aus, der aus einem unvollkommenen Verständnis heraus zögerte seine Verwandten zu töten. Lass mich die Füße des Höchsten mit geistiger Hingabe verehren.

37. Entgegen seinem eigenen Wort stieg er von seinem Wagen herab, um mein Versprechen zunichte zu machen, nahm ein Rad und stürmte auf mich zu wie ein Löwe, der einen Elefanten töten will, wobei sein Obergewand von ihm abfiel.

(Duryodhana kritisierte Bhisma, er schone aus verwandtschaftlichen Gefühlen heraus Arjuna. Bhisma gab daher sein Wort, dass er am nächsten Tage alle fünf Pandava-Brüder mit eigens dafür angefertigten Waffen töten werde. Duryodhana nahm diese Waffen in Verwahr, doch Arjuna entwendete sie ihm in der Nacht durch eine List. Bhisma erkannte Krishna als den Urheber der List und schwor, dass Krishna selbst zu den Waffen greifen müsse, damit Arjuna nicht getötet würde. Am nächsten Tag kämpfte Bhisma so heftig, dass Arjuna und Krishna in schwere Bedrängnis kamen. Bhisma war kurz davor Arjuna zu töten. Da brach Krishna scheinbar sein Versprechen nicht mit Waffen zugunsten einer Partei in den Kampf einzugreifen, indem er mit einen Wagenrad in der Hand auf Bhisma zu stürzte. Daraufhin legte Bhisma seine Waffen nieder und war bereit sich von Krishna töten zu lassen.)

38. Mit zerbrochenem Schild, verwundet von spitzen Pfeilen und blutbeschmiert kam er wütend zum Angriff auf mich zu, um mich zu töten. Möge der Glückliche, der Befreiung gewährt, mein Ziel sein.

39. Lass mich in dieser meiner Todesstunde voller Hingabe sein an den Glücklichen, der die Pferde lenkte mit der Peitsche in der Rechten und den Zügeln in der Linken, so elegant anzuschauen, und mit allen Mitteln den Streitwagen Arjunas schützte. Indem sie ihn anschauten, erlangten jene, die auf dem Schlachtfeld starben, die ursprüngliche Form ihrer Seele wieder.

40. Indem sie seine attraktiven Bewegungen, seine faszinierenden Handlungen und sein freundliches Lächeln mit liebendem, verehrungsvollem Sinn betrachteten und in Ekstase nachahmten, fanden die Kuhhirtinnen von Vrajadhama (dem Dorf, wo Krishna seine Jugend verbrachte) zu ihrer ursprünglichen Natur.

41. Bei einer königlichen Opferzeremonie, die Yudhisthira vollzog und bei der alle großen Weisen und Könige versammelt waren, empfing er die respektvolle Verehrung eines jeden. Auch ich war dort anwesend und erkannte ihn als den, welchen meine Seele liebt.

42. Ihn, der vor mir gegenwärtig ist, erkenne ich, da ich im Zustand der Todesnähe befreit bin von der Illusion der Dualität, in meinem Herzen als den Ungeborenen in menschlicher Gestalt. Er ist, obwohl einzig wie die Sonne, als All-Selbst in den Herzen aller und wird von einem jeden aus einem verschiedenen Blickwinkel betrachtet.

43. Suta sprach: Seinen Geist, seine Worte, seinen Blick und sein Handeln nur auf Krishna, den Glücklichen, gerichtet, verstummte er und hörte auf zu atmen, denn er war eingegangen in das Leben des All-Selbst.

44. Als sie Bhismas Worte vernommen und sein Eintauchen in das unbegrenzte, allgegenwärtige Absolute miterlebt hatten, wurden alle Anwesenden still wie die Vögel am Ende des Tages.

45. Danach erklangen von überall her Trommeln, die von Menschen und Göttern geschlagen wurden in tief empfundenem Lobpreis, und die königliche Familie ließ Schauer von Blumen herab fallen.

46. O Saunaka, nachdem Yudhisthira die Riten für den Verstrobenen vollzogen hatte, wurde er für einen Augeblick von Schmerz erfüllt.

47. Danach kehrten die Weisen, von Glück erfüllt über die geheimnisvollen Taten Krishnas, zurück zu ihren Wohnstätten und behielten ihn für immer in ihren Herzen.

48. König Yudhisthira begab sich darauf zusammen mit Krishna nach Hastinapura, um seinen Onkel Dhritarasthra und seine asketisch lebende Tante Ghandhari zu trösten.

49. Mit der Zustimmung seines Onkels und dem Einverständnis Krishnas übte er danach die königlichen Pflichten im Reich aus zur Ehre seines großen Vaters und seiner ruhmreichen Vorfahren.

(Erläuterungen zum Leben Bhismas nach der englischsprachigen Wikipedia, dort ist Ausführlicheres zu lesen:
Er ist der Stammvater beider streitender Parteien in der Schlacht von Kuruksetra, der Pandavas und der Kauravas. Mit seiner Geburt verhält es sich nach der Legende folgendermaßen: Einmal besuchten die acht Vasus (Gottheiten, die Elemente und Kräfte der Natur repräsentieren) in Begleitung ihrer Gattinnen den Weisen Vasistha in seiner Behausung. Eine der Frauen wurde von Begehren nach Vasisthas wunscherfüllender Kuh ergriffen und veranlasste ihren Gatten Prabhasa sie zu stehlen. Daraufhin verfluchte Vasistha diesen zu einer menschlichen Geburt und so kam Bhisma zur Welt.
Ihm wurde die Gnade gewährt den Zeitpunkt seines Todes selbst zu bestimmen. Dies machte ihn unbesiegbar. Mit ihm auf der Seite der Kauravas und Krishna als Helfer der Pandavas geriet die Schlacht in eine Patt-Situation. Im Herzen wusste Bhisma, dass das Recht auf Seiten der Pandavas war und er das Haupt-Hindernis für ihren Sieg darstellte. Daher verriet er Arjuna , er werde aufhören zu kämpfen, wenn ihm in der Schlacht eine Frau gegenüberstände. Daraufhin nahm Arjuna einen Krieger mit in seinen Streitwagen, der zugleich Mann und Frau war. Hinter dieser Person in Deckung stehend durchbohrte er - widerwillig, beschämt und unter Tränen - Bhisma, der keine Gegenwehr leistete, mit unzähligen Pfeilen. Als Bhisma fiel, wurde er von den Pfeilen, die hinten aus seinem Körper heraustraten, über dem Boden schwebend gehalten. Auf diesem Bett aus Pfeilen blieb er liegen, bis er vom Sieg der Pandavas erfahren hatte. Erst dann schloss er aus freiem Willen die Augen.)

Donnerstag, 16. September 2010

1.8 Die Rettung Parikchits und Kuntis Gebet

1. Suta sprach: So begaben sich die Pandavas, mit Draupadi und den anderen Frauen in vorderster Reihe, zum Ganges, um die vorgeschriebenen Wasser-Zeremonien für ihre verstorbenen Verwandten abzuhalten.

2. Nachdem jeder sein Wasser-Opfer dargebracht und nochmals zur Genüge geklagt hatte, nahmen sie ein Bad im Wasser des Ganges, welches gereinigt ist durch den Staub von den Lotosfüßen des Herrn.

3. Da saßen sie nun gemeinsam mit dem König der Kurus (Dhritarashthra) und dessen jüngeren Brüdern in tiefer Trauer zusammen mit Kunti, Draupadi und auch mit Krishna.

4. Krishna tröstete zusammen mit den Weisen dort die schockierte und betroffene Familie, die ihre Freunde und Verwandten verloren hatte, indem sie aufzeigten, wie alles unvermeidlich dem ewigen Gesetz der Zeit unterworfen ist.

5. Der Betrug der Listigen (Duryodhana und seiner Partei), die das Reich des Königs ohne Feinde (Yudhisthira) usurpiert hatten, war gesühnt, und die Skrupellosen hatten den Tod gefunden, so auch diejenigen, die ihr Leben verkürzt hatten durch die rohe Behandlung der Haare von Königin Draupadi.

6. Indem Yudhisthira drei Pferde-Opfer auf die beste Art vollzog, verbreitete sich der Ruhm seiner Heiligkeit in alle Richtungen, so wie der Ruhm Indras sich verbreitet hatte, als er dieses Opfer hundert mal darbrachte.

7. Krishna, der zum Abschied von den Weisen und Brahmanen verehrt wurde und ihre Grüße erwiderte, lud die Söhne Pandus zusammen mit Uddhava zu sich ein.

8. Ihr Brahmanen, als er auf seinem Wagen Platz genommen hatte und nach Dvaraka abfahren wollte, sah er Uttara (die mit Parikchit schwanger war) angstvoll heran eilen.

9. Sie rief: Beschütze mich, beschütze mich, du größter aller Yogis, Verehrtester unter den Verehrten und Herr des Universums! Außer dir kenne ich niemanden, der furchtlos ist in dieser Welt, wo man einander den Tod bringt.

10. O allmächtiger Herr, ein glühender Eisenpfeil verfolgt mich. Lass ihn mich verbrennen, aber beschütze mein ungeborenes Kind!

11. Suta sprach: Der Glückliche, der allen, die ihn verehren, liebevoll zugetan ist, hörte geduldig ihre Worte an und erkannte, dass dieses eine Brahmastra-Waffe war, die der Sohn Dronas geschickt hatte, um alle Nachkommen der Pandava-Familie zu vernichten.

12. O Anführer der Weisen (Saunaka), als die Pandavas die grelle Waffe auf sich zukommen sahen, ergriffen sie alle fünf ihre eigenen Waffen.

13. Da er sah, dass sie in großer Gefahr waren und es keine andere Hilfe gab, griff der Allmächtige zu seiner Waffe, dem Diskus Sudarsana, um seine Verehrer zu schützen.

14. Als das Selbst aller lebenden Wesen beschirmte der Herr des Yoga, Vishnu, in seiner persönlichen Erscheinung Uttaras ungeborenes Kind, um den Nachkommen des großen Herrschers Kuru zu erhalten.

15. O Saunaka, obwohl nichts der Brahmastra-Waffe entgegenwirken kann, wurde sie durch die Kaft Vishnus neutralisiert.

16. Aber haltet all dieses nicht für ein Wunder. Es ist das Handeln des Geheimnisvollen, Unfehlbaren, der alles durch die transzendente Energie der Maya erschafft, erhält und vernichtet, obwohl er selbst ungeboren ist.

17. Nach ihrer Rettung vor der Strahlung der Brahmastra richtete die treue Kunti gemeinsam mit ihren Söhnen und Draupadi das Wort an Krishna, der im Begriff war sie zu verlassen:

 18. Verehrung sei dir, der höchsten Person, dem ursprünglichen Herrscher des materiellen Kosmos, dem Unsichtbaren in allen Lebewesen, der innerhalb und außerhalb von allem ist.

19. Bedeckt vom Schleier der Maya, unerreichbar für die sinnliche Wahrnehmung, vollkommen und nicht erkennbar für die Unwissenden, bist du der Künstler, der in seinem eigenen Spiel als Schauspieler in Verkleidung auftritt.

20. Du offenbarst dich den großen Weisen, die zwischen Geist und Materie unterscheiden können und den Yoga der Hingabe praktizieren. Aber wie können wir Frauen dich erkennen?

21. Daher nimm meine respektvolle Verehrung entgegen, Govinda (der um die Kühe weiß), Krishna, Sohn Vasudevas und Devakis, Schützling Nandas und der Kuhhirten.

22. Verehrung dir mit dem Lotos-Nabel,
Verehrung dir mit der Girlande aus Lotosblüten,
Verehrung dir mit dem Lotos-Blick,
Verehrung dir mit den Lotos-Füßen!

23. Du bist der Meister der Sinne und hast die unglückliche Devaki aus der langen Gefangenschaft durch den neidischen Kamsa befreit und, großer Herr, du hast mich und meine Kinder vor ständigen Gefahren beschützt.

24. Du hast uns vor Gift bewahrt, vor einem großen Brand, vor Menschenfressern, vor einer bösartigen Versammlung, vor den Leiden im Exil im Wald, vor den Waffen in Schlachten mit großen Heerführern, und nun, Herr, hast du uns vor der Vernichtung durch die Waffe von Dronas Sohn beschützt.

25. Um dir immer wieder zu begegnen, Meister des Universums, würden wir gern alle diese Katastrophen immer wieder über uns ergehen lassen, denn dir zu begegnen bedeutet, nicht mehr den Wiederholungen von Geburt und Tod unterworfen zu sein.

26. Menschen, die sich immer mehr betäuben durch Streben nach einer vornehmen Geburt, Reichtümern, Bildung und Schönheit, können dich nicht von ganzem Herzen anrufen, aber die materiell Notleidenden dürfen sich dir immer nahen.

27. Ehre sei dir, dem Reichtum der Armen,
der du frei bist von Anhaften an das Materielle,
dem Liebenswürdigen, der vollkommen sich selbst genügt,
dem Meister des Transzendenten, alle Ehre sei dir.

28. Ich verehre dich als die ewige Zeit,
den höchsten Herrn ohne Anfang und Ende,
den Alles-Durchdringenden, der seine Gnade allen Wesen gleichermaßen gibt,
auch wenn sie in Streit miteinander leben.

29. O Glücklicher, niemand versteht, was du tust,
denn es ist scheinbar so wie das Tun der weltlichen Menschen.
Man könnte meinen, du seiest parteiisch,
doch du bevorzugst oder benachteiligst niemanden.

30. O du Selbst des Universums, du wirst geboren, obgleich du ungeboren bist,
und du handelst, obgleich du nicht handelst.
Du warst inkarniert in Tieren, in Menschen, in Weisen, in Wasserwesen.
Das ist wirklich höchst verwunderlich.

31. Es erstaunt mich, dass du vor Furcht weintest, damals als deine Pflegemutter bei den Hirten dich mit einem Seil festband, weil du Unfug gemacht hattest. Deine Augen waren so von Tränen überströmt, dass die Schminke weg gewaschen wurde, obwohl du doch gefürchtet bist bei der Furcht selbst.

32. Manche sagen, du seiest zum Ruhme des großen, frommen Königs Yadu als ein kostbarer Nachkomme in seiner Familie geboren worden wie Sandelholz auf den Malaya-Bergen wächst.

33. Andere sagen, du seiest aus dem Ungeborenen hervorgegangen zum Wohle von Vasudeva und Devaki, die um dich gebetet hatten, und um jene zu töten, die den Göttern feindlich gesonnen sind.

34. Wieder andere sagen, du seiest gekommen um die Last des großen Leidens der Welt hinwegzunehmen, wie ein Schiff auf dem Meer, und geboren worden auf Bitten Brahmas.

35. Und wieder andere sagen, du seiest erschienen für jene, die in der materiellen Schöpfung unter Begierde, Unwissenheit und Ich-Verhaftung leiden, so dass sie befreit werden können, indem sie auf dich hören, deiner gedenken und dich verehren.

36. Die Menschen, die ihre Freude darin finden beständig von deinen Taten zu hören, sie zu besingen und im Gedächtnis zu behalten, schauen sicherlich sehr bald deine Lotos-Füße, welche das Rad der Wiedergeburten zum Stillstand bringen.

37. O Herr, nach allem, was du für uns getan hast, verlässt du uns heute, deine engen Freunde, die nur von deiner Gnade leben und angewiesen sind auf deine Lotosfüße, da alle anderen Könige mit ihnen verfeindet sind.

38. Ohne dich werden wir, die Yadus und Pandavas, ohne Namen und Kraft sein, wie ein Körper, der ohne Sinne ist, nachdem das Leben ihn verlassen hat.

39. Der Erdboden unseres Königreiches wird nicht mehr so schön erscheinen wie jetzt, da er in den Glanz deiner Fußspuren getaucht ist, o Krishna.

40. Alle großen und kleinen Städte sind unter deinen Blicken aufgeblüht und auch die Natur mit ihrem Reichtum an Wildpflanzen, Gemüse, Wäldern, Bergen, Flüssen und Seen.

41. Darum, o Herr des Universums, All-Selbst und persönliche Erscheinung, zertrenne meine tiefe, zärtliche Bindung an meine Verwandten, die Pandavas und die Vrishinis.

42. Mache meine Hingabe an dich rein und beständig überfließend, o Herr, so wie der Ganges in den Ozean fließt.

43. O Herr Krishna, Freund Arjunas und Oberhaupt der Vrishinis, Vernichter der rebellierenden Dynastien auf der Erde, durch deine unbeugsame Tapferkeit rettest du die Kühe, die Zweimalgeborenen und die Götter. O inkarnierter Herr des Yoga, universeller Lehrer, du Glücklicher, dir gehört meine respektvolle Verehrung.

44. Suta sprach: Als er so verehrt wurde in seiner Herrlichkeit durch die ausgesuchten Worte Kuntis, lächelte der Herr milde in einer Weise, die genauso bezwingend war wie seine Schöpfermacht.

45. Nachdem er das Gebet Kuntis entgegen genommen und auch im Palast von Hastinapura von den anderen Damen Abschied genommen hatte, wollte der Herr sich zu seiner eigenen Wohnstätte begeben, jedoch wurde er aufgehalten vom König, der ihm seine Liebe erwies.

46. Dieser war so sehr von Schmerz erfüllt, dass weder Weise wie Vyasa noch die Gottes-Gelehrten, nicht einmal Krishna durch seine übermenschlichen Taten, ihm Trost spenden konnten und auch die geschichtlichen Überlieferungen seinen Kummer nicht zu stillen vermochten.

47. König Yudhisthira, der Sohn Dharmas (der Gottheit des Rechts), dachte an seine Freunde, die getötet worden waren. Getäuscht durch seine Anhänglichkeit war er sich nicht bewusst, dass dies nur ihren materiellen Körper betraf, ihr Brahmanen, und er sprach von Schmerz überwältigt:

48. O schau mich an! In der Unwissenheit meines in Sünde verstrickten Herzens habe ich so viele Heerscharen von Kriegern in den Tod geschickt, und dabei wollte ich nur anderen dienen.

49. Da ich so viele Jungen, Zweimalgeborene, Wohltäter, Freunde, Eltern, Brüder und Lehrer getötet habe, werde ich sicher nicht einmal in Millionen von Jahren Befreiung von der Hölle erlangen.

50. Es ist keine Sünde, wenn ein König, um sein Volk zu schützen, im Kampf für eine rechte Sache seine Feinde tötet, aber diese Vorschrift trifft auf mich nicht zu und stellt mein Gewissen nicht zufrieden.

51. Ich kann nicht erwarten, dass das Unrecht an all den Frauen, deren Angehörige ich getötet habe, wieder gut gemacht werden kann mit dem Argument, es sei um des irdischen Wohls willen geschehen.

52. So wie man nicht Schmutz durch Schmutz filtern oder Weinflecken mit Wein entfernen kann, so hat es keinen Wert vorgeschriebene Tieropfer darzubringen, wenn man getötet hat.