Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Montag, 30. August 2010

1.7 Wie Dronas Sohn bestraft wurde

1. Saunaka fragte: O Suta, was tat der große, glückliche Vyasa, nachdem er von Narada alles gehört hatte, was er wissen wollte, und dieser ihn wieder verlassen hatte?

2. Suta antwortete: Am westlichen Ufer des heiligen Flusses Sarasvati gibt es in Samyaprasa eine Stätte, wo Weise sich der Meditation hingeben.

3. Dort setzte sich Vyasa, nachdem er seine rituellen Waschungen vollzogen hatte, auf seinen angestammten Platz, umgeben von Beerenbäumen, und meditierte.

4. Im Geiste unverwandt dem Bhakti Yoga hingegeben, ohne materielle Bedürfnisse, schaute er die göttliche Person und die schöpferische Energie, welche von ihr ausgeht.

5. Die lebenden Wesen, konditioniert durch die drei Qualitäten (Gutheit, Leidenschaft, Trägheit), halten das Unerwünschte für wirklich und erfahren Entsprechendes, trotz ihres transzendenten Selbst.

6. Für die gewöhnlichen Menschen, die unwissend darüber sind, dass das Unerwünschte durch Yoga der Hingabe an die transzendente göttliche Person sofort gemildert wird, stellte der gelehrte Weise Literatur zusammen, die von der höchsten Wahrheit handelt.

7. Durch bloßes Anhören dieser Texte über Krishna, die höchste göttliche Person, keimt Hingabe in den Lebewesen auf, welche Klage, Illusion und Furcht auslöscht.

8. Nachdem er diese Geschichte vom Glücklichsein zusammengestellt und durchgesehen hatte, lehrte er sie seinen Sohn Suka, den Weisen auf dem Pfad der Entsagung.

9. Saunaka fragte: Warum nahm dieser Weise, der ganz und gar auf dem Pfad der Entsagung wandelte, gleichmütig und in jeder Hinsicht zufrieden in seiner Seele, solch ein umfangreiches Studium auf sich?

10. Suta sprach: Alle, die sich am Selbst erfreuen, auch die befreiten Weisen, leisten dem großen Abenteurer (Vishnu) selbstlose Hingabe, so wundervoll sind die Eigenschaften des Herrn.

11. Der glückliche Sohn Vyasas war aber nicht nur selbst in die Eigenschaften des Herrn vertieft, sondern er unternahm das regelmäßige Studium des großen Erzählwerks auch aus Liebe zu den Anhängern Vishnus.

12. So lasst mich euch jetzt die kostbare Botschaft Krishnas von der Geburt, den Taten und der Befreiung von Parikchit erzählen, dem Weisen unter den Königen, sowie auch von der Entsagung der Söhne Pandus.

13.–14. Als die Krieger der Pandavas und Kauravas auf dem Schlachtfeld von Kurukshetra ihr heldenhaftes Schicksal gefunden hatten und der Sohn des Königs Dhritarashthra (Duryodhana) darüber klagte, dass sein Rückgrat durch einen Keulenschlag von Bhima (dem zweiten Pandava) gebrochen worden war, dachte der Sohn Dronas (Asvatthama), er könne seinem Meister Duryodhana einen Gefallen tun, indem er ihm die Köpfe der schlafenden Söhne Draupadis als Gabe brächte. Aber als sein Meister das sah, missbilligte er diese abscheuliche Handlung.

15. Die Mutter der Söhne klagte und weinte bitterlich, als sie von dem grässlichen Massaker hörte. Arjuna (der Anführer der Pandavas) suchte sie zu beschwichtigen und sprach:

16. Ich kann die Tränen deiner Trauer nur trocknen, o edle Frau, indem ich den Kopf des entehrten brahmanischen Aggressors mit Pfeilen von meinem Bogen Ghandarva vom Körper trenne. Ich werde ihn dir präsentieren, so dass du darauf reiten kannst. Dann, nach der Verbrennung deiner Söhne, kannst du ein Bad nehmen.

17. Mit diesen Worten war sie zufrieden gestellt, und Arjuna, der vom Unfehlbaren (Krishna) als seinem Freund und Wagenlenker geführt wurde, bestieg gerüstet und bewaffnet seinen Streitwagen, um Asvatthama, den Sohn seines miltärischen Lehrers, zu verfolgen.

18. Als dieser ihn von Ferne heranstürmen sah, floh der Mörder der Prinzen voll Entsetzen in schnellem Tempo mit seinem Wagen, um sein Leben zu retten, wie der Sonnengott vor Rudra floh.

19. Nachdem seine Pferde ermüdet waren und er sich schutzlos sah, nahm der Sohn des Brahmanen (Asvatthama), nur um sich selbst zu retten, Zuflucht zu äußersten Waffe.

20. Da sein Leben in Gefahr war, berührte er Wasser, konzentrierte sich und rezitierte die entsprechenden Mantras, jedoch ohne zu wissen, wie er den Prozess wieder zurücknehmen könnte.

21. Ein grelles Licht verbreitete sich in alle Richtungen, so durchdringend, dass Arjuna Lebensgefahr spürte und zu Krishna (der seinen Wagen lenkte) sprach:

22. O Krishna, Krishna, du bist der Allmächtige, der die Furcht derer hinwegnimmt, die dir hingegeben sind. Du allein bist der Pfad der Befreiung für alle, die in der verkörperten Existenz leiden.

23. Du bist der transzendente ursprüngliche Genießer und direkte Beherrscher der materiellen Natur und derjenige, welcher vermöge seiner eigenen inneren Macht die Illusion abgeworfen hat und in seligem Wissen im Selbst verbleibt.

24. Aus dieser Transzendenz übst du in den Herzen der verkörperten Lebewesen, die in der Illusion gefangen sind, deinen Einfluss aus zum höchsten Guten, das in den vier Prinzipien der Befreiung besteht (Wahrheit, Reinheit, Askese, Mitleid).

25. Deshalb bist du inkarniert, um die Last der materiellen Welt zu hinweg zu nehmen und um deinen Freunden und Verehrern Gegenstand beständiger Meditation zu sein, welcher sie vollkommen erfüllt.

26. O Herr der Herren, ich weiß nicht, was dieses höchst gefährliche gleißende Licht ist, das sich überall hin verbreitet, und woher es kommt.

27. Der Glückliche sprach: Glaube mir, es ist von Dronas Sohn, der in Todesnot die Waffe Brahmastra eingesetzt hat und nicht einmal weiß, wie er sie wieder zurückholen kann.

28. Nichts kann diese Waffe bezwingen als eine andere von der selben Art. Du musst diesen ungeheuer grellen Schein durch die blendende Helle deines eigenen kriegerischen Könnens besiegen.

29. Suta sprach: Als Arjuna diese Worte des Glücklichen vernommen hatte, berührte er Wasser und umrundete den höchsten Herrn. So setzte auch er die äußerste Waffe ein, um die seines Gegners zu bezwingen.

30. Durch den vereinigten grellen Schein der beiden Waffen wurden das ganze Firmament und der umgebende Weltraum bedeckt von einem sich ausdehnenden Feuerball, der so hell war wie die Sonne.

31. Als die Bewohner der drei Welten bemerkten, wie die Hitze von den beiden Waffen sie versengte, kam ihnen dies vor wie das Feuer der Vernichtung am Ende der Zeiten.

32. Da er den Aufruhr und die Zerstörung bemerkte, die durch die Waffen bei den Bewohnern der Welten angerichtet wurden, nahm Arjuna auf Veranlassung Krishnas beide zurück.

33. Dann ergriff er geschickt den gemeingefährlichen Sohn Gautamis (Asvatthama) und fesselte ihn, die Augen vor Zorn wie Kupfer gerötet, mit Stricken wie ein Tier.

34. Als der erzürnte Arjuna den gefesselten Feind mit Gewalt ins Heerlager brachte, sprach der Glückliche, der mit Lotos-Augen schaut, zu ihm:

35. Arjuna, lass diesen Verwandten eines Brahmanen nur nicht frei, sondern töte ihn, der die unschuldigen Jungen nachts im Schlaf ermordet hat.

36. Jemand, der die Regeln rechten Verhaltens kennt, hütet sich davor einen Gegner zu töten, der ahnungslos, berauscht, geistesgestört, im Schlaf, ein Junge, eine Frau oder ein Narr ist, sich ergeben oder seinen Streitwagen verloren hat.

37. Aber jemand, der schamlos und verachtenswert sein eigenes Leben rettet auf Kosten des Lebens anderer, den zu töten ist mit Sicherheit zu seinem eigenen Wohl, denn durch sein Verbrechen richtet er sich selbst zu Grunde.

38. Ich habe selbst gehört, wie du der Tochter des Königs Pancala (Draupadi) versprachst: Ich bringe dir den Kopf desjenigen, den du für den Mörder deiner Söhne ansiehst.

39. Dieser Mann, der nicht mehr ist als die verbrannte Asche seiner Familie, ein sündiger Missetäter, verantwortlich für die Ermordung deiner Söhne, und einer, der auch seinem eigenen Meister missfallen hat, muss dafür getötet werden.

40. Suta sprach: Obwohl Krishna, um Arjuna in seinem Pflichtbewusstsein zu prüfen, ihn dazu ermutigt hatte, war es diesem zuwider den Sohn seines Lehrers zu töten, auch wenner der schändliche Mörder seiner Söhne war.

41. Als sie sein Heerlager erreicht hatten zusammen mit seinem guten Freund und Wagenlenker Govinda (Krishna), gab er den Mörder in die Obhut seiner geliebten Gattin, die um ihre ermordeten Söhne klagte.

42. Als sie den Verbrecher erblickte, der die scheußliche Tat begangen hatte, verstummt und gebunden wie ein Tier, grüßte Draupadi in der Schönheit ihrer Natur aus Mitgefühl den Sohn des Lehrers respektvoll.

43. Es war der frommen Frau unerträglich, dass er gefesselt war, und sie sprach: Lasst ihn frei, er ist ein gelehrter Brahmane, der Sohn unseres Lehrers.

44. Durch dessen (Dronas) Gnade hast du das geheime Wissen der Kampfkunst erhalten und die Anwendung und Beherrschung aller Arten von Waffen.

45. Der glückliche Drona lebt sicherlich fort in seinem Sohn, denn seine Frau ist ihrem Gatten nicht in den Tod gefolgt, da sie einen Sohn haben.

46. Darum, du großer Glücklicher, der um die Gesetze des rechten Handelns weiß, füge in deiner Güte der nach wie vor ruhmreichen und verehrungswürdigen Familie keinen Schmerz zu, den sie nicht verdient.

47. Lasse nicht seine Mutter, Dronas treue Gattin, Tränen vergießen, wie ich es tat, aus Kummer um ein verlorenes Kind.

48. Wenn Mitglieder der Herrscher-Kaste in ungezügeltem Zorn Mitgliedern der Brahmanen-Kaste Unrecht tun, entsteht sofort ein Brand, der beide Familien zugleich ins Unglück stürzt.

49. Suta sprach: Ihr Brahmanen, der König unterstützte den Standpunkt der Königin, da er im Einklang mit den Prinzipien rechten Handelns und zudem gerecht, gnädig, aufrichtig und völlig unparteiisch war.

50. So taten auch Nakula und Sahadeva (die jüngeren Brüder des Königs) sowie Satyaki, Arjuna, der glückliche Sohn Devakis (Krishna), die Damen und andere.

51. Darauf sagte Bhima entrüstet: Für sein Verbrechen, schlafende Kinder ohne allen Grund getötet zu haben, weder in seinem eigenen Interesse noch in dem seines Meisters, ist der Tod die angemessene Strafe.

52. Der Vierarmige (Krishna) begann zu sprechen, nachdem er die Worte Bhimas und Draupadis vernommen und das Gesicht seines Freundes Arjuna gesehen hatte, und es sah aus, als ob er lächelte.

53.–54. Der glückliche Herr sagte: Ein Verwandter eines Brahmanen darf nicht getötet werden. Ein Aggressor muss getötet werden. Dieses beides habe ich dargelegt in Übereinstimmung mit den Vorschriften. Du musst dich an die Regeln halten, auch an das, was du deiner lieben Gattin als Trost versprochen hast, und musst zu ihrer, meiner und Bhimas Zufriedenheit handeln.

55. Suta sprach: Arjuna wusste sofort, was der Herr meinte, und trennte mit seinem Schwert das Juwel vom Haupte des Brahmanen zusammen mit seinem Haar.

56. Asvatthama wurde von den Stricken befreit und aus dem Lager vertrieben. Als Strafe für den Kindermord verlor er seine körperliche Ausstrahlung, die er durch die Kraft des Juwels besessen hatte.

57. Abschneiden der Haare, Einbuße des Reichtums und Verbannung sind die Strafen, die für die Angehörigen eines Brahmanen bestimmt sind, nicht aber Tötung oder andere körperliche Maßnahmen.

58. Überwältigt von Schmerz über den Verlust ihrer Söhne vollzogen danach alle Söhne Pandus zusammen mit Draupadi die vorgeschriebenen Bestattungsriten für die verstorbenen Angehörigen.

Mittwoch, 11. August 2010

1.6. Gespräch zwischen Narada und Vyasa

1. Suta sprach: Ihr Brahmanen, da Vyasa, der Sohn Satyavatis, von dem glücklichen Weisen unter den Göttern (Narada), über seine Geburt und seine Taten gehört hatte, stellte er ihm eine weitere Frage:

2. Nachdem die großen bettelnden Weisen, die dich in der Wissenschaft vom Transzendenten unterrichtet hatten, fortgegangen waren, was tatest du dann vor dem Beginn deines jetzigen Lebens?

3. O Sohn Brahmas, unter welchen Umständen und mit welchen Betätigungen verbrachtest du dein Leben nach deiner Initiation, und auf welche Weise verließest du am Ende den Körper, den du angenommen hattest?

4. Wie konntest du, o großer Weiser, dich von einem früheren Weltalter her an alle Einzelheiten erinnern, da doch die Zeit in ihrem Lauf alles vernichtet?

5. Narada sprach: die großen Weisen vermittelten mir das geistige Wissen, das ich jetzt habe, und in meiner vorigen Existenz lebte ich demgemäß, als sie fortgegangen waren.

6. Meine Mutter, die eine Dienerin und eine einfache Frau war, hing zärtlich an mir, ihrem einzigen Sohn, und sie hatte niemand anders zu ihrem Schutz.

7. Obwohl sie mir eine gute Ausbildung geben wollte, konnte sie es nicht, da sie, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wie eine Puppe aus Holz von jedermann abhängig war.

8. Als ich bei den Brahmanen in die Lehre ging, war ich erst fünf Jahre alt und lebte in Abhängigkeit von ihr, ohne je das Dorf verlassen zu haben.

9. Als sie einmal nachts hinaus ging um eine Kuh zu melken, wurde sie auf dem Wege von einer Schlange ins Bein gebissen, und die arme Frau wurde ein Opfer des Todes.

10. Ich nahm dies als besonderen Segen vom Herrn, der immer voll Gnade für jene ist, die ihn lieben, ging fort und wandte mich in nördliche Richtung.

11. Dort fand ich blühende große und kleine Städte, Dörfer und große Bergbaubetriebe, Täler mit Feldern und Blumengärten, Wälder und Baumschulen.

12. Ich sah Hügel und Berge mit verschiedenartigen edlen Metallen und riesige Elefanten, die Äste von den Bäumen brachen, Gewässer mit heilendem Wasser und darauf Lotosblumen, wie sie Himmelsbewohner sich nur wünschen konnten, und mein Herz erfreute sich an den singenden Vögeln und umher summenden Bienen.

13. Ich kam durch Dickichte von Bambus, Schneidegras und Schlingpflanzen und durch Höhlen, und alles allein zu durchwandern war schwierig. Ich gelangte auch in tiefe, unheimliche Wälder, gefährliche Tummelplätze von Schlangen, Eulen und Schakalen.

14. Hungrig und durstig und müde an Geist und Körper nahm ich ein Bad und trank Wasser in einem See, wodurch ich Erleichterung von meiner Erschöpfung fand.

15. In jenem unbewohnten Wald setzte ich mich im Schutze eines Banyan-Baumes nieder und konzentrierte mich auf das All-Selbst in mir, wie ich es von den Weisen gelernt hatte.

16. Als ich so über die Lotos-Füße der göttlichen Person meditierte, verwandelte sich all mein Denken, Fühlen und Wollen in Liebe zum Herrn, und Freudentränen liefen mir über die Wangen, als ich bemerkte, wie die Person des Herrn unverzüglich in meinem Herzen erschien.

17. Vollkommen überwältigt durch ein Übermaß an Liebe und voller nie gekannter Glücksgefühle in meinem ganzen Körper, konnte ich, o Weiser, aufgegangen im Ozean der Ekstase, keinen Unterschied mehr sehen zwischen dem Herrn und mir.

18. Als mir die Gestalt des Glücklichen, der jede Vorstellung von Unterschiedenheit und jedes Begehren im Gemüt erlöschen lässt, nicht mehr sichtbar war, stand ich plötzlich auf, verstört wie jemand, der alles Wünschenswerte verloren hat.

19. Ich wünschte dies wieder zu erfahren, doch so sehr ich auch meditierte, meinen Geist auf das Herz konzentrierte und wartete, ich sah ihn nie mehr, und darüber war ich sehr unzufrieden und von Schmerz erfüllt.

20. Als ich mich an dem einsamen Ort so immer wieder bemühte, vernahm ich eine äußerlich unhörbare Stimme, die in freundlichen, ernsthaften Worten zu mir sprach, so dass mein Kummer gelindert wurde:

21. Hör zu, während deines irdischen Lebens wirst du nicht wieder in der Lage sein mich zu schauen, denn es ist schwierig mich wahrzunehmen, wenn einer noch unreif und nicht genügend gereinigt ist und nicht vollkommen aufgeht in meinem Dienst.

22. Nur einmal wurde dir meine Gestalt gezeigt, um deine Sehnsucht anzufachen, du Makelloser. Wenn das Verlangen nach mir in einem meiner Verehrer wächst, schwindet alles materielle Begehren.

23. Wenn du auch nur wenige Tage im Dienst am Absoluten verbracht hast, so hast du doch ein gefestigtes Verstehen für mich entwickelt. Nachdem du diese beklagenswerten materiellen Welten im Tode aufgegeben hast, wirst du zu mir gelangen als einer meiner Gefährten.

24. Dein Geist, der auf solche Weise mir hingegeben ist, kann niemals von mir getrennt werden, und auch wenn die lebenden Wesen vergehen und wieder neu geschaffen werden, wirst du dich durch meine Gnade immer an mich erinnern.

25. Nach diesen Worten verstummte die große, wunderbare Stimme, in der mir der Herr, unsichtbar für meine Augen, erschienen war. Dankbar für seine Gnade neigte ich den Kopf ehrfürchtig vor seiner Größe und Herrlichkeit.

26. Indem ich die Namen des Herrn immerfort rezitierte, frei von formalen Vorschriften, und in ständiger Erinnerung an seine geheimnisvollen, segensreichen, Aktivitäten verblieb, wanderte ich über die Erde, ganz und gar in Frieden und befreit von allen materiellen Begierden, ohne Stolz und Neid, bis zum Ende meines Lebens.

27. Wie ich so vertieft in Gedanken an Krishna war, o Vyasa, unverhaftet und rein von allem Materiellen, kam, als es Zeit war, der Tod zu mir, wie der Blitz mit Helligkeit einher geht.

28. Mir war jener transzendente Körper zuteil geworden, der in der Lage ist ein Gefährte des Glücklichen zu sein. Ich verließ meinen Körper aus den fünf materiellen Elementen, und mein durch früchtetragende Handlungen erworbenes Karma endete.

29. Am Ende jenes Weltalters nahm der Herr, der sich niederlegte in den Wassern der Auflösung, mich in sich zurück, indem er Brahma und die ganze Schöpfung wieder einatmete.

30. Als tausend Yugas vergangen waren und der Herr von neuem ausatmete, wollte er wieder erschaffen, und aus seinen Sinnen erschienen die Weisen wieder, wie zum Beispiel Marici und auch ich.

31. Da ich in unverbrüchlicher Treue in Dienst der Herrn verharre, reise ich durch die grundlose Gnade des großen Vishnu ohne Einschränkungen überall hin und habe jederzeit Zugang zu der transzendenten Welt sowie auch zu den drei materiellen Welten.

32. Die Vina (Saiteninstrument) spielend, das göttlichen Geschenk, das die Kraft hat heilige Melodien hervorzubringen, bewege ich mich umher und singe immer die Botschaft vom Herrn.

33. Wenn ich in dieser Weise seine Taten besinge, erscheint alsbald der Herr der Lotosfüße (Krishna), von dessen Handlungen man mich gerne erzählen hört, in meinem Herzen, so als ob ich ihn herbeigerufen hätte.

34. Ich habe selbst erfahren, dass es für jene, die so sorgenvoll sind in ihrem Begehren nach den Objekten des Sinnengenusses, ein Schiff gibt, um den Ozean der materiellen Unwissenheit zu überqueren: die wiederholte Rezitation der Taten des Herrn.

35. Begehren und Sinnenlust immer durch Yoga-Disziplin zu zügeln ist sicher nicht so erfüllend für die Seele wie der Dienst an der göttlichen Person.

36. Nun habe ich dir, der du ohne Sünde bist, alles über das Geheimnis meiner Geburt und meiner Tätigkeiten beschrieben, wie du es gewünscht hast, so dass es der Befriedigung deiner sowohl wie meiner Seele dient.

37. Suta sagte: Nachdem der glückliche Narada so zu Vyasa gesprochen hatte, ging der Weise, wohin auch immer ihm der Sinn stand, die zauberhafte Vina spielend.

38. Lobpreis und Ehre sei dem Weisen unter den Göttern, der den Ruhm Krishnas besingt und seine Freude darin findet, durch das Spielen seines Instruments die Leiden der Welt zu lindern.