Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Donnerstag, 22. Juli 2010

1.5. Naradas Anweisungen zum Srimad Bhagavatam

1. Suta sprach: Narada, der hoch geachtete Weise unter den Göttern, mit der Vina (seinem Saiteninstrument) in den Händen, richtete das Wort an Vyasa, den Weisen unter den Brahmanen, während er vertraulich bei ihm saß.

2. Narada sagte: O großer glücklicher Sohn Parasaras, bist du zufrieden in Körper und Gemüt?

3. Du hast das große und wunderbare Mahabharata geschaffen, indem du vollständig geforscht und gut gedichtet hast. Es enthält alle Erzählungen mit ausführlichen Erläuterungen.

4. Du hast sehr wohldurchdachtes Wissen über das ewige Brahman dargelegt, und dennoch klagst du, lieber Herr, du hättest nicht genug getan.

5. Vyasa sprach: Was du sagst, ist sicherlich wahr, und meine Seele hat noch keinen Frieden gefunden. Was die Wurzel meiner Unzufriedenheit sein mag, frage ich dich, der du aus dem Selbst hervorgegangen bist als ein Mann mit grenzenloser Weisheit.

6. Du hast allumfassendes Wissen, da du ein vertrauensvoller Verehrer der höchsten Person bist, des ursprünglichen Herrschers über das Materielle und das Geistige, der in seinem Gemüt allein das Universum durch die Qualitäten (Gunas) erschafft und zerstört, ohne davon berührt zu werden.

7. In deiner Güte reist du wie die Sonne durch die drei Welten und bist im Herzen eines jeden gegenwärtig wie die alles durchdringende Luft als der Zeuge des Selbst. Bitte lass mich deutlich erkennen, wo mir etwas fehlt in meiner Beschäftigung mit dem absoluten Brahman und seiner Erscheinung in Ursache und Wirkung, der ich nachgehe in Rechtschaffenheit und in Treue zu meinen Gelübden.

8. Der erleuchtete Narada sprach: Du hast kaum die Herrlichkeiten des Glücklichen gepriesen, der ohne Makel ist und der sicherlich nicht erfreut ist über diese mindere Sichtweise.

9. Obwohl du, großer Weiser, dich wiederholt über die vier Prinzipien der Religion geäußert hast (dharma, artha, kama, moksha oder Rechtschaffenheit, Wohlstand, Sinnengenuss und Befreiung), hast du nicht so ausführlich über die Herrlichkeiten Vasudevas (Krishnas) geschrieben.

10. Die Herrlichkeiten des Herrn, der das Universums heiligt, nicht mit ausschmückenden Worten zu beschreiben, wird von den Wissenden so betrachtet, als ob sie zu einem Ort pilgern sollten, wo nur Krähen hausen, und nicht als etwas, woran vollkommene Wesen, die im Transzendenten wohnen, Gefallen finden.

11. Eine Schöpfung aus Worten, die die Menschen von ihren Sünden abwendet, indem jeder Vers die Namen und Herrlichkeiten des grenzenlosen Herrn anschaulich macht, wird von gereinigten und rechtschaffenen Leuten gehört, gesungen und akzeptiert, selbst wenn sie unvollkommen verfasst ist.

12. Wenn ein Werk transzendentalen Wissens um das Unfehlbare jedoch keine Vorstellung von den Namen und Herrlichkeiten des Herrn vermittelt, sieht es nicht gut aus, trotz aller Selbstverwirklichung und Freiheit von materiellen Motiven. Was nützt es denn immer wieder zu arbeiten, wenn man nicht den Herrn verehrt und ihm die Früchte darbringt? Das ist sinnlos.

13. Daher solltest du, ein höchst glücklicher und als makellos berühmter Seher, welcher der Wahrheit verpflichtet ist und fest steht in allen guten Eigenschaften, dir den Herrn, der übernatürliche Handlungen vollbringt, in Meditation vergegenwärtigen und seine Taten beschreiben, um der Befreiung von der universellen Gebundenheit willen.

14. Was immer du anderes zu beschreiben wünschst als die Vision von ihm, ergibt nur Namen und Formen, die das Gemüt erregen, wie wenn ein Boot durch den Wind von seinem Ankerplatz fort geweht wird.

15. Was den rechten Pfad betrifft, hast du die Menschen ihren natürlichen Neigungen entsprechend belehrt, was in Wahrheit verwerflich und ganz wider die Vernunft ist. Menschen, die noch nicht zu voller Erkenntnis gelangt sind, meinen leicht, wenn sie sich nach moralischen und zeremoniellen Anleitungen richten, sei das schon Verwirklichung des Selbst.

16. Nur jene, die gelernt haben sich vom Sinnengenuss zurückzuhalten, sind in der Lage den grenzenlosen Herrn zu verstehen, und darum musst du denen, die aufgrund ihrer Anhänglichkeit an das Materielle kein geistiges Wissen haben, in deiner Güte die Wege und Handlungen des Herrn zeigen.

17. Jemand, der, wenn auch nur wenig, Erfahrung im hingebungsvollen Dienst an den Lotosfüßen des Herrn hat, mag von seinem Stand wieder zurück fallen, aber welches Unheil trifft erst denjenigen, der nicht der Verehrung hingegeben ist? Mit seinen pflichtgemäßen Betätigungen erreicht er gar nichts.

18. Vernünftige Menschen, die der Philosophie zugeneigt sind, sollten deshalb nur nach dem streben, was in dieser Welt nicht zu erreichen ist, selbst wenn einer sie von oben bis unten durchwandert. Im Laufe der Zeit wird man die Vergnügungen der Sinne, genau wie die Kümmernisse, als Früchte seiner Arbeit ganz von selbst überall finden.

19. Mein lieber Vyasa, sicherlich erfährt ein Verehrer des Herrn die materielle Existenz nicht in derselben Weise wie andere. Wer einmal gekostet hat, wie beseligend es ist, die Füße des Herrn zu küssen, wird sich immer daran erinnern und das niemals wieder aufgeben wollen.

20. Dieser ganze Kosmos ist der Glückliche, nur in anderer Form. Durch ihn existieren die Welten von der Erschaffung bis zur Zerstörung. Das weißt du selbst, du gute Seele; ich habe dir nur eine Zusammenschau gegeben.

21. Da du aus deinem eigenen Selbst heraus zur Schau des Selbst der transzendenten göttlichen Person gelangen kannst, gib doch bitte eine lebendige Beschreibung der Taten des Höchsten Herrn, der als vollkommener Teil der ungeborenen höchsten göttlichen Person Geburt angenommen hat zum Wohle der ganzen Welt.

22. Dass mit Sicherheit jeder die transzendenten Eigenschaften des Herrn verwirklichen kann durch Askese, Studium der Veden oder Opfer, geistige Ausbildung und Pflege von Erkenntnis und Wohltätigkeit, ist zweifellos, gemäß den anerkannten Gelehrten, das Ziel ihrer Beschreibung durch auserlesene Dichtung.

23. O Weiser, im vorigen Weltalter wurde ich als Sohn einer Dienerin von Anhängern des Vedanta geboren, und als Junge stand ich in ihrem Dienst, wenn sie während der Monate der Regenzeit zusammen lebten.

24. Diese weisen Anhänger des Vedanta waren mir, der ich ein gehorsamer, wohlerzogener, selbstbeherrschter und schweigsamer Junge ohne großes Interesse an Spielen und Sport war, in grundloser Gnade zugetan, wenngleich sie unparteiisch gegenüber den Gläubigen waren.

25. Als mir diese Brahmanen damals einmal erlaubten die Reste ihrer Nahrung zu genießen, wurde ich durch diese Handlung von allen meinen Sünden befreit und es manifestierte sich, da ich mit Menschen von reinem Gemüt in Berührung gekommen war, dass sich meine Seele zu dieser Lehre hingezogen fühlte.

26. O Vyasa, da ich jeden Tag die Erzählungen von Krishnas Leben vernahm, gelang es mir durch die grundlose Gnade dieser Jünger für mich und durch meinen Respekt, gut zuzuhören, und mein Geschmack daran, von der Person der Gottheit zu hören, wuchs Schritt für Schritt.

27. O großer Weiser, als ich damals Geschmack daran bekommen hatte, fand ich mich immer mit dem Herrn verbunden, und auf diese Weise sah ich, wie alles Grobe und Subtile nur aufgrund unserer Unwissenheit als vom transzendenten Höchsten verschieden betrachtet wird.

28. Als ich so zwei Jahreszeiten lang, Herbst und Regenzeit, beständig von nichts als den ungetrübten Herrlichkeiten des Herrn, wie sie von den Weisen besungen wurden, gehört hatte, kam durch diese großen Seelen mein hingebungsvoller Dienst in Fluss, während die Zustände von Leidenschaft und Unwissenheit nachließen.

29. Auf diese Weise durch meine Anhänglichkeit an die Getreuen und meinen jugendlichem Gehorsam von Sünden befreit, gelang es mir durch Gemeinschaft mit ihnen die Sinne zu unterwerfen und streng ihren Regeln zu folgen.

30. Durch die grundlose Gnade jener Jünger, die sehr gütig zu den Armen und Geringen waren, erhielt ich, als sie weiterzogen, Belehrung über das höchst vertrauliche Wissen, das direkt durch den Glücklichen selbst vorgelegt ist.

31. Dadurch konnte ich mit Leichtigkeit begreifen, welchen Einfluss die Bilder schaffende Energie (Maya) des höchsten Schöpfers, des glücklichen Sohnes Vasudevas (Krishna), ausübt, und auf welche Weise man zu den Lotosfüßen des Herrn gelangen kann.

32. O Gelehrter, es heißt, dass es das Heilmittel für das dreifache Elend des Lebens ist, seine Handlungen dem Höchsten Herrn hinzugeben.

33. O gute Seele, ist es nicht so, dass das Heilmittel für eine Krankheit in dem gefunden wird, das sie verursacht hat?

34. In der selben Weise wird der Mensch von selbst mit dem Trachten nach dem Materiellen aufhören, wenn er alles, was er in der materiellen Welt der Ursachen tut, an das Transzendente hingibt.

35. Was auch immer jemand in dieser Welt dem Glücklichen zu Gefallen und aus dem Wissen um ihn heraus tut, wird Yoga der Hingabe oder Bhakti Yoga geannnt.

36. Wenn man seine Pflichten erfüllt und dabei immer den Willen des Glücklichen im Geiste vor Augen hat, befasst sich der Geist beständig mit den Namen und Eigenschaften Krishnas.

37. OM. Lass uns dir Verehrung erweisen, o Glücklicher. Und lass uns den Sohn Vasudevas und seine vollkommenen Ausdehnungen Pradyumna, Aniruddha und Sankarshana mit Ehrerbietung besingen.

38. Wer den Herrn, der keine materielle Form hat, im formlosen Klang eines Mantras verehrt, der allein hat eine vollkommene Vision von Vishnu, der göttlichen Person.

39. O Gelehrter, da ich diese Art der Verehrung ausführte, wurde mir genaue Kenntnis des geheimen Teils des vedischen Wissens verliehen und die Fülle der Weisheit sowie auch die persönliche innige Liebe zu Krishna, dem Herrn.

40. Da du (Vyasa) umfassendes vedisches Wissen besitzt und auch direkt vom Allmächtigen gehört hast, beschreibe seine Taten, damit der Wunsch der Weisen erfüllt wird, alles über das Transzendente zu erfahren, und damit die Not der vielen immerzu leidenden Menschen gelindert wird, für die es keinen anderen Weg der Befreiung gibt.

Mittwoch, 21. Juli 2010

1.4 . Das Erscheinen Naradas

1. Der alte, gelehrte Saunaka, der die lang andauernde Zeremonie leitete, zu welcher die Weisen sich versammelt hatten, gratulierte Suta Gosvami und sprach zu ihm:

2. O Suta, du Glücklichster und Angesehenster unter denen, die zu sprechen berufen sind, übermittle uns bitte die Botschaft des heiligen Bhagavatam, so wie sie von dem glücklichen Suka rezitiert wurde.

3. Zu welcher Zeit, an welchem Ort und aus welchem Grunde wurde es begonnen und woher bekam der weise Vyasa die Inspiration, dieses Werk vedischer Literatur zusammenzustellen?

4. Sein Sohn war ein großer Yogi, der die Unwissenheit überwunden hatte, völlig im Gleichgewicht, im Geiste auf den Einen gerichtet und gefestigt. Da er ohne traditionelle Bildung war, wirkte er jedoch wie ein Unwissender.

5. Als sie sahen, wie Vyasadeva in Verzweiflung seinem Sohn nachlief, bedeckten badende Nymphen schamhaft ihren Körper, obgleich der Weise bekleidet war. Er fragte sie erstaunt, warum sie das täten, und sie antworteten ihm, dass sie es seines Sohnes wegen nicht getan hätten, da dieser mit reinem Geiste schaue, ohne geschlechtliches Begehren.

6. Wie wurde Suka, der wie ein zurückgebliebener, törichter Verrückter die Kuru-Jangala-Provinzen durchwanderte, von den Einwohnern erkannt, als er in Hastinapura (heute Delhi) eintraf?

7. Wie kam es dazu, o liebe Seele, dass zwischen Suka und dem weisen König Parikchit, dem Nachkommen Pandus, die Unterredung stattfand, in deren Verlauf diese Essenz der Veden (das Srimad Bhagavatam) vorgetragen wurde?

8. Wenn der überaus glückliche Suka sich bei Haushältern aufhielt, nur so lange wie es braucht um eine Kuh zu melken, wurde dadurch ihr Haus zu einer geheiligten Pilgerstätte.

9. O Suta, bitte sprich zu uns von Parikchit, dem Sohn Abhimanyus, von dem es heißt, er sei ein glücklicher Verehrer des Herrn und seine Geburt und seine Taten seien voller Wunder.

10. Aus welchem Grunde verließ der Herrscher, der dem Namen Pandus alle Ehre machte, den Luxus seines Reiches und setzte sich fastend am Ufer des Ganges nieder bis zu seinem Tode?

11. Warum gab er, der unüberwindliche Held, dem alle Feinde zu ihrem eigenen Wohl ihren Reichtum zu Füßen legten, in der Fülle seiner Jugend das ach so begehrte Leben in königlichem Wohlstand auf?

12. Menschen, die dem in den Schriften gepriesenen Herrn hingegeben sind, leben für das Heil, das Gedeihen und den Wohlstand aller lebenden Wesen und nicht für selbstsüchtige Ziele. Warum gab er, der Verhaftungslose, seinen sterblichen Leib auf, der anderen ein Schutz war?

13. Bitte erkläre uns alles genau, was wir dich gefragt haben, denn wir glauben, dass du mit der Bedeutung aller Worte in den Veden, bis auf wenige Ausnahmen, vollkommen vertraut bist.

14. Suta antwortete: Als das zweite Weltalter in das dritte überging, wurde der große Weise Vyasa, eine Ausdehnung des Herrn in der Zeit, geboren als Sohn Parasaras von Satyavati, der Tochter des Vasu.

15. Eines Morgens beim Aufgang der Sonne, nachdem er die rituelle Reinigung vollzogen hatte, setzte er sich allein am Ufer des Flusses Sarasvati nieder um zu meditieren.

16. Da er Vergangenheit und Zukunft kannte, sah der Weise, dass auf der Erde allmählich Störungen aufzutreten begannen, wie es durch unsichtbare Einflüsse in manchen Zeitaltern geschieht.

17.-18. In seiner Meditation sah er, wie durch Stumpfheit, Leidenschaft und Mangel an Weisheit ein Nachlassen der Lebenskraft bei allen Menschen und den anderen Geschöpfen sich vollzog, ihre Lebensdauer sich verkürzte und sie unglücklich wurden. Da fasste der Weise den Entschluss seine visionäre Kraft und sein umfassendes Wissen für das Wohl des Lebens in allen Ständen und Ordnungen einzusetzen.

19. In der Einsicht, dass es gemäß den Veden vier geheiligte Feuer gab, die den Menschen zur Reinigung ihres Handelns dienten, teilte er das eine Werk der Veden in vier Teile auf, damit es weiter verbreitet würde.

20. Die vier Teile der Veden nannte er Rig, Yajur, Sama und Atharva. Die Itihasas (das historische Epos Mahabharata) und die Puranas (Sammlung von Geschichten) wurden das fünfte Veda genannt.

21. Danach wurde das Rig Veda verbreitet durch den Weisen Paila, das Sama Veda durch den Gelehrten Jaimini, während Vaisampayana als einziger qualifiziert genug war das Yajur Veda zu behüten.

22. Das Atahrva Veda wurde in die Hände von Angira, auch genannt Sumantu Muni, gelegt, und die Itihasas und die Puranas kamen in die Obhut meines Vaters Romaharsana.

23. Alle diese Gelehrten gaben das ihnen anvertraute Wissen weiter an viele Schüler und diese taten ebenso und so fort. Auf dieses Weise entstanden die verschiedenen Linien von Anhängern der Veden.

24. Damit auch die weniger Intellektuellen Zugang zu den Veden bekamen, gab der glückliche Weise Vyasa sie in einer Fassung für die ungebildete Masse heraus.

25. Zum Wohle und zum Heil der Ungebildeten - der Frauen, der Arbeiter-Kaste und der Angehörigen höherer Kasten, die nicht studieren - war der Weise so gütig das große historische Epos Mahabharata zusammenzustellen.

26. Er, der immer zum höchsten Wohle aller lebenden Wesen wirkte, ihr Brahmanen, konnte damit aber in seinem Geiste noch keine Zufriedenheit finden.

27. Unbefriedigt im Herzen, obgleich er sich im Dharma (dem rechten Pfad) auskannte, sprach er in seiner Zurückgezogenheit am Ufer des Flusses Sarasvati, wo er sich gereinigt und meditiert hatte, zu sich selbst:

28.-29. Mit strenger Disziplin habe ich aufrichtig die vedischen Hymnen verehrt, die Meister respektiert und die vorgeschriebenen Opfer dargebracht. Auch habe ich für die Frauen, die Arbeiter-Kaste und andere durch Zusammenstellung des Mahabharata genau und gemäß der Tradition erklärt, was es über den Dharma zu wissen gibt.

30. Obwohl ich als Selbst im Körper und lebendes Wesen offenbar den höchsten Anforderungen der brahmanischen Tradition Genüge getan habe, spüre ich, dass etwas fehlt.

31. Vielleicht habe ich nicht genügend Anweisungen über Weg zum Glücklichsein gegeben, welcher den vollkommenen Wesen so teuer ist und sicherlich auch dem unfehlbaren Herrn gefällt.

32. Wie Krishna-dvaipayana Vyasa so in bedauernde Gedanken über seine Unzulänglichkeiten versunken war, erschien Narada, wie zuvor erwähnt, an seiner Wohnstätte.

33. Beglückt darüber erhob sich der Weise sofort und begrüßte Narada mit der selben Ehrfurcht, welche die anderen Götter Brahma erweisen.

Dienstag, 20. Juli 2010

1.3. Krishna ist die Quelle aller Inkarnationen

1. Suta sprach: Im Anfang, als der Glückliche die Welten zu erschaffen gedachte, nahm er die Form der ursprünglichen Person an, welche die Gesamtheit des Reiches der Materie enthielt. Sie bestand aus sechzehn primären Prinzipien (den zehn erkennenden und ausführenden Sinnen, dem Gemüt und den fünf Elementen).

2. Wie er im Wasser in meditativem Schlummer ruhte, wurde aus dem Lotos, der seinem Nabels entspross, Brahma manifestiert, der Meister aller Schöpfer im Universum.

3. Man kann sich vorstellen, dass die verschiedenen Welten die Teile des Körpers des Glücklichen bilden. In Wahrheit aber ist er reines, leuchtendes Bewusstsein.

4. Die kosmische Gestalt zeigt sich dem geistigen Auge mit Tausenden von Beinen, Oberschenkeln, Armen und Gesichtern, Tausenden von Köpfen, Ohren, Augen und Nasen, geschmückt mit Tausenden von Girlanden, Kleidungsstücken und leuchtenden Ohrringen.

5. Diese mannigfaltige Quelle der Inkarnationen ist der unvergängliche Same, aus dem alle Teile und wiederum deren Teile entstehen: die Götter, die Tiere, die Menschen und alles andere.

6. Als erstes, im Anfang der Schöpfung, kamen die Söhne Brahmas (die vier Kumaras), welche in unverbrüchlicher, strenger eheloser Disziplin das absolute Brahman verwirklichten.

7. Als zweites aber inkarnierte der höchste Herr als ein Eber zum Wohle dieser Erde, um sie aus der niedersten Region des Universums zu erheben.

8. Als drittes nahm er im Zeitalter der Weisen Geburt an als der Weise unter den Göttern (Narada), um den Weg der Hingabe und des Handelns ohne materielle Motive zu lehren.

9. Als viertes wurde er als die weisen Zwillingssöhne von König Dharma, Nara und Narayana, geboren und unterzog sich strengen Bußübungen, um Kontrolle über die Sinne zu erlangen.

10. Als fünftes gab er unter dem Namen Kapila dem Brahmanen Asuri eine Darstellung über die Natur der Metaphysik und die Elemente der Schöpfung, da im Laufe der Zeit dieses Wissen verloren gegangen war.

11. Als sechstes wurde er als Sohn des Atri geboren von Anasuya, die um ihn gebetet hatte, und er sprach zu Alarka, Prahlada und anderen über das Thema der Transzendenz.

12. Als siebtes wurde er geboren von Akuti als Yajna, Sohn von Prajapati Ruci, und regierte, unterstützt von seinem Sohn Yama und anderen Göttern, während der Periode des Manu Svajambhuva.

13. Als achtes wurde der allmächtige Herr von Merudevi, der Ehefrau des Königs Nabhi, als König Rishabha geboren und lebte den Pfad der Vollkommenheit vor, der von Menschen aller Gesellschaftsschichten geehrt wird.

14. Ihr Brahmanen, auf Bitten der Weisen nahm er seine neunte Inkarnation an als Herrscher der Erde (Prithu) und ließ sie fruchtbar werden mit Milch und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wodurch sie anziehende Schönheit erhielt.

15. Er nahm die Gestalt eines Fisches an, als die Erde zur Zeit des Cakshusha gänzlich von Wasser überflutet war, und hielt den Manu Vaivasvata, den Stammvater der Menschheit, in einem schützenden Schiff schwimmend über den Wassern.

16. Als die Götter und die Dämonen im Ozean den Hügel Mandaracala aufschäumten (um den Nektar der Unsterblichkeit zu gewinnen), hielt der Große diesen in seiner elften Inkarnation als Schildkröte (Kurma) mit ihrem Panzer aufrecht.

17. Seine zwölfte Inkarnation war Dhanvantari (der mit dem Nektar aus dem Ozean auftauchte), und in der dreizehnten (als die verlockend schöne Mohini) gab er nur den Göttern (den Nektar) zu trinken und täuschte die Dämonen.

18. In seiner vierzehnten Inkarnation erschien er als Nrisimha, der zur Hälfte ein Löwe und zur Hälfte ein Mensch war und auf seinem Schoß mit seinen Krallen den starken Körper des Königs der Dämonen entzwei teilte, wie ein Zimmermann Schilfrohr zerteilt.

19. Als fünfzehntes nahm er die Form von Vamana (dem Brahmanen-Zwerg) an, der in die Opfer-Arena des Königs Bali ging und nur drei Schritte Land erbat, während er im Herzen gewillt war die Herrschaft über die drei Welten zu erhalten.

20. In seiner sechzehnten Inkarnation (als Bhrigupati oder Parasurama) ging er einundzwanzig mal gegen die Herrscher-Kaste (Kshatryjas) vor, als er sah, dass die Könige sich den Anordnungen der Brahmanen widersetzten.

21. Da er sah, dass die breite Masse der Menschen immer weniger verständig war, inkarnierte er beim siebzehnten Mal als Vyasa, Sohn der Satyavati und des Weisen Parasara, um den Wunschbaum der Veden in mehrere Äste aufzuteilen.

22. Als nächstes nahm er die Gestalt eines Gottmenschen an (Rama), um göttliche Taten zu vollbringen. Er beherrschte den Indischen Ozean und bewies übermenschlichen Heldenmut.

23. In seiner neunzehnten und zwanzigsten Inkarnation erschien er in der Vrishni-Familie als die Brüder Balarama und Krishna, und so nahm der Glückliche die Last von der Welt.

24. Dann, wenn das Kali Yuga begonnen hat, wird er unter dem Namen Buddha als Sohn der Anjana geboren werden in der Provinz Gaya (Bihar) mit dem Ziel, die Gegner der Götter zu täuschen.

25. Darauf wird am Übergang zwischen zwei Yugas (Zeitaltern), wenn fast alle Herrschenden Plünderer sind, der Herr der Schöpfung Geburt annehmen unter dem Namen Kalki als Sohn von Vishnu Yasa.

26. O ihr Brahmanen, die Inkarnationen des Herrn aus dem Ozean der Güte sind so zahllos und unerschöpflich wie die unzähligen Bäche, die sich aus riesigen Seen ergießen.

27. Die Rishis, die Manus, ihre machvollen Nachkommen sowie die Götter und die Prajapatis (Urväter) sind alle gemeinsam, wie man weiß, vollkommene Ausprägungen des Herrn in der Zeit.

28. In allen seinen zeitlichen Ausprägungen gewährt der höchste Herr, Krishna, der Glückliche, allen Welten von Zeitalter zu Zeitalter Schutz vor den Feinden Indras (des Himmelskönigs).

29. Jeder, der morgens und abends bedachtsam und mit Hingabe die geheimnisvollen Geburten des Glücklichen rezitiert, erfährt Befreiung von allen weltlichen Leiden.

30. Alle diese Gestalten des Glücklichen sind mit Sicherheit der Eine, Formlose, Transzendente; sie entstehen im Selbst durch die Maya mittels der Qualitäten der Natur aus den Elementen der Materie.

31. Dem weniger verständigen Betrachter sind sie wie eine Masse von Wolken am Himmel oder Staub und Verschmutzung in der Luft, welche bewirken, dass etwas zu sehen ist.

32. Das, was über allem ist, unmanifestiert und ohne eine durch die Qualitäten der Natur geprägte Form, unsichtbar und unhörbar, das ist das lebendige Wesen (Jiva), welches immer neue Geburten annimmt.

33. Immer wenn jemand erkennt, dass alle groben und subtilen Formen aus der Unwissenheit entstehen, und wenn er sie durch Selbst-Erkenntnis zunichte macht, dann erfährt er das absolute Brahman.

34. Wenn die Energie der Illusion abgeklungen ist, wächst der Reichtum des vollen Wissens und der Erleuchtung, und so kommt es mit Sicherheit zur Erfahrung der Herrlichkeiten des Selbst und zum Verweilen darin.

35. Daher sind die Geburten und Aktivitäten des inaktiven, ungeborenen Herrn in der Vergangenheit von den Gelehrten beschrieben worden als unerkennbar durch die Veden und nur erkennbar im Herzen.

36. Der höchste Herr, dessen Aktivitäten makellos sind und der die manifestierten Universen erschafft, erhält und vernichtet, wird nicht von ihnen beeinflusst. Er atmet nur ihren Duft, da er in allen lebendigen Wesen ist, ruhend im Selbst, in der Fülle seiner Macht, als Meister der Sinne.

37. Da er agiert wie ein Schauspieler in einem Drama, erkennen Wesen von geringem Wissen ihn wegen seiner schöpferischen Kunstfertigkeit nicht in seinen Aktivitäten, Namen und Formen, trotz aller Spekulationen und Predigten.

38. Nur der kann von den transzendenten Herrlichkeiten des Schöpfers wissen, dem Allmächtigen mit dem Diskus in der Hand, der unbedingten, ununterbrochenen, liebevollen Dienst an seinen Lotosfüßen leistet.

39. Und so kann in dieser Welt nur glücklich sein, wer vollkommen wissend ist um Vasudeva (Krishna), den all-umfassenden Herrn der Universen. Er inspiriert in Fülle mit dem Geist der Ekstase, in dem man niemals wieder die fürchterlichen Wiederholungen (der Geburten und Tode) findet.

40. Dieses Buch mit dem Namen "Bhagavatam" ist ein Purana (Anhang zu den Veden) und handelt von der göttlichen Person, inkarniert in Krishna, und ihrem Handeln. Es wurde zusammengestellt durch den glücklichen Weisen (Vyasa) zum höchsten Wohl aller Menschen, und es bringt Erfüllung, Glückseligkeit und Vollkommenheit.

41. Vyasadeva übergab es als den Rahm, der von allen vedischen Weisheitsbüchern und Geschichten abgeschöpft ist, an seinen Sohn (Suka), den Verehrungswürdigsten unter den Selbst-Verwirklichten.

42. Dieser seinerseits rezitierte es vor dem großen Herrscher Parikchit, der, umgeben von großen Weisen, am Ufer des Ganges saß unter Verzicht auf Essen und Trinken bis an sein Lebensende.

43. Nachdem Krishna in seine jenseitige Heimat zurückgekehrt ist und mit ihm Rechtschaffenheit und Weisheit gegangen sind, ist nun dieses Purana aufgegangen, strahlend wie die Sonne, für alle Menschen, die im Kali-Yuga die Orientierung verloren haben.

44. Ihr Brahmanen, als ich (Suta) die Geschichte von jenem großen, sehr machtvollen brahmanischen Weisen vernommen hatte, konnte auch ich sie verstehen, da ich bei der Zusammenkunft durch seine Gnade vollkommen aufmerksam war, so dass ich euch dieselbe jetzt erzählen kann, so wie ich sie mir gemerkt habe.

Montag, 19. Juli 2010

1.2. Das Göttliche und der Gottesdienst

1. Vyasa sprach: Sehr befriedigt über die vollkommenen Fragen der Weisen dankte Suta, der Sohn Romaharsanas, ihnen für ihre Worte und gab sich daran ihnen zu antworten.

2. Er sprach: Als Suka fort ging um der Welt zu entsagen, ohne sich den vorgeschriebenen Unterweisungen und Zeremonien der geheiligten Linie der Meister unterzogen zu haben, rief Vyasa, voller Kummer über die Trennung, aus: O mein Sohn! Alle Bäume und lebenden Wesen antworteten dem in Schmerz versunkenen Weisen in seinem Herzen und grüßten ihn.

3. Lasst mich den Meister der großen Weisen verehren, den Sohn Vyasas, der aus grundlosem Erbarmen mit den in Unwissenheit umher irrenden Menschen, welche einen Ausweg aus der dunklen materiellen Existenz suchen, wie eine transzendente Leuchte dieses sehr geheime Purana (Anhang zu den Veden) rezitierte, nachdem er sich die Essenz aller Veden durch Erfahrung selbst angeeignet hatte.

4. Bevor ich diese siegreiche Erzählung verkündige, lasst mich Narayana (der göttlichen Person) Verehrung erweisen sowie Nara-Narayana, dem Besten unter den menschlichen Weisen, sowie der Göttin Sarasvati (der Herrin der Gelehrsamkeit) und Vyasa (dem Autor).

5. Ihr Weisen, eure Fragen nach Krishna sind wichtig für das Wohl der Welt, denn sie stellen das Selbst zufrieden.

6. Es ist zweifellos die Betätigung der Menschheit, durch die sie ihren eigentlichen Sinn erfüllt (dharma), der Transzendenz grundlose, ununterbrochene liebende Hingabe zu leisten. Dadurch wird die Seele vollkommen zufrieden gestellt.

7. Krishna, dem Glücklichen, Bhakti Yoga (Yoga der Hingabe) zu widmen, führt sehr bald zu Verhaftungslosigkeit und Erkenntnis, welche ohne Ursache sind.

8. Was Menschen pflichtgemäß tun in ihrer jeweiligen Stellung, ist sicherlich völlig vergebliche Mühe, wenn es nicht der Verkündigung des höchsten Herrn dient.

9. Die Betätigungen des Menschen sind zweifellos für die letzte Befreiung bestimmt und nicht für das Ziel materiellen Gewinns, und der materielle Gewinn derer, die dem Dienst am höchsten Herrn hingegeben sind, ist, gemäß den Weisen, nicht für den Genuss der Sinne vorgesehen.

10. Der letzte Sinn des Lebens liegt nicht in Sinnengenuss, Gewinn und Selbsterhaltung. Betätigung ist vielmehr zu keinem anderen Ziel da als der Suche nach der absoluten Wahrheit.

11. Die gelehrten Seelen kennen den Gegenstand der nicht-dualen Erkenntnis als Brahman (das Absolute), Paramatma (Allseele) und Bhagavan (der Glückliche).

12. Weise, die mit großer Erkenntnis und Verhaftungslosigkeit ernsthaft studieren, finden durch Bhakti (liebende Verehrung) in ihrem eigenen Selbst und im Atman (dem All-Selbst) das Wissen der Veden wieder.

13. Ihr Besten unter den Zweimalgeborenen, daher wird die höchste Vollkommenheit in den pflichtgemäßen Betätigungen gemäß den Ständen und Ordnungen der Gesellschaft erlangt, wenn der Mensch sie ausübt dem Herrn zu Gefallen.

14. So sollte man in beständiger Achtsamkeit des Geistes vom Glücklichen hören, ihn rühmen, seiner gedenken und ihn verehren, den Beschützer derer, die ihm hingegeben sind.

15. Wer trägt das Schwert der Erinnerung, das die Bande materiell motivierten Handelns durchtrennt, wenn nicht derjenige, der die Botschaft des Herrn achtsam in seinem Geiste behält?

16. Jene, die sorgfältig, aufmerksam und mit Respekt der Botschaft Vasudevas (Krishnas) zuhören, ihr Zweimalgeborenen, und ihm absichtslos und hingebungsvoll dienen, werden dadurch von allen Lastern befreit.

17. Jene, die das Vernehmen von Krishnas eigenen Worten pflegen, werden ihre Wirksamkeit erfahren beim Hören und Singen, und sicherlich werden ihre Herzen vom Bedürfnis nach Materiellem gereinigt durch den Wohltäter der Wahrhaftigen.

18. Bei regelmäßiger Beschäftigung mit der Geschichte vom Glücklichsein wird so gut wie alles Unheilvolle zunichte, und es entstehen innerliches Gebet und liebende Hingabe an den Glücklichen, die unaufhörlich sind.

19. Dann wird der Geist nicht mehr beeinträchtigt durch die Wirkungen von Leidenschaft und Unwissenheit wie Lust, Gier und ähnlichem. Er bleibt gefestigt im Guten und ist völlig zufrieden gestellt.

20. Der Geist, belebt durch die Praxis der liebenden Hingabe an den Glücklichen, wird befreit von Anhaftung und fähig zur Erkenntnis der Wahrheit und zum Wissen vom Glücklichsein.

21. Wenn einer den höchsten Herrn als Herrscher über das Selbst erkannt hat, werden die Knoten in seinem Herzen durchstochen und in Stücke zerschnitten und all seine Furcht und seine Gebundenheit durch das Gesetz von Ursache und Wirkung enden.

22. Daher sind seit unvordenklichen Zeiten alle Weisen in großer Freude dem Höchsten, Krishna, dem Glücklichen, hingegeben in liebender Verehrung, welche die Seele belebt.

23. Der absolute Geist verbindet sich mit den Qualitäten (gunas) der Natur - Gutheit, Leidenschaft, Trägheit (sattva, rajas, tamas) - zum Erhalten, Erschaffen und Zerstören der materiellen Welt unter den Aspekten Vishnu, Brahma, Shiva. Den höchsten Segen empfängt der Mensch durch die Qualität der Gutheit (sattva).

24. Wie das Holz für das Opferfeuer aus der Erde gewachsen ist und den Rauch hervorbringt, der vom Opfer aufsteigt, so wächst die Leidenschaft (rajas) aus der Unwissenheit (tamas) und führt zur Gutheit (sattva) und diese wiederum zur Verwirklichung.

25. Die Weisen erlangten bis in unsere Zeit durch den Dienst am Glücklichen, dem transzendenten Sein, die höchste Erfüllung. Jene in dieser Welt, die ihnen darin folgen, verdienen diese Erfüllung ebenfalls.

26. Menschen, die Befreiung suchen, verehren den glückseligen Narajana (den Höchsten) und seine Ausdehnungen in der Zeit und lehnen es deshalb ab, wenn auch ohne Missgunst, die scheußlichen Formen von Götzen zu verehren.

27. Jene, die von Leidenschaft und Unwissenheit geprägt sind, begehren Reichtum, Macht und Nachkommen und hängen den Vorfahren oder ähnlichen Mächten an.

28.-29. Vasudeva (Krishna) ist das letzte Ziel aller Schriften.

Vasudeva ist das letzte Ziel aller Opfer.

Vasudeva ist das letzte Ziel des Yoga.

Vasudeva ist das letzte Ziel aller Aktivität.

Vasudeva ist das letzte Ziel aller Erkenntnis.

Vasudeva ist das letzte Ziel aller Askese.

Vasudeva ist das letzte Ziel allen rechten Verhaltens.

Vasudeva ist das letzte Ziel des Lebens.

30. Schon vor dieser Schöpfung war der Glückliche als der sich selbst Genügende. Durch seine Maya (Bilder schaffende Macht) ist er auch die materiellen Formen und ihre Ursache und Wirkung. So ist der selbe Herr ist zugleich in den Qualitäten der Natur und transzendent.

31. Obwohl er, durch die Qualitäten erschaffend, in sie eingegangen ist und durch sie beeinflusst zu sein scheint, verbleibt er in transzendentem, völlig erleuchtetem Bewusstsein.

32. Er, das Allselbst, durchdringt alle lebenden Wesen als die Quelle der Manifestation, wie Feuer Holz durchdringt und darin leuchtet. So leuchtet auch er in den verschiedenen Wesen und ist zugleich das absolute Selbst.

33. Er schuf die feinen Sinne, welche durch die Qualitäten der Natur stimuliert werden. So tritt er in die von ihm selbst geschaffenen Lebewesen ein und bewirkt, dass sie diese Qualitäten genießen.

34. Er erhält es alles im Modus der Gutheit (sattva), da er selbst in seinen Schöpfungen inkarniert ist und alle Welten der göttlichen, tierischen und menschlichen Wesen beherrscht.

Sonntag, 18. Juli 2010

1.1. Fragen der Weisen

1. OM. Verehrung dem Glücklichen, Krishna, dem Sohn Vasudevas.
Lasset uns meditieren über ihn, der die direkte und indirekte Ursache von Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung der Universen ist, vollkommen wissend um ihre Ziele und dabei vollkommen unabhängig von ihnen. Er pflanzte dem Ersten der geschaffenen Wesen das vedische Wissen ins Herz, ohne das selbst die Götter und Weisen unwissend wären. Er lässt aus Feuer, Wasser und Erde sowie dem Gesetz von Ursache und Wirkung durch die drei Arten des Erschaffens die sichtbaren und die transzendenten Welten erscheinen, als ob sie wirklich seien, wobei er ewig selbstgenügsam, frei von Illusion, als die absolute Wahrheit verbleibt.

2. In dieser schönen Geschichte vom Glücklichsein wird jede Praxis verworfen, der es um das Erzielen von Ergebnissen zu tun ist. Demgegenüber ist die höchste Hingabe dargestellt, wie sie von jenen verstanden wird, die ein ganz und gar reines Herz haben. Sie wurde erzählt von Vyasa, dem großen Weisen, und ist das Heilmittel, welches das dreifache Leiden (verursacht durch einen selbst, durch andere und durch die Natur) mit der Wurzel ausreißt. Was braucht es noch andere Geschichten? Wenn diese eine mit Andacht erzählt und gehört wird, ist sofort der höchste Herr im Herzen erfahrbar.

3. Sie ist die reife Frucht vom Wunschbaum der vedischen Literaturen, die sich aus dem Munde von Suka, dem Sohn Vyasas, manifestiert hat wie in jeder Hinsicht vollkommener, süßer Nektar. O ihr Verständigen und Aufmerksamen auf Erden, die ihr eine reife Frucht zu schätzen wisst, genießt immer, bis zu eurer Befreiung und darüber hinaus, die köstliche Geschichte vom Glücklichsein.

4. Im Walde von Naimisharanya, einem besonderen Lieblingsplatz Vishnus (dessen,der niemals seine Augen schließt), feierten Weise, angeführt von Saunaka, ein tausendjähriges Opfer für den Herrn des Himmels und für seine Getreuen auf Erden.

5. Eines Tages, nach dem morgendlichen Entzünden des Opferfeuers, stellten die Weisen dem Suta, der auf einem Ehrenplatz saß, voller Respekt folgende Fragen:

6. Von dir, der du frei von allen Lastern bist und ohne Zweifel vertraut mit den Puranas (bildhafte Erzählungen als Anhänge zu den Veden) und historischen Berichten, wird gesagt, du seiest auch sehr belesen in den Weisheitsschriften und wüsstest sie sehr gut zu erläutern.

7. O Suta, als der Älteste unter den Gelehrten der Veden kennst du den glücklichen Vyasa und auch die anderen Weisen, die sehr bewandert sind im Wissen über das Physische und Metaphysische.

8. Dir, der du rein und einfach bist, haben jene Weisen, als ihrem demütigen Schüler, alle die Geheimnisse in Gnade anvertraut, in deren Besitz sie sich befinden.

9. Bei deiner Güte sei daher, mit Wünschen für ein langes Leben in Wohlbefinden, gebeten uns zu erklären: Was kannst du uns mit Gewissheit sagen, welches das für alle Menschen höchste und letzte erstrebenswerte Gut ist?

10. Fast immer in ihrem bedauerlich kurzen Leben sind die Menschen in diesem Kali-Yuga (Zeitalter der Zwietracht) träge, fehlgeleitet, unglücklich und in höchstem Maße verwirrt.

11. Es gibt so viele unterschiedliche Vorschriften, die von den verschiedenen Systemen gelehrt werden. Darum, o Weiser, teile uns zum Wohle aller lebenden Wesen aus dem Schatz deines Wissens mit, was das Wesentliche ist, wodurch die Seele vollkommen zufrieden gestellt wird.

12. Sei gesegnet, Suta, du weißt, mit welcher Absicht der Glückliche (Krishna), der Beschützer derer, die reinen Herzens sind, geboren wurde von Devaki als Sohn Vasudevas.

13. Bitte erläutere uns, die es danach verlangt, seine Inkarnationen gemäß der Lehre der Alten und zum Wohle und zur geistigen Erhebung aller lebenden Wesen.

14. Verstrickt in das verwirrende Gestrüpp von Geburt und Tod, erlangt jeder sofort Befreiung daraus, der, und wenn auch nur unbewusst, den Namen (Krishnas) singt, den sogar die Furcht selbst fürchtet.

15. O Suta, die Gemeinschaft mit großen Weisen, welche dem Dienst des Höchsten hingegeben sind und zu seinen Lotosfüßen Zuflucht gesucht haben, heiligt sofort, während das Wasser des Ganges dies erst nach längerer Anwendung tut.

16. Wer, der Befreiung von der Lastern des Kali-Yuga sucht, möchte nicht gerne von den vortrefflichen, verehrungswürdigen, ruhmreichen Taten des Glücklichen hören?

17. Seine transzendenten Großtaten wurden bereits verkündet von heiligen Seelen. Bitte erzähle uns, die wir mit respektvoller Bereitschaft zuhören, auch von seinen Betätigungen in seinen Inkarnationen.

18. Beschreibe uns, o Weiser, in Geschichten die glückverheißenden Taten und Abenteuer, die der Herr in den verschiedenen Inkarnationen der göttlichen Person vollbrachte.

19. Wir, die wir in fortlaufendem Hören der Erzählungen ihren Wohlgeschmack kennen lernen und Schritt für Schritt genießen möchten, können nie genug bekommen von den Abenteuern der mit Gebeten verehrten göttlichen Person.

20. Krishna, der Glückliche, erschien zusammen mit Balarama, seinem älteren Bruder, in menschlicher Gestalt auf der Bühne des Lebens und sie vollbrachten übermenschliche Taten.

21. Da wir wissen, dass nun das Kali-Yuga beginnt, haben wir uns zu einer langen Opferfeier an diesem Ort der Andacht versammelt und haben viel Zeit den Erzählungen über den Herrn zuzuhören.

22. Die Vorsehung hat es gefügt, dass wir dich getroffen haben, der du jene Menschen, die ans andere Ufer gelangen wollen, wie ein Kapitän auf einem Schiff im Ozean durch das unüberwindliche Kali-Yuga steuern kannst, welches so bedrohlich ist für den guten Charakter.

23. Bitte sage uns, bei wem rechtschaffene Menschen in der heutigen Zeit Schutz suchen können, da Krishna, der Herr des Yoga, die absolute Wahrheit und der Beschützer der Rechtschaffenheit, in seine jenseitige Heimat zurückgekehrt ist.