Willkommen!

Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Mittwoch, 29. Dezember 2010

1.18 Wie König Parikchit von einem brahmanischen Jungen verflucht wurde

1. Suta sprach: Parikchit, der im Leibe seiner Mutter durch die Waffe von Dronas Sohn versengt worden war, starb nicht dank der Gnade Krishnas, des Glücklichen, dessen Handeln wunderbar ist.

2. Vom Zorn eines Brahmanen verflucht durch einen Schlangenvogel zu sterben, wurde er nicht von Todesfurcht überwältigt, denn er hatte Sinne, Herz und Geist dem Glücklichen hingegeben.

3. Nachdem er alle verlassen hatte, mit denen er verbunden war, wurde er am Ufer des Ganges Schüler von Vyasas Sohn (Suka) und lernte im Aufgeben seines materiellen Leibes, den Unbesiegbaren ganz und gar zu verstehen.

4. Jene werden nicht einmal in ihrer Todesstunde verwirrt sein, die ihr Leben mit dem Lobpreis des Herrn verbringen, welcher in den vedischen Hymnen verherrlicht wird, die seine Lotos-Füße in Erinnerung behalten und die den nektargleichen Erzählungen über ihn zuhören.

5. Obwohl er überall gegenwärtig ist, konnte Kali nicht wirken, solange der große, mächtige König, der Sohn Abhimanyus, der eigentliche Herrscher war.

6. An dem Tage, da der Glückliche diese Erde verließ, folgte ihm in dieser Welt Kali, der Unmoral und Irreligiosität verbreitet.

7. Parikchit war niemals neidisch auf Kali, denn er nahm, wie die Bienen den Honig, von allem nur das Wesentliche. So wusste er, dass Glückliches unmittelbar gelingt, Unglückliches aber letztlich scheitert.

8. Kali erscheint nur in den Augen der weniger Einsichtigen als eine große Macht. Vor Menschen nüchterner Erkenntnis fürchtet er sich, wie vor (Parikchit,) dem Tiger unter den Menschen, dem Erkennenden unter den Unwissenden.

9. Auf eure Bitten hin habe ich nun fast alle Geschichten über den tugendhaften Parikchit erzählt, soweit sie in Beziehung zu Krishna stehen.

10. Jene, die glücklich sein möchten, sollten allem zuhören, was ich über die Wunder, die Eigenschaften und die erstaunlichen Taten des Glücklichen erzählt habe.

11. Die Weisen sprachen: O Suta, mögest du ein langes, gutes und auf ewig berühmtes Leben haben, denn deine schönen Erzählungen über Krishna gewähren uns Sterblichen den Nektar der Ewigkeit.

12. Bei dieser Opferfeier, deren Ende ungewiss ist, werden wir an Leib und Gemüt geschwärzt vom Rauch, aber in deiner Güte erfreust du unseren Geist durch die Erzählungen von den Füßen Govindas wie mit dem Nektar einer weißen Lotosblüte.

13. Himmlische Welten, frei von grober Materie, und erst recht weltliche Segnungen des sterblichen Lebens sind nichts im Vergleich zu einem Augenblick in Gemeinschaft mit jemandem, der dem Herrn hingegeben ist.

14. Wer einmal den Geschmack gekostet hat, kann niemals genug bekommen vom Nektar der Erzählungen über die größte und einzige Zuflucht der Lebewesen, über ihn, der in seinen transzendente Eigenschaften selbst die größten Meister mystischer Vereinigung wie Brahma und Shiva übertrifft.

15. O Gelehrter, bitte sei so gut und beschreibe uns, die wir so sehr danach verlangen, die übernatürlichen Taten Vishnus in seiner Verkörperung (als Krishna), denn du, als sein größter Verehrer, bist unsere wichtigste Verbindung mit dem Glücklichen, dem Größten der Großen, unserer einzigen Zuflucht.

16. Offensichtlich erreichte der glückliche Parikchit die Lotosfüße dessen, der Garuda (den König der Vögel) in seinem Banner führt, nachdem seine Einsicht gefestigt worden war durch das Wissen, welches der Sohn Vyasas ihm vermittelt hatte, als er ihn über den Pfad der Befreiung belehrte.

17. Darum gib uns bitte die wunderbaren und in höchstem Maße reinigenden Geschichten über die Taten des Grenzenlosen wieder, die von vollkommener Hingabe erzählen und besonders seinen glücklichen Verehrern lieb und teuer sind.

18. Suta sprach: O wie sehr sind wir heute begünstigt, dass wir den Fußspuren jener folgen können, die vor uns zur Erkenntnis gelangt sind! Wenn wir auch einer gemischten Kaste angehören und keine sehr hohe Geburt haben, befreit uns die Verbindung mit den ganz Großen durch Erzählungen doch sehr bald vom Leiden.

19. Und wiederum, was ist erst von einem zu sagen, der ausschließlich bei den großen Hingegebenen Zuflucht sucht und den heiligen Namen des Glücklichen singt, welcher Ananta (ohne Ende) heißt, weil er unbegrenzt ist in seiner Macht und unermesslich in seinen großen Eigenschaften!

20. Um ihn zu beschreiben, der grenzenlos in seinen Eigenschaften und unübertrefflich ist, genügt es zu sagen, dass die Göttin des Glücks, welche die Bitten vieler anderer abweist, ihm im Staube seiner Füße zu dienen wünschte, worum er sie nicht gebeten hatte.

21. Wer sonst wäre würdig den Namen „der Glückliche“ zu tragen außer Mukunda (Krishna als der Herr der Befreiung). Das Wasser (aus dem Ganges) von seinen Zehennägeln, welches von Brahma gesammelt und Shiva dargebracht wurde, reinigt das ganze Universum.

22. Jene, die beständig mit ihm verbunden sind, können augenblicklich die Bindungen durch den groben Körper und das subtile Gemüt hinter sich lassen und sich aufmachen zum höchsten Zustand der Vollkommenheit, zu welchem Gewaltlosigkeit und Askese als Verhaltensweisen gehören.

23. Soweit ich davon weiß, werde ich euch, die ihr machtvoll wie die Sonne strahlt, erzählen, wonach ihr mich gefragt habt. Wie die Vögel am Himmel so weit fliegen wie sie können, so will ich euch Wissen über Vishnu vermitteln, soweit meine Erkenntnis reicht.

24.-25. Einmal, als Parikchit im Walde auf der Jagd nach Hirschen war mit Bogen und Pfeilen, war er sehr ermüdet, hungrig und durstig. Auf der Suche nach etwas Wasser betrat er die Einsiedelei des berühmten Weisen Samika und sah diesen dort still sitzen mit geschlossenen Augen.

26. Er hatte Sinne, Atem, Gemüt und Intelligenz zurückgenommen und saß dort, unberührt und ohne jede Aktivität. So hatte er Befreiung durch Identifikation mit dem Höchsten, Absoluten erlangt und war erhoben über die drei Arten des Bewusstseins (Wachen, Träumen, Unbewusstheit).

27. Sein Körper war bedeckt durch sein langes, zusammengepresstes Haar, das aussah wie Hirschfell. Der König bat ihn um Wasser mit vor Durst ausgetrocknetem Gaumen.

28. Da er nicht angemessen empfangen wurde mit einem Sitzplatz aus Stroh, etwas Wasser zur Begrüßung und freundlichen Worten, fühlte er sich missachtet und wurde zornig.

29. O ihr Brahmanen, da er so gequält war von Hunger und Durst, wurden Zorn und Unduldsamkeit gegen den Brahmanen in ihm so stark wie noch nie zuvor.

30. Er verlor allen Respekt, nahm mit einer Spitze seines Bogens eine tote Schlange vom Boden auf und legte sie voller Ärger um die Schultern des weisen Brahmanen, bevor er zu seinem Palast zurückkehrte.

31. Dort angekommen dachte er darüber nach, ob der Weise den meditativen Zustand mit zurückgenommenen Sinnen und geschlossenen Augen vielleicht nur vorgetäuscht hatte, um die Begegnung mit einem Ksatriya zu vermeiden, der niedriger gestellt ist (als ein Brahmane).

32. Als der Sohn des Weisen, der eine sehr machtvolle Persönlichkeit war, hörte, was der König seinem Vater angetan hatte, während er fort war und mit anderen Jungen spielte, sprach er:

33. Sehr nur, wie irreligiös diese Herrscher sind! Sie bereichern sich wie Krähen und sündigen gegen das, was ihnen als Dienern angemessen ist. Sie sind doch nur wie Hunde, die an unserer Tür Wache halten.

34. Die Söhne der Ksatriya-Kaste sind dazu bestimmt, die Brahmanen wie Wachhunde zu schützen. Warum sollte einer, der an der Tür zu stehen hat, es verdienen, das Haus des Herrn zu betreten und von seinem Teller zu essen?

35. Da Krishna, der Glückliche, unser Beschützer, welcher der Herrscher über diese Emporkömmlinge ist, von uns ging, werde ich selbst sie heute bestrafen. Seht nur meine Macht!

36. Mit vor Zorn geröteten Augen sprach der Sohn des Weisen so zu seinen Spielkameraden. Dann berührte er das Wasser des Flusses Kausika und schleuderte diesen Donnerschlag von Worten gegen den König:

37. Wahrlich, in sieben Tagen wird ein Schlangenvogel den Elenden aus der Dynastie beißen, welcher die Regeln des Anstands gebrochen und sich gegen meinen Vater vergangen hat.

38. Danach kehrte der Junge zur Einsiedelei zurück und sah die Schlange auf den Schultern seines Vaters. Da weinte er sehr laut über diesen schmachvollen Zustand.

39. O Saunaka, als der Weise, welcher in der Familie des Angira geboren war, seinen Sohn voller Schmerz weinen hörte, öffnete er langsam seine Augen und erblickte die tote Schlange auf seinen Schultern.

40. Er warf sie fort und fragte: Lieber Sohn, warum weinst du? Hat jemand dich beleidigt? Da erzählte der Junge ihm alles.

41. Als er von dem Fluch gegen den König hörte, der niemals verurteilt werden sollte, da er der Beste unter den Menschen ist, lobte der Brahmane seinen Sohn nicht, sondern klagte: O Weh, was für eine große Sünde hast du heute begangen, indem du eine so schwere Strafe verhängt hast für ein so nichtiges Vergehen!

42. Deine Einsicht ist unreif. Niemals kann man den König als einen übernatürlichen Gottmenschen auf eine Ebene mit gewöhnlichen Menschen stellen, denn durch seine unübertreffliche Macht genießen seine Untertanen Wohlstand und vollkommenen Schutz.

43. O mein Junge, der Herr, welcher das Wagenrad trägt, wird durch das Königtum repräsentiert. Sobald es abgeschafft wird, nehmen die Diebe in dieser Welt überhand und tragen alsbald den Sieg über die Schutzlosen davon wie (Wölfe) über die Lämmer.

44. Sobald wir uns des Monarchen, des Beschützers der Schwachen, entledigt haben, wird als Folge dieser Sünde der Zusammenbruch der Gesellschaft über uns kommen. Schätze werden geplündert werden, Menschen werden einander schädigen und morden, Diebe werden Tiere, Frauen und Reichtümer stehlen.

45. Die dem Dharma gemäße Zivilisation menschlichen Fortschritts mit ihrer Einteilung in die verschiedenen Kasten und Berufungen, wie die vedischen Schriften sie lehren, wird dann systematisch ausgerottet werden. Die Wirtschaft wird nur noch dem Sinnengenuss dienen, was zum Entstehen einer unerwünschten Bevölkerung führt, die nur noch Hunden und Affen gleicht.

46. Der Beschützer des Dharma, der König, ist ein höchst verehrungswürdiger Herrscher, ein unmittelbarer Verehrer des Glücklichen, ein königlicher Weiser, welcher segensreiche Pferdeopfer dargebracht hat. Da er von Hunger und Durst gequält und völlig erschöpft war, verdient er es nicht, von uns in einer solchen Weise verflucht zu werden.

47. Daher wandte sich der Weise an den alles durchdringenden Glücklichen und bat ihn um Vergebung für die große Sünde, welche von dem Kinde in seiner unreifen Einsicht begangen worden war gegen einen sündenlosen, verdienstvollen, schutzbedürftigen Schwächeren.

48. Wer dem Herrn hingegeben ist, übt Nachsicht und wird sich mit Sicherheit niemals rächen, auch wenn er verleumdet, betrogen, verflucht, gestört, vernachlässigt, selbst wenn er getötet wird.

49. So bedauerte der große Weise die Sünde seines Sohnes, während er persönlich die Beleidigung durch den König nicht als sündhaft betrachtete.

50. Im allgemeinen sind die Heiligen nicht betrübt oder erfreut, wenn sie durch andere in die Dualität dieser Welt hinein gezogen werden, denn sie existieren im Bewusstsein des transzendenten Selbst.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

1.17 Bestrafung und Belohnung Kalis

1. Suta sprach: Dort (am Fluss Sarasvati) erblickte der König einen Shudra (Mitglied der niedrigsten arbeitenden Kaste), gekleidet wie ein König, welcher eine Kuh und einen Stier mit einer Keule schlug, so als ob da niemand wäre, sie zu beschützen.

2. Der Stier, welcher weiß war wie ein Lotos, stand nur auf einem Bein, und voller Schrecken durch die Schläge des Shudra ließ er Wasser und zitterte vor Angst.

3. Auch die Kuh, welche sonst immer die Milch von Religion und Moral gibt, war durch die Schläge des Shudra auf ihre Beine arm und kummervoll geworden. Sie hatte kein Kalb, und mit Tränen in den Augen sehnte sie sich ganz geschwächt nach etwas Gras als Nahrung.

4. Aus seinem mit Gold verzierten Streitwagen und gut gerüstet mit Bogen und Pfeilen fragte Parikchit mit donnernder Stimme den Shudra:

5. Wer bist du, dass du meinst, du könntest hier mit Gewalt hilflose Geschöpfe töten, die unter meinem Schutz Zuflucht suchen? Wie ein Schauspieler trittst du machtvoll auf, gekleidet als ein König, doch du verhältst dich wie einer, der nicht zweimal-geboren ist. (Die „Zweimal-Geborenen“ sind die Mitglieder der Brahmanen- und der Krieger-Kaste, die nicht nur körperlich, sondern auch geistig geboren sind.)

6. Du Schurke, meinst du, weil Krishna und der Träger des Bogens Ghandiva (Arjuna) nicht mehr sichtbar anwesend sind, könntest du im Verborgenen eine unschuldige Kuh schlagen? Für ein solches Verbrechen verdienst du den Tod.

7. Dann wandte der König sich an den Stier: Und du, bist du einfach ein lotos-weißer Stier, der drei Beine verloren hat und nur noch auf einem geht, oder bist du ein Gott, der in Gestalt eines Stieres uns auf einen Miss-Stand aufmerksam machen will?

8. Noch nie gab es unter dem bewaffneten Schutz eines Königs aus der Kuru-Dynastie solches Leiden auf der Erde wie bei dir, der du Tränen in den Augen hast wegen schlechter Behandlung durch jemand anders.

9. O Sohn Surabhis (der himmlischen Kuh), klage nicht. In meinem Königreich brauchst du dich nicht vor dem Shudra zu fürchten. Und liebe Mutter Kuh, weine nicht mehr. Solange ich lebe als Bezwinger der Übel-Wollenden, wird es dir wohl ergehen.

10.-11. O du Reine, ein Herrscher der so töricht ist, dass in seinem Staat die Lebewesen von Verbrechern terrorisiert werden, verliert seinen Ruhm, sein Leben, sein Glück und eine gute Wiedergeburt. Es ist sicherlich die höchste Pflicht der Könige, der Not der Leidenden zu wehren. Darum werde ich diesen Elenden töten, der so gewaltsam an anderen lebenden Wesen handelt.

12. Wer ist es, der deine drei Beine abgehauen hat, o Sohn Surabhis, der du doch vierbeinig warst? Was dir geschah, ist noch niemals geschehen in diesem Reiche von Königen, welche in Verehrung Krishnas leben.

13. O Stier, du bist ehrlich und unbescholten. Sage mir daher, wer dich verletzte und so den Ruf der Söhne Kuntis beschmutzte.

14. Jene, welche die Unbescholtenen leiden machen, sollen mich fürchten, wo auch immer sie sind, denn ich werde das Tun der Verbrecher vereiteln und das Wohl der Ehrlichen wieder herstellen.

15. Einen Emporkömmling, der sich an unschuldigen Lebewesen vergeht, werde ich augenblicklich mit Waffen bezwingen, ob es sich um einen Halbgott in verzierter Rüstung handelt oder nicht.

16. Es ist mit Sicherheit die heilige Pflicht eines regierenden Königs, immer jene zu beschützen, die in Treue ihre Pflicht tun, und jene in dieser Welt zu bestrafen, die, ohne dass eine Notlage besteht, von dem in den Schriften vorgezeichneten Pfad abgeirrt sind.

17. Dharma anwortete: Alles, was du gesagt hast über die Freiheit der Leidenden von Furcht, ziemt sich für einen Angehörigen der Pandava-Dynastie, deren Qualitäten Krishna dazu veranlassten die Rolle eines Boten anzunehmen und vieles andere.

18. O größter unter den Menschen, wir wissen nicht, wer genau uns das Leiden zugefügt hat, denn darüber streiten sich die Geister und herrscht große Verwirrung.

19. Manche lehnen jede Dualität ab und erklären, wir leiden an uns selbst, andere sprechen von übernatürlichen Gründen, während wieder andere sagen, das Leiden kommt durch das zweckgebundene Handeln, und viele Autoritäten sehen es in der materiellen Natur begründet.

20. Manche kommen auch zu dem Schluss, dass es etwas ist, das sich dem Verstehen und jeder Erklärung widersetzt. Welche Sichtweise Recht hat, bleibt deiner eigenen Urteilskraft überlassen, o Weiser unter den Königen.

21. Suta sprach: Ihr Besten unter den Brahmanen, der Herrscher, welcher aufmerksam den Worten Dharmas zugehört hatte, antwortete mit denkerischer Meisterschaft:

22. O Dharma in der Gestalt eines Stieres, du Kenner von Moral und Religion, du sprichst in dieser Weise (ohne dich auf eine Begründung festzulegen), weil du weißt, dass jener, der auf den Schuldigen zeigt, am Ende selbst als der Schuldige da steht.

23. Mit anderen Worten: die Absichten des Herrn bezüglich der materiellen Welt können von den lebenden Wesen nicht erkannt und in Worte gefasst werden.

24. Mäßigung, Reinheit, Mitgefühl und Wahrhaftigkeit sind deine vier Beine auf denen das Zeitalter der Wahrheit (Satya Yuga) aufgebaut war. Aufgrund von Unmoral und Irreligiosität sind drei von ihnen gebrochen worden durch Stolz, sexuelle Zügellosigkeit und Berauschtheit.

25. Gegenwärtig, o Dharma, humpelst du einher auf nur einem Bein, der Wahrhaftigkeit, und auch dieses versucht Kali zu zerstören durch Verbreitung von List und Betrug.

26. Durch das Handeln des Glücklichen persönlich wurde Mutter Erde befreit von einer schweren Bürde; seine verheißungsvollen Fußspuren brachten überall Glück.

27. Unter Tränen klagend wird die Unglückliche, Reine (Mutter Erde), da sie von ihm verlassen ist, nun ausgebeutet durch Menschen niederen Standes, die, ohne die Kultur der Weisheit, nur so tun, als ob sie Herrscher wären.

28. Dharma und Mutter Erde schauten befriedigt zu, wie der große Krieger zu seinem scharfen Schwert griff, um Kali, die Wurzel aller Unmoral und Irreligiosität, zu töten.

29. Als er merkte, dass der König ihn töten wollte, ließ Kali überwältigt von Furcht seine königliche Verkleidung fallen und warf sich in gänzlicher Ergebung zu seinen Füßen nieder.

30. Der Held, des Lobpreises würdig, da er freundlich zu den Armen war und Unterwerfung anzunehmen wusste, tötete ihn nicht, sondern sprach mit einem Lächeln zu ihm wie folgt:

31. Habe keine Furcht um dein Leben, denn du hast dich mit gefalteten Händen ergeben. Wir haben sicherlich den Ruhm Arjunas geerbt (in dessen Reich Unrecht keinen Platz hatte), daher darfst du jedoch keinesfalls in meinem Königreich bleiben, denn schließlich bist du ein Freund von Irreligiosität und Unmoral.

32. Wo du körperlich anwesend bist als eine Wesenheit in der Gestalt eines Königs, greifen in der Gesellschaft alle schlechten Eigenschaften um sich: Gier, Falschheit, Räuberei, Unhöflichkeit, Verrat, Unzucht und Betrug, Streit und Eitelkeit.

33. Aus diesem Grunde, du Gegner des Dharma, verdienst du es nicht in der Nähe jener Plätze zu bleiben, wo Rechtschaffenheit und Wahrheit herrschen und wo die dazu bestellten Brahmanen rechtmäßig den höchsten Herrn verehren und ihm Opfer darbringen.

34. In solchen Opferzeremonien wird Vishnu, der Glückliche, als das Selbst aller anbetungswürdigen Gottheiten verehrt. In dieser Form spendet er denen, die ihn verehren, Heil; denn er ist das von allen Begierden unberührte Selbst, welches innen wie auch außen ist, gleich wie die Luft bewegt oder unbewegt sein kann.

35. Suta sprach: In dieser Weise angeherrscht durch König Parikchit, erzitterte Kali, denn mit seinem gezückten Schwert sprach dieser wie Yama, die Personifikation des Todes.

36. Kali sprach: Wo ich auch lebe in deinem Machtbereich, o Herr der Erde, habe ich dich immer vor Augen mit deinem Bogen und mit deinen Pfeilen.

37. Darum, du Oberhaupt der Beschützer der Rechtschaffenheit, weise mir bitte einen Platz zu, wo ich für immer unter deiner Herrschaft wohnen kann.

38. Suta sprach: In dieser Weise ersucht, gab der König Kali die Erlaubnis sich dort aufzuhalten, wo die vier lasterhaften Aktivitäten - Glücksspiel, Sich-Betrinken, Prostitution und das Schlachten von Tieren - stattfinden.

39. Auf sein hartnäckiges Betteln hin überließ der Herr ihm des weiteren die Orte, wo Gold zu finden ist, denn die Leidenschaft für das Gold ist das fünfte Laster, das Falschheit, Verblendung, Lust und Feindseligkeit mit sich bringt.

40. So wurden auf Anweisung des Sohnes Uttaras fünf Plätze, wo Unmoral und Irreligiosität gefördert werden, an Kali als Wohnstätte übergeben.

41. Daher sollte ein Mensch, dem es um sein Wohlergehen zu tun ist, niemals sich an solchen Orten aufhalten, vor allem nicht jene, die dem Pfad der Befreiung folgen, der König, die Staatsführer und die geistlichen Lehrer.

42. Die Maßnahme des Königs bewirkte, indem sie Mäßigung, Reinheit und Mitgefühl förderte, dass die drei verlorenen Beine des Stieres des Dharma wieder hergestellt wurden, und so wurde auch Mutter Erde (der Kuh) wieder zu größerem Wohlfinden verholfen.

43.-44. Die Prinzipien, nach denen Parikchit regierte, sind immer noch gültig. Durch sie ist dieses Oberhaupt der Kuru-Dynastie, der Enkel Yudhisthiras, welchem sein Großvater die Herrschaft übergab, als er sich in die Wälder zurückziehen wollte, der Weise unter den Königen, bekannt geworden als der glücklichste und berühmteste Herrscher in Hastinapura.

45. Aufgrund dieser Prinzipien des Königs, des Sohnes Abhimanyus, welche die Art seiner Regierung über das Land geprägt haben, ist es euch ermöglicht worden, eine Opferfeier wie diese abzuhalten (das tausendjährige Opfer im Walde von Naimisaranya).

Montag, 13. Dezember 2010

1.16 Wie Parikchit dem Kali-Yuga begegnete

1. Suta sprach: O ihr Gelehrten, danach regierte Parikchit, der große Verehrer des Glücklichen, über die Erde unter der Anleitung der Brahmanen, und er offenbarte alle die guten Eigenschaften, welche die Astrologen bei seiner Geburt vorher gesagt hatten.

2. Er vermählte sich mit Iravati, der Tochter König Uttaras, und hatte vier Söhne mit ihr, deren ältester Janamejaya war.

3. Am Ufer des Ganges brachte er drei Pferde-Opfer dar, bei welchen sich die Götter menschlichen Augen zeigten, und er gab Kripacarya, den er als seinen geistigen Lehrer erwählt hatte, angemessene Belohnungen.

4. Ihm, dem tapferen Helden, gelang es einmal durch seine Tüchtigkeit, bei einem Feldzug zur Eroberung der Welt den Herrn des Kali-Yuga angemessen zu bestrafen. Dieser war als König verkleidet, während er doch niedriger gestellt ist als ein Shudra (Mitglied der arbeitenden Kaste), und war dabei eine Kuh und einen Stier an den Beinen zu verletzen.

5. Saunaka fragte: Warum bestrafte der König den Herrn des Kali-Yuga auf seinem Feldzug, und warum war dieser königlich gekleidet und dabei doch niedriger als ein Shudra, und warum schlug er die Beine einer Kuh? Bitte erzähle uns all dieses, o glücklicher Großer, soweit es mit Krishna zu tun hat.

6. Denn was würde es seinen Verehrern, die befreit sich des Nektars zu seinen Lotosfüßen erfreuen, nützen, wenn sie ihr Leben mit nicht enden wollenden illusorischen Gesprächen vergeudeten?

7. O Suta, nur kurz ist das Leben der Menschen, und es führt zum sicheren Tode. Wer das ewige Leben erlangen möchte, ruft schon in diesem Leibe den Glücklichen herbei in der Gestalt Yamas, des Herrn des Todes, damit er das zweckgebundene Handeln an ein Ende bringe.

8. Niemand wird sterben, solange der Glückliche in Gestalt des Beherrschers des Todes hier anwesend ist, und aus diesem Grunde ist er eingeladen worden von den großen Weisen. Ach, lass doch die ganze Menschheit, die unter seiner Herrschaft steht, trinken vom Nektar der Erzählungen über sein göttliches Tun.

9. Jene, die träge, von belanglosen Zielen und kurzlebig sind, verbringen ihre Tage genau wie die Nächte mit zwecklosen Tätigkeiten.

10. Suta sprach: Als Parikchit in seiner Residenz in der Hauptstadt der Kurus hörte, dass die Anzeichen des Kali-Yuga in den Bereich seiner Rechtsprechung eingedrungen waren, fand er diese Nachricht sehr unerfreulich. Er wollte die Möglichkeit nutzen militärisch dagegen vorzugehen und rüstete sich mit Bogen und Pfeilen.

11. Reich dekoriert und unter dem Schutz des Löwen in seiner Flagge, in einem Streitwagen, gezogen von Rappen, verließ er, entschlossen zum Sieg, die Hauptstadt in Begleitung von Kämpfern zu Wagen, zu Pferde, auf Elefanten und zu Fuß.

12. Bhadrasva, Ketumala, Bharata und die nördlich des Himalaya gelegenen Länder Kuru und Kimpurusha eroberte er und forderte von ihren Herrschern Tribut.

13.-15. Überall, wohin er kam, hörte er immer wieder, was für große Seelen seine Vorfahren gewesen waren, und er fand Hinweise auf die glorreichen Taten Krishnas bei den Menschen, denen er begegnete. Er hörte auch Erzählungen über seine eigene Errettung vor den zerstörerischen Strahlen der Waffe Asvatthamas und von der Verehrung der Nachkommen Vrishnis und Parthas für Kesava (Krihsna, der den Dämon Kesi in Gestalt eines wild gewordenen Pferdes tötete). Höchst beglückt, mit vor Freude weit geöffneten Augen, belohnte er die Menschen großzügig mit Kleidung, Halsketten und anderen Reichtümern.

16. In der Rolle als Wagenlenker, als Leiter einer Opferfeier, als Diener, Freund, Botschafter und Wächter in der Nacht hatte die Inkarnation Vishnus, der überall im Universum Gehorsam geleistet wird, den gottergebenen Söhnen Pandus Gerhorsam, Verehrung und Respekt erwiesen. Dieses erfüllte den König mit Ehrfurcht vor den Lotosfüßen Krishnas.

17. Hört nun von mir, was Erstaunliches geschah, als Parikchit Tag für Tag in Gedanken an die guten Taten seiner Vorfahren verweilte, welche vor noch gar nicht langer Zeit gelebt hatten.

18. Die wandelnde Personifikation der Rechtschaffenheit, nur auf einem Bein stehend (der xStier des Dharmax, dessen vier Beine die vier fundamentalen menschlichen Werte symbolisieren) begegnete der betrübten Kuh (Mutter Erde), der Tränen in den Augen standen wie einer Mutter, welche ihr Kind verloren hat.

19. Er sprach zu ihr: O edle Frau, bist du gesund und wohlauf? Du siehst so bekümmert aus mit düsterem Gesicht, als ob du von einer Krankheit befallen seiest oder an einen Freund dächtest, der weit fort ist, o Mutter.

20. Klagst du über den Verlust meiner Beine, da ich nur noch auf einem stehe, oder ist es deshalb, weil die gesetzlosen Fleischesser dich ausbeuten wollen? Oder kommt es daher, dass die Gottheiten ihres Anteils beraubt werden, weil es kaum mehr Opfer gibt, oder daher, dass die Lebewesen zunehmend unter Mangel, Hunger und Dürre leiden?

21. Bist du bekümmert über die unglücklichen Frauen und Kinder auf der Erde, welche ohne den Schutz der Männer sind? Oder betrübt dich die Art und Weise, wie in den Familien der Gelehrten gegen die Prinzipien der Göttin (des Wissens) gesprochen wird? Oder beklagst du, dass die meisten von ihnen bei Angehörigen der herrschenden Kaste Schutz suchen, die gegen die brahmanische Kultur handeln?

22. Ist es weil unwürdige Regenten, verwirrt durch den Einfluss des Kali-Yuga, hier und dort die Staatsangelegenheiten in Unordnung bringen? Oder kommt es durch die Art, wie in der Gesellschaft gegessen und getrunken, gewohnt und sich gekleidet, gebadet und geschlechtlich verkehrt wird?

23. Könnte es sein, o Mutter Erde, dass du in trübe Gedanken versunken bist, weil die Inkarnation Vishnus nun nicht mehr sichtbar ist, die durch ihre Taten Rettung brachte und deine Last erleichterte?

24. Bitte erzähle mir, o Schatzhaus aller Reichtümer, von der Ursache deines Kummers, der so an deinen Kräften zehrt. Geschah es, o Mutter, dass dein Glück, welches sogar von den Göttern verehrt wurde, dir mit Gewalt genommen wurde durch den unwiderstehlichen Lauf der Zeit?

25. Mutter Erde antwortete: O Dharma, ich will mein Bestes tun, alle deine Fragen zu beantworten. Wenn du mit deinen vier Beinen (den grundlegenden Tugenden) gegenwärtig bist, vermehrst du in allen Welten das Glück.

26.-30. Wahrhaftigkeit, Reinlichkeit, Mitgefühl, Selbstbeherrschung, Großherzigkeit, Zufriedenheit, Offenheit, Konzentration, Sinnesbeherrschung, Verantwortungsbewusstsein, Unparteilichkeit, Toleranz, Gleichmut, Loyalität und sicherlich auch Wissen, Losgelöstheit, Führungsqualitäten, Ritterlichkeit, Autorität, Macht, Pflichtbewusstsein, Unabhängigkeit, Geschicklichkeit, Schönheit, Heiterkeit und Freundlichkeit sowie Einfallsreichtum, Edelmut, gutes Benehmen, Entschiedenheit, Klugheit, Anstand, Humor, Freudigkeit, Unbewegtheit, Treue, guter Ruf und Demut: alle diese und viele andere sind die immerwährenden, niemals aufhörenden großen Eigenschaften des Glücklichen, welche erlangt werden können von jenen, die danach streben und dieser Größe würdig sind. Durch ihn bin ich selbst, genau wie die Göttin des Glücks, eine Schatztruhe dieser Eigenschaften, aber in Abwesenheit dessen, der die Basis von ihnen ist, tritt Kali, die Quelle der Sünde, in allen Welten auf.

31. Ich klage um mich wie auch um dich, du Beste unter den Gottheiten, sowie um die Götter und die Vorväter, um die Weisen und die Heiligen und um die Menschen aller Klassen der Gesellschaft.

32.-33. Lakshmi (die Göttin des Glücks), deren Gnade von Göttern wie Brahma gesucht wurde und um derentwillen die Götter viele Male Bußübungen verrichteten in Verehrung des Glücklichen, verließ ihre Wohnstätte im Walde von Lotosblumen, um den Herrn zu verehren in Hingabe an seine Lotosfüße. Ich selbst besitze die Kräfte der Lotosblume, des Donnerkeils, des Stachelstocks (er dient um Elefanten anzutreiben) und der Fahne, und dennoch hatte ich nur im Schmuck der Fußspuren des Glücklichen, der Quelle allen Reichtums, große Macht in den drei Welten. Am Ende aber, gerade als ich mich so glücklich fühlte, hat er mich verlassen.

34. Der sich selbst Genügende, der mich von der Bürde hunderter Divisionen den Dämonen ergebener Könige befreite, inkarnierte auch um deinetwillen, um dir von seiner Kraft zu geben, in einem übernatürlich schönen Körper in der Yadu-Familie, weil du Schwierigkeiten hattest dich selbst aufrecht zu halten.

35. Wer kann es daher ertragen getrennt zu sein von der Liebe, dem Blick, dem gewinnenden Lächeln und der freundlichen Redeweise der höchsten göttlichen Person, welche die Strenge und den leidenschaftlichen Zorn von Frauen wie Satyabhama besiegte und die mein Haar (die Gräser) aufrecht stehen ließ vor Freude von ihren Füßen berührt zu werden.

36. Während die Erde und Dharma so miteinander sprachen, kam Parikchit, welcher in dem Ruf stand, ein Weiser unter den Königen zu sein, am Ufer des Flusses Sarasvati an, der nach Osten fließt.

Samstag, 4. Dezember 2010

1.15 Wie die Pandavas sich zurückzogen

1. Suta sprach: So gab Arjuna, der wie ein Ast vom Baume Krishnas ausgemergelt war aufgrund der Trennung von ihm, Anlass zu verschiedenartigen Zweifeln und Spekulationen von Seiten seines Bruders, der Königs.

2. Durch den großen Schmerz über den Verlust waren sein Mund und der Lotos seines Herzens ausgetrocknet und der Glanz seines Körpers war verschwunden. Ganz in Gedanken versunken an den höchsten Herrn Krishna, vermochte Arjuna nicht zu antworten.

3. Je mehr er unter großen Schwierigkeiten die Trauer über den Verlust zu beherrschen suchte und die Tränen aus seinen Augen wischte, umso intensiver dachte er mit Zuneigung an ihn, der ihm fern war, und um so betrübter wurde er.

4. In Erinnerung an ihn als Freund, Wohltäter, engen Vertrauten und Wagenlenker begann Arjuna, von Trauer überwältigt und mit schwerem Atem, zu seinem älteren Bruder, dem König, zu sprechen:

5. O großer König, die persönliche Erscheinung der Gottheit Hari (Vishnu), die mich als ihren vertrauten Freund behandelt hat, ist von mir gegangen. Nun habe ich die wunderbare Macht verloren, welche selbst die Götter in Erstaunen versetzte.

6. Ich habe jenen verloren, von dem auch nur einen Augenblick getrennt zu sein sicherlich alle Welten unwirtlich und alle Körper zu Leichnamen macht.

7. Gestärkt durch seine Gnade konnte ich alle Prinzen besiegen, die es nach Macht gelüstete beim Wettbewerb der Freier an König Drupadas Hof, wo ich Draupadis Hand gewann, indem ich den Fisch als Ziel mit dem Pfeil von meinem Bogen traf. (Der Fisch hing unter dem Dach des Hauses, mit einem sich drehenden Rad darunter. Es galt das Auge des Fisches zu treffen durch das Rad hindurch. Darunter auf dem Boden stand eine Schale mit Wasser. Die Bewerber durften beim Zielen nur auf das Spiegelbild von Fisch und Rad in dem bewegten Wasser blicken.)

8. Dank seinem Beistand konnte ich Indra und seine göttlichen Verbündeten mit großer Geschicklichkeit besiegen, war es mir möglich den Feuergott zu bewegen, Indras Wald Khandava in Brand zu setzen, und bekamen wir unser herrlich kunstvoll dekoriertes Staatsgebäude durch (den Dämon) Maya errichtet (zum Dank für seine Errettung aus dem brennenden Wald), wo alle Fürsten sich versammelten und dir Tributgaben von überall her mitbrachten.

9. Unter seinem Einfluss konnte dein ehrwürdiger jüngerer Bruder Bhima, welcher die Stärke von tausend Elefanten hat, Jarasandha töten, dessen Füße von den Häuptern von Königen verehrt wurden. Bhima befreite die Könige, welche von Jarasandha in seine Stadt gebracht worden waren, um dem Herrn der Geister Mahabhairava (Shiva) geopfert zu werden. Später leisteten diese Könige dir Tribut.

10. Deine Gemahlin fiel mit Tränen in den Augen Krishna zu Füßen, als sie von den schurkenhaften Kauravas bei den Haaren ergriffen worden war (sie war der Preis in einem Glücksspiel) und ihr schöner Haarknoten, welcher für die große Opferzeremonie in ritueller Weise gesteckt war, sich dabei auflöste. Mit Krishnas Beistand wurden in der Schlacht von Kurukshetra die Gattinnen der Kauravas zu Witwen gemacht und mussten ihre Haare aufgelöst tragen.

11. Er beschützte uns, als wir in unserem Exil im Walde in gefährlicher Bedrängnis waren durch die Intrige unserer Gegner, die sie in Verbindung mit dem Weisen Durvasa ausgeheckt hatten. Indem Krishna einen Bissen zu sich nahm, sättigte er auf mentale Weise ihn und seine zehntausend Jünger zur Zufriedenheit aller drei Welten, während sie noch im Fluss badeten.

(Durvasa war ein machtvoller Yogi, der außergewöhnliche Wohltaten erweisen, aber im Falle von Unzufriedenheit auch größte Schwierigkeiten heraufbeschwören konnte. Wenn er mit seinen zehntausend Jüngern an einen Königshof kam, mussten alle angemessen bewirtet werden. Duryodhana, der Anführer der Kauravas, hatte dies einmal zu Durvasas Zufriedenheit getan und bekam von ihm einen Wunsch gewährt. Der Karuava wünschte, Durvasa möge mit seinen Begleitern seinen verhassten Pandava-Cousin Yudhisthira aufsuchen, und zwar erst nachdem dieser mit seiner Gattin Draupadi gespeist hatte. Er wusste, dass Draupadi vom Sonnengott ein Geschirr erhalten hatte, aus dem sie jede beliebige Anzahl von Gästen speisen konnte, dass es aber diese Kraft nur besaß, solange sie selbst an einem Tage noch nicht daraus gegessen hatte. Als Durvasa nach ihrer Mahlzeit ankam, fürchtete sie, ihn nicht zu seiner Zufriedenheit bewirten zu können und dadurch seinen Zorn auf sich zu ziehen. In ihrer Not rief sie in ihrem Herzen zu Krishna, der ihr erschien und sie um die Überreste ihrer Mahlzeit bat. Nur noch ein kleines Stückchen Gemüse klebte am Topfboden. Krishna nahm es zu sich und trug Draupadi auf, Durvasa und seine Jünger zum Mahl zu bitten. Diese nahmen noch ihr rituelles Mittags-Bad im Fluss. Durch den Bissen, den Krishna zu sich genommen hatten, fühlten sie alle sich schon auf wunderbare Weise gesättigt und zogen ohne Speisung weiter.)

12. Durch seine Gnade gelang es mir einmal in einem Kampf, den Glücklichen mit dem Dreizack (Shiva) und seine Gemahlin, die Tochter des Himalaya, in Erstaunen zu setzen. Dafür belohnten mich er und andere Götter mit ihren eigenen Waffen. So konnte ich schon in diesem Körper einen halb-erhöhten Sitz im Hause Indras (des Himmelsgottes) einnehmen.

13. O Nachkomme König Ajamidas, ermächtigt durch ihn, die höchste Person, deren ich nun beraubt bin, vermochte ich einst als ein Gast des Himmels mit meinen Armen, die den Bogen Gandhiva führten, zum Schutz Indras und der Götter ihren Feind (den Dämon Nivatakavaca) zu töten.

14. Allein Dank seiner Freundschaft konnte ich in meinem Streitwagen den unüberwindlichen Ozean der unbesiegbaren militärischen Stärke der Kauravas überqueren und zurückkehren mit dem überaus großen Reichtum des Gegners: dem Glanz all der Juwelen, welche ich mit Gewalt von ihren Häuptern genommen hatte.

15. O Großer König, nur er war es, dessen machtvoller Blick die Aufwallung meines Gemüts zum Schweigen brachte, so dass ich vorwärts stürmte mitten hinein in die unermesslichen Schlachtreihen des Gegners, in diese Kette von reich geschmückten Streitwagen mit ihren Wagenlenkern, angeführt durch Bhisma, Karna, meinen Lehrer (Drona), Salya und die großen königlichen Prinzen.

16. Unter seinem Schutz konnten die sehr machtvollen, unbesiegbaren Waffen, geführt von Drona, Bhishma, Karna, Bhurisrava, König Susarma, Salya, König Jayadratha, Bahlika (ein Onkel Bhishmas) und anderen, mich nicht treffen. Es war genau so wie bei Prahlada, der durch Nrisimha (der Inkarnation des Glücklichen als Löwenmensch) vor den Waffen der Dämonen bewahrt wurde.

17. Er befreite mich von dem Irrtum, ihn, den höchsten Herrn, dessen Füße von den Einsichtigen verehrt werden um ihrer Rettung willen, nur als meinen Wagenlenker anzusehen. Durch seine Gnade waren meine Gegner im Geiste abgelenkt und griffen mich nicht an, als ich vom Wagen stieg, um meine durstigen Pferde trinken zu lassen.

18. Mit lächelndem Antlitz scherzte er mit mir und redete mich vertraulich an mit „Partha (Sohn Kuntis)“, „mein Freund“, „Sohn der Kuru-Dynastie“ oder ähnlich. O König, die Erinnerung an die herzlichen Worte Krishnas berührt und überwältigt meine Seele.

19. Wenn wir zusammen schliefen, saßen, gingen, speisten, redeten oder anderes, hielt ich ihn irrtümlicher Weise für einen Freund, der mir gleich war. Trotz meines Fehlers, ihn für niedriger zu halten als er ist, nahm er mich im Glanz seiner Großherzigkeit an, wie ein Freund den Freund annimmt oder ein Vater sein Kind.

20. O Herrscher, ohne die höchste Person, meinen liebsten Freund und Verwandten, sind mein Herz und meine Seele leer. Kürzlich wurde ich, wie eine schwache Frau, besiegt von aufrührerischen Kuh-Hirten, vor denen ich Krishnas Familie beschützen wollte.

21. Ich habe immer noch den selben Bogen, die selben Pfeile, den selben Streitwagen und die selben Pferde. Auch bin ich immer noch der selbe Wagen-Kämpfer Arjuna, dem alle Könige Respekt erzeigten. Jedoch wurde dies alles in dem einen Augenblick, da ich ihn verlor, so nutzlos wie Butter, wenn man sie in Asche gibt, wie Geld, wenn es durch Magie gewonnen wurde, oder wie Saatgut, wenn man es auf unfruchtbares Land streut.

22.–23. O König, du fragtest nach unseren Freunden und Verwandten in Dvaraka. Sie wurden von den Brahmanen verflucht und brachten einander, trunken von Reiswein, wie Dummköpfe mit Stöcken um. In ihrem berauschten Zustand erkannten sie einander nicht. Nur vier oder fünf von ihnen überlebten.

24. Es entspricht dem Willen des Glücklichen, unseres höchsten Herrn, dass die Lebewesen manchmal einander töten und manchmal einander beschützen.

25.-26. O König, im Ozean verschlingen die Größeren die Kleineren und die Stärkeren die Schwächeren. In der selben Weise erleichterte der Allmächtige die Bürde der Erde mit einem Schlag um alle Nachkommen Yadus durch die Yadus selbst, indem er in einem Kampf die weniger starken durch die stärkeren und diese durch noch stärkere töten ließ.

27. Wenn ich die Worte Govindas (Krishnas) in meinem Geist erwäge und mich daran erinnere, wie gewinnend sie sind, wie bedeutungsvoll und wie angemessen der Zeit und den Umständen, in denen er sie zu mir sprach, wird das Brennen in meinem Herzen gelöscht.

28. Suta sprach: Indem er so an die Füße Krishnas dachte, welche Lotosblüten glichen, und daran, was die höchste Person ihn in tiefer, vertrauter Freundschaft gelehrt hatte, fand Arjuna den Frieden des Gemüts, frei von allen materiellen Interessen.

29. Indem er beständig die Lotosfüße Vasudevas im Sinn behielt, wuchs Arjunas Hingabe zusehends an, und auf diese Weise schwoll sein nicht enden wollendes Grübeln ab.

30. Arjuna erinnerte sich der Belehrungen über das Transzendente, welche ihm der Glückliche auf dem Schlachtfeld gegeben hatte, und an seine Handlungen und die Zeit zusammen mit ihm. Dieses vertrieb das Dunkel seiner Unwissenheit und er wurde wieder Herr seiner Sinne.

31. Frei von Trauer und Klage aufgrund seiner geistigen Kraft und gänzlich abgeschnitten von den Zweifeln, welche die Dualität und das Verhaftet-Sein an die materielle Welt in ihm hervorgebracht hatten, war er aufgegangen in der Transzendenz ohne materielle Form und befreit von der Verstrickung in Geburt und Tod.

32. Als Yudhisthira diese Ausführungen über den Weg des Glücklichen und über das Ende der Yadu-Dynastie vernommen hatte, beschloss er sich in die Einsamkeit zurückzuziehen und Krishna zu seiner ewigen Wohnstatt zu folgen.

33. Auch Kunti, welche dem Bericht Arjunas über das Ende der Yadu-Dynastie und das körperliche Verschwinden Krishnas mit voller Aufmerksamkeit zugehört hatte, fand Befreiung von der materiellen Existenz, sowie auch alle anderen, die ungeteilt dem transzendenten Glücklichen hingegeben waren.

34. Der Ungeborene erleichterte die Bürde der Welt, indem er seinen Körper verließ, wie man einen Dorn wegwirft, mit dessen Hilfe man einen anderen Dorn entfernt hat. Beide Dornen sind gleich für den höchsten Herrscher.

35. Er nimmt in seinen Inkarnationen, zum Beispiel als ein Fisch oder anderes, eine Form an und gibt sie dann wieder auf, um die Last der Welt zu erleichtern, wie ein Magier einen Körper fahren lässt, um einen anderen anzunehmen.

36. Als der Glückliche, der Herr der Befreiung, von dem zu hören so kostbar ist, körperlich die Erde verließ, manifestierte sich von dem Tag an das Kali-Yuga zur Gänze, unheilvoll für alle, die nicht erwacht sind.

37. Mit scharfem Blick beobachtete Yudhisthira, wie in seiner Hauptstadt, seinem Staat, in seinem Hause und auch in ihm selbst die Dinge schlechter wurden in einem Strudel aus Geiz, Falschheit, Unehrlichkeit, Irreligiosität und Unmoral, Gewalt und Ähnlichem, und er verstand, dass es Zeit war zu gehen. Dementsprechend kleidete er sich.

38. Der König setzte daher seinen Enkel Parikchit, wohl ausgebildet und in jeder Hinsicht ihm gleich an Tugenden, in der Hauptstadt Hastinapura ein zum Beherrscher des ganzen Landes, das vom Meer umschlossen war.

39. In Mathura ernannte er Vajra, den Sohn Aniruddhas (einen Urenkel Krishnas), zum König von Surasena. Danach brachte er ein Feueropfer dar, um das Feuer in sich selbst zu finden, durch welches er das Ziel erreichen konnte.

40. Er entsagte seinem Gürtel, seinen Armbändern und allen königlichen Insignien und verblieb ohne jedes Interesse daran, vollkommen losgelöst von der nicht enden wollenden Gebundenheit.

41. Er nahm die Sprache zurück in das Gemüt, das Gemüt und die Sinne zurück in den Atem und den Atem zurück in den Tod. Mit voller Hingabe verschmolz er den Körper aus den fünf Elementen damit.

42. Er gab die fünf Elemente den drei Qualitäten der Natur hin und das Denken dem Nicht-Wissen. All dieses verankerte er im Selbst, und das Selbst wurde eins mit dem ungeschaffenen Brahman.

43. Er trug zerrissene Kleidung, nahm keine feste Nahrung zu sich, sprach nicht mehr, ließ sein Haar offen und begann auszusehen wie ein stummer Verrückter oder ein dahergelaufener Gassenjunge, der sich taub stellt und auf niemanden hört.

44. Mit den anderen zusammen wanderte er nach Norden, auf dem Pfad, dem auch schon seine Vorfahren, die großen Seelen, gefolgt waren, und wohin er auch ging, verbrachte er seine Tage damit im Herzen beständig an den transzendenten Höchsten zu denken.

45. Auch die Brüder Yudhisthiras beobachteten, wie mit dem Eintritt des Kali-Yuga Unmoral und Irreligiosität von alle Bewohnern der Erde Besitz ergriffen, und sie beschlossen ihrem älteren Bruder zu folgen.

46. Sie alle hatten ihr Leben in Heiligkeit und Tugend verbracht und erkannt, dass die Lotos-Füße des himmlischen Herrn das letzte Ziel aller lebenden Wesen sind, und sie meditierten beständig über sie.

47.-48. Das ist das Ziel aller, die, gereinigt durch Meditation, Befreiung gefunden haben, indem sie ihren Geist auf die transzendenten Füße Naryanas (Krishnas), des Einen, gerichtet halten. Ihre materiellen Befleckungen sind fortgewaschen, und sie erreichen in ihrem fleischlichen Leib die Wohnstätte, die in der Gefangenschaft durch materielle Interessen nur äußerst schwer zu erreichen ist.

49. Vidura, der im Geiste und im Handeln Krishna hingegeben war, verließ seinen physischen Leib an der Pilgerstätte Prabhasa und auch er kehrte in Gemeinschaft seiner Vorfahren zurück in seine ewige Heimat.

50. Auch Draupadi, welche die Fürsorge ihrer Ehegatten vermissen musste, konzentrierte sich, einsgerichtet in vollem Wissen, auf Vasudeva (Krishna), den Glücklichen, und gelangte zu ihm.

51. Jeder, der mit Hingabe diese Erzählung hört, wie die Söhne Pandus, die geliebten Freunde des Glücklichen, zum letzten Ziel gelangten, wird nichts als Glück und Reinheit erhalten und Vollkommenheit in der liebenden Hingabe an den Herrn gewinnen.

Dienstag, 30. November 2010

1.14 Das Verschwinden Krishnas

1. Suta sprach: Arjuna hatte sich in die Hauptstadt Dvarakas begeben, um seine Freunde und Verwandten zu besuchen und Krishna, dessen Ruhm die vedischen Hymnen preisen. Er wollte auch erfahren, welches Krishnas weitere Pläne seien.

2. Als Arjuna nach einigen Monaten noch nicht von dort zurückgekehrt war, beobachtete König Yudhisthira verschiedene schreckenerregende Vorzeichen.

3. Die Zeit hatte eine ungünstige Wendung genommen. Der König bemerkte Unregelmäßigkeiten in den Jahreszeiten und sah, wie unter den Menschen in ihrer Sündhaftigkeit Ärger, Gier und Falschheit beim Erwerb des Lebensunterhalts um sich griffen.

4. Betrug wurde üblich bei den Geschäften, Misstrauen verdarb die Beziehungen zu Verwandten, Vätern, Müttern, Brüdern, und auch zwischen Ehegatten gab es Streit.

5. Die Menschen allgemein nahmen mit der Zeit unmoralische Gewohnheiten an wie zum Beispiel Gier. Als der König diese ernsthaften Störungen und schlechten Vorzeichen bemerkte, sprach er darüber mit seinem jüngeren Bruder.

6. Yudhisthira sprach zu Bhima: Arjuna ist fortgegangen nach Dvaraka, um seine Freunde zu treffen und zu erfahren, was Krishna, der in den Hymnen Gepriesene, vor hat.

7. Es ist nun schon sieben Monate her, seitdem unser jüngerer Bruder aufgebrochen ist, lieber Bhima, und ich kann mir nicht erklären, weshalb er noch nicht zurückgekehrt ist.

8. Ist es so, wie der göttliche Weise (Narada) uns belehrte, dass für den Glücklichen die Zeit gekommen ist, als das Selbst seinen manifestierten Körper wieder zu verlassen?

9. Von ihm haben wir unseren Reichtum, unsere Königsherrschaft und unsere Gemahlinnen. Durch ihn sind die Existenz unserer Dynastie und unserer Untertanen erst möglich geworden und dank ihm konnten wir unsere Gegner besiegen und in dieser Welt leben.

10. Betrachte nur, der du stark wie ein Tiger bist, die Störungen in der Konstellation der Planeten, in den Geschehnissen auf der Erde und in den Zuständen von Körper und Geist. Es sind alarmierende Hinweise auf eine Gefahr, welche in naher Zukunft unsere Intelligenz in die Irre führen wird.

11. Immer wieder erzittern meine Oberschenkel, Augen, Arme und meine linke Körperseite, und mein Herz rast vor Furcht. Dies alles weist auf unerfreuliche Ereignisse hin.

12. Schau, o Bhima, wie der Schakal bei Sonnenaufgang schreit und Feuer schnaubt und wie der Hund mich ohne Furcht anbellt.

13. O Tiger unter den Menschen, die Kühe lassen mich links liegen, Esel und andere Tiere umkreisen mich, und meine Pferde sehe ich weinen.

14. Die Taube erscheint wie eine Botin des Todes, und die schrillen Schreie der Eulen und ihrer Rivalen, der Krähen, lassen mein Herz erzittern, denn sie hören sich an, als ob die Vögel wünschten, das Universum solle leer werden.

15. Mein lieber Bruder, schau, wie Rauch von überall her uns umkreist und wie die Erde mit ihren Hügeln und Bergen bebt, während laute Donnerschläge aus dem Blau des wolkenlosen Himmels ertönen.

16. Der Wind bläst scharf, der Himmel wird verdunkelt vom Staub, den er mit sich trägt, und die Wolken regnen Blut: eine allgegenwärtige Katastrophe.

17. Die Sonne hört auf zu scheinen, und sieh: die Sterne am Himmel verlassen ihre Bahnen und stoßen zusammen, und die Lebewesen schreien, als ob sie in Flammen stünden.

18. Die Ströme und ihre Nebenflüsse, die Seen und das Gemüt sind aufgewühlt, und das Feuer lässt sich nicht einmal mit Hilfe von Butter entzünden. Was ist dies für eine ungewöhnliche Zeit? Was mag geschehen?

19. Die Kälber saugen nicht an den Eutern und die Kühe wollen sich nicht melken lassen. Sie sehen aus, als ob sie sich fürchteten und Tränen weinten, und die Stiere vergnügen sich nicht mehr auf den Weiden.

20. Die Götterstatuen machen den Eindruck, als ob sie weinten und schwitzten und die Tempel verlassen wollten, und die großen und kleinen Städte, Dörfer, Gärten, Bergwerke und Einsiedeleien haben ihre Schönheit verloren, und alle Fröhlichkeit ist von ihnen gewichen. Was für Katastrophen werden uns zustoßen?

21. Ich bin überzeugt, alle diese großen Aufwallungen zeigen sich, weil die Lotosfüße des Glücklichen nicht mehr über die Erde wandeln. Der höchsten Person beraubt, wird die Erde kein Glück mehr haben ohne die Schönheit seiner Fußspuren.

22. O Brahmane (Saunaka), während der König die schlechten Vorzeichen beobachtete und so in seine Gedanken versunken war, kehrte Arjuna aus dem Reich der Yadus zurück.

23. Er fiel, niedergeschlagen wie nie zuvor, dem König zu Füßen, und aus den Lotosaugen seines zu Boden geneigten Antlitzes kamen Tränen.

24. Als er das bleiche Gesicht Arjunas erblickte, das von der Besorgnis in seinem Herzen sprach, fragte ihn der König, welcher sich an die Worte Naradas erinnerte, inmitten aller Verwandten und Freunde:

25. Verbringen unsere Verwandten bei den Yadus in Dvaraka - Madhu, Bhoja, Dasarha, Arha, Satvata und Andhaka - glücklich und zufrieden ihre Tage?

26. Erfreut sich mein ehrwürdiger Großvater Surasena guter Gesundheit an seinem Lebensabend, und geht es meinem Onkel Vasudeva und allen seinen jüngeren Brüdern gut?

27. Sind seine Gemahlinnen - meine Tanten, die sieben Schwestern mit Devaki als der ältesten - alle wohlauf mit ihren Söhnen, Enkeln und Schwiegertöchtern?

28.-29. Sind König Ugrasena, dessen Sohn der verbrecherische Kamsa war, und sein jüngerer Bruder Hridika noch am Leben und sind sein Sohn Kritavarma sowie Akrura, Jayanta, Gada, Sarana und Satrujit alle glücklich und zufrieden? Befindet sich auch der glückliche Balarama wohl, welcher der Beschützer der Frommen ist?

(Kamsa war der Cousin von Krishnas Mutter Devaki. Um auf den Thron zu gelangen, hatte er seinen Vater König Ugrasena ins Gefängnis werfen lassen. Nach der Vermählung von Devaki und Vasudeva prophezeite ihm eine Stimme, der achte Sohn des Paares würde ihn töten. Daraufhin hielt er beide im Palastkerker gefangen und tötete die ersten sechs Kinder gleich nach der Geburt. Das siebente - Balarama - konnte nach einer scheinbaren Fehlgeburt gerettet werden. Krishna kam als achtes Kind zur Welt. Durch seine Wunderkräfte schliefen die Wärter ein, die Kerkerketten zersprangen und die Türen öffneten sich. Vasudeva konnte mit dem Neugeborenen fliehen. Krishna wuchs im Verborgenen auf und tötete später Kamsa.

30. Geht es dem großen Kämpfer Pradyumna (einem Sohn Krishnas) und allen anderen Mitgliedern der Vrishni-Familie gut? Und der glückliche Aniruddha (ein Enkel Krishnas) muss sich doch eines blühenden Lebens erfreuen?

31. Und was machen Sushena, Carudeshna and Samba, der Sohn Jambavatis, und die anderen hervorragenden Söhne Krishnas und deren ausgezeichnete Söhne wie Rsabha und alle anderen?

32.-33. Sind auch die ständigen Begleiter Krishnas wie Srutadeva und Uddhava sowie Sunanda, Nanda und die anderen Anführer wohlauf? Und geht es den anderen befreiten Seelen, den Besten unter den Menschen, ebenfalls gut? Und denken jene, die unter Krishnas und Balaramas Schutz leben und uns in ewiger Freundschaft verbunden sind, auch an unser Wohlergehen?

34. Erfreut sich Govinda, der Glückliche (Krishna), welcher hingebungsvoll für seine Verehrer und für die Brahmanen sorgt, in Dvaraka der frommen Gemeinschaft mit seinen Freunden und Verwandten?

35.-36. Zum Schutz und zum Wohle aller in allen Welten ist im Ozean der Yadu-Dynastie die ursprüngliche, höchste Person (Krishna) gemeinsam mit Ananta (Balarama) erschienen. In seiner Stadt leben die Yadus, beschützt durch seine Arme, wie sie es verdienen, im Genuss übernatürlicher Wonnen wie die Bewohner des Himmels.

37. Durch liebenden Dienst an seinen Füßen, welches die wichtigste Handlung überhaupt ist, veranlassten ihn seine sechzehntausend Gattinnen, angeführt durch Satyabama, von den Himmelsbewohnern zu erobern, was die Freude der Götter ist (die Parijata-Blume) und was sonst nur den Gemahlinnen der Gottheit zusteht, welche den Donnerkeil schleudert.

38. Da die großen Helden der Yadu-Dynastie unter dem Schutz von Krishnas Armen leben, können sie immer ohne Furcht die Versammlungshalle Sudharma betreten, welche Krishna (vom Himmelsgott Indra) erobert hat und derer sonst nur die Besten unter den Göttern würdig sind.

39. Mein lieber Bruder, bist du bei guter Gesundheit? Wie mir scheint, hast du deinen Glanz verloren. Hat man dich respektlos vernachlässigt, lieber Bruder, oder kommt es von deiner langen Abwesenheit?

40. Hat man dich unfreundlich angeredet oder bedroht oder konntest du dich nicht wohltätig erweisen, wo du gebeten wurdest, oder ein Versprechen nicht halten?

41. Konntest du jene nicht schützen, welche dich darum baten und deine Sorge verdienen, die Brahmanen, die Kinder, die Kühe, die Alten, die Kranken und die Frauen?

42. Hattest du Umgang mit einer unehrenhaften Frau oder hast du einer ehrenhaften Frau unrecht getan? Oder bist du etwa auf der Reise besiegt worden durch Schwächere oder Gleichstarke?

43. Hast du es alten Männern oder Jungen, die es verdienten, verweigert mit dir zu speisen, oder hast du etwas Schreckliches getan, das unverzeihlich ist?

44. Oder ist es so, mein Bruder Arjuna, dass du eine innere Leere verspürst, weil du Krishna, den geliebten Freund deines Herzens, für immer verloren hast? Ich kann mir keinen anderen Grund denken, weshalb du so niedergeschlagen bist.

Montag, 15. November 2010

1.13 Wie Dhritarashthra seinen Palast verließ

1. Suta sprach: Vidura hatte Erkenntnis über das Selbst erlangt durch den Weisen Maitreya, als er auf der Reise zu verschiedenen Pilgerstätten war. Da er nun alles wusste, was es zu wissen gibt, kehrte er in die Stadt Hastinapura zurück.

(Vidura war ein jüngerer Bruder Dhritarasthras. Er gehörte der Arbeiter-Kaste - Shudras - an, weil er als Sohn Vyasas von einer Magd der Mutter Pandus geboren war. Dhritarasthra war der Vater der Kauravas und Onkel der Pandavas. Sein Bestreben, den Pandavas das Königreich zu entreißen für seine eigene Söhne führte zu der Schlacht von Kurukshetra.)

2. Nachdem er alle Fragen gestellt hatte und in der Gegenwart Maitreyas die Hingabe an Govinda (Krishna) in ihm gewachsen war, hatte Vidura aufgehört zu fragen.

3.-4. Ihr Brahmanen, als seine Verwandten ihn kommen sahen, wurde er begrüßt von Yudhishthira und seinen jüngeren Brüdern, von Dhritarashthra, Satyaki and Sanjaya, Kripacarya, Kunti, Gandhari, Draupadi, Subhadra, Uttara, Kripi, von anderen Ehefrauen der Familienmitglieder der Pandavas sowie von weiteren Damen mit ihren Söhnen.

5. Als ob neues Leben in sie gekommen sei, näherten sie sich ihm voller Freude und empfingen ihn in rechter Form mit Umarmungen und Ehrbezeigungen.

6. In ihrer Zuneigung vergossen sie Tränen der Erleichterung, denn die Trennung von ihm hatte sie mit Sorge und Schmerz erfüllt. König Yudhisthira bat ihn sich zu setzen und ordnete eine Willkommenszeremonie für ihn an.

7. Nachdem Vidura reichlich gespeist, geruht und bequem Platz genommen hatte, verneigte der König sich in Demut vor ihm und richtete in Gegenwart aller das Wort an ihn:

8. Erinnerst du dich, wie wir unter den Flügeln deines Schutzes heranwuchsen und zusammen mit unserer Mutter aus verschiedenen Notlagen wie Vergiftung und Verbrennung befreit wurden?

9. Wie hast du deinen Unterhalt bekommen, als du das Erdenrund bereistest, und welche bedeutenden Pilgerstätten hast du besucht?

10. Wer so hingegeben ist wie du in deiner Güte, wird selbst zu einem Heiligtum, o Mächtiger. Den Höchsten im Herzen, verwandelst du alle Orte in Pilgerstätten.

11. Lieber Onkel, was du von unseren Bekannten und Freunden gehört oder gesehen? Sind die Nachkommen Yadus, die Krishna hingebungsvoll verehren, glücklich dort, wo sie leben?

12. Vom König so gefragt, beschrieb er genau, eines nach dem anderen, alles, was er erlebt hatte. Die Zerstörung der Yadu-Dynastie erwähnte er nicht.

13. Weil er seine Verwandten nicht betrüben wollte, war Vidura so taktvoll nicht von dieser unangenehmen und unerträglichen Erscheinung zu sprechen.

14. So blieb der Weise, mit allen Annehmlichkeiten versehen wie ein Gott, für einige Tage bei ihnen. Er erwies seinem älteren Bruder Gutes, wodurch alle beglückt wurden.

15. Solange Vidura im Körper eines Shudra lebte, wozu er durch den Weisen Manduka für hundert Jahre verflucht worden war, übte Aryama die Aufgabe Yamas aus, die Sünder in angemessener Weise zu bestrafen.

(Yama ist der Herrscher der Unterwelt. Als einer der zwölf Mahajanas – wie z.B. auch Brahma, Narada, Shiva, Bhisma – hat er aber auch die Aufgabe die Menschen Weisheit zu lehren. Dazu verließ er die Unterwelt und inkarnierte als Vidura. Weil es in der Unterwelt aufgrund des großen Andrangs sehr viel Arbeit gibt, hatte Yama während seiner Inkarnation als Mensch in der Unterwelt einen Vertreter: Aryama.)

16. Yudhistira, der das Reich seines Vaters wieder gewonnen hatte und sah, dass ein zum Herrscher geeigneter Enkel geboren worden war, genoss zusammen mit seinen Brüdern, welche alle ausgezeichnete Regenten waren, ein Leben in ungewöhnlichem Reichtum.

17. Die unüberwindliche, ewige Zeit überwältigt unbemerkt jene, die zu sehr an Familien-Angelegenheiten hängen, in ungesunder Weise darin verwickelt und in ihren Gedanken davon besetzt sind.

18. Im Wissen darum sprach Vidura zu Dhritarasthra: O König, ziehe dich sofort und unverzüglich von hier zurück. Sieh nur, wie Furcht dich bereits überkommt.

19. In dieser materiellen Welt gibt es keinerlei Mittel diese Furcht zu überwinden, o Herr, denn es ist Furcht vor dem Glücklichen, welcher in Gestalt der ewigen Zeit sich uns naht.

20. Unvermeidlich durch den Lauf der Zeit überwältigt muss ein jeder sein Leben, wie lieb es ihm auch sei, aufgeben, nicht zu reden von seinem Reichtum und allem, was er erworben hat.

21. Nun da dein Vater, dein Bruder, deine Verwandten und Söhne alle tot sind, dein Leben abgelaufen und dein Körper von Altersschwäche gezeichnet ist, lebst du sozusagen im Hause von jemand anders.

22. Du bist blind seit deiner Geburt, hörst nicht mehr gut, dein Gedächtnis hat nachgelassen und nun fallen auch deine Zähne aus. An der Leber hast du Beschwerden, und du hustest laut Schleim aus.

23. O weh, wie machtvoll ist die Anhänglichkeit der Lebewesen an das Leben! Sie ist so stark, dass sie dich, wie einen Hund im Hause, die Reste von Bhimas (seines Pandava-Neffen) Teller essen lässt.

24. Wie kannst du leben von der Gnade derer, die du verbrennen und vergiften wolltest, deren Ehefrau du beleidigt und deren Königreich du an dich gerissen hast?

25. Ob es dir recht ist oder nicht, du wirst, so sehr du dein Leben auch schätzt, dich damit abfinden müssen, dass dieser elende Leib verschleißt und verschwinden wird wie ein altes Gewand.

26. Es heißt, jemand ist selbstbeherrscht, wenn er, von allen Verpflichtungen befreit, in Gleichmut akzeptiert, seinen materiellen Körper aufzugeben, wenn er ihn nicht mehr recht gebrauchen kann.

27. Der ist sicherlich ein vorzüglicher Mensch, der durch eigene Einsicht oder oder durch andere belehrt in dieser Welt zum Bewusstsein erwacht, dem Verhaftet-Sein an die Materie entsagt und aus seinem Hause fortgeht, geführt durch den Herrn in seinem Herzen.

28. Darum gehe fort nach Norden, ohne deine Verwandten wissen zu lassen, wohin, denn bald wird eine Zeit anbrechen, in der die guten Eigenschaften der Menschen allgemein abnehmen.

29. Nachdem er dies vernommen hatte, zerbrach der alte König aus der Ajamidha-Dynastie, in Respekt vor der Weisheit seines jüngeren Bruders Vidura, standhaft die starken Familienbande und ging fort auf dem Pfad der Befreiung, geführt durch seine inneren Augen.

30. Ihrem Gemahl, welcher sein Haus verließ, folgte die edle, reine, getreue Tochter König Subalas (Gandahri) ins Himalaya-Gebirge, das die Freude jener ist, welche den Stab der Entsagung ergreifen wie Kämpfer, die eine gerechte Züchtigung durch den Feind auf sich nehmen.

31. Jener, der ohne Feinde war, (Yudhisthira) hatte in dieser Zeit die Götter verehrt mit Feuer-Opfern, Verneigungen und Spenden von Getreide, Kühen, Land und Gold an die Brahmanen. Als er in den Palast zurückehrte, um seine alten Verwandten respektvoll zu begrüßen, konnte er seine beiden Onkel und seine Tante Gandhari nicht finden.

32. Voller Besorgnis wandte er sich an Sanjaya, den Sohn Galvaganas (den Sekretär Dhritarasthras), der dort saß, und fragte ihn: Wo ist unser alter Onkel, der sein Augenlicht verloren hat?

33. Wo sind mein mir wohlgesonnener Onkel Vidura und meine Tante Gandhari, welche um ihre gefallenen Nachkommen trauerte? Hat der alte König mir übel genommen, dass seine Söhne durch mich ums Leben gekommen sind, und sich zusammen mit seiner Gattin vor Kummer im Ganges ertränkt?

34. Nach dem Fall meines Vaters, König Pandu, waren unsere Onkel im unserer Kindheit unsere wohlmeinenden Beschützer. Wohin sind sie gegangen?

35. Suta sprach: Sanjaya war unfähig zu antworten, so sehr war er besorgt und von Schmerz erfüllt, seinen Herrn nicht zu sehen, und so sehr bestürzt über die Trennung.

36. In Gedanken an die Füße seines Herrn wischte er mit den Händen die Tränen aus seinem Gesicht und versuchte mit aller Kraft die Fassung wieder zu gewinnen, um Yudhisthira antworten zu können.

37. Er sprach: Ich weiß nichts von dem Entschluss deiner Onkel oder Gandharis, o Nachkomme der Kuru-Dynastie. Die großen Seelen haben mich im Unklaren gelassen.

38. Darauf erschien der glückliche Narada mit seinem Musikinstrument. Yudhisthira und seine Brüder erhoben sich von ihren Sitzen, verneigten sich vor dem Weisen und hießen ihn mit der rechten Ehrfurcht willkommen.

39. Yudhisthira sprach: O Glücklicher, ich weiß nicht, wohin meine Onkel und meine asketisch lebende Tante, welche so sehr um ihre gefallenen Söhne trauert, gegangen sind.

40. Wie der Kapitän eines Schiffes auf dem Ozean bist du, o Glücklicher, unser Führer auf die andere Seite. So angeredet begann der glückliche Narada, der größte unter den ewigen Weisen, zu sprechen:

41. O König, niemals klage aus irgendeinem Grunde, denn du stehst unter der Herrschaft des höchsten Herrn. Alle Wesen auf der Welt und ihre Herrscher bitten ihn um seinen Schutz. Er ist derjenige, der alle zusammen bringt und wieder zerstreut.

42. Wie eine Kuh an einem Strick durch die Nase geführt wird, so sind wir Menschen durch die Bande der Hymnen und Belehrungen in den Veden geführt gemäß dem Willen des Höchsten.

43. Wie in der Welt Spielzeug nach Belieben zusammengesetzt und wieder auseinander genommen wird, so geschieht es auch, dass wir Menschen im Spiel des Herrn zusammen gebracht und wieder getrennt werden.

44. Ob man Personen für ewig hält (als Seelen) oder für vergänglich (als Körper), für beides (als verkörperte Seelen) oder für keines davon (als die absolute Wahrheit), bilden sie niemals einen Grund zur Klage. Man klagt nur, wenn man gefühlsmäßig gebunden oder im Denken verwirrt ist.

45. Darum, o König, lass ab von der Besorgnis, die du nur fühlst aus Mangel an Selbsterkenntnis, und höre auf darüber nachzudenken, wie diese hilflosen armen Geschöpfe ohne dich überleben können.

46. Wie könnte dein Körper, der aus den fünf Elementen besteht und der Zeit, dem Gesetz von Ursache und Wirkung und den Qualitäten der Natur unterworfen ist, fähig sein andere vor einer Schlange zu beschützen, von der er selbst gebissen wird?

47. Jene, die keine Hände haben (die Tiere), sind denen ausgeliefert, die Hände haben (den Menschen); jene ohne Beine (Pflanzen) sind den Vierbeinern ausgeliefert; die Schwächeren sind den Stärkeren ausgeliefert, und so ernährt das Lebendige sich vom Lebendigen.

48. Darum habe nur Augen für jenen, der durch seine Macht der Illusion als das Verschiedene erscheint. Er, o König, ist der Glückliche, der Eine ohne Zweites, die Allseele, die selbst-leuchtend sich manifestiert als das Objekt sowohl wie als das Subjekt der Erkenntnis.

49. O König, der Glückliche, der Vater alles Geschaffenen, ist gegenwärtig in dieser Welt in einer zeitlichen Form erschienen, um zu vernichten, was den Göttern feindlich ist.

50. Der höchste Herr hat sein Vorhaben im Dienste der Götter bereits ausgeführt. Wartet ab und beobachtet, was er weiter tut, solange er noch in dieser Welt weilt.

51. Dhritarashthra, sein Bruder Vidura und seine Gattin Gandhari haben sich aufgemacht nach der südlichen Seite des Himalaya, wo die Weisen ihre Einsiedeleien haben.

52. Der Ort ist bekannt als Saptasrota (sieben Quellen), weil dort der Fluss der Himmel (der Ganges) entspringt und sich in sieben Arme teilt zur Freude aller Wesen.

53. Dhritarashthra nimmt dort regelmäßig ein Bad, bringt Feueropfer dar , wie es vorgeschrieben ist, und trinkt nur Wasser. So kann er Geist und Sinne vollständig beherrschen und sich von der Anhänglichkeit an seine Familie befreien.

54. Indem er die Asanas (Yoga-Haltungen) beherrscht, den Atem kontrolliert, die sechs Sinne zurücknimmt und sich in den höchsten Herrn versenkt, kann er die Verunreinigung durch Leidenschaft, Gutheit und Unwissenheit (die drei Grund-Eigenschaften der materiellen Natur) besiegen.

55. Wenn ein lebendes Wesen seine gereinigte Persönlichkeit im Selbst festhält, geht seine Seele (Atman) in der höchsten Wirklichkeit (Brahman) auf, wie der Raum in einem Topf aufgeht im universellen Raum.

56. Mit dem Enden der Eigenschaften der materiellen Natur und dem Aufheben ihrer Wirkungen kommen Sinneswahrnehmung und Aktivität des Gemüts zum Erliegen; denn sie werden nicht mehr genährt, wenn jemand konzentriert und bewegungslos dasitzt und allen Pflichten entsagt, die ihn daran hindern könnten.

57. O König, mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Dhritarasthra seinen Körper heute in fünf Tagen verlassen, und dieser wird von selbst zu Asche werden.

58. Wenn seine treue Gattin von draußen sieht, wie der Körper ihres Gemahls zusammen mit seiner Einsiedelei in Flammen aufgeht, wird sie ihm mit vollem Bewusstsein in dieses Feuer folgen.

59. Vidura wird dieses wunderbare Ereignis mit einer Mischung aus Freude und Schmerz beobachten, o Sohn der Kuru-Dynastie, und dann von dort aus zu einer inspiriernden Pilgerfahrt aufbrechen.

60. Nach diesen Worten erhob sich Narada mit seinem Saiteninstrument in den Himmel. Yudhisthira nahm sich seine Belehrungen zu Herzen und hörte auf zu klagen.

Samstag, 30. Oktober 2010

1.12 Parikchits Geburt

1. Saunaka sprach: Das ungeborene Kind Uttaras, das im Mutterleib große Qualen erlitten hatte durch die extreme Hitze aus der Brahmastra-Waffe, welche Asvatthama abgefeuert hatte, war von Krishna wieder ins Leben zurückgeholt worden.

2. Wie fand die Geburt des Herrschers Parikchit statt, der sehr weise und eine große Seele war? Wie war sein Untergang und was vollbrachte er im Sterben?

3. Bitte erzähle es uns, denn wir hegen großen Respekt für dich, dem Suka das Wissen überliefert hat. Wir alle möchten hören, was du für wert hältst über Parikchit zu berichten.

4. Suta sprach: König Yudhisthira mehrte durch seine Regierungsweise den Wohlstand, wie es auch schon sein Vater getan hatte, indem er seine Untertanen erfreute. Er herrschte ohne Begierde nach persönlichem Vorteil und Sinnengenuss, denn er verehrte die Füße Krishnas, des Herrn.

5. Seine Berühmtheit wegen seines Reichtums, seiner Opfer, seines Landes, seiner Königinnen, seiner Brüder und seiner Herrschaft verbreitete sich über die drei Welten.

6. Aber wie ein hungriger Mensch nur durch Speise zufrieden gestellt werden kann und durch nichts anderes, so war der König, ihr Brahmanen, in seinem Hunger nach dem Göttlichen nicht zu beeindrucken durch alle Genüsse der Sinne, nach welchen sogar die Bewohner des Himmels streben.

7. Als Parikchit, der große Kämpfer, im Leib seiner Mutter unter der Hitze von der Brahmastra litt, o Saunaka, schaute er in einer Vision die ursprüngliche göttliche Person.

8. Er erblickte den Makellosen, Unfehlbaren, nicht größer als ein Daumen, sehr schön anzuschauen, von schwärzlicher Farbe, mit einem Helm aus funkelndem Gold und gekleidet in Blitze.

9. Mit dem Reichtum seiner vier Arme, Ohrringen aus reinstem Gold, blutroten Augen und einer Keule in der Hand bewegte er sich geschwind umher und wirbelte die Keule wie eine Fackel.

10. Vor den Augen des kleinen Kindes brachte er auf diese Weise die Strahlung von der Brahmastra zum Verschwinden, wie die Sonne Tautropfen verdunsten lässt.

11. Als das Kind beobachtet hatte, wie der Glückliche, die alles durchdringende Überseele, welche überall zugleich ist, der Beschützer der Rechtschaffenheit, das grelle Licht neutralisiert hatte, verschwand der höchste Herr plötzlich vor seinen Augen.

12. Sobald sich dann alle guten Vorzeichen entwickelt und die Sterne eine günstige Position eingenommen hatten, wurde das Kind geboren, der Erbe Pandus, welcher in seinen guten Eigenschaften ihm gleich werden sollte.

13. König Yudhisthira war hoch erfreut und ließ von den Brahmanen Dhaumya, Kripa und anderen die Geburts-Riten vollziehen und glückverheißende Hymnen rezitieren.

14. Da der König wusste, wie Mildtätigkeit anlässlich der Geburt eines Sohnes zu üben war, belohnte er die Brahmanen für ihren Dienst reichlich mit Gaben von Gold, Kühen, Land, Häusern, Elefanten und gutem Getreide.

15. Sehr erfreut dankten die Brahmanen dem König als dem Oberhaupt der Purus [genannt nach dem Stammvater König Puru], und versicherten ihm ihre Loyalität gegenüber dem neuen Spross der Puru-Dynastie.

16. Sie sprachen: Damit du in ihm gesegnet seiest, hat Vishnu, der Allmächtige, Alles-Durchdringende, diesen makellosen Sohn vor der Vernichtung durch die unaufhaltsame übernatürliche Waffe bewahrt.

17. Darum soll er in allen Welten bekannt werden als einer, der beschützt ist durch den Namen Vishnus. Zweifellos wird er ein sehr glücklicher Verehrer des Höchsten werden, begabt mit allen guten Eigenschaften.

18. Der gute König sprach: Ihr Besten der Wahrhaftigen, wird er in die Fußstapfen all der großen Seelen in dieser Dynastie weiser Könige treten? Wird er ihrem Namen Ehre machen durch herrliche Taten?

19. Die Brahmanen antworteten: O Sohn Kuntis, er wird der Erhalter aller lebenden Wesen sein ganz wie König Ikshvaku, der Sohn Manus, und er wird seinen Versprechungen treu sein und respektvoll gegenüber den Brahmanen wie Rama, der Sohn Dasarathas.

20. Er wird so mildtätig sein wie König Sibi von Usinara und die Bedürftigen beschützen, und wie Bharata, der Sohn Dushyantas, welcher viele Opfer vollzog, wird er den Namen und den Ruhm seiner Familie verbreiten.

21. Unter den Bogenschützen wird er so gut sein wie die beiden Arjunas (sein Großvater und der König von Haihaya); er wird so unbesiegbar sein wie Feuer und so unüberwindlich wie der Ozean.

22. Er wird so mächtig sein wie ein Löwe, Zuflucht gewährend wie das Himalaya-Gebirge, fruchtbar wie die Erde und tolerant wie Eltern.

23. Er wird so gut sein wie der Ur-Vater Brahma, so freigiebig und gleichmütig wie Shiva und die Zuflucht aller Wesen wie Vishnu, der höchste Herr.

24. Er wird in die Fußstapfen Krishnas treten in der Herrlichkeit aller göttlichen Tugenden, er wird die Großherzigkeit König Rantidevas besitzen und die Rechtschaffenheit Yayatis.

25. Er wird so geduldig sein wie der Herrscher Bali, so hingebungsvoll an Krishna wie Prahlada, wird Pferde-Opfer darbringen und den Alten und Erfahrenen folgen.

26. Er wird Könige voller Weisheit hervorbringen und Emporkömmlinge, Störenfriede und Streitsüchtige züchtigen um der rechten Ordnung der Welt willen.

27. Wenn er von seinem leiblichen Tode hört, welcher verursacht wird durch einen Schlangenvogel aufgrund eines Fluches durch den Sohn eines Brahmanen, wird er sich von allen Bindungen befreien und Zuflucht suchen zu Füßen Vishnus, des Herrn.

28. Er wird sofort zum Ufer des Ganges aufbrechen, dort von dem weisen Sohn Vyasas über die rechte Selbsterkenntnis belehrt werden und ein Leben in Furchtlosigkeit erlangen. Dann wird er, o König, seinen materiellen Körper verlassen.

29. Nachdem die Weisen, die der Astrologie und der Geburtszeremonien kundig waren, dem König dieses alles dargelegt hatten und großzügig belohnt worden waren, kehrten sie zu ihren Wohnstätten zurück.

30. O Saunaka, dieser Sohn wurde in der Welt bekannt als Parikchit, der Prüfende, denn er prüfte einen jeden Menschen auf der Suche nach der höchsten Person, welche ihm vor seiner Geburt erschienen war, und die er beständig im Geiste vor Augen hatte.

31. Unter der Obhut seiner Mutter und seiner Großeltern (sein Vater war einer der jungen Prinzen, die von Asvatthama ermordet worden waren) wuchs der Königssohn sehr bald heran und mit ihm seine ihm prophezeiten Gaben, so wie der zunehmende Mond von Tag zu Tag voller wird.

32. König Yudhisthira hatte den Wunsch ein Pferde-Opfer darzubringen, das ihn von der Gewissenslast befreien sollte, welche er sich durch den Kampf gegen seine Verwandten aufgeladen hatte. Er überlegte, wie er die Mittel dafür aufbringen könnte, denn seine Einkünfte bestanden nur in Steuern und Zöllen.

33. In Respekt für den Wunsch seines Gewissens zogen seine Brüder gemäß dem Rat des Unfehlbaren (Krishnas) nach Norden, um genügend Reichtümer zu erwerben.

34. Von dem erworbenen Reichtum brachte der Sohn Dharmas (Yudhisthira) in seiner Gewissensnot drei Pferde-Opfer dar, wodurch er Vishnu in vollkommener Weise verehrte.

35. Der Glückliche (Krishna), der vom König eingeladen war, die Brahmanen bei den Opfern zu unterstützen, blieb noch einige Monate dort seinen Verwandten zuliebe.

36. Danach, ihr Brahmanen, kehrte er mit der Erlaubnis der Königs, Draupadis und seiner anderen Verwandten zurück nach Dvaraka, begleitet von Arjuna und anderen Mitgliedern der Yadu-Dynastie.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

1.11 Krishnas Einzug in Dvaraka

1. Suta sprach: Als Krishna die Grenze des Landes der Anartas (derer, die frei von Unerwünschtem sind, Dvaraka) erreichte, blies er sein glückverheißendes Muschelhorn zum Zeichen seiner Ankunft in seiner eigenen blühenden Hauptstadt, wodurch die Niedergeschlagenheit ihrer Bewohner für aller Augen sichtbar beendet wurde.

2. Das strahlende Weiß der bauchig-runden Muschelschale, obgleich es von den Lippen des großen Abenteurers gerötet wurde, sah aus wie ein Schwan, der sich an die Stängel von Lostosblüten schmiegt, als er das Muschelhorn in seiner lotosgleichen Hand hielt und es lautstark ertönen ließ.

3. Als sie den Klang gehört hatten, der bedrohlich ist für die Furcht selbst, begaben sich alle Einwohner schnell in die Richtung, aus welcher der Ton kam, um ihren so lange erwarteten Beschützer zu treffen.

4.-5. Dann hielten sie eine Begrüßungszeremonie für ihn, was zu vergleichen ist damit, der Sonne eine Lampe zu präsentieren, denn er ist der in sich selbst Ruhende, sich selbst Genügende, der sie in seiner Macht immerzu mit allem versorgte, was sie brauchten. Mit heiteren, liebevollen Gesichtern hielten sie in freudiger Ekstase Reden für ihn als ihren Vater, wie Freunde und Schützlinge es für ihren Beschützer tun.

6. Sie sprachen: O Herr, wir haben uns immer vor deinen Lotosfüßen verneigt, wie man Brahma und seine Söhne und den Gott Indra verehrt. Denn du bist für jene, die das höchste Glück in diesem Leben erlangen möchten, der transzendente höchste Herr, über den die Zeit keine Macht hat.

7. Um unseres Glücks willen bist du der Schöpfer der Welt und bist uns auch Mutter, Wohltäter, Gemahl, Vater und geistlicher Lehrer. Indem wir deinen Fußspuren folgen, du höchste, verehrungswürdige Gottheit, ergeht es uns wohl.

8. Wie froh sind wir deine überaus glückverheißende Gestalt zu erblicken und wieder unter dem Schutz deiner Güte zu stehen, denn selbst für die Götter ist dein liebevoll zärtlich lächelndes Antlitz ein seltener Anblick.

9. Immer wenn du, o Lotosäugiger, uns verlässt um deine Freunde und Verwandten bei den Kurus (in Hastinapura) und das Volk von Mathura zu besuchen, scheint uns jeder Augenblick eine Million Jahre zu dauern, und unsere Augen sind dann so unnütz, als ob die Sonne nicht schiene, o du Unfehlbarer.

10. Wie können wir, o Herr, wenn du abwesend bist, leben ohne das Geschenk deines Blickes, welcher das Elend der Welt überwindet? Wie können wir leben, ohne dein schönes, gewinnend lächelndes, geschmücktes Antlitz zu sehen? Unter dem Klang dieser Worte der Bürger betrat Krishna die Hauptstadt von Dvaraka, er, der so freundlich zu seinen Verehrern ist, dass auch sie durch seine Blicke Freundlichkeit lernen.

11. Wie die Stadt Bhogavati beschützt wurde von den Nagas, so wurde Dvaraka beschützt durch die Nachkommen Vrishinis (Krishnas Familie) wie Bhoja, Madhu, Dasarha, Arha, Kukura, Andhaka (alle zusammen wurden sie die Yadus genannt), die alle so stark waren wie Krishna selbst.

12. Zu allen Jahreszeiten gab es dort sehr üppige Obst- und Blumengärten und Parks mit heiligen Bäumen, Kletterpflanzen und Einsiedeleien, umgeben von Seen voller Lotosblumen, wodurch der Stadt besondere Schönheit verliehen wurde.

13. Das Stadttor und die Tore an den Straßen waren festlich geschmückt mit bemalten Bögen und Flaggen, die viele berühmte Wappen trugen und Schutz vor der Sonne boten.

14. Straßen, Gassen und Marktplätze waren gründlich gesäubert, besprengt mit duftendem Wasser und bestreut mit Früchten, Blumen und Samenkörnern.

15. An der Tür jedes Wohnhauses befand sich ein Altar mit vergorener Milch, ganzen Früchten, Zuckerrohr, Schmuck, mit Wasser gefüllten Gefäßen und Gegenständen für den Gottesdienst wie Räucherwerk und Lichtern.

16. -17. Bei der Nachricht, dass ihr Liebster nach Hause kam, war seine Familie wie elektrisiert vor Freude: sein Vater Vasudeva und der großherzige Akrura, Ugrasena, der übermenschlich mächtige Balarama (Krishnas älterer Bruder), Pradyumna, Carudeshna und Samba, der Sohn Jambavatis, und sie alle sprangen auf von ihrem Lager, ihrem Sitz oder ihrer Mahlzeit.

18. In einem Festzug, angeführt von den königlichen Elefanten, welche von den Brahmanen mit glückverheißenden Symbolen geschmückt worden waren, beim Klang von Muschelhörnern und unter lobpreisendem Gesang von Hymnen eilte die Familie auf Wagen, voller Freude, Liebe und Respekt, ihm entgegen.

19. Hunderte von Hofdamen folgten auf ihren Fahrzeugen, sehr begierig ihn zu treffen, geschmückt mit blitzenden Ohrgehängen, welche die Schönheit ihrer Gesichter hervorhoben.

20. Es kamen auch Schauspieler, Tänzer, Sänger, Geschichtenerzähler, Chronisten und gelehrte Redner, welche voller Inspiration auf ihre jeweilige Art die übermenschlichen Taten des Herrn priesen.

21. Der Glückliche ging auf jeden seiner Freunde und Untertanen, die ihn empfingen und willkommen hießen, zu und begrüßte sie einzeln mit der gebührenden Achtung und Höflichkeit.

22. Er, der Allmächtige, neigte sein Haupt vor ihnen, schaute sie mit ermunterndem Lächeln an, begrüßte sie mit Worten, umarmte sie, schüttelte ihnen die Hände und gab so allen seinen Segen, wie sie es wünschten, bis zum niedrigsten Untertanen.

23. Dann zog er ein in die Stadt in Begleitung der Ältesten und der Brahmanen sowie ihrer Ehefrauen, wo er auch willkommen geheißen wurde mit Lobeshymnen und Segensworten von anderen Verehrern.

24. O ihr Brahmanen, während Krishna durch die Hauptstraßen von Dvaraka zog, standen die vornehmen Damen auf den Dächern ihrer Paläste, um seinen Anblick genießen zu können.

25. Auch wenn sie schon daran gewöhnt waren ihn anzuschauen, konnten die Einwohner von Dvaraka nie genug von dem bezwingenden Anblick der schönen Gestalt bekommen, in welcher der Unfehlbare sich verkörpert hatte.

26. In seiner Brust residiert die Göttin des Glücks, in der Schale seines Antlitzes finden die Augen labenden Trank, seine Arme sind die Wohnstatt der herrschenden Götter, und seine Lotos-Füße sind der Schutz seiner singenden und betenden Verehrer.

27. Wie er mit einem weißen Sonnenschirm, umgeben von Fächern und mit Schauern von Blumen übergossen durch die Straßen fuhr, sah er mit seinen gelben Gewändern und den Kränzen von Blumen aus wie eine Wolke, welche von Sonne, Mond, Blitzen und Regenbogen zugleich umgeben ist.

28. Nachdem er sein elterliches Haus betreten hatte, wurde er umarmt von seinen sieben Müttern, die voller Freude herbei kamen, angeführt von (seiner leiblichen Mutter) Devaki, vor der er ehrfuchtsvoll sein Haupt neigte. (Gemäß den Schriften gibt es sieben Mütter: die leibliche Mutter, die Gattin des Priesters, des Lehrers, des Königs, die Kuh, die Amme und Mutter Erde; hier sind aber wohl die anderen Gemahlinnen Vasudevas gemeint.)

29. Als sie alle den Sohn auf den Schoß nahmen, füllten ihre Brüste sich mit Milch vor Mutterliebe und Freude, und er wurde benetzt von ihren Tränen der Rührung.

30. Danach begab er sich in seine eigenen Paläste, die alles in Fülle und Vollkommenheit boten, was man sich wünschen konnte, und wo seine Ehefrauen lebten, die über sechzehntausend zählten.

31. Als die Damen ihren Gemahl von ferne heimkommen sahen, wurden sie im Geiste von großer festlicher Freude erfüllt und erhoben sich sofort von ihren Sitzen und aus der Meditation mit züchtig gesenkten Blicken, wie es sich gehörte.

32. O Saunaka, zunächst schickten sie ihre Söhne zu ihm, während sie selbst den Gatten in unübertrefflicher Ekstase scheu in ihren Herzen umarmten. Obwohl sie ihre Tränen zurückhalten wollten, drangen sie ihnen wie Wassertropfen aus den Augen.

33. Obgleich er immer an ihrer Seite weilte, selbst wenn sie allein waren, schienen seine Füße für sie bei jedem Schritt immer neuer. Wer könnte sich denn auch von den Füßen des Ewigen lösen, welcher niemals von der Göttin des Glücks verlassen wird, wenngleich sie stets in Bewegung ist?

34. Er schuf die Feindschaft zwischen den Herrschern, wenngleich er selbst nicht daran Teil hatte, denn mit ihrer militärischen Machtansprüchen waren sie zu einer Bürde für die Erde geworden. Er verschaffte Erleichterung, indem er sie einander töten ließ, wie der Wind Feuer hervorruft durch die Reibung der Bambusrohre aneinander.

35. Der Glückliche erschien aus seiner eigenen schöpferischen Energie heraus in der Menschenwelt, um gemeinsam mit den würdigsten Frauen ein anscheinend weltliches Leben zu genießen.

36. Sie waren wundervolle Frauen, vollkommen schön und aufregend mit ihrem verführerischen Lächeln, wenn sie ihn aus den Augenwinkel heraus mit einer Ausstrahlung anschauten, vor der selbst der Liebesgott seinen Bogen sinken lassen müsste, und dennoch konnten sie mit ihrem Zauber niemals seine Sinne verwirren.

37. Wenn gewöhnliche Menschen sehen, wie Krishna trotz seiner Losgelöstheit in der Welt handelt, halten sie ihn in ihrer Unwissenheit für einen Menschen, der wie sie selbst an den weltlichen Dingen haftet.

38. Die Göttlichkeit des Höchsten ist von der Art, dass er, obgleich in Kontakt mit der materiellen Natur, niemals ihren Qualitäten unterworfen ist. Das selbe gilt für die Intelligenz derer, die immer in der Seele mit ihm verbunden sind und unter seinem Schutz stehen.

39. Die einfachen Frauen meinten in ihrer Unwissenheit Krishna sei ihnen gefügig und sie könnten ihn für sich allein haben, sofern sie sich nicht der Herrlichkeit ihres Gatten als des höchsten Herrn bewusst waren.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

1.10 Krishnas Abreise nach Dvaraka

1. Der Weise Saunaka fragte: Wie regierte König Yudhisthira, der Größte unter den strengen Befolgern des Rechts, zusammen mit seinen jüngeren Brüdern das Königreich, nachdem er die Angreifer getötet hatte, welche ihm sein rechtmäßiges Erbe streitig machen wollten? Herrschte eine Knappheit an Lebensmitteln?

2. Suta sprach: Nachdem das Feuer, das die Kuru-Dynastie gelegt hatte, ausgebrannt war, erfreute es Vishnu, den Erhalter der Schöpfung, den höchste Herrn, zu sehen, wie Yudhisthira in sein Königtum wieder eingesetzt wurde.

3. Nachdem er die Worte Bhismas und des Unfehlbaren vernommen hatte, war Yudhisthira, gefestigt in vollkommenem Wissen, von seiner Verwirrung befreit und regierte er, unterstützt von seinen jüngeren Brüdern und behütet durch den unbesiegbaren Herrn, über Land und Wasser wie Indra (der König des Himmels).

4. Es fiel aller Regen, der nötig war, die Erde brachte alles Erwünschte hervor, und die Kühe, mit gefüllten Eutern, düngten in Freude die Weiden.

5. Die Flüsse, Meere und Berge leisteten dem König zu jeder Jahreszeit ihre Steuer mit allen notwendigen Gemüsen, Kräutern und Heilpflanzen.

6. So wie es immer ist bei einem König, der keine Feinde hat, war niemals ein Lebewesen betroffen von Not, Krankheit oder klimatischen Härten durch sich selbst, durch die Natur oder durch andere.

7. Krishna blieb noch für einige Monate in Hastinapura, seinen Verwandten und seiner Schwester (Subhadra, der Gattin Arjunas) zu Gefallen.

8. Danach bat er darum Abschied nehmen zu dürfen, und es wurde ihm gewährt. Nachdem er den König umarmt und sich vor ihm niedergeworfen und seinerseits von anderen Ehrbezeigungen und Umarmungen empfangen hatte, bestieg er seinen Wagen.

9.-10. Subhadra, Draupadi, Kunti, Uttara und auch Dhritarasthra und Gandhari, Yuyutsu, Kripacarya, die Zwillingsbrüder (Nakula and Sahadeva), Bhima, Dhaumya sowie die Damen des Hofes und die Fischerstochter (Satyavati, die Stiefmutter Bhismas und Mutter Vyasas) fielen beinahe in Ohnmacht, so schwer wurde ihnen die Trennung von Krishna, dem mit der Muschelschale in der Hand.

11.-12. Wer von der Anhänglichkeit an das Materielle befreit worden ist durch die Gemeinschaft mit Weisen und den Herrn erkannt hat, wenn er auch nur einmal die schönen Geschichten von seiner Herrlichkeit hat erzählen hören, wird niemals auf den Gedanken kommen ihn wieder aufzugeben. Wie konnten die Pandavas es da ertragen von ihm getrennt zu sein, dem sie ihr Herz geschenkt hatten und den sie von Angesicht zu Angesicht gesehen, ihn berührt und zusammen mit ihm geschlafen, gesessen und gespeist hatten?

13. Sie alle schauten ihn unverwandt an, ohne die Augenlider zu bewegen, mit hingeschmolzenem Herzen vor lauter Liebe zu ihm, und begannen sich hin und her zu wiegen.

14. Die Damen der Familie, die aus dem Palast gekommen waren, gaben sich alle Mühe ihre Tränen zurückzuhalten, denn sie fürchteten, dass Tränen dem Sohn Devakis Unglück bringen könnten.

15. Aus diesem Anlass ertönten Mridangas (im Gottesdienst benutzte Trommeln), Muschelschalen, Hörner, Saiteninstrumente, Flöten, Trommeln sowie Kesselpauken, Schellen und andere Arten von Rhythmus-Instrumenten.

16. Um eine gute Sicht zu haben, stiegen die Damen der Kuru-Dynastie aufs Dach des Palastes, von wo aus sie Blumen über Krishna regnen ließen mit liebevollem, scheuem Lächeln.

17. (Arjuna), der Meister der Kampfkunst, überreichte seinem besten Freund, dem geliebtesten Herrn, einen bestickten Sonnenschirm, der mit Perlen und Spitze verziert war und einen Griff mit eingelegten Edelsteinen hatte.

18. Er, der Bezwinger Madhus (eines Dämons), saß auf seinem Wagen in einem Meer von gestreuten Blumen und erteilte seinem Wagenlenker Satyaki Befehle, während sein Cousin Uddhava ihm Kühlung zufächelte.

19. Von überall her waren aufrichtig respektvolle Segensworte von Brahmanen zu hören, zugleich passend und unpassend für den Absoluten in der Gestalt eines Menschen.

20. Die Damen in der Hauptstadt König Kurus waren von Herzen vertieft in Gespräche über ihn, der von den Schriften gepriesen wird, und ihre Gespräche klangen so lieblich wie die vedischen Hymnen:

21. Ihn behalten wir fürwahr in Erinnerung als die ursprüngliche göttliche Person, die unmanifestiert im Selbst existierte vor der Erschaffung der Natur mit ihren Qualitäten. Er ist das Allselbst, der höchste Herr, in welchen die Lebewesen eingehen, wenn ihre Energie im Tode zurückgenommen wird, wie die Sonne in der Nacht.

22. Wie in den Schriften offenbart ist, gibt der Herr durch die Macht seiner Person den ungeschaffenen Seelen von Zeit zu Zeit Namen und Formen in der geschaffenen materiellen Natur.

23. Er ist wahrlich die selbe göttliche Person, die auch die großen Yogis schauen, welche die Herrschaft über die Sinne und über ihr Leben erlangt haben, und diejenigen, die durch Hingabe einen gereinigten Geist entwickelt haben, denn nur mit vollkommen reinem Gemüt gelingt es den Herrn zu schauen.

24. Ihr Freundinnen, dies ist er, dessen hervorragende Taten in den geheimen Teilen der Veden beschrieben und von seinen vertrautesten Verehrern dargelegt werden. Er ist der eine und einzige höchste Herrscher über die ganze Schöpfung, ihr Selbst, das durch Manifestation von Handlungen schafft, erhält und zerstört, ohne davon berührt zu werden.

25. Immer wenn Herrscher, unwissend wie Tiere, gegen die Prinzipien rechten Handelns verstoßen, manifestiert er mit Sicherheit aus Güte seine höchste Macht, Wahrheit, Treue und Gnade in mannigfachen wunderbaren Taten, zum Wohle der Schöpfung in den verschiedenen Zeitaltern.

26. O wie höchst verehrungswürdig ist die Dynastie König Yadus und wie vorzüglich ist die Tugend des Landes Mathura, denn dort ist er erschienen und hat er seine Kindheit verbracht, der höchste Herr aller lebenden Wesen und Gemahl der Göttin des Glücks.

27. Wie wunderbar ist Dvaraka, das Land, welches die Tugend und den Ruhm der Erde vermehrt und die Herrlichkeit der himmlischen Welten übertrifft. Seine Bewohner können immer das verkörperte Selbst aller lebenden Wesen sehen, Krishna, der dort den Segen seines lächelnden Blickes ausgießt.

28. O ihr Freundinnen, die Frauen, die er geheiratet hat, verehrten sicherlich in früheren Leben den höchsten Herrn in vollkommener Weise durch Gelübde, Waschungen und Feuer-Zeremonien, so dass sie nun immer wieder den Nektar von seinen Lippen kosten dürfen. Die jungen Mädchen von Vajra fielen häufig in Ohnmacht bei dieser Vorstellung.

29. Von der Herrin Dvarakas (seiner Gattin Rukmini), welche er bei der öffentlichen Auswahl des Bräutigams gewann als Preis, den die mächtigen, schikanösen Könige unter der Führung von Sisupala ausgesetzt hatten, und von anderen Ehefrauen, welche er auf ähnliche Weise gewonnen hatte, indem der Tausende von Königen tötete, bekam er Pradyumna, Samba, Amba und andere Kinder.

30. Alle seine Gattinnen, sowohl die sehr hochgestellten Damen als auch die einfachen Frauen, die durch ihn verklärt wurden, berührt der Gemahl mit den Lotosaugen ohne Unterschied, indem er sich ihnen im Herzen zeigt, so dass sie niemals ohne ihn sein müssen.

31. So sprachen die Damen in der Hauptstadt über den Herrn und priesen ihn, während er ihnen im Vorüberfahren die Gnade seines Anblicks gewährte und sie mit einem Lächeln auf den Lippen grüßte.

32. König Yudhisthira, (der ohne Feinde) stellte aus liebevoller Besorgnis vier Divisionen von Soldaten bereit (zu Pferd, auf Elefanten, in Steitwagen und zu Fuß), die Krishna vor Angriffen schützen sollten.

33. Nachdem die Pandavas, von Schmerz erfüllt über die baldige Trennung, ihn über eine lange Strecke begleitet hatten, überredete Krishna sie höflich und liebevoll, aber bestimmt, zurückzukehren. Dann zog er mit seinen Freunden und Begleitern weiter nach seiner eigenen Stadt (Dvaraka).

34.-35. O Saunaka, die Reise führte ihn durch Kurujangala (die Provinz Delhi) und Pancala (ein Teil der Provinz Punjab), Surasena und Brahmavarta (im Norden der Provinz Uttar Pradesh), durch die Gebiete entlang dem Fluss Yamuna, vorbei an Kurukshetra (wo die Schlacht stattgefunden hatte), dann durch die Provinzen Matsya und Sarasvatan. Weiter durch das Land der Wüste (Rajasthan) und das Land, wo fast kein Wasser gibt (Madhya Pradesh). Nachdem er dann durch die Provinzen Sauvira (Saurastra) and Abhira (ein Teil von Gujarat) gekommen war, erreichte im Westen die Provinz Dvaraka, und seine Pferde waren nur wenig ermüdet von der langen Reise.

36. An verschiedenen Orten wurde der Herr von den dortigen Bewohnern willkommen geheißen, verehrt und beschenkt. Am Abend, als die Sonne am westlichen Himmel untergegangen war, gelangte er ans Meer.

Samstag, 25. September 2010

1.9 Das Sterben Bhismas in Gegenwart Krishnas

1. Suta sprach: Yudhisthira, der von Angst gequält war, weil er den Tod seiner Untertanen auf dem Gewissen hatte, wollte ganz und gar verstehen lernen, was seine Pflicht war, und begab sich deshalb auf das Schlachtfeld, wo Bhisma im Sterben lag.

2. Dorthin folgten ihm alle seine Brüder, ihr Brahmanen, auf ihren goldverzierten Streitwagen, die von den besten Pferden gezogen wurden, sowie auch die Weisen Vyasa, Dhaumya (der Priester der Pandavas) und andere.

3. Auch der Glückliche folgte ihnen zusammen mit Arjuna im Streitwagen, ihr Weisen, und der König mit seinen Begleitern sah so prachtvoll aus wie Kuvera (der Schatzmeister der Götter) mit seinen Gefährten.

4. Als sie Bhisma am Boden liegen sahen wie einen vom Himmel gefallenen Halbgott, verneigte sich Yudhisthira, der Sohn Pandus, vor ihm zusammen mit seinen jüngeren Brüdern und mit Krishna, dem Herrn des Diskus.

5. Um das Oberhaupt der Nachkommen des Königs Bharata (des gemeinsamen Vorfahren) zu sehen, waren dort die Weisen unter den Brahmanen versammelt, die Weisen unter den Göttern und die Weisen unter den Königen, alle voller Tugend:

6.-7. Parvata, Narada, Dhaumya, der glückliche Vyasa, Brihadasva, Bharadvaja und Parasurama mit ihren Schülern, auch Vasistha, Indrapramada, Trita, Gritsamada, Asita, Kakshivan, Gautama, Atri and Kausika sowie Sudarsana.

8. O ihr Brahmanen, auch viele andere Weise wie Suka und solche ganz reinen Seelen wie Kasyapa und Angirasa kamen dort an in Begleitung ihrer Schüler.

9. Bhisma, der Beste unter den Vasus, der wohl wusste, wie man sich in allen Zeiten und Umständen recht und angemessen verhält, hieß die Großen und Mächtigen willkommen, die sich dort versammelt hatten.

10. Er begrüßte auch ehrfurchtsvoll Krishna, den Herrn des Universums, der im Herzen wohnt und durch die Kraft der Maya eine Gestalt manifestiert hatte und dessen Ruhmestaten er kannte.

11. Als er die Söhne Pandus schweigend an seiner Seite sitzen sah, gratulierte Bhisma ihnen warmherzig. Er war überwältigt von Gefühlen der Liebe angesichts dieses Zusammentreffens und Tränen der Rührung traten in seine Augen.

12. Er sprach: O welche Schmerzen, o welch schreckliche Ungerechtigkeit hattet ihr guten Seelen, ihr Söhne der Rechtschaffenheit, zu ertragen, die ihr ein Leben voller unverdienter Leiden bestehen musstet, obwohl ihr unter dem Schutz der Brahmanen, eurer rechten Gesinnung und des Unfehlbaren (Krishnas) steht.

13. Nach dem Tode des großen Feldherrn Pandu hatte meine Schwiegertochter Kunti euretwegen viel Bedrängnis zu ertragen, und dies blieb auch so, als ihr erwachsen wart.

14. Ich denke, alles Leidvolle ist die unvermeidliche Auswirkung der Zeit, von der ihr genauso beherrscht und getrieben seid wie die jeder auf der Welt, so wie der Wind die Wolken vor sich her treibt.

15. Wie sonst könnte Unglück geschehen bei einem Herrscher wie Yudhisthira, dem Sohn Dharmas, bei Bhima mit seiner mächtigen Keule, bei Arjuna mit seinem Bogen Ghandiva und bei unserem Verwandten und Wohltäter Krishna?

16. Niemand kennt den Plan des Höchsten, o König, selbst große Philosophen, die sich mit erschöpfenden Abhandlungen befassen, sind verwirrt.

17. Daher versichere ich dir, o Bester unter den Nachkommen Bharatas, dass dies alles einzig und allein durch die Vorsehung des Höchsten geschah, durch seine Absicht. O Herr und König, kümmere dich nun um deine Untertanen, die der Hilfe bedürfen.

18. Er (Krsihna), der unbegreiflicher Weise in der Vrishni-Familie geboren wurde, ist niemand anders als der Glückliche, die ursprüngliche, erste und höchste Person Narayana, der jeden durch seine Schöpferkraft in Erstaunen setzt.

19. O König, es sind nur Shiva, der göttliche Weise Narada und der große Kapila, die unmittelbare Kenntnis von den verborgensten Herrlichkeiten des Glücklichen haben.

20. Er ist die selbe Person, die du als deinen Cousin mütterlicherseits betrachtest, als deinen besten Freund, vertrauten Wohltäter, Ratgeber, Botschafter und bereitwilligen Wagenlenker.

21. Er, der im Herzen eines jeden gegenwärtig ist, allen gleichermaßen freundlich zugewandt, nicht-identifiziert mit dem materiellen Ich, ist in seinem Bewusstsein und in allem, was er tut, immer frei von Verhaftung und Parteilichkeit.

22. Dennoch, o König, sieh wie Krishna, der allen seinen Verehrern unterschiedslos zugewandt ist, freundschaftlich zu mir persönlich gekommen ist um mir am Ende meines Lebens zur Seite zu stehen.

23. Die ihm in Liebe Verbundenen, die seinen Namen beständig hingebungsvoll in ihrem Geiste rezitieren, finden, wenn sie ihren Körper verlassen, Befreiung von den Früchten ihrer Handlungen.

24. Möge er, der Gott der Götter, der Glückliche, der Vierarmige, den ich immer meditierend verehrt habe, mich mit seinem heiteren Lächeln erwarten, wenn ich diesen Körper verlasse, mit Augen der Morgensonne gleich, welche die Lotosblume seines Antlitzes zieren.

25. Suta sprach: Als Yudhistira ihn, der auf einem Bett aus Pfeilen lag, so sprechen hörte, befragte er ihn über die verschiedenen Pflichten, während auch die Weisen zuhörten.

26. Bhisma beschrieb die verschiedenen Kasten und Ordnungen des Lebens, in welche die Menschen gemäß ihren Veranlagungen eingebunden sind, und erklärte systematisch die Anzeichen von Anhaften und Befreiung.

27. Er erläuterte die Pflichten der Mildtätigkeit, die Pflichten eines Herrschers und den Weg zur Befreiung mit ihren jeweiligen Einteilungen und gab eine allgemeine und detaillierte Darstellung über die Pflichten der Frauen und der kontemplativ Lebenden.

28. Als Kenner der Wahrheit, ihr Weisen, erläuterte er die vier Grund-Tugenden Rechtschaffenheit, Wohlstand, Sinnengenuss und Befreiung, wie sie in den historischen Geschichten beschrieben sind, wobei er aus verschiedenen bekannten Erzählungen zitierte.

29. Während Bhisma die verschiedenen Pflichten beschrieb, kam die Zeit heran, da die Sonne sich zum nördlichen Horizont neigte. Dies ist für die Yogis, die den Zeitpunkt ihres Todes selbst wählen können, die erwünschte Zeit zum Sterben.

30. Da verstumme Bhisma (der Beherrscher tausender Wissenschaften und Künste), und mit befreitem Geist richtete er seinen Blick auf die ursprüngliche Person, Krishna, den Vierarmigen, der gekleidet in ein gelbes Gewand vor ihm stand.

31. Indem er ihn unverwandt anschaute, den Vernichter allen Unglücks, reinigte sich seine Meditation und die Schmerzen von den Pfeilen verschwanden sofort, und während er betete zu seiner Erscheinung im Körper, endete die Aktivität seiner Sinne, und er verschied zu dem Herrscher aller lebenden Wesen.

32. Der erleuchtete Bhismadeva sprach folgendes Gebet: Lasst mich, befreit von allen Wünschen, meinen Geist bereiten für den Glücklichen, den Führer der ihm Hingegebenen, den Großen sich selbst Genügenden, der manchmal aus Freude eine Existenz in dieser materielle Welt von Schöpfung und Zerstörung annimmt.

33. Er ist das am meisten Wünschenswerte in den drei Welten, bläulich wie ein Tamala-Baum, gekleidet in Gewänder golden leuchtend wie Sonnenstrahlen, und hat einen Körper geschmückt mit Zeichnungen aus Sandelholz-Mark und ein Antlitz wie eine Lotosblüte. Möge mein Geist frei von allen eigensüchtigen Motiven ruhen in der Liebe zum Freund Arjunas.

34. Lass meinen Geist auf Krishna gerichtet sein, der auf dem Schlachtfeld mit aufgelöst wehendem Haar aschfarben wurde vom Staub der Hufe. Sein Antlitz schmückte sich mit Schweiß, seine Haut wurde durchbohrt von meinen spitzen Pfeilen und er in seiner schützenden Rüstung erfreute sich daran.

35. Auf das Kommando seines Freundes Arjuna lenkte er seinen Streitwagen zwischen die gegnerischen Heere, und von dort aus beendete er das Leben der Feinde durch bloßes Anschauen. Lass meine Liebe jenem Freund Arjunas gehören.

36. Während die Heere von ferne zuschauten, löschte er durch seine Weisheit die Unwissenheit Arjunas aus, der aus einem unvollkommenen Verständnis heraus zögerte seine Verwandten zu töten. Lass mich die Füße des Höchsten mit geistiger Hingabe verehren.

37. Entgegen seinem eigenen Wort stieg er von seinem Wagen herab, um mein Versprechen zunichte zu machen, nahm ein Rad und stürmte auf mich zu wie ein Löwe, der einen Elefanten töten will, wobei sein Obergewand von ihm abfiel.

(Duryodhana kritisierte Bhisma, er schone aus verwandtschaftlichen Gefühlen heraus Arjuna. Bhisma gab daher sein Wort, dass er am nächsten Tage alle fünf Pandava-Brüder mit eigens dafür angefertigten Waffen töten werde. Duryodhana nahm diese Waffen in Verwahr, doch Arjuna entwendete sie ihm in der Nacht durch eine List. Bhisma erkannte Krishna als den Urheber der List und schwor, dass Krishna selbst zu den Waffen greifen müsse, damit Arjuna nicht getötet würde. Am nächsten Tag kämpfte Bhisma so heftig, dass Arjuna und Krishna in schwere Bedrängnis kamen. Bhisma war kurz davor Arjuna zu töten. Da brach Krishna scheinbar sein Versprechen nicht mit Waffen zugunsten einer Partei in den Kampf einzugreifen, indem er mit einen Wagenrad in der Hand auf Bhisma zu stürzte. Daraufhin legte Bhisma seine Waffen nieder und war bereit sich von Krishna töten zu lassen.)

38. Mit zerbrochenem Schild, verwundet von spitzen Pfeilen und blutbeschmiert kam er wütend zum Angriff auf mich zu, um mich zu töten. Möge der Glückliche, der Befreiung gewährt, mein Ziel sein.

39. Lass mich in dieser meiner Todesstunde voller Hingabe sein an den Glücklichen, der die Pferde lenkte mit der Peitsche in der Rechten und den Zügeln in der Linken, so elegant anzuschauen, und mit allen Mitteln den Streitwagen Arjunas schützte. Indem sie ihn anschauten, erlangten jene, die auf dem Schlachtfeld starben, die ursprüngliche Form ihrer Seele wieder.

40. Indem sie seine attraktiven Bewegungen, seine faszinierenden Handlungen und sein freundliches Lächeln mit liebendem, verehrungsvollem Sinn betrachteten und in Ekstase nachahmten, fanden die Kuhhirtinnen von Vrajadhama (dem Dorf, wo Krishna seine Jugend verbrachte) zu ihrer ursprünglichen Natur.

41. Bei einer königlichen Opferzeremonie, die Yudhisthira vollzog und bei der alle großen Weisen und Könige versammelt waren, empfing er die respektvolle Verehrung eines jeden. Auch ich war dort anwesend und erkannte ihn als den, welchen meine Seele liebt.

42. Ihn, der vor mir gegenwärtig ist, erkenne ich, da ich im Zustand der Todesnähe befreit bin von der Illusion der Dualität, in meinem Herzen als den Ungeborenen in menschlicher Gestalt. Er ist, obwohl einzig wie die Sonne, als All-Selbst in den Herzen aller und wird von einem jeden aus einem verschiedenen Blickwinkel betrachtet.

43. Suta sprach: Seinen Geist, seine Worte, seinen Blick und sein Handeln nur auf Krishna, den Glücklichen, gerichtet, verstummte er und hörte auf zu atmen, denn er war eingegangen in das Leben des All-Selbst.

44. Als sie Bhismas Worte vernommen und sein Eintauchen in das unbegrenzte, allgegenwärtige Absolute miterlebt hatten, wurden alle Anwesenden still wie die Vögel am Ende des Tages.

45. Danach erklangen von überall her Trommeln, die von Menschen und Göttern geschlagen wurden in tief empfundenem Lobpreis, und die königliche Familie ließ Schauer von Blumen herab fallen.

46. O Saunaka, nachdem Yudhisthira die Riten für den Verstrobenen vollzogen hatte, wurde er für einen Augeblick von Schmerz erfüllt.

47. Danach kehrten die Weisen, von Glück erfüllt über die geheimnisvollen Taten Krishnas, zurück zu ihren Wohnstätten und behielten ihn für immer in ihren Herzen.

48. König Yudhisthira begab sich darauf zusammen mit Krishna nach Hastinapura, um seinen Onkel Dhritarasthra und seine asketisch lebende Tante Ghandhari zu trösten.

49. Mit der Zustimmung seines Onkels und dem Einverständnis Krishnas übte er danach die königlichen Pflichten im Reich aus zur Ehre seines großen Vaters und seiner ruhmreichen Vorfahren.

(Erläuterungen zum Leben Bhismas nach der englischsprachigen Wikipedia, dort ist Ausführlicheres zu lesen:
Er ist der Stammvater beider streitender Parteien in der Schlacht von Kuruksetra, der Pandavas und der Kauravas. Mit seiner Geburt verhält es sich nach der Legende folgendermaßen: Einmal besuchten die acht Vasus (Gottheiten, die Elemente und Kräfte der Natur repräsentieren) in Begleitung ihrer Gattinnen den Weisen Vasistha in seiner Behausung. Eine der Frauen wurde von Begehren nach Vasisthas wunscherfüllender Kuh ergriffen und veranlasste ihren Gatten Prabhasa sie zu stehlen. Daraufhin verfluchte Vasistha diesen zu einer menschlichen Geburt und so kam Bhisma zur Welt.
Ihm wurde die Gnade gewährt den Zeitpunkt seines Todes selbst zu bestimmen. Dies machte ihn unbesiegbar. Mit ihm auf der Seite der Kauravas und Krishna als Helfer der Pandavas geriet die Schlacht in eine Patt-Situation. Im Herzen wusste Bhisma, dass das Recht auf Seiten der Pandavas war und er das Haupt-Hindernis für ihren Sieg darstellte. Daher verriet er Arjuna , er werde aufhören zu kämpfen, wenn ihm in der Schlacht eine Frau gegenüberstände. Daraufhin nahm Arjuna einen Krieger mit in seinen Streitwagen, der zugleich Mann und Frau war. Hinter dieser Person in Deckung stehend durchbohrte er - widerwillig, beschämt und unter Tränen - Bhisma, der keine Gegenwehr leistete, mit unzähligen Pfeilen. Als Bhisma fiel, wurde er von den Pfeilen, die hinten aus seinem Körper heraustraten, über dem Boden schwebend gehalten. Auf diesem Bett aus Pfeilen blieb er liegen, bis er vom Sieg der Pandavas erfahren hatte. Erst dann schloss er aus freiem Willen die Augen.)