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Ich freue mich über Ihr Interesse an der "Kostbaren Geschichte vom Glücklichsein".
Die Übersetzung ist noch im Entstehen und wird laufend fortgesetzt.

Das Srimad Bhagavatam


Das "Srimad Bhagavatam" gilt als das bedeutendste und umfassendste indische Buch heiliger Geschichten. In der heute vorliegenden Fassung soll es aus dem 9. oder 10. Jh. unserer Zeitrechnung stammen. Als Verfasser wird Vyasa genannt.
Dieses Buch erfüllt mich mit solcher Begeisterung, dass ich angefangen habe daraus zu übersetzen. Das ist für mich die intensivste Form der Beschäftigung mit einem Text.
Es ist eine Liebhaber-Übersetzung, keine akademische oder professionelle.
Sie hält sich an den Sanskrit-Originaltext.

„Der Glückliche“ ist die Bezeichnung für die Wirklichkeit, nicht als unpersönliches Prinzip, sondern in Person, sowie für die Inkarnationen dieser transzendenten Person, z.B. als Rama oder Krishna.
Auch die Verehrer dieser Person und ihrer Inkarnationen und das Buch der Erzählungen werden „glücklich“ genannt.
Sanskrit "Bhagavan" kann wiedergegeben werden mit: Gesegneter, Erhabener, Gott, Herr, Glücklicher, Verehrungswürdiger, Liebenswerter.
Ich übersetze mit "der Glückliche", weil dieser Begriff allgemein akzeptiert ist, unabhängig von Auffassung oder Religion. Jeder kann sich unter "glücklich" etwas vorstellen, jeder möchte es sein, und jeder merkt selbst, ob er es ist.
"Srimad" finde ich wiedergegeben mit: schön, reich, wertvoll.
Darum nenne ich meine Übersetzung des Srimad Bhagavatam
Die kostbare Geschichte vom Glücklichsein

Sonntag, 20. November 2011

5.19. Die Länder mit ihren Gottheiten (3)

1. Der erleuchtete Suka sprach: Im Lande Kimpurusa verehrt der überaus glückliche Hanuman gemeinsam mit den dortigen Bewohnern den höchsten Herrn, die ursprüngliche Person, in der Gestalt Ramas, des älteren Bruders von Laksmana und geliebten Gatten Sitas. In stetiger liebender Hingabe ist er voller Freude versunken in die Betrachtung der Lotosfüße des Glücklichen.

2. Zusammen mit Arstisena (dem Herrscher von Kimpurusa) hört Hanuman hingegeben den höchst glückverheißenden Gesängen der Gandharvas zu, mit denen sie ihren Herrn, den Glücklichen, preisen. Er selbst rezitiert das folgende Gebet:

3. OM. Ehre sei dem Glücklichen, der würdig ist, in den schönsten Versen gepriesen zu werden! Ehre sei ihm, in dem alle guten Eigenschaften einer großen Seele zu finden sind! Ehre sei ihm, der seine Sinne beherrscht und der verehrt wird in allen Welten! Ehre sei ihm, dem Prüfstein für die Worte der Heiligen! Ehre sei ihm, der von den Brahmanen verherrlicht wird, der höchsten Person, dem höchsten König! Ehre sei ihm!

4. Er ist der Reine, der sich offenbart als der alleinige Eine in seiner eigenen Herrlichkeit, der die Herrschaft der Gunas überwunden hat. Er ist der Absolute, Unbewegte, der nur erfahren werden kann in einem reinen Herzen. Er ist fürwahr ohne Name und Form und ohne ein Ich. Ihm gebe ich mich hin.

5. Dennoch inkarnierte er als ein Mensch in dieser Welt, um die sterblichen Wesen zu lehren und den Dämonen Ravana zu töten. Warum sonst hätte der Eine, der Höchste, der Sich Selbst Genießende, das Selbst, der Herr, all den Kummer um Sita auf sich genommen?

6. Er, das Selbst, der beste Freund seiner Verehrer, der nicht an irgend etwas in den drei Welten gebunden ist, der Glückliche, der Sohn Vasudevas, litt nicht wirklich Kummer um seine Frau, aber es wäre nicht recht gewesen, sie und (seinen jüngeren Bruder) Laksmana aufzugeben.

7. Es sind wahrlich weder eine hohe Geburt noch großer Reichtum noch Redegewandtheit noch Intelligenz noch eine eindrucksvolle Erscheinung, die dem Höchsten gefallen. Obwohl wir alle diese Eigenschaften nicht haben, nahm - o Wunder! - Rama, der ältere Bruder Laksmanas, uns Waldbewohner als seine Freunde an.

8. Daher sollte man, ob als Gott oder Dämon, als Mensch oder Tier von ganzem Herzen den hochgelobten Rama verehren, dessen Gnade leicht zu gewinnen ist. In ihm erschien der Herr in menschlicher Gestalt und führte alle Bewohner des nördlichen Landes Kosala zurück in das himmlische Reich.

9. Auch im Lande Bharata (Indien) ist der Glückliche zugegegen. Bis zum Ende dieses Weltalters praktiziert er, dessen Wege unvorstellbar sind, hier in seiner Gestalt als Nara-Narayana aus Mitgefühl Askese. In seiner Gnade für alle Wesen fördert er so die Rechtschaffenheit, die Weisheit, die Entsagung, den geistigen Reichtum, die Beherrschung der Sinne, die Freiheit vom Ich-Sinn und die Erkenntnis.

10. Ihm dient in überaus großer liebender Hingabe der glückliche Narada gemeinsam mit den Menschen aller Stände und Lebensordnungen, die das Land Bharata bewohnen. Er unterwies den Manu Savarni in dem vom Glücklichen selbst offenbarten Sankhya System, dem Yoga, der den Weg zur Erfahrung des Glücklichen beschreibt. Narada singt das folgende Gebet:

11. OM. Ehre sei dem Glücklichen, ihm, der die Sinne beherrscht, der keine Anhänglichkeit an die Welt der Erscheinungen hat! Ehre sei ihm, dem wahren Besitz der Besitzlosen, dem höchsten unter den Weisen, Nara-Narayana, dem höchsten Lehrer aller, die der Welt entsagen, dem Meister derer, die das Selbst verwirklichen! Ehre, Ehre sei ihm!

12. Weiterhin singt er: Ihm, dem Schöpfer, Erhalter und Auflöser dieser Welt, der selbst nicht an sie gebunden ist und nicht körperlichen Bedingungen unterworfen, obgleich er körperlich erscheint; ihm, dem Seher, dessen Sicht nicht getrübt ist durch die gunas (natürlichen Eigenschaften); ihm sei Ehre, dem unverhafteten, neutralen Zeugen!

13. Daher ist es das Ziel des Lebens, die Identifikation mit dem Körper aufzugeben und das Gemüt in liebender Hingabe dir überlassen, der du jenseits der natürlichen Eigenschaften bist. Dies hat der glückliche Brahma, der Schöpfer, mir als die Meisterschaft des Yoga dargelegt, o höchster Herr.

14. Jemand, der sehr stark den Begierden verhaftet ist, ängstigt sich beim Gedanken an Gegenwart und Zukunft seiner Kinder, seiner Frau und seines Vermögens. Der Wissende jedoch ist sich darüber klar, dass die Sorge um den Verlust dieses Körpers voller Unrat nur unnütze Mühe ist.

15. O transzendenter Höchster, geblendet durch deine Maya sind wir gebunden an die Vorstellung von Ich und Mein und damit an den Körper voller Unrat. Bitte lass uns diese Vorstellung bald aufgeben, welche so schwer zu überwinden ist, und durch liebende Hingabe an dich im Yoga unsere wahre Natur erkennen, o Herr!

16. Auch im Lande Bharata gibt es viele Flüsse und Berge. (Es folgt eine Aufzählung von Namen der Berge.) Noch viele Hunderttausende anderer Berge gibt es, an deren Hängen unzählige große und kleine Flüsse entspringen.

17. –18. Alle diese Flüsse im Lande Bharata (Indien) reinigen den Geist der Bewohner, wenn sie ihre Namen nennen oder ihr Wasser berühren. Die großen Ströme heißen: (Es folgt eine Liste von Namen).

19. In diesem Lande wird man entsprechend seiner früheren Taten, die man im Modus der Gutheit, der Leidenschaft oder der Trägheit vollbracht hat, geboren als Himmelsbewohner, als Mensch oder als Höllenbewohner. Es gibt viele Wege, welche eine Seele in den verschiedenen Kasten und Lebensordnungen nehmen kann. Den Weg der Befreiung zu gehen ist in allen von ihnen möglich.

20. Durch Gemeinschaft mit Menschen, welche die höchste Person verehren, wird der Knoten der Unwissenheit zerschnitten, der sich im Laufe vieler Leben gebildet hat, und es erwächst absichtslose liebende Hingabe an den Glücklichen, das Selbst aller lebenden Wesen, den Bindungslosen, Unabhängigen, der jenseits von Wort und Gedanke ist, das All-Selbst, den Sohn Vasudevas.

21. Fürwahr, dieses ist es, was die himmlischen Wesen singen:
O, diese (Bewohner Bharatas) müssen glückbringenden Taten vollbracht oder dem höchsten Herrn persönlich gefallen haben, so dass sie Geburt erlangten als Menschen im Lande Bharata! Wahrlich, wir (Himmelsbewohner) wünschen uns ein solches Leben, in dem wir die Möglichkeit haben, dem Herrn der Befreiung zu dienen.

22. Durch sehr schwierige Opfer, Askese, Gelübde, Mildtätigkeit und Ähnliches haben wir das Himmelreich erlangt. Doch welchen Wert hat dieses, wenn wir hier durch übermäßigen Sinnengenuss die Erinnerung an die Lotosfüße des höchsten Herrn verlieren?

23. Ein Erdenleben im Lande Bharata, wenngleich es nur hundert Jahre dauert, ist segensreicher als ein Leben von der Dauer eines Weltalters im Himmel, auf das erneut Tod und Geburt folgt; denn einem solchen kurzen Leben haben verständige Menschen die Möglichkeit, die Wohnstätte des Herrn zu erreichen, wo es keine Furcht gibt, indem sie den Aktivitäten des sterblichen Körpers entsagen.

24. Verständigen Menschen liegt nicht an einem Aufenthalt in einer Himmelswelt, wo der Nektar der Erzählungen über den Herrn von Vaikuntha (Krishna) nicht fließt, wo keine Verehrer des Glücklichen wohnen und wo keine Opferfeiern für den Höchsten gehalten werden.

25. Wer aber eine menschliche Geburt im Lande Bharata erlangt hat mit all dem Wissen, den Möglichkeiten und den Gütern, die ein solches Leben bietet, und dennoch nicht nach der Befreiung von Geburt und Tod strebt, der ist wie ein freigelassener Vogel, der wieder gefangen wird.

26. Die Bewohner von Bharata nennen den Einen Höchsten mit vielen verschiedenen Namen und bringen mit Vertrauen auf Erfüllung ihrer Wünsche diesen Gottheiten an verschiedenen Orten Rituale und Opfer dar mit vorgeschriebenen Mantren und Gaben. Der Höchste, von sich selbst Erfüllte, nimmt diese mit Freude entgegen, denn er selbst ist der Spender aller Gaben.

27. Der Herr gewährt den Menschen wahrlich das, worum sie zu ihm beten. Jedoch erfüllt er ihre Bitten nicht in der Weise, dass sie ihn immer wieder bitten müssen. Jenen, die ihn in liebender Hingabe verehren, gibt er von sich aus, ohne dass sie es wünschen, das, was allem Wünschen ein Ende setzt: seine eigenen Lotosfüße.

28. Wenn nach unserem Leben in himmlischem Glück noch etwas übrig ist von unseren Verdiensten, die wir durch rechte Opfer, rechtes Studium der Veden und gute Taten erworben haben, dann möchten wir im Lande Bharata geboren werden, wo wir uns der Lotosfüße des Herrn erinnern können, in dem Lande, wo der Herr selbst gegenwärtig ist und das Glück derer vermehrt, die ihn in Liebe verehren.

29. –30. Der erleuchtete Suka sprach: O König, der Kontinent Jambudvipa (in dem das Land Bharata liegt) ist umgeben von acht kleineren Inseln. Manche Gelehrte sagen, diese entstanden, als die Söhne des Königs Sagara auf der Suche nach ihrem verlorenen Pferd die Erde rund um unseren Kontinent aufgruben. Ihre Namen sind: Svarnaprastha, Candrasukla, Avatarna, Ramanaka, Mandara-harina, Pancajanya, Simhala und Lanka.

31. O Bester unter den Nachkommen Bharatas (König Parikchit), nun habe ich dir die Einteilung des Kontinents Jambudvipa beschrieben, so wie sie von den Weisen gelehrt wird.

5.18. Die Länder mit ihren Gottheiten (2)

1. Der erleuchtete Suka sprach: In gleicher Weise (wie Siva in Ilavrata Sankarsana verehrt) verehrt Bhadrasrava, der Sohn Dharmas und Herrscher über das Land Bhadrasva, zusammen mit seinen Untertanen den Glücklichen, den Sohn Vasudevas, in seiner sehr beliebten Gestalt mit Namen Hayasirsa, den Inbegriff des Dharma (des rechten Pfades). In tiefster Versenkung nähern sie sich ihm und singen das folgende Gebet:

2. OM. Ehre sei dem Glücklichen! Er ist die Quelle des Dharma und befreit uns von der materiellen Verstrickung. Darum erweisen wir ihm Ehre.

3. O wie erstaunlich ist das Spiel des Glücklichen! Wenngleich ein Mensch den sicheren Tod vor Augen hat, sieht er ihn doch nicht. Er denkt unrechte Gedanken und begeht sündige Taten in seiner Gier nach Sinnengenuss. Er bestattet seinen Vater und sogar seine Söhne und meint dennoch, sein Leben habe kein Ende.

4. O Ungeborener, selbst Wissenschaftler, die lehren, dass das Universum mit Gewissheit vergänglich ist, und spirituell verwirklichte Weise mit der Fähigkeit zu schauen werden getäuscht durch deine Illusionen schaffende Macht. Dein Handeln ist in höchstem Maße staunenswert. Dir, dem Ungeborenen, erweise ich Ehre.

5. In den Veden heißt es von dir, du seiest nicht-handelnd, wiewohl doch Schöpfung, Erhaltung und Auflösung des Universums als dein Werk gelten. Obgleich du unberührt bist von diesen Aktivitäten, werden sie doch mit Recht dir zugeschrieben. Dieses verwundert uns nicht, denn in dir liegt die Ursache aller Wirkungen. Du bist das All-Selbst und das Wesen von allem, und doch bist du nichts von all diesem.

6. Am Ende des letzten Schöpfungszyklus wurden die Veden durch die Personifikation der Finsternis (den Dämonen Madhu) gestohlen und nach Rasatala (der Unterwelt) gebracht. Du nahmst die Gestalt eines Zentauren (halb Pferd, halb Mensch) an und gabst sie dem Schöpfer (Brahma) zurück, als er dich darum bat. Ehre sei dir, dessen Wege niemals fehl gehen!

7. Auch im Lande Harivarsa wird der Glückliche verehrt in der Gestalt des Löwenmenschen Nrsimha. Wie Prahlada, die Verkörperung aller großen menschlichen Eigenschaften, den Herrn dazu veranlasste diese Gestalt anzunehmen, werde ich später erklären (7. Gesang). Prahlada, der große Verehrer des Glücklichen, welcher durch seinen edlen Charakter alle Dämonen in seiner Familie erlöste, verehrt den Glücklichen durch stetigen, unbeirrbaren Bhakti Yoga zusammen mit den Bewohnern des Landes. Sie singen das folgende Gebet:

8. OM. Ehre sei dem Glücklichen! Ehre sei dir, Nrsimha, der Macht aller Mächte! Bitte zeige dich uns, der du Krallen wie Donnerschläge besitzt und Zähne wie Donnerschläge. Besiege, besiege doch bitte unsere Gier nach selbstsüchtigem Handeln! Vertreibe, vertreibe doch bitte unsere Unwissenheit! OM. Lobpreis sei dir! Furchtlosigkeit, Furchtlosigkeit möge in unseren Herzen regieren! OM. Wir verehren dich durch dieses Mantra.

9. Gesegnet sei das ganze Universum! Mögen die Bösen friedfertig werden! Mögen alle Lebewesen einander wohl gesonnen sein! Mögen sie in Meditation die Ruhe des Gemüts erfahren! Möge unser Geist ohne Eigensucht im transzendenten Höchsten aufgehen!

10. Mögen wir nicht angehaftet sein an Haus, Frau, Kinder, Wohlstand, Freunde und Verwandte! Wenn wir Gemeinschaft pflegen, dann mit Menschen, die den Glücklichen lieben. Jemand, der sich mit den Grundbedürfnissen des Lebens begnügt und im Selbst ruht, erreicht das Ziel sehr bald, nicht jedoch jene, die dem Sinnengenuss hingegeben sind.

11. Gemeinschaft mit Verehrern des Glücklichen bewirkt, dass der Ungeborene selbst in der Fülle seiner Kraft anwesend ist. Beim Hören der Erzählungen über ihn tritt er ins Innerste des Herzens ein und beseitigt alle Verunreinigungen in Geist und Körper. Dieses geschieht auch denen, die heilige Orte aufsuchen und im Ganges baden, jedoch erst nach wiederholten Malen. Wahrlich, wer möchte daher nicht dem Herrn der Befreiung dienen, indem er den Erzählungen über seine herrlichen Taten lauscht?

12. Wer dem Glücklichen in Liebe hingegeben ist, ohne Eigensucht, in dem wohnen alle guten Eigenschaften der Götter. Doch wo sind die guten Eigenschaften derer, die den Herrn nicht verehren und sich statt dessen der Spekulation des Verstandes hingeben oder in der äußeren Welt hinter materiellen Gütern herlaufen?

13. Wie für die Wasserlebewesen das Wasser das Lebenselement ist, so ist der Herr, der Glückliche, das natürliche Element für die Seelen der verkörperten Lebewesen. Wenn eine große Seele sich von ihm lossagt und statt dessen dem Haushälter-Leben verfällt, dann ist das Leben als Ehemann und –Frau im Alter die ganze Größe, die ihr bleibt.

14. Verfallenheit an das Haushälter-Leben ist die Wurzelursache von Leidenschaft, Verhaftetsein, Enttäuschung, Zorn, Angeberei und Furcht vor Armut und damit für das Kreisen im Rad der Wiedergeburten. Daher gebt es auf und verehrt die Lotosfüße des Herrn in der Gestalt von Nrsimha, der alle Furcht vertreibt.

15. Im Lande Ketumala wird der Glückliche ebenfalls verehrt, in seiner Gestalt als Kamadeva (des Gottes der Liebe), die er Laksmi (der Göttin des Glücks) zuliebe angenommen hat. Seine Verehrer dort sind der Prajapati (Urvater) Samvatsara (die Personifikation des Jahres), der Herrscher des Landes, und seine Töchter und Söhne. Diese sind von gleicher Anzahl und stellen die Nächte und Tage in der Lebensspanne des Menschen dar. Am Ende dieser Lebensspanne werden sie (die Töchter) vom Gleißen der machtvollen Waffe der höchsten Person (des Diskus) geblendet. Ihre Leibesfrucht wird zerstört, und sie erleiden eine Totgeburt.

16. Kamadevas Erscheinung erfreut mit der großen Schönheit der Bewegungen und spielerischen Handlungen die Göttin des Glücks. Sein glückverheißend strahlendes, lotosgleiches Antlitz mit dem bezaubernden, milden Lächeln und dem charmanten Blick mit leicht erhobenen Augenbrauen beglückt die Sinne.

17. Diese Gestalt des Glücklichen in ihrer bezaubernden Erscheinung verehrt die Göttin des Glücks in tief versunkener Meditation gemeinsam mit dem Prajapati Samvatsara sowie mit seinen Töchtern bei Nacht und mit deren Gatten bei Tage. Sie singt dabei folgendes Lied:

18. OM hram hrim hrum (ein glückbringendes Mantra). OM. Ehre sei dem Glücklichen, Hrsikesa! Er ist verschieden von allen Eigenschaften der Natur und der Herr, dem alle Wesen gehorchen in ihrem Tun, ihrem Denken und ihrem Wollen. Er ist auch der Herr der Sinne und ihrer Objekte und der Genießer aller Opfer. Durch seine schöpferische Macht ernährt er Leib und Seele aller Lebewesen, wirkt er in allem, ist er der Ursprung aller Kraft des Körpers und der Sinne. Wie ein Ehegatte erfüllt er die Bedürfnisse aller Lebewesen. Sei gelobt bei Tag und bei Nacht! Möge dein Segen mit uns sein!

19. O Hrsikesa, Herr der Sinne, welcher sich selbst genügt; die Frauen verehren dich durch die Erfüllung von Gelübden, um in der Welt einen anderen Ehegatten zu bekommen als dich. Dabei sind die weltlichen Ehemänner nicht in der Lage, sie und die Kinder zu beschützen und Reichtum und langes Leben zu gewähren, denn sie sind abhängig von äußeren Bedingungen.

20. Der ist allein ein wahrer Ehemann, der ohne Furcht ist, sich selbst genügt und den von Furcht Gequälten ganz und gar verlässlichen Schutz gewährt. Du bist als einziger solch ein wahrer Ehemann, denn alle andern fürchten sich vor einander. Darum ist mit Sicherheit nichts anderes für größer zu halten, als dich selbst zum Ehemann zu gewinnen.

21. O Glücklicher, einer Frau, die deine Lotosfüße ohne jede Absicht verehrt, erfüllst du all ihre Wünsche. Wenn eine Frau dich verehrt um ihrer persönlichen Wünsche willen, erfüllst du diese auch. Jedoch wird sie enttäuscht sein von dem Erwünschten und Schmerzen erleiden.

22. Wenn Brahma, Shiva oder die anderen Götter und Dämonen in der Hoffnung auf Sinnengenuss strenge Askese auf sich nehmen, gewähre ich (die Göttin des Glücks) ihnen meine Gunst nur unter der Bedingung, dass sie mit voller Hingabe deine Lotosfüße verehren und ihre Herzen ganz und gar auf dich gerichtet sind, o Unbesiegbarer.

23. O Unfehlbarer, bitte lege auch auf mein Haupt deine ehrwürdige Lotos-Hand, welche du auf die Häupter deiner Verehrer legst! Du trägst mein Zeichen auf deiner Brust, o Verehrungswürdiger. Dies ist jedoch nur ein Bild. Wer ist fähig deine Spiele zu verstehen, o höchster Herr?

24. Im Lande Ramyaka zeigte sich der Glückliche früher einmal dem dort herrschenden Manu in seiner sehr beliebten Inkarnations-Gestalt als Matsya (Fisch). Dieser Manu ist ihm bis heute in großer liebender Verehrung zugetan und preist ihn mit dem folgenden Gesang:

25. OM. Ehre sei dem Glücklichen! Ehre sei ihm in seiner ersten Inkarnation, dem Guten, der Liebe, der sinnlichen Kraft, der geistigen Macht, der körperlichen Stärke in Person! Ihm in seiner Inkarnation als der große Fisch sei Ehre!

26. Obgleich du innen und außen bist, können die Herrscher der verschiedenen Welten dich nicht wahrnehmen. Erfahrbar bist du jedoch in den erhabenen Worten und Klängen der Veden. Du, der höchste Herr, bewegst alles, was Namen und Form hat, wie ein Puppenspieler seine Holzpuppe.

27. Die weltlichen Herrscher beneiden dich fürwahr fieberhaft um deine Macht, jedoch streben sie erfolglos nach ihr. Weder einzeln noch gemeinsam sind sie in der Lage, die zweibeinigen und die vierbeinigen Lebewesen zu beschützen, auch nicht die Reptilien und das Unbewegte oder irgend etwas, das in der Welt existiert.

28. Bei der Auflösung am Ende des vorigen Zeitalters, als diese Erde mit allen Bäumen und Kräutern und mit mir in den heranrollenden Wellen des Ozeans versank, schwammst du selbst (in der Gestalt des Fisches) voll großer Kraft um sie herum, o Ungeborener. Darum sei dir Ehre, du Quelle allen Lebens im Universum!

29. Im Lande Hiranmaya residiert der Glückliche in seiner Inkarnations-Gestalt als Kurma, die Schildkröte. Aryama, der Herrscher der Vorväter, verehrt ihn in dieser sehr beliebten Verkörperung zusammen mit den Bewohnern des Landes durch den Gesang der folgenden Hymne:

30. Ehre sei dir, o Glücklicher, in der Gestalt der Schildkröte! Du Manifestation aller guten Eigenschaften, welche nicht zu beschreiben ist, Ehre sei dir! Du bist uralt und doch unberührt von der Zeit, Ehre sei dir! Du bist der Alles-Durchdringende, Ehre sei dir! Ehre, Ehre! Du unser aller Schutz, Ehre sei dir!

31. Die sichtbare Natur in ihren vielfältigen Erscheinungsformen ist manifestiert durch deine eigene Bilder schaffende Macht. Diese ist unermesslich und täuscht unsere Wahrnehmung. Deine wahre Gestalt ist für unseren Verstand unfassbar. Ehre sei dir!

32. Was aus einem Schoß geboren ist, aus Feuchtigkeit, aus einem Ei oder aus der Erde, was bewegt oder unbewegt ist, die Götter, die Weisen, die Vorväter, die Elemente, die Sinne, der äußere Raum, der Himmel, die Erde mit ihren Bergen, Flüssen, Ozeanen und Inseln, die Sterne und Planeten, all dieses trägt verschiedene Namen; dies alles ist jedoch du, der Eine.

33. Aus deinen unzähligen verschiedenen Namen und verkörperten Gestalten leiten die Gelehrten die Zahlen ab und lernen so durch Anschauung die Wahrheit kennen. Dir, dem Offenbarer der Mathematik, sei Ehre!

34. Im Norden, im Lande Kuru, residiert ebenfalls der Glückliche, der Genießer aller Opfer, in seiner Gestalt als Varaha, der Eber. Ihn verehrt fürwahr die Göttin dieses Planeten Erde, zusammen mit den Bewohnern Kurus, in unablässigem Bhakti Yoga. Sie rezitieren in stetiger Wiederholung das folgende Mantra aus den Upanishaden:

35. OM. Ehre sei dem Glücklichen, dessen Wahrheit sich in diesem Mantra offenbart und dessen Gliedern und Körperteilen die verschiedene Arten von Opfern dargebracht werden. Ehre sei der Höchsten Person, die unsere Handlungen heiligt. Ehre sei dir, der in drei Zeitaltern erscheint (und im vierten, dem Kali Yuga verborgen bleibt).

36. Wie das im Holz verborgene Feuer sich manifestiert, wenn man es durch Drehen eines Stabes hervorlockt, so suchen die gelehrten Weisen deine Gestalt in der materiellen Natur mit ihren Eigenschaften. Denen, die mit dem Verstand forschen, verbirgst du dich jedoch. Nur denen, die dir all ihr Wünschen und Handeln darbringen, zeigst du dich. Ehre sei dir!

37. Wenn die Intelligenz durch die Praxis der Selbsterforschung und des Yoga erhoben und von der Illusion befreit ist, wirst du als das All-Selbst erkannt, als die Substanz, in der durch die Maya in den drei Qualitäten (gunas) die Sinnesobjekte, die Sinne sowie ihre beherrschenden Gottheiten, der Körper, die Zeit und der Ich-Sinn erscheinen. Lob und Ehre sei dir!

38. Es ist nicht dein Wunsch, das Universum zu erschaffen, zu erhalten und aufzulösen, dies ist vielmehr der Wunsch der Geschöpfe. Unter deinem Blick formt sich die Illusionen schaffende Energie entsprechend den Gunas, so wie Eisen sich durch die Kraft eines Magneten bewegt. Ehre sei dir, dem Zeugen des Wirkens der Gunas!

39. Ich verneige mich vor ihm, dem höchsten Herrn, der in der sichtbaren Gestalt des großen Ebers den Dämonen, diesen furchtbaren Gegner, im Kampf tötete und mich (die Erde) aus der Unterwelt rettete. Als er den Wassern des Ur-Ozeans entstieg, balancierte er mich auf seinen Stoßzähnen wie ein spielender Elefant.

Samstag, 19. November 2011

5.17. Die Flüsse und die Länder mit ihren Gottheiten (1)

1. Der erleuchtete Suka sprach: Als der Glückliche, Vishnu, der Genießer aller Opfer, höchstpersönlich (in seiner Inkarnation als Vamana, 2.7.17) den zweiten Schritt (bis an die Grenze des Universums) tat, durchbohrte er mit dem Nagel seiner linken großen Zehe die äußerste Hülle des Universums. Durch die Öffnung strömte Wasser von außerhalb des Universums ein, und indem es den rötlichen Staub von den Lotosfüßen des Herrn abwusch, nahm es selbst eine solche Färbung an. Die Berührung mit diesem Wasser wäscht die Sünden der ganzen Welt ab, und doch bleibt es ganz und gar rein. Da es direkt von den Füßen des Glücklichen herabfließt, wird es „Bhagavatpadi“ (Füße des Glücklichen) genannt. Nach einer sehr langen Zeit - eintausend Yugas – gelangte das Wasser vom Himmel auf die Spitze des Erdkreises (den Polarstern). Daher wird dieser „Vishnupada“ (Füße Vishnus) genannt.

2. Der Polarstern ist die Wohnstätte des Sohnes Uttanapadas (Dhruva, vgl. Kapitel 4.8), des für seine feste Entschlossenheit berühmten Verehrers des Glücklichen. Dort strömt das Wasser von den Lotosfüßen des Herrn beständig auf ihn herab und erweicht sein Herz bis ins Innerste. Seine liebende Hingabe an den Glücklichen wird dadurch sehr stark vermehrt. Große Sehnsucht erfüllt ihn, spontan schließen sich seine Augen, und wie Tautropfen auf einem Paar Knospen treten reine Tränen aus ihnen hervor. In Ekstase stehen im die Haare zu Berge. Er empfängt das Wasser auf seinem Haupte in großer Ehrfurcht, bis zum heutigen Tage.

3. Danach fließt dieses Wasser zu den sieben Weisen (deren Wohnstätten die Sterne des Großen Bären sind), welche seine Wirkung sehr wohl zu schätzen wissen, denn es ist fürwahr die höchste Vollkommenheit der Askese. Durch dieses Wasser verbleiben sie in beständiger liebender Hingabe an den Glücklichen, das All-Selbst, und können auf alle anderen Methoden zur Vervollkommnung ihres Selbst verzichten, die Menschen sonst auf der Suche nach Befreiung anwenden. Auch heute noch tragen sie das Wasser mit großer Ehrfurcht in den Haarknoten auf ihren Häuptern.

4. Danach fließt dieses Wasser durch den Himmel der Götter, welcher durchquert wird von vielen Tausenden von Millionen Flugkörpern, geht nieder auf den Mond und regnet dann auf die Wohnstätte Brahmas (auf dem Gipfel des Berges Meru).

5. Dort teilt sich der Strom in vier Arme mit den Namen Sita, Alakananda, Caksu und Bhadra, welche mit großem Reichtum an Wasser in die vier Himmelsrichtungen fließen und dann in den Ozean münden.

6. Der Strom Sita fließt von der Wohnstätte Brahmas aus in westlicher Richtung. Er strömt zunächst auf den Berg Kesaracala und andere und von ihren Gipfeln aus immer weiter herab bis auf die Spitze des Berges Ganhamadana. Dann fließt er durch das Land Bhadrasva und mündet in den Ozean aus Salzwasser.

7. In der gleichen Weise ergießt sich der Strom Caksu zunächst auf den Gipfel des Berges Malyavan und fließt von dort aus stetig und kraftvoll durch das Land Ketumala, um im Westen (Osten?) in den Ozean zu münden.

8. Der Strom Bhadra wiederum fällt vom Gipfel des Berges Meru herab in nördlicher Richtung auf zwei andere Berggipfel, dann über die Spitze des Berges Srngavan hinweg und durchfließt das Land Kuru im Norden in allen Richtungen, bis er von dort aus in den Ozean mündet.

9. In ähnlicher Weise ergießt sich der Strom Alakananda auf der südlichen Seite von der Wohnstätte Brahmas herab. Er fließt über viele Bergspitzen und schließlich mit starker Strömung und großer Kraft auf die Berge Hemakuta und Himakuta. Von dort strömt er reißend hinunter in das Land Bharata, welches er in alle Richtungen durchzieht, bevor er im Süden in den Ozean mündet. Für Menschen, die ihn aufsuchen um in ihm zu baden, ist es nicht schwierig, Mal für Mal mehr die Früchte zu ernten, die sonst nur durch umfangreiche Opferzeremonien zu erlangen sind.

10. Auch viele andere große und kleine Flüsse entspringen auf dem Berge Meru und weiteren Bergen. Sie durchziehen jedes der verschiedenen Länder in Hunderten von Armen.

11. Von den neun Ländern auf dem Erdenrund ist Bharata das „Feld der Tätigkeit“ (auf dem der Mensch sein Schicksal formt). Die anderen acht Länder gelten als die himmlischen Plätze auf Erden, wo die tugendhaften Seelen gemäß ihren angesammelten Verdiensten Sinnenfreuden genießen können.

12. In jenen acht Ländern werden die Bewohner zehntausend Menschenjahre alt. Sie sind wie Götter, stark wie zehntausend Elefanten, und ihre wohl gebauten Körper sind fest wie Diamant. Sie bleiben sehr lange jugendlich und stark und genießen überaus viel Sinnenfreude. Mann und Frau vereinigen sich mit großer sexueller Kraft, und die Frauen gebären nur ein Kind gegen Ende ihrer fruchtbaren Lebensspanne. Die Lebensbedingungen dort sind wie im Treta Yuga (dem zweiten, „silbernen“ Zeitalter).

13. Die göttergleichen Bewohner dieser acht Länder werden von Scharen von Dienern mit Gaben verehrt. Es gibt wunderschöne Einsiedeleien und Gärten, die zu allen Jahreszeiten geschmückt sind mit Beeten voller Blumen und zarten Gemüsen und mit Bäumen, deren Äste sich biegen unter der Last der Früchte und Schlingpflanzen. In den hohen Gebirgen, welche die Länder begrenzen, liegen Täler mit Seen voll kristallklarem Wasser, bedeckt mit vielfältigen Lotosblüten, deren Duft die königlichen Schwäne, die Karandavas, die Kraniche, die Kakravakas, viele andere Wasservögel und die summenden Bienen entzückt. Die Bewohner vergnügen sich mit vielen Arten von Wasser- und anderem Sport und am freien Liebesspiel zusammen mit ihren attraktiven göttergleichen Gefährtinnen, die sie lächelnd mit herausfordernden Blicken anschauen und ihnen Sinne und Gemüt bezaubern.

14. In allen neun Ländern aber ist der Glückliche selbst zugegen, Narayana, die höchste Person, in der vierfachen Ausdehnung als Vasudeva, Sankarsana, Pradyumna and Aniruddha, und erweist den Menschen seine Gnade.

15. Im Lande Ilavrata ist der glückliche Siva die einzige männliche Person. Kein anderer Mann betritt dieses Land, denn alle kennen den Fluch von Sivas Gattin Bhavani, welcher jeden männlichen Eindringling in eine Frau verwandelt. Dieses jedoch werde ich später erklären (im 9. Gesang).

16. Siva wird ständig bedient von zehn Milliarden Frauen aus dem Gefolge Bhavanis. Er selbst verehrt die vierte Ausdehnung des Glücklichen, der vierfachen göttlichen Person: seine Gestalt als die unbewusste Natur, welche Sankarsana genannt wird. Er meditiert über ihn in Versenkung und ruft ihn verehrend an, indem er mit lauter Stimme die folgenden Worte rezitiert.

17. Der glückliche Siva spricht: Lobpreis sei dir, o Glücklicher, du höchste Person, du transzendente Quelle aller Eigenschaften! Dir, dem Unbegrenzten, Nicht-Manifesten erweise ich meine Verehrung.

18. Ich verehre dich, o Verehrungswürdiger, dessen Lotosfüße die Zuflucht der Geängstigten sind. Du bist die erste Quelle aller Güter. Jenen, die dir in Liebe hingegeben sind, zeigst du dich in allem Geschaffenen. Höchster Herr, du bist derjenige, aus dem die Natur hervorgeht, und auch derjenige, welcher alles Geschaffene wieder auflöst.

19. Du bist der Zeuge, dessen Blick niemals im geringsten getrübt ist durch die Illusion, durch die Bedingungen der Natur und durch die Aktivitäten des Gemüts. O Herr, wie sollten wir, die wir die Gewalt unseres Zornes nicht kontrollieren können, dich nicht verehren, wenn wir bestrebt sind, die Herrschaft über uns selbst zu erlangen?

20. Einem Menschen mit unreinem Blick erscheinst du unter dem Einfluss der Illusion mit deinen kupferroten Augen wie jemand, der betrunken ist von Honigwein. Ihm ergeht es wie den Frauen des Schlangen-Dämons (Kaliya, Kapitel 10.16), die außerstande waren dich zu verehren aus Scham darüber, dass durch die Berührung deiner Lotosfüße ihre Sinne erregt wurden.

21. Die Weisen sagen von dir, du seiest unendlich und jenseits der materiellen Welt mit den drei Stadien von Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Du (als die Schlange Sesa) trägst die Universen auf deinen Hunderten und Tausenden von Häuptern, und sie sind für dich nicht schwerer als Senfkörner.

22.-23. Aus dir entstand im Anfang das Universum in den drei Qualitäten, die Gesamtheit der kosmischen Energie, verkörpert in dem Gefäß vollkommenem Wissens, dem glücklichen Ungeborenen (Brahma). Aus ihm wurde ich geboren in meinen drei Ausprägungen. In meiner Kraft erschaffe ich die Götter, die materiellen Elemente und die Sinne. Wir alle, die großen Seelen, stehen unter deiner Herrschaft und sind an dich gebunden wie Vögel an einer Schnur. Brahma, ich selbst, die Götter, die Elemente, die Sinne: wir alle zusammen erschaffen durch deine Gnade die materielle Welt.

24. Wir alle, welche auf diese Weise geschaffen wurden, werden immer wieder durch die Maya an die Früchte unseres Handelns gebunden. Verwirrt durch die Eigenschaften der Natur wissen wir nicht, wie wir uns aus der materiellen Gebundenheit befreien können. Darum tue ich nichts anderes als dir, dem Höchsten, in dem alles aufgelöst wird und wieder entsteht, Ehre zu erweisen.

5.16. Eine Beschreibung des Erdkreises

1. König Parikchit sprach: Du sagtest bereits, dass der Erdkreis einen Radius hat, der so weit reicht, wie die Sonne strahlt und wie der Mond mit den Sternen zu sehen ist.

2. O Glücklicher, du erzähltest, dass aus den sieben Spuren des Wagens, in dem Priyavrata die Erde umrundete, die sieben Ozeane entstanden, welche den Erdkreis in sieben verschiedene Inseln teilen. (König Priyavrata war nicht einverstanden damit, dass die der Sonne abgewandte Seite der Erde jeweils im Dunklen lag. Er wollte die Nacht zum Tage machen. Daher baute er einen leuchtenden Wagen, mit dem er sieben Mal, dem Lauf den Sonne folgend, die Erde umrundete.) Nun möchte ich gerne Genaueres über die Ausmaße und Eigenschaften dieser Ozeane und Kontinente wissen.

3. O mein Lehrer, der Glückliche begegnet dem menschlichen Geist in seiner groben Gestalt, welche durch die Gunas erscheint, obgleich er fürwahr ohne Eigenschaften ist. In der Gestalt des All-Selbst leuchtet er in den Herzen als der Glückliche, welcher unter dem Namen (Krishna,) „ der Sohn Vasudevas“ bekannt ist. Es ist heilbringend, sich auch in seine grobe Gestalt zu vertiefen. Darum bitte ich dich sie eingehend zu beschreiben.

4. Der Weise (Suka) antwortete: Großer König, die Fülle der schöpferischen Energie des Glücklichen hat fürwahr keine Grenze. Kein Mensch kann sie vollständig verstehen in Gedanken noch ausdrücken in Worten, und sollte er die Lebensspanne Brahmas besitzen. Daher kann es nur ein Versuch sein, wenn ich nun den Erdkreis im allgemeinen und insbesondere die Erde mit ihren Maßen und Eigenschaften in Namen und Formen beschreibe.

5. Der Erdkreis gleicht einer Lotosblüte, wobei die Erde selbst der Quirl ist. Sie hat einen Durchmesser von einer Million Yoyanas (acht Millionen Meilen) und ist kreisförmig wie ein Lotosblatt.

6. Unser Kontinent ist der innerste der sieben „Inseln“ (Erdteile). Er ist in neun Teile aufgeteilt von jeweils neuntausend Yoyanas Länge, welche durch acht Gebirgszüge getrennt sind.

7. Der innerste dieser Teile wird Ilavrta genannt. In seiner Mitte liegt der Berg Meru, der König aller Berge. Er ist ganz aus Gold und so hoch wie der Durchmesser unseres Kontinents. Er ist der Fruchtknoten der Lotosblüte des Erdenrunds. Sechzehntausend Yoyanas seiner Höhe liegen innerhalb der Erde, und an der Basis ist er zweiunddreißigtausend Yoyanas breit.

8. Von Ilavrta aus nach Norden liegen nach einander die Gebirge Nila, Sveta und Srngavan. Diese bilden die Grenzen zu den Gebieten Ramyaka, Hiranmaya und Kuru. Die Gebirge erstrecken sich nach Osten und Westen bis zum Ozean und werden nach Norden hin jeweils um ein Zehntel kürzer. In der Breite erstrecken sie sich über zweitausend Yoyanas.

9. In gleicher Weise liegen von Ilavrata aus nach Süden nach einander die Gebirge Nisadha, Hemakuta und Himalaya. Wie Nila und die anderen erstrecken sie sich vom Westen bis zum Osten und sind zehntausend Yoyanas hoch. Sie begrenzen die Gebiete Hari, Kimpurusa und Bharata (Indien).

10. Genauso wird Ilavrata im Westen und im Osten von den Gebirgen Malyavan und Gandhamadana begrenzt. Sie ziehen sich von Nila im Norden bis Nisadha im Süden und haben eine Höhe von zweitausend Yoyanas. Sie bilden die Grenzen zu den Gebieten Ketumala und Bhadrasva.

11. Auf den vier Seiten des Berges Meru erheben sich die Berge Mandara, Merumandara, Suparsva und Kumuda. Wie ein Gürtel umgeben sie ihn und messen zehntausend Yoyanas in Breite und Höhe.

12. Auf den Gipfeln der vier Berge steht wie eine Flagge jeweils ein Baum: ein Mango-Baum, ein Rosenapfel-Baum, ein Kadamba-Baum und ein Banyan-Baum. Es sind einzigartige Bäume: ihre Höhe beträgt über tausend Yoyanas und die Weite ihrer Kronen hundert Yoyanas.

13. –14. O (Parikchit) Bester unter den Nachkommen Bharatas, dort liegen auch vier Seen, gefüllt mit Milch, Honig, Zuckerrohrsirup und reinem Wasser. Aus ihnen schöpfen die göttlichen Wesen und erlangen so übernatürliche Kräfte, ohne sich darum bemühen zu müssen. Es befinden sich dort auch vier göttliche Gärten, genannt Nandana, Caitraratha, Vaibhrajaka und Sarvatobhadra (All-Segen).

15. In diesen Gärten vergnügen sich die Besten unter den Göttern mit ihren Gemahlinnen, welche ihnen zur Zierde gereichen. Die himmlischen Sänger preisen ihre Herrlichkeit.

16. Auf dem Gipfel des Berges Mandara wächst ein Mango-Baum mit Namen Devacuta. Er ist elfhundert Yoyanas hoch und aus seiner Krone fallen Früchte, so dick wie Felsbrocken und so süß wie Nektar.

17. Beim Herabfallen zerbersten die Mango-Früchte und aus ihnen fließen riesige Mengen eines rötlichen, sehr süßen und wohlriechenden Saftes. Dieser ergießt sich in Wasserfällen vom Gipfel des Mandara herab und wird zu einem Fluss mit Namen Arunoda, welcher durch den östlichen Teil Ilavratas fließt.

18. Die Dienerinnen Bhavanis (der Gattin Shivas) – die Frauen eines sehr frommen Volkes – benutzen das duftende Wasser aus dem Arunoda-Fluss. Der Wind verbreitet den Duft von ihren Körpern, sodass die Gegend im Umkreis von zehn Yoyanas von lieblichem Aroma erfüllt ist.

19. In gleicher Weise fallen von dem Rosenapfel-Baum auf dem Gipfel des Berges Merumandara aus großer Höhe Früchte von der Größe eines Elefanten herab und zerbersten. Sie haben sehr kleine Samenkerne, und ihr Saft fällt aus einer Höhe von zehntausend Yoyanas auf der südlichen Seite des Berges zur Erde nieder und wird zu einem Fluss mit Namen Jambu-Nadi, welcher das ganze Land Ilavrata durchfließt.

20. –21. In seinem ganzen Lauf lagert der Fluss an beiden Ufern einen Schlamm ab, der mit dem Saft der Rosenäpfel durchsetzt ist. Unter dem Einfluss von Wind und Sonne verbinden sich die Substanzen und werden regelmäßig zu einem Gold mit Namen Jambu-Nada. Dieses formen die Götter und andere zu Kronen, Armreifen, Gürteln und vielen anderen Arten von Schmuck für sich selbst und ihre immer jungen Gemahlinnen.

22. Der Baum auf dem Gipfel des Berges Suparsva wird Mahakadamba genannt. Aus seinen Höhlungen ergießen sich fünf Flüsse von Honig, jeder fünf Ayamas breit (ein Ayama entspricht acht Fuß). Vom Gipfel des Suparsva aus fließen sie nach Westen und erfüllen das ganze Land Ilavrata mit Honigduft.

23. Der Atem aus dem Munde jener, die aus den Honig-Flüssen trinken, verbreitet seinen süßen Duft hundert Yoyanas im Umkreis.

24. Auf dem Berge Kumuda wiederum wächst ein Banjan-Baum mit Namen Satavalsa („hundert Äste“). Von seinen dicken Ästen herab fließen Milch, Joghurt, Honig, Butter, Melasse, Körner und anderes, auch Kleidung, Betten, Sitzmöbel, alles reich verziert. Diese großen Ströme, welche vom Berge Kumuda auf der nördlichen Seite herabfließen, erfüllen alle Bedürfnisse der Bewohner im Lande Ilarvrata und machen sie glücklich.

25. Die Leute, welche diese Gaben nutzen, bekommen niemals Falten oder graue Haare, ermüden nicht, schwitzen nicht und haben keinen üblen Geruch. Sie sind bewahrt vor Krankheit, vorzeitigem Tod, Kälte, Hitze, Verfall, Kummer und Ähnlichem und vor allen Arten von Leid. Ihr ganzes Leben lang erfahren sie nur grenzenloses Glück.

26. Um den Berg Meru herum liegen weiterhin zwanzig andere Berge wie Staubfäden um den Stempel einer Blüte herum. (Es folgt eine Liste von Namen.)

27. Der Berg Meru, welcher ganz und gar wie Feuer leuchtet, ist (weiterhin) umgeben von acht Bergen: Jathara und Devakuta im Osten, Pavana und Pariyatra im Westen, Kailasa und Karavira im Süden sowie Trisrnga und Makara im Norden. Sie bilden ein Quadrat und erstrecken sich jeweils über achtzehntausend Yoyanas und messen zweitausend Yoyanas in Breite und Höhe.

28. Auf dem Gipfel des Berges Meru findet sich in der Mitte die Hauptstadt des glücklichen Selbst-Geborenen (Brahma). Ihre quadratische Grundfläche hat eine Seitenlänge von tausend mal zehntausend Yoyanas, und es heißt, sie ist ganz aus Gold.

29. Die Hauptstadt Brahmas ist umgeben von den Städten der acht Beherrscher der Welten. Die acht Städte sind entsprechend den Himmelsrichtungen angeordnet und genauso gestaltet wie die Hauptstadt, aber ihre Größe beträgt nur ein Viertel von ihr.

Freitag, 18. November 2011

4.9. Dhruva kehrt heim aus dem Walde

1. Maitreya sprach: Da die Götter nun von aller Furcht befreit waren, erwiesen sie dem Herrn der großen Schritte (Vishnu) Ehre und kehrten in ihre drei Welten zurück. Auch der Herr mit den tausend Gesichtern (Vishnu) verließ die Stätte und begab sich auf dem Rücken des Vogels Garuda in den Wald Madhuvana, um seinen Diener (Dhruva) zu aufzusuchen.

2. Dieser bemerkte, dass die Manifestation, welche er als Frucht seiner intensiven Yoga-Praxis im Herzens-Lotos geschaut hatte und die leuchtete wie der Blitz, von einem Augenblick zum anderen verschwand. In der selben Gestalt sah er sie statt dessen außerhalb von sich.

3. Als er den Herrn auf sich zukommen sah, wurde der Junge von großer Ehrfurcht erfüllt. Er warf sich in Verehrung vor ihm nieder, und sein Körper lag ausgestreckt auf der Erde wie ein Stück Holz. Ihm war, als ob er ihn mit seinen Augen tränke, mit seinem Munde küsste und mit seinen Armen umarmte.

4. Der Herr, der in den Herzen aller wohnt, merkte, dass Dhruva nicht wusste, wie er ihn mit den rechten Worten preisen sollte. Da berührte er in seiner Gnade die Stirn des Jungen mit der Muschelschale, so dass dieser, mit gefalteten Händen vor ihm stehend, Gebetsworte im Geiste der Veden sprechen konnte.

5. Indem er bedachsam die rechten Worte fand und sie in liebender Hingabe an den Herrn aussprach, ging ihm umfassendes Verstehen des transzendenten All-Selbst auf, in welchem er, Dhruva, fest gegründet war. Sein Ruhm sollte sich weit verbreiten und ein Stern seinen Namen tragen.

6. Dhruva sprach: O Glücklicher, du höchste Person, lass mich dir Ehre erweisen! Du durchdringst mich als die universelle Schöpfermacht und erneuerst durch deine Kraft meine Worte und auch die Lebenskraft meines Körpers mit Händen, Füßen und Gliedern, Ohren, Haut und allem.

7. O Glücklicher, du bist fürwahr Einer. Und doch erschaffst du in deiner grenzenlosen schöpferischen Allmacht, Maya genannt, die materielle Welt mit den Gunas, dem kosmischen Ei und allem anderen. Dann trittst du als das All-Selbst in das Vielfältige, durch die Eigenschaften Entstehende ein und erscheinst wie Feuer im Holz.

8. O Herr, du verliehst dem Schöpfer Brahma, welcher dir hingegeben war, die Gabe, das (zu erschaffende) Universum zu schauen wie jemand, der vom Schlafe erwacht ist. Deine Lotosfüße sind die Zuflucht derer, die Befreiung suchen. Wie könnte ein verständiger Mensch deiner vergessen, o Freund der Notleidenden?

9. Du bist der Wunschbaum, der Befreiung von Geburt und Tod gewähren kann. Jene haben fürwahr durch deine Maya den Verstand verloren, die dich um anderer Ziele willen verehren und Sinnengenuss für diesen todgeweihten Körper wünschen. Sinnliche Vergnügungen sind auch in der Hölle zu finden.

10. O Herr, die Glückseligkeit, welche der sterbliche Mensch gewinnt, indem er über deine Lotosfüße meditiert oder deine Verehrer von dir erzählen hört, ist wirklich. Im unpersönlichen Brahman gibt es keine Glückseligkeit und erst recht nicht in persönlicher Größe. Was anders geschieht jenen, die in Flugkörpern die himmlischen Welten umrunden, als dass sie am Ende vom Tode getroffen dort herunterfallen?

11. O Grenzenloser, bitte lass mich immerdar dir in Liebe dienen in Gemeinschaft mit deinen großen Verehrern, welche reinen Herzens sind! So werde ich mit Leichtigkeit den schrecklichen, höchst gefahrvollen Ozean der materiellen Existenz durchqueren können, denn ich bin süchtig nach dem Nektar der Erzählungen über dich.

12. O Herr, wer Gemeinschaft pflegt mit Menschen, welche dich, den Herrn des Lotos-Nabels, und den Duft deiner Lotos-Füße im Herzen tragen, der vergisst, was anderen so sehr teuer ist: den sterblichen Leib und alles, was mit ihm zu tun hat wie Frau, Söhne, Freunde, Haus und Reichtum.

13. O Ungeborener, ich wusste, dass die verschiedenen Wesen wie Säugetiere, Bäume, Vögel, Reptilien, Götter, Dämonen und Menschen, seien sie im manifesten oder im nicht manifesten Zustand, aus dem kosmischen Ei hervorgehen und sich im Universum verbreiten kraft deiner schöpferischen Energie durch verschiedene Ursachen. Deine transzendente Gestalt, o Höchster, kannte ich aber noch nicht. Nun, da ich sie erblicke, kommt alles Verstandeswissen an ein Ende.

14. Du bist die höchste Person, welche am Ende der Zeiten das ganze Universum zurücknimmt ihn ihren Leib und sich, in Betrachtung ihrer selbst versunken, zur Ruhe legt im Schoße der Urschlange. Aus dem Ozean ihres Nabels entsprießt dann von neuem aus einem goldenen Samen der Lotos, in dessen Blüte Brahma, der Schöpfer, thront. Dir, dem Glücklichen, erweise ich Ehre.

15. O Glücklicher, du bist das All-Selbst, auf ewig frei, rein und wissend, die wandellose ursprüngliche Person, der Herr der drei Gunas. Du bist der ständige Zeuge, unter dessen Blick sich alle Aktivitäten der Intelligenz abspielen. Du bist der Erhalter des Universums und der Genießer aller Opfer und wirst doch davon nicht berührt.

16. In dir sind die Polaritäten gleichermaßen manifestiert, wie zum Beispiel Wissen und Unwissenheit, und von dir gehen beständig die verschiedenen Energien aus, welche das Universum schaffen. Du bist das eine, grenzenlose Brahman und zugleich die ursprüngliche, ganz und gar selige, wandellose Person. Dir erweise ich meine Verehrung.

17. O Herr, deine Lotosfüße sind der einzig wahre Segen. So bist du für deine Verehrer das höchste Gut in Person. Du erhältst auch die Hilflosen, o Herr, und daher eilst du mir mit deiner Gnade zur Hilfe, o Glücklicher, wie eine Kuh ihrem Kalb.

18. Maitreya sprach: Da der Glückliche auf diese Weise in reiner Absicht und vollkommener Erkenntnis gepriesen worden war, schaute er liebevoll auf seinen Verehrer (Dhruva) und lobte ihn mit den folgenden Worten:

19. O Königssohn, du hast ein glückbringendes Gelübde abgelegt. Ich kenne die Entschlossenheit deines Herzens und gewähre dir das Gut, welches du begehrst, obgleich es sehr schwer zu erlangen ist.

20. –21. Mein lieber Junge, du sollst einen Platz einnehmen, welchen niemand vor dir inne hatte. Du wirst einen Stern regieren mit Namen Dhruva, welcher strahlend leuchtet. Er ist der zentrale Pol, um den die Planeten, Sternbilder, Sonnen und alle Himmelskörper kreisen, wie Bullen (zum Korndreschen) an einen Pfahl gebunden im Kreise laufen. Der Polarstern ist unbeweglich und überdauert die Auflösung am Ende dieses Weltalters. Auch die Planeten, welche von den Weisen in den Wäldern wie Dharma, Agni, Kasyapa und Sukra regiert werden, umrunden deinen Stern in rechter Richtung zusammen mit allen anderen Sternen.

22. Wenn dein Vater sich in den Wald zurückzieht, wird er dir die Herrschaft übergeben und du wirst die Welt 36.000 Jahre lang regieren als Beschützer der Rechtschaffenheit, ohne dass deine Sinneskräfte nachlassen.

23. Dein Bruder Uttama wird auf der Jagd zu Tode kommen, und seine Mutter wird, von Sinnen vor Schmerz, in den Wald laufen, um ihn zu suchen. Dort wird sie in einen Waldbrand geraten.

24. Du wirst mich, das Herz aller Opfer, durch viele Opfer verehren und sehr große Mildtätigkeit üben. So wirst du in deinem Leben wahre Segnungen genießen und im Tode dich meiner erinnern.

25. Danach wirst du in meine Wohnstätte gelangen, die in allen Welten verehrt wird und die sogar höher ist als die Welt der Weisen. Von dort wirst du nie mehr zurückkehren.

26. Maitreya sprach: Als der Glückliche dem Knaben seine eigene Wohnstätte verheißen hatte, lobte und verehrte dieser ihn. Dann kehrte er vor den Augen Dhruvas auf dem Vogel Garuda in sein Reich zurück.

27. Auch Dhruva kehrte nach Hause zurück. Obgleich er durch die Verehrung der Lotosfüße Vishnus sein Ziel erreicht hatte, Erfüllung seiner irdischen Wünsche und Befreiung, war er nicht recht zufrieden.

28. Vidura fragte: Warum fühlte sich Dhruva in seinem Inneren nicht erfüllt, obgleich er doch sehr weise war und durch die Verehrung der Lotosfüße des Herrn ihm gefallen und in einem einzigen Leben die höchste überhaupt mögliche Stellung erlangt hatte?

29. Maitreya antwortete: Dhruvas Herz war von den Pfeilen der harten Worte seiner Stiefmutter durchbohrt worden, und er hatte dieses nicht vergessen, als er die Füße des Herrn der Befreiung verehrte. Er hatte nicht Befreiung gesucht, und darum überkam ihn jetzt Reue.

30. Drhuva sprach zu sich selbst: Selbst die vier Kumaras, welche sehr weise waren und in vollkommener Enthaltsamkeit lebten, erlangten das höchste Ziel nicht in einem einzigen Leben. Ich jedoch erreichte die Zuflucht der Lotosfüße des Herrn in nur sechs Monaten. Dann aber fiel ich wieder hinaus, da mein Geist auf etwas anderes gerichtet war.

31. O Weh! Ich Unglücklicher! Was habe ich versäumt! Ich durfte den Lotosfüßen des Herrn begegnen, der von der materiellen Gebundenheit befreit, und ich bat um Vergängliches!

32. Meine Intelligenz war getrübt durch den Neid der Götter, die nicht für immer in ihrer Himmelswelt bleiben können, und so konnte ich die Wahrheit der Worte Naradas nicht einsehen, ich elender Tor.

33. Ich Träumender suchte Zuflucht bei der göttlichen Illusion. Die Klage in meinem Herzen kam aus der Täuschung der Getrenntheit: ich klagte, weil ich meinen Bruder für meinen Feind hielt, obgleich das eine unwissende Anschauung ist.

34. Nachdem ich dann durch Askese die Gnade des All-Selbst, des Herrn, der von der materiellen Gebundenheit befreit, erlangt hatte, was äußerst schwer zu erreichen ist, bat ich Unglücklicher um Materielles. Das ist so nutzlos als ob man einen Toten heilen wollte.

35. O Weh! In meiner Torheit und geringen Frömmigkeit bat ich den Geber aller Gaben, als er mir das Seine anbot, um das, was ich selber im Sinne hatte. Das ist wie wenn ein armer Mann einen großen Herrscher um etwas Spreu vom Reis bäte.

36. Maitreya sprach: Mein lieber Vidura, Menschen wie du, die sich sehnen nach dem Staube von den Lotosfüßen des Herrn der Befreiung, wünschen sicherlich niemals etwas anderes, als ihm zu dienen ohne Eigennutz. Mit dem, was von selbst daraus entspringt, fühlen sie sich reich beschenkt.

37. Als König Uttanapada hörte, dass sein Sohn zurückkehrte, kam es ihm vor wie eine Rückkehr vom Tode. Er konnte gar nicht glauben, das ihm, dem Unglücklichen, ein solches Glück widerfuhr.

38. Da er aber den Worten Naradas vertraute, war er überwältigt von Glück und beschenkte in seiner Freude den Überbringer der Nachricht mit einer sehr wertvollen Perlenkette.

39.-40. Er bestieg seine goldverzierte, von den besten Pferden gezogene Kutsche und eilte in Begleitung von Brahmanen und den Ältesten der Familie und umgeben von Ministern, Freunden und Verwandten bei den Klängen von Muschelhörnern, Kesselpauken, Flöten und vedischen Gesängen seinem Sohn entgegen, voller Begierde ihn wiederzusehen.

41. Suniti und Suruci, die beiden Gemahlinnen des Königs, bestiegen zusammen mit Uttama (seinem anderen Sohn) eine goldverzierte Sänfte und schlossen sich dem Zug an.

42.-43. Als der König Dhruva erblickte, wie er aus einem nahe gelegenen Wäldchen heraustrat und auf ihn zu kam, sprang er sofort aus der Kutsche, eilte auf den Sohn zu, um den er sich so lange gesorgt hatte, und umarmte ihn schwer atmend, überwältigt von Liebe. Die Berührung mit den Lotosfüßen des Herrn hatte dessen endlose Gebundenheit an die Sündhaftigkeit zerstört.

44. Nun war der sehnliche Wunsch des Königs erfüllt. Er sog immer wieder den Duft vom Haupte seines Sohnes ein und benetzte es mit dem kühlen Wasser seiner Augen (Freudentränen gelten als kühl, Schmerzenstränen als heiß).

45. Dann warf sich Dhruva, der Erste unter den Edlen, respektvoll seinem Vater zu Füßen und nahm seine Segensworte entgegen. Er neigte sein Haupt auch vor seinen beiden Müttern.

46. Suruci (seine Stiefmutter) nahm ihn auf, als er sich zu ihren Füßen neigte, umarmte den Jungen und sprach mit tränen-erstickter Stimme zu ihm: Mögest du lange leben!

47. Einer, der durch seine Eigenschaften die Gunst des Glücklichen erlangt hat, wird von allen lebenden Wesen verehrt und mit Freundlichkeit und Liebe behandelt, so wie Wasser von selbst abwärts fließt.

48. Auch Uttama und Dhruva umarmten einander überwältigt von Zärtlichkeit. Ihre Haare stellten sich auf, und sie benetzten einander immer wieder mit Strömen von Tränen.

49. Als Suniti (Dhruvas leibliche Mutter) ihren Sohn in die Arme schloss, den sie noch mehr liebte als ihr eigenes Leben, und seinen Körper spürte, ließ sie all ihren Kummer gehen und war in Frieden.

50. Heldenhafter Vidura, die Milch von den Brüsten Sunitis, welche einen Helden geboren hatte, begann stetig zu fließen zusammen mit ihren Tränen, und Dhruva wurde ganz und gar davon benetzt. Dieses war ein glückverheißendes Zeichen (Götter werden bei ihrer Einsetzung mit Milch, Joghurt und Wasser gewaschen).

51. Die Leute priesen Königin Suniti: welch ein Glück, dass dein lange verloren geglaubter Sohn nun zurückgekehrt ist! Er wird der Beschützer des Erdenrunds sein und deinen Kummer beenden.

52. Du musst fürwahr den Glücklichen verehrt haben, der die ihm Hingegebenen aus allem Elend befreit. Wer standhaft immerzu über ihn meditiert, der überwindet den Tod, was äußerst schwer zu erreichen ist.

53. Nach diesen Lobpreisungen durch das Volk hob der König Dhruva und seinen Bruder auf den Rücken einer Elefantenkuh, und unter Jubelrufen und Ruhmesbezeigungen kehrten sie in die Hauptstadt zurück.

54. Die Stadt war festlich dekoriert mit glänzenden Toren, welche in der Form von Haifischen gestaltet waren, und mit Säulengängen aus Bananenstauden mit Blüten- und Fruchtständen, jungen Betel-Nuss-Bäumen und Ähnlichem.

55. Jedes Tor war geschmückt mit Mango-Blättern, Tüchern, Blumengirlanden und Perlenschnüren, und überall gab es Wasserschalen und brennende Leuchten.

56. Die Stadtmauern mit ihren Toren und die Paläste waren über und über mit Gold schön verziert , und ihre Kuppeln glitzerten wie die Flugkörper der Himmelsbewohner.

57. Die Plätze, Straßen, Gassen und Sitzbänke waren gründlich gereinigt und mit Sandelholz-Wasser besprengt. Überall waren reichlich glückbringende Opfergaben ausgelegt wie Reis, Gerste, Blumen, Früchte und Betelnüsse.

58.-59. Als die Frauen in der Hauptstadt Dhruva auf dem Wege erblickten, ließen sie vielerorts mit liebevollen Segensworten weißen Senfsamen, Gerste, Joghurt, Wasser, junges Gras, Blüten und Früchte auf ihn herab regnen. Begleitet von den lieblichen Gesängen der guten Frauen betrat er den Palast seines Vaters.

60. Dhruva lebte dann in diesem herrlichen Palast, welcher reich geschmückt war mit den kostbarsten Edelsteinen, als der Liebling seines Vaters. Es erging ihm wie den Göttern im Himmel.

61. Dort gab es sehr kostbare goldene Sitzmöbel, und die Betten waren aus goldverziertem Elfenbein mit Kissen wie Milchschaum.

62. Die Wände des Palastes waren aus Marmor mit eingelegten kostbaren Smaragden. Die Beleuchtung kam von Lampen aus Edelstein, getragen von weiblichen Figuren aus Juwelen.

63. Auch die Gärten waren sehr schön. Dort wuchsen Bäume aus den himmlischen Gefilden, in welchen Paare von Vögeln sangen und Hummeln wie trunken umher summten.

64. Smaragdene Treppen führten zu Seen voller weißer und blauer Lotosblumen und Lilien, bewohnt von Schwänen, Enten, Gänsen und Kranichen.

65. Der weise König Uttanapada war äußerst erfreut, zu sehen und zu hören, welch eine wunderbare Ausstrahlung sein Sohn hatte, und es war für ihn im höchsten Maße erstaunlich.

66. Als Dhruva die Volljährigkeit erreicht hatte und der König sah, wie das Volk ihn liebte und auch die Minister ihn billigten, setzte er ihn als Herrscher der Erde ein.

67. Da er selber fortgeschrittenen Alters war, hielt König Uttanapada es für richtig, sich in den Wald zurückzuziehen und in der Einsamkeit über den Pfad zum Selbst nachzusinnen.

4.8. Dhruva zieht sich in den Wald zurück

6. O Bester unter den Kurus, als nächstes werde ich dir von der Dynastie des Manu Svayambhuva erzählen, der selber aus einer Ausdehnung des höchsten Herrn geboren wurde (Svayambhuva und seine Gattin Satarupa sind Ausprägungen Brahmas. - 3.12.52ff) und dessen Familie für ihre Tugend gepriesen wird.

7. Satarupa gebar ihrem Gatten zwei Söhne, Priyavrata und Uttanapada. Als Ausdehnungen des Höchsten beschützten und erhielten sie die Welt.

8. Uttanapada hatte zwei Gattinnen, Suniti und Suruci. Suruci war ihm sehr lieb und teuer, nicht so Suniti, mit welcher er einen Sohn hatte namens Dhruva.

9. Einmal nahm der König den Sohn Surucis, Uttama, auf den Schoß und liebkoste ihn. Da wollte Dhruva auch auf seinem Schoß sitzen, aber der König ließ es nicht zu.

10. Als Suruci, welche sehr stolz (auf ihre Bevorzugung) war, beobachtete, wie Dhruva, der Sohn der anderen Gattin, auf den Schoß des Vater klettern wollte, sprach sie ihn gehässig an, so dass der König es hören konnte:

11. Liebes Kind, du verdienst es nicht auf dem Platz des Königs zu sitzen. Du bist zwar ein Sohn des Königs, aber du bist nicht aus meinem Schoß geboren.

12. O Kind, da du nicht von mir geboren bist, sondern aus dem Schoß einer anderen Frau, sollst du wissen, dass die Sache, die du dir wünschst, für dich unerreichbar ist.

13. Wenn du dich auf den Thron des Königs zu setzen begehrst, musst du den höchsten Herrn durch Askese zufrieden stellen und dann durch seine Gnade aus meinem Schoß geboren werden.

14. Maitreya sprach: Von den harten Worten seiner Stiefmutter durchbohrt, atmete Dhruva heftig vor Ärger wie eine Schlange, die mit einem Stock geschlagen wird. Da sein Vater die Sache in Schweigen überging, gab der Junge auf und lief weinend zu seiner Mutter.

15. Als Suniti ihren Sohn keuchend und mit zitternden Lippen kommen sah, hob sie ihn auf ihren Schoß. Aus dem Munde der anderen Höflinge vernahm sie alle Einzelheiten, und sie wurde von Schmerz erfüllt über die Worte Surucis.

16. Sie verlor die Geduld und wurde vom Feuer des Schmerzes ergriffen wie ein Blatt von einem Waldbrand. Sie klagte laut, wenn sie sich der Worte erinnerte, welche die andere Gattin des Königs zu ihrem Sohn gesprochen hatte, und ihr lotosgleiches Antlitz füllte sich mit Tränen.

17. Auch sie atmete schwer und wusste nicht, wie sie die Wirkung der bösen Worte eindämmen konnte. Sie sprach zu ihrem Sohn: Mein Kind, wünsche anderen kein Unglück. Wer anderen Schmerz zufügt, erleidet ihn selber.

18. Suruci hat dir die Wahrheit erzählt: du bist von einer Unglücklichen geboren, genährt und groß gezogen worden, denn der König schämt sich, dass er eine wie mich zur Gattin genommen hat.

19. Mein lieber Sohn, alles was deine Stiefmutter gesagt hat, ist wahr. Wenn du zusammen mit (deinem Stiefbruder) Uttama auf dem Thron sitzen willst, befolge ihre Worte ohne Neid und beginne die Lotosfüße des höchsten Herrn zu verehren.

20. Der Ungeborene (Brahma) selbst hat die Fähigkeit, das Universum zu erschaffen, durch Dienst an den Lotosfüßen des Herrn erhalten und verdankt seine höchste Stellung zweifellos ihm, der verehrt wird durch Beherrschung des Gemüts und Kontrolle des Lebensatems.

21. In ähnlicher Weise hat dein Großvater, der glückliche Manu (Svayambhuva), durch unablässige Verehrung des Höchsten, Opfer und große Mildtätigkeit irdisches Glück und später himmlische Befreiung erlangt, welche auf andere Weise nur sehr schwer zu erreichen sind.

22. Mein lieber Junge, nimm auch du Zuflucht beim Höchsten, der voller Liebe für seine Verehrer ist. Wer Befreiung sucht, folgt dem Pfade seiner Lotosfüße. Unbeirrt durch die materielle Welt erfüllt er seine eigenen Pflichten, indem er den Herrn im Herzen hält und ihm dient.

23. Darum finde ich niemand anders, der dein Leiden beenden könnte, mein lieber Sohn, als den Herrn mit den Lotos-Augen. Selbst die Göttin des Glücks, welche von den anderen Göttern verehrt wird, dient ihm mit einer Lotosblüte in der Hand.

24. Maitreya sprach: Nach diesem Gespräch, in dem Dhruva den guten Rat seiner Mutter vernommen hatte, verließ er das Haus seines Vaters mit einem Gemüt voller Selbstbeherrschung.

25. Als Narada von dem Vorfall und hörte und Dhruvas Absicht erkannte, war er verwundert. Er legte seine Hand, welche alle Sünden hinwegnehmen kann, auf das Haupt des Kindes und sprach zu sich selbst:

26. O, welche Leidenschaftlichkeit der Ksatriyas! Eine Kränkung ihrer Ehre ertragen sie nicht. Obgleich er noch ein Kind ist, nimmt er sich die bösen Worte seiner Stiefmutter so sehr zu Herzen!

27. Dann sprach Narada zu Dhruva: Lieber Junge, bei Kindern in deinem Alter sehe ich üblicher Weise nur Interesse an Spiel und Sport. Wie kommt es, dass du jetzt durch diese Beleidigung so sehr in deiner Ehre gekränkt bist?

28. Obgleich es in dieser Welt Unterschiede gibt, sind diese kein Grund zur Unzufriedenheit. Diese kommt nur durch die Illusion der Getrenntheit und durch die eigenen Taten der Menschen.

29. Daher sollte ein intelligenter Mensch zufrieden sein mit dem, was das Schicksal ihm beschert, und es als seinen persönlichen Weg zum höchsten Herrn betrachten.

30. Der Yoga, den deine Mutter dich gelehrt hat und durch welchen du dich erheben möchtest, um den Segen des Herrn zu erlangen, ist meiner Ansicht nach sicherlich für die Menschen sehr schwer auszuführen.

31. Große Weise, die durch viele Leben hindurch auf dem Pfade der Entsagung in strenger Askese und Versenkung die Gnade des Herrn gesucht haben, verstanden diesen Weg nicht.

32. Darum gib diesen Entschluss auf, denn er ist zwecklos. Wenn du erwachsen bist, magst du es versuchen, vielleicht kommt einmal der rechte Zeitpunkt, welcher günstig für dein Vorhaben ist.

33. Wer in der körperlichen Existenz zufrieden ist mit dem Glück oder Leid, welches das Schicksal für ihn vorgesehen hat, der gelangt über das Dunkel der Unwissenheit hinaus.

34. Wer auf einen Überlegenen trifft, sollte Freude empfinden. Wer auf einen Unterlegenen trifft, sollte Mitgefühl empfinden. Wer auf einen Gleichen trifft, sollte mit ihm Freundschaft schließen. Wer so handelt, wird nicht von Kummer befallen.

35. Dhruva sprach: O glücklicher Narada, was du mir in deiner Gnade gesagt hast über den Gleichmut ist sehr schwer zu verstehen für Menschen wie mich, die durch Freude und Leid betroffen sind.

36. Der Ksatriya ist nicht demütig und mir ist eine unerträgliche Kränkung widerfahren. Die harten Worte Surucis haben mich wie Pfeile durchbohrt, deshalb kann ich deine Worte nicht beherzigen.

37. O Brahmane, ich strebe die höchste Stellung in den drei Welten an, wie sie nicht einmal mein Vater und Großvater inne hatten. Bitte sage mir, wie ich auf einem guten Wege zu diesem Ziel gelangen kann.

38. O glücklicher Herr, der du aus Brahma geboren bist, wie die Sonne reist du durch die Welten, die Vina spielend, zum Wohle aller.

39. Maitreya sprach: Als der glückliche Narada die Worte Dhruvas vernommen hatte, war er erfreut. Er antwortete dem Jungen und gab ihm voller Mitgefühl diesen guten Rat:

40. Der Pfad, welchen deine Mutter dir gewiesen hat, ist wahrlich das geeignete Lebensziel für dich: den Glücklichen, den höchsten Herrn, zu verehren und ganz und gar darin aufzugehen.

41. Wer die Lebensziele zu erreichen wünscht, welche als „dharma-artha-kama-moksha“ (Rechtschaffenheit, Wohlstand, Sinnengenuss, Befreiung) bekannt sind, der sollte einzig und allein die Lotosfüße des Herrn verehren als die Ursache dieser Güter.

42. Lieber Junge, gehe zum Ufer des Flusses Yamuna und reinige dich. Dort ist ein heiliger Wald mit Namen Madhuvana, in welchem der Herr immer gegenwärtig ist.

43. Nimm morgens, mittags und abends ein Bad im glückbringenden Wasser des Flusses Yamuna und bereite dir einen Platz am Ufer. Dort sitze in einer geeigneten Haltung.

44. Mit Hilfe der drei bekannten Arten des Pranayama (Beherrschung des Lebensatems) löse allmählich die Unreinheiten in Lebensatem, Sinnen und Gemüt auf und richte deinen Geist auf den Meister aller Meister.

45. Seine immerwährende Gnade spiegelt sich in seinem Antlitz mit dem lächelnden Mund, den gütigen Augen, der edlen Nase und den fein geschwungenen Brauen und der hohen Stirn. Er ist schöner als alle Götter.

46. Seine Gestalt ist von liebenswerter Jugendlichkeit mit Lippen und Augen wie die Morgensonne. Er gewährt den ihm Hingegebenen Zuflucht und erfüllt sie mit übernatürlicher Freude. Sein schützendes Erbarmen ist weit wie der Ozean.

47. Die manifestierte höchste Person ist von tiefblauer Hautfarbe und geschmückt mit einer Blumengirlande. Sie trägt auf der Brust das Zeichen des Glücks. In ihren vier Händen hält sie die Muschelschale, den Diskus, die Keule und die Lotosblüte.

48. Sie ist geschmückt mit einem Helm, Ohrringen und Armreifen und trägt eine Halskette mit dem Kaustubha-Juwel. Ihr Gewand ist aus gelber Seide.

49. Sie trägt einen verzierten Gürtel um die Taille und goldglänzende Fußreifen. Ihre Gesichtszüge sind von äußerster Schönheit und in ihrer friedvollen Ruhe eine überaus große Freude für Augen und Geist.

50. Die höchste Person steht im Zentrum des Herz-Lotos jener, die ihre leuchtenden Lotosfüße verehren, mit Zehennägel glänzend wie Perlen.

51. Meditiere in dieser Weise regelmäßig mit ungeteilter Aufmerksamkeit über ihn, den höchsten Spender alles Guten, wie er dich mit liebevollem Lächeln anschaut.

52. Wer so über die Gestalt des Glücklichen meditiert, die Quelle allen Segens, dessen Geist wird sehr bald von transzendenter Seligkeit erfüllt, welche nie vergeht.

53. O Sohn des Königs, höre nun von mir ein höchst geheimes Mantra. Wer dieses sieben Nächte lang singt, wird befähigt die himmlischen Wesen in den Lüften fliegen zu sehen.

54. Om namo bhagavate vasudevaya.

(OM. Ich verehre Glücklichen, den Sohn Vasudevas.)

Mit diesem Mantra sollte der Herr von den Wissenden in seiner persönlichen Erscheinung verehrt werden mit Zeremonien und Beigaben, wie sie zu der jeweiligen Zeit und am jeweiligen Ort vorgeschrieben sind.

55. Geeignete Opfergaben sind reines Wasser, Girlanden aus Waldblumen,Wurzeln, Früchte und Ähnliches, frisches Gras, Knospen, Baumrinde und vor allem Tulasi-Blätter, welche dem Herrn besonders lieb sind.

56. Stelle ein materielles Abbild der Gottheit aus Erde, Wasser oder anderen Materialien her und verehre es. Verhalte dich wie ein Weiser: übe Selbstbeherrschung, Frieden des Geistes und Kontrolle der Rede. Ernähre dich kärglich von dem, was der Wald bietet.

57. Meditiere über den Herrn, der allen Lobes würdig ist, den Gewinner aller Herzen, wie er in seinen Inkarnationen aus seiner eigenen Bilder schaffenden Kraft und aus seinem eigenen Willen unbegreifliche Taten vollbringt.

58. Diene dem Glücklichen in der Weise, wie ich es dir dargelegt habe und wie andere es vor dir getan haben. Verehre ihn im Herzen mit dem Mantra, denn dieses Mantra ist seine eigene Gestalt.

59.-60. Wer den Glücklichen in Liebe verehrt mit Körper und Geist, mit Worten und Gedanken gemäß den Prinzipien des Bhakti-Yoga, aufrichtig und mit voller Hingabe, dem wird der Geber aller Gaben gewähren, was er wünscht: die geistige Erfüllung sowie auch die irdischen Güter Rechtschaffenheit, Wohlstand, Sinnenfreude und Befreiung.

61. Um völlige Befreiung zu erlangen, ist es allerdings erforderlich, dem Höchsten in gänzlicher Entsagung von allem Sinnengenuss in liebender Hingabe zu dienen, unablässig vierundzwanzig Stunden am Tag.

62. Als der Sohn des Königs diese Worte Naradas vernommen hatte, umrundete er ihn in Verehrung. Dann begab er sich zum Walde Madhuvana, welcher durch die Fußspuren des Herrn geheiligt ist.

63. Nach dem Abschied Dhruvas und seinem Rückzug zur Askese im Walde suchte der Weise Narada den König in seinem privaten Hause auf. Dieser verehrte ihn mit großem Respekt und bot ihm einen angenehmen Sitz an.

64. Narada sprach: O König, was lässt dich so ausweglos grübeln? Dein Gesicht sieht ganz eingefallen aus. Bist du vom Wege der Sinnenfreude, der Rechtschaffenheit und des Wohlstandes abgekommen?

65. Der König antwortete: O Brahmane, meinen Sohn, der erst ein Kind von fünf Jahren ist, habe ich zusammen mit seiner Mutter herzlos und ohne Erbarmen fortgehen lassen aus Anhänglichkeit an meine Lieblingsfrau, und dabei ist er ein großer Weiser.

66. Nun, o Brahmane, ist er sicherlich ohne Schutz im Walde und liegt dort erschöpft und hungrig, sein lotosgleiches Gesicht ganz ausgemergelt. Womöglich haben die Wölfe den hilflosen Jungen schon gefressen.

67. O Weh! Wie grausam war ich in meiner Verfallenheit an die Frau! Sieh nur meine Verständnislosigkeit und Hartherzigkeit: Als mein Sohn aus Liebe auf meinen Schoß klettern wollte, wies ich ihn ab.

68. Narada sprach: Nicht doch, sorge dich nicht um deinen Sohn, er steht unter Gottes Schutz. O König, weißt du nicht, dass die Macht des Herrn und sein Ruhm so weit reichen wie die ganze Erde?

69. Dein Sohn ist ein wahrer Meister. Nachdem er vollbracht hat, was selbst großen Herrschern unmöglich ist, wird er alsbald zurückkehren. Er wird deinen Ruhm um Vieles vermehren, o König.

70. Maitreya sprach: Als der König die Worte Naradas vernommen hatte, vergaß er das Glück seines Königtums und dachte nur noch an seinen Sohn.

71. Inzwischen war Dhruva am Flusse Yamuna angekommen. Dort nahm er ein Bad und fastete die Nacht hindurch mit zurückgenommenen Sinnen. Dann begann er die höchste Person zu verehren mit voller Hingabe, wie der Weise Narada ihm geraten hatte.

72. Ein Monat verging in Verehrung des Herrn. Dhruva aß jeden dritten Morgen Früchte und Beeren, gerade so viele, um seinen Körper zu erhalten.

73. Im zweiten Monat, welchen er in Verehrung des höchsten Herrn verbrachte, nahm der Junge als Nahrung nur alle sechs Tage trockene Gräser, Blätter und Ähnliches zu sich.

74. Der dritte Monat verging in tiefer Versenkung zu Ehren des Herrn, welcher in den schönsten Versen gepriesen wird. Dhruva trank nur an jedem neunten Tage etwas Wasser.

75. Im vierten Monat seiner Meditation zur Verehrung des Höchsten übte der Junge die Beherrschung des Atems und nahm nur an jedem zwölften Tage einen Atemzug.

76. Als der fünfte Monat kam, meditierte der Königssohn über das absolute Brahman. Er beherrschte den Atem vollkommen und stand auf einem Bein, bewegungslos wie eine Säule.

77. Er nahm das Gemüt, den Schauplatz der Sinne und ihrer Objekte, ganz und gar zurück ins Herz und meditierte über die Gestalt des Glücklichen, ohne etwas anders wahrzunehmen.

78. Da Dhruva die höchste Person, den Herrn aller lebenden Wesen und Ursprung der Schöpfung, das absolute Brahman, im Herzen umfasst hatte, erzitterten die drei Welten.

79. Im Stehen auf einem Bein drückte er, das Kind des Königs, mit seiner großen Zehe die halbe Erde ein, so wie ein Elefantenkönig ein Schiff (auf dem er transportiert wird) durch seine Schritte sich nach rechts und links neigen lässt.

80. Durch seine totale Konzentration schlossen sich die Öffnungen des Lebensatems im ganzen Universum in vollkommener Meditation. Der Atem der Welten stockte, und das Leben in ihnen drohte zu ersticken. Da suchten die Herrscher der Welten Zuflucht beim Herrn.

81. Die Götter sprachen: O Glücklicher, wir verstehen nicht, wieso dem Universum der Atem stockt. In dir leben alle Wesen, die bewegten und die unbewegten. Daher kommen wir zu dir, suchen Zuflucht und bitten dich: Befreie uns von der drohenden Gefahr! Du bist der Höchste, der uns Schutz gewähren kann.

82. Der Glückliche antwortete: Seid ohne Furcht! Das Ersticken des Lebensatems kommt von der radikalen Askese (Dhruvas) des Sohnes Uttanapadas. Er hat sich mit mir (der kosmischen Person) vereinigt. Ich werde ihn bitten damit aufzuhören. Ihr könnt nach Hause zurückkehren.

Donnerstag, 10. November 2011

3.33. Die Entsagung Devahutis

1. Maitreya sprach: Als Devahuti, die Mutter Kapilas und geliebte Gattin Kardamas, die Worte ihres Sohnes vernommen hatte, wurde sie von der Welt-Illusion befreit. Sie verneigte sich vor ihm, der ihr die Wahrheit über die Befreiung und deren Grundlagen verkündet hatte, und sprach die folgenden Gebetsworte.

2. Devahuti sagte: Brahma selbst, der Ungeborene, der auf der Lotosblüte erschien, welche deinem Nabel entspross, als du in den Wassern der kosmischen Auflösung lagst, meditierte über dich. Du du bist die Quelle der Gunas und der Same alles Manifestierten, und die Elemente, Sinne, Sinnesobjekte und das Gemüt sind dein Körper.

3. Wenngleich du ohne Tätigkeit und immer gleich bist, war es dein Entschluss, als die kosmische Person durch das Wirken der Gunas deine Kraft aufzuteilen in Erschaffung, Erhaltung und Auflösung. Du bist der Herr aller lebenden Wesen mit einer unvorstellbaren Vielfalt schöpferischer Energien.

4. O Herr, wie konnte es geschehen, dass du aus meinem Leibe geboren wurdest, der du in deinem Leibe das ganze Universum trägst und der du dich am Ende eines Weltalters allein auf dem Blatt eines Banyan-Baumes niederlegst wie ein Säugling, welcher an seinem Zehen lutscht?

5. Großer Herr, du hast diesen Körper angenommen, um uns von der Sündhaftigkeit zu befreien und die rechte Verehrung zu lehren und zu verbreiten. Wie in deiner Inkarnation als Eber und den anderen bist du auch jetzt hier, um den Pfad der Selbstverwirklichung zu offenbaren.

6. Wenn jemand auch nur irgendwann deinen Namen hört oder singt, dir Verehrung erweist oder an dich denkt, und sei er auch ein Hundefleisch-Esser, so wird er auf der Stelle befähigt vedische Opfer darzubringen. Was bedeutet es dann erst, dich von Angesicht zu sehen, du Glücklicher!

7. O wie großartig, dass selbst ein Hundefleisch-Esser, welcher deinen Namen auf der Zuge trägt, verehrungswürdig ist. Wenn er deinen Namen singt, ist er genauso verehrungswürdig wie ein zivilisierter Mensch, der Askese übt, Feueropfer darbringt, in heiligen Flüssen badet und die Veden studiert.

8. Ich verneige mich vor dir, dem absoluten Brahman, der göttlichen Person. Wer mit nach innen gerichtetem Geist über dich meditiert, der erlangt Befreiung von den Gunas. Du bist Vishnu, das Gefäß der Veden (in dem das Wissen über die Perioden der kosmischen Auflösung gerettet wird), in der Person des Kapila.

9. Maitreya sprach: Mit diesen Worten pries Devahuti den Glücklichen, die höchste Person in der Gestalt des Kapila. Dieser antwortete ihr voller Ernst und zugleich mit kindlicher Zuneigung.

10. Kapila sprach: O Mutter, der Weg, den ich dich gelehrt habe, ist für dich sehr leicht. Wenn du ihn gehst, wirst du mit Leichtigkeit das höchste Ziel erreichen.

11. Glaube mir, wenn du meiner Anweisung folgst, wie es auch die Kenner der Veden tun, wirst du frei von Furcht zu mir gelangen, während jene, die ohne Verständnis dafür sind, im (Kreislauf von Geburt und) Tod gefangen bleiben.

12. Maitreya sprach: Nachdem der Glückliche in der Gestalt Kapilas, des Verkünders des vedischen Wissens, seine verehrungswürdige Mutter in dieser Weise über den Weg zum Selbst belehrt hatte, bat er sie, Abschied nehmen zu dürfen.

13. Devahuti übte den Yoga in der Weise, wie ihr Sohn ihn ihr dargelegt hatte. Sie saß in Versenkung in der Einsiedelei (Kardamas), welche die Blumenkrone des Sarasvati-Flusses genannt wird.

14. In diesem badete sie immer wieder. Durch die harte Entsagung wurde ihr Körper mager, ihr gelocktes Haar grau und verfilzt, und ihre Kleider waren nur noch Lumpen.

15. Der Urvater Kardama hatte durch seine in Entsagung gewonnene Yoga-Kraft ein unvergleichliches Wohnhaus manifestiert, das selbst den Himmelsbewohnern begehrenswert erschien.

16. Die Betten dort glichen aufgeschäumter Milch, die Stühle waren aus Elfenbein und hatten goldene Bezüge und es gab weiche, gemütliche Sitzkissen.

17. Die Wände waren mit reinem Marmor verkleidet und geschmückt mit kostbaren Edelsteinen. Zur Beleuchtung gab es Edelstein-Lampen, und die Frauen trugen Juwelen-Schmuck.

18. Im Garten prangten schöne Blumen und Früchte, und die Bäume kamen aus den himmlischen Gefilden. Pärchen von Vögeln sangen dort ihre Lieder und taumelnde Bienen summten umher.

19. Wenn Devahuti sonst den Garten betrat und ein Bad nahm in dem Teich voller duftender Lotosblüten, sangen die Gefährten der Götter für sie. Kardama hatte sehr gut für sie gesorgt.

20. Dieses alles, was selbst den Gemahlinnen des Himmelskönigs Indra höchst begehenswert erscheinen musste, ließ Devahuti hinter sich. Das einzige, was jedoch ihr Antlitz mit Trauer erfüllte, war die Trennung von ihrem Sohn.

21. Ihr Gemahl hatte schon das Haus verlassen und war in den Wald gegangen. Als auch ihr Sohn sie verließ, war sie äußerst bekümmert, wie eine Kuh, die ihr zärtlich geliebtes Kalb verloren hat, wenngleich sie um die Wahrheit wusste.

22. Wie sie so über ihren göttlichen Sohn Kapila, den Herrn, meditierte, wurde ihr prächtiges Haus ihr sehr bald gleichgültig, lieber Vidura.

23. Sie tat, wie ihr Sohn sie gelehrt hatte, und meditierte über die Gestalt des Glücklichen, indem sie die Aufmerksamkeit auf sie im Ganzen, auf ihre Teile und auf ihr lächelndes Antlitz gerichtet hielt.

24.-25. Im Strom des Bhakti-Yoga entstanden in ihr durch äußerste Entsagung und gewissenhafte Befolgung der Regeln das Wissen, die Reinheit und das Gegründetsein in Brahman. Dann zeigte sich in ihrem Geiste die göttliche Person, welche in alle Richtungen schaut, und in der Verwirklichung des Selbst verschwanden die Gunas der Maya und alle Unterscheidungen.

26. Ihr Geist ruhte in Brahman, im Glücklichen, im All-Selbst. Ihre Seele war befreit vom Unglücklichsein, das Leiden verschwand und sie erlangte Glückseligkeit.

27. Sie weilte vertieft im ewigen Jetzt, frei von den Gunas und der Illusion. An ihren Körper erinnerte sie sich nicht mehr, so wie jemand nach dem Erwachen sich nicht mehr daran erinnert, was er im Traum gesehen hat.

28. Ihr Körper wurde von anderen unterhalten (von den himmlischen Mägden, die Kardama manifestiert hatte), und da sie keine Sorgen kannte, magerte sie nicht ab. Inmitten der Unreinheit (des Luxus) leuchtete sie wie ein Feuer, welches von Rauch umgeben ist.

29. Ihr Geist war in der göttlichen Person aufgegangen, und der Herr beschützte sie. Ihr Körper war ganz und gar in die Entsagung des Yoga vertieft. Dabei merkte sie nicht, wie ihr Haar sich löste und ihre Kleidung von ihr abfiel.

30. Indem sie dem Pfade folgte, welchen Kapila ihr gewiesen hatte, erreichte sie alsbald das All-Selbst, die Befreiung in Brahman, im Glücklichen.

31. Werter Vidura, der Ort, an welchem Devahuti die Vollendung erlangte, ist in höchstem Maße geheiligt und wird in den drei Welten Siddhapada genannt.

32. Lieber Vidura, durch die Praxis des Yoga lösten sich die Elemente von Devahutis sterblichem Leib nach dem Tode zu Wasser auf und wurden zu einem Fluss. Er ist hervorragend unter den Flüssen, und wer in ihm badet in dem Wunsch nach Vollendung, dem wird sie geschenkt.

33. Der glückliche Kapila, der große Lehrer des Yoga, verließ die Einsiedelei seines Vaters, nachdem er seine Mutter um Erlaubnis gebeten hatte, und wandte sich nach Nordosten.

34. Die Himmelsbewohner (Siddhas, Caranas, Gandharvas, Apsaras und Weise) sangen sein Lob. Der Ozean erwies ihm Verehrung und bot ihm eine Stätte, an der er sich niederließ (Ganga-Sagara, wo der Ganges in den Ozean mündet, eine noch heute in Erinnerung an Kapila aufgesuchte Pilgerstätte).

35. Dort weilt er in Versenkung, verehrt von den Meistern des Sankhya-Yoga, um der Befreiung der Wesen in den drei Welten willen.

36. Lieber Vidura, du Sündenloser, nun habe ich dir als Antwort auf deine Fragen erzählt von Kapila und Devahuti und dem Gespräch zwischen ihnen. Diese Erzählung reinigt alle, die sie hören.

37. Wer immer diese Erzählung von der Lehre des Weisen Kapila über das Aufgehen im Selbst hört oder wiedergibt, verankert seinen Geist im Glücklichen , welcher das Banner des Vogels Garuda trägt, und wird glücklich zu seinen Lotosfüßen.